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Vertrauen verstehen

1 Apr

Dieser Tag geht mir das Vertrauens-Ding durch den Kopf. Ich habe jetzt schon ein paar Monate gelebt und Erfahrungen gesammelt. Mancher Freund ist eine Eintagsfliege. Und manche bleiben lange. Und manchmal ist auch zwischendurch der Wurm drin.

Wie ich so bin will ich das etwas tiefer verstehen. Im Psycho-Studium habe ich das eine oder andere über Vertrauen gelernt. Dort war die landläufige Meinung, Vertrauen ist offen und risikobereit gegenüber einer anderen Person oder Organisation zu sein. Rückwärtsfallende Manager kommen mir da sofort in den Sinn.

Wie Vertrauen funktioniert zeigt sich heftig im Alltag. Mehr Vertrauen führt zu mehr Geschwindigkeit – die Maschine läuft geölt. Andersrum: ohne Vertrauen wird alles langsam und teuer.

trust_influence

In Covey’s Speed of Trust spricht er von vier Faktoren, die Vertrauen beeinflussen. Im Charakter nimmt man Absichten und Integrität bei Personen wahr: was wollen sie wirklich? Und wie lauter sind sie? In der Kompetenz fragt man sich: kann der das, was er will? Und liefert er? All das fließt ins Vertrauen ein.

trust_tree

Besonders hilfreich fand ich diese Unterscheidung hier. Denn wenn man mit jemand länger unterwegs ist, kommen manchmal Veränderungen im Vertrauen. Das fühlt sich dann nicht so gut an. Am Anfang einer Beziehung ist man oben link – blindes Vertrauen. Die Beziehung entwickelt sich unter einer positiven Grundhaltung und man schaut auch nicht groß nach den Differenzen.

trust_focus

Wenn die Grundhaltung abkühlt, ist das immer schlecht. Dann gibt es entweder kein Vertrauen (wenn die Themen egal sind), oder aber Misstrauen (wenn man großes Augenmerk auf Themen wirft). Rechts oben ist der goldene Weg. Smartes Vertrauen – wenn man gut zueinander gestellt ist, und trotzdem mit starkem Augenmerk an Themen rangeht.

Mir hilft diese Unterscheidung enorm. Es kann schon mal zu einer Turbulenz kommen, wenn man die anfängliche Leichtigkeit verliert und nicht mehr so intuitiv klickt. Muss natürlich nicht schlecht sein und kann eine wirklich Weiterentwicklung sein.

Der Preis von Zeug

12 Dez

Weihnachten steht vor der Tür. So schön wie Weihnachtsmärkte und Glühwein sind, so ist es doch ein Gehetze jedes Jahr. Ich bin nicht der beste Schenker und daher stresst es mich immer mal wieder. Aber Geschenke bekommen ist natürlich toll, und die Happiness bei Kinder einfach unschlagbar. Also habe ich mich vom Kommerz noch nicht abwenden können.

Vor ein paar Jahren bin ich auf den Psychologen Tim Kasser gestossen. Der hat die Psychologie von Zeug-haben-wollen untersucht. Und wenig überraschend: Geld macht nicht glücklich. Im Gegenteil: das Verlangen nach Geld macht aktiv unglücklich. Das widerspricht noch immer meiner Intuition.

Hier habe ich nun ein kleines Info-Video von Kassers Ideen gefunden. Sehr passend für den Kommerzdschungel dieser Tage.

Wie lernt man von Erfahrungen?

21 Feb

Manche Menschen überraschen mich beim ersten Treffen. Trotz ihrem Alter haben sie ein gewisses Etwas. Weisheit vielleicht. Oder einfach diese Ausstrahlung von Erfahrung. Ich habe schon öfter darüber nachgedacht, was denn genau diese Ausstrahlung ist. Machen wir nicht alle Erfahrungen? Eigentlich jeden Tag? Warum haben manche diesen Vibe mit vielen Wassern gewaschen zu sein, während andere, na ja, einfach irgendwie älter sind ohne mehr Tiefe zu haben?

Erfolg schafft Erfahrung. Jede Situation ist nicht gleich. Wenn ich zwei Bundesligaspieler vergleich, die beide 50 Einsätze für ihren Verein haben. Der eine spielt beständig auf Platz 13 (so VFL-Bochum-mäßig). Der andere Stand im Finale vom Pokal und hat die Meisterschaft gewonnen. Wer hat mehr Erfahrung? Fast immer der zweite – weil er in Drucksituationen war UND Erfolg hatte. Nothing succeeds like success. Was ist es an Erfolg, das gewichtiger ist?

Wer ein Endspiel gewonnen hat, weiß etwas über:
a) eine Situation, wo’s darauf ankommt
b) wie man so eine Situation erfolgreich besteht (auch wenn’s Glück war)
c) kann das hoffentlich reproduzieren.

Wer nie in einer Endspielsituation war, dem fehlt a – der kritische Druck. Ein Spiel um Platz 12 oder 14 ist einfach nicht so angespannt wie ein Endspiel. Zum Lernen von Erfahrungen gehört eine gewisse Dramatik. Ein Einsatz, der nicht trivial ist. Wer mehr wagt, der hat mehr Chancen, was davon zu lernen.

Wer ein Endspiel verliert, dem fehlt b – die Erfolgserkenntnis. Bayer Leverkusen fällt mir da ein. Immer wieder zweiter. Zum Lernen von Erfahrungen gehört das Erkennen und Meistern von Drucksituationen. Nur dann kann man verinnerlichen, was es braucht, um im Leben von Erfahrungen auch ziehen zu können. Negative Erfahrungen haben auch ihren Wert, aber sie zeigen eben nicht, wie man daraus in der Zukunft Gewinn ziehen kann.

