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Teamsport im Weitwinkel

1 Mai

Drei Tage können sich anfühlen wie Wochen. Vom 24-26 April war das so im Freien Musikzentrum in Stuttgart-Feuerbach. Im ersten Stock des Altbaus sammelten sich Leute aus dem Spark-Netzwerk und vom Stadthafen Kollektiv in Stuttgart im geteilten Parkplatz mit einem Obi Superstore und einem Brauhaus. Es war unser zweites Treffen, nach dem Kickoff dem letztjährigen Kickoff in Karlsruhe, und hat uns nochmal weiter geführt.  Das Weitwinkel-Land lag vor und uns wir sahen darin:

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Der größte Pluspunkt von Weitwinkel war sicher wieder Connections. Es waren einfach unglaublich tolle Leute da. Alle haben sind an Projekten dran, die ihre Nachbarschaft und ihre Stadt bereichern und verschönern wollen. Leute  trafen sich und waren sofort auf einer Wellenlänge. Es sind Verbindungen entstanden, die sicher über die nächsten Monate und Jahre vertieft werden.

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Der Raum im FMZ war kahl und leer als wir ankamen. Mary, Mark und Ruth haben daraus eine kreative Begegnungsstätte gezaubert. Teppiche quer durch den Saal, Stühle in Grüppchen, Kaffeestation. Alles vom Feinsten. Wir hatten Wortkunst am Start, Chris Hieronimus stellte bewegende Bilder aus, Motoki spielte Filme vor, Dominik Bär und Band verjackjohnsonte uns den Abend. Fein, fein.

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Die Gottzeiten waren nicht minder kreativ. Von einer Kurzstory über Durst und leeren Bechern mit unseren Wünschen beschrieben, zu Flüstergebetstelefonen und Abendmahl zum Geben und Nehmen  – das war Inspiration pur und Bewegung fürs Herzen. Wir beteten an und beteten miteinander.

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Und wie immer hörten wir Pecha Kuchas über Projekte in Deutschland. Vom kleinen fränkischen Städtchen mit einem offenen Haus und freiem Zugang zum Kühlschrank, zu Kirche in Aktion im Rhein-Main Gebiet, dem Stadthafen Kollektiv in Stuttgart und der Spark-Story. Der größte Schatz waren die gelebten Träume, die so unterschiedlich sind und doch von der gleichen Wir-machen-was-Haltung sprechen.

Alan Hirsch war unser Hauptsprecher. Er war leider etwas mit Erkältung gelähmt und seine Stimme hielt gerade so. Er sprach über die „Permanent Revolution“ und wie wir als Christen im Teamsport spielen müssen. Aus Epheser 4 sprach er über die 5 Gaben für jede Gruppe und wie alle Fähigkeiten in jeder Gruppe da sind. Es war kein ganz neues Thema, aber ich habe das noch nie so ausgewogen und praktisch erlebt. Und wer über das Innovationsdefizit hinweggeschaut hat, konnte sofort damit was machen. Eddy, Motoki und ich haben dann noch ein paar Gedanken geteilt.

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Ich denke, das Event war ein weiterer Meilenstein für Spark. Nach dem Windschatten und den laufenden Projekten, sind wir immer mehr miteinander unterwegs. Und genau das miteinander war unser Takeaway vom diesem Jahr. Funken sind übergesprungen – und davon wollen wir mehr!

Kairos Event in Lörrach – meine Sicht

27 Apr

Ende April wurde ich für ein paar Tage ins beschauliche Lörrach eingeladen. Von den Hängen sieht man in die Schweiz und den Roche-Turm in Basel. Eurochurch hatte geladen und wollte an einem Roundtable über die Zukunft der Kirche in Europa reden. 60 Leute sind gefolgt und in einem ehemaligen Gewächshaus (#fcglörrach) lernten wir uns kennen und stellten uns Fragen.

Eurochurch – watn dat? Ich bin über Martin Robinson (#weitwinkel#01) auf die Truppe gestoßen. Turns out: er ist der Leiter der Gruppe, die es seit den 80ern oder so gibt. Anfänglich haben die Church Growth für Europa gemacht. Ab den 90ern dann mehr organisch und missionales Zeug. DAWN Europa war ne Weile am Ruder – jetzt mischen Robinson wie auch Alan Hirsch da mit. Soweit, was ich weiß.

Letztes Jahr funkte Martin mich dann an, ob ich an einem Gespräch teilhaben will. „Wir haben den Westen nie erreicht,“ so seine Ansage. „Europa ist wie ein Stein im Wasser. Die Kirche hat die Ecken rundgespült, aber das innere ist trocken.“ Steile Ansage. Und dann kommt er mit Lesslie Newbigin um die Ecke – dem Grandmaster der Missiologie in Europa. Newbigin kam in den 80ern nach über 50 Jahren Missionar von Indien zurück nach Europa und war erschrocken, welche kulturellen Missverständnisse zwischen Kirche und Gesellschaft verstehen. Martin arbeitete kurz danach mit ihm und sie haben „Gospel & Culture“ Arbeitsgruppen gemacht. „We failed,“ sagt er. „Wir haben die richtigen Fragen gestellt, sind aber nicht zu einem guten Ergebnis gekommen.“ Krasse Selbstreflektion und Eingeständnis, wo wir stehen. „Wir sollten es probieren. Wir brauchen junge, innovative Leute. Kommst du?”

Ich fand mich vom Alter und der Mentalität in der Unterzahl. Die meisten waren etablierte Mitarbeiter von Werken, und kaum jemand war wirklich auf Gemeindegründung aus, geschweige denn eine Gemeinde zu leiten. Dennoch war es eine