Das Reproduzieren von Erfahrungen ist wohl der Idealfall. Drucksituationen können gemeistert werden und voila – ein erfahrener Mensch steht vor dir.

Lebenslanges Lernen ist heute wichtiger denn je. Wir werden mehr und mehr zu Wissensarbeitern. Aus unseren Erfahrungen zu lernen ist wesentlich, weil vieles nicht durch Klassenzimmer, Bücher oder Ausbildung vermittelt werden kann. Für mich ist die Konsequenz: herausfordernde Situationen zu suchen; sich gut darauf vorbereiten und die Chancen auf Erfolg hoch zu halten; aus Erfolgen und Niederlagen lernen. Das führt zu einer Haltung, die im Leben aus der Erfahrung schöpfen kann.

Weisheit ist besser als Silber und Gold – Bob Marley, Sprüche 16,16 –

zu links-hirnig?

29 Mai

Geh in einen Kindergarten und frage die Kinder um Handzeichen:
Wer von euch kann singen? Jede Hand geht in die Höhe.
Wer von euch kann tanzen? Jede Hand.
Wer kann malen? Jede Hand.
Wer kann lesen? Vielleicht ein paar wenige Hände.

Jetzt gehe in eine 10. Klasse und frage die 16-Jährigen die gleichen Fragen:
Wer von euch kann singen? Vielleicht 1-2 Hände.
Wer kann tanzen? Ein paar.
Wer kann malen? Wieder nur einige.
Wer kann lesen? Jede Hand geht in die Höhe.

(via Dan RoamBack of a Napkin)

Passt vielleicht dazu (wenn auch etwas abgefahren):

Glück ist relativ

10 Aug

Harvard-Professor für Psychologie Dan Gilbert hält einen interessanten Vortrag bei TED über Glück. Seiner Aussage nach passiert folgendes mit Glück:

Glück ist eine Interpretation der Umstände

Glück balanciert sich immer wieder aus – man hat ein Grundlevel an Glück, das sich trotz unterschiedlicher Lebensumstände wieder einstellt

Der Unterschied zwischen zwei Lebensumständen ist nicht so groß als dass es großen Aufwand rechtfertigt

Der Beziehungs-Faktor

14 Mai

Wir hatten am letzten Wochenende die erste Hochzeit in der Vineyard-Heidelberg. Das führte dazu, dass ich meine erste Trauung halten durfte/sollte/musste. Das Förmliche ist nicht unbedint mein Heimspiel. Irgendwie war mir nicht so klar, dass mit Gemeindegründung auch die ganzen offiziellen Aufgaben mitkommen. Es war aber echt nett, das Brautpaar war sehr glücklich und die ganze Gemeinde war echt stylisch angezogen.

Bei Ehe bin ich immernoch ein großer Fan von John „Blink“ Gottman. Seine Grundaussage ist, dass die Qualität einer Ehe am besten durch das Maß der Freundschaft zwischen den Partnern bestimmt wird. Eigentlich klar, aber er macht dazu einige interessante Beobachtungen. Der Beziehungsfaktor ist eine davon:

Wie lernt man aus Erfahrungen? – Kairos und Kreise

20 Apr

Ich habe mich schon immer gefragt, warum manche Menschen weise werden, während andere irgendwie nichts aus ihren Erfahrungen lernen. Ist es die Intensität von Erfahrungen? Oder die Art von Erfahrungen, an denen man lernt? Dazu habe ich folgendes Zitat gefunden:

Erfahrung ist nicht, was einem Menschen geschieht.
Es ist, was ein Mensch damit anfängt, was ihm geschieht
Aldous Huxely

Aber warum machen manche Menschen viel aus ihren Erfahrungen und andere nichts? Vielleicht hat das mit dem Lernkreis (Lifeshapes) zu tun: nicht nur das Ereignis zählt. Sondern auf der einen Seite, sich hinterfragen zu lassen und das dann ins Leben einfließen zu lassen.

Es beginnt damit, dass man eine Erfahrung macht. Man läuft durchs Leben und irgendwie entsteht ein Moment, über den man nachdenkt. Eine bedeutsame Zeit – ein Kairos Moment. Um aus der Erfahrung zu lernen, geht man die folgende Schritte: Beobachten –> Reflektieren –> Diskutieren (das alles ist Hinterfragen) –> Planen –> Rechenschaft –> Handeln (das ist die Umsetzung im Leben).

Da ich ja ein großer Fragen-Fan bin (hat Jesus nicht viele Fragen gestellt?) habe ich ein paar Fragen dazu überlegt. Die können alleine, mit anderen, im allgemeinen oder geistlichen angewandt werden:

Kairos Moment — was macht Gott gerade? / was war in letzter Zeit für dich im Bereich ___ von Bedeutung?

Hinterfragen
Beobachten — was ist passiert?
Reflektieren — was bedeutet das?
Diskutieren — was ziehst du daraus für dich? Wozu ist das passiert?

Umsetzen
Planen — was wirst du daher machen?
Rechenschaft — wie wirst du wissen, ob du das machst?
Handeln — wie lief es?

Viele dieser Schritte laufen intuitiv ab. Aber an vielen laufen sie auch oft vorbei. Ich bin großer Fan, von meinen Fehlern und Erfahrungen zu lernen. Was machst du mit diesem Post hier?

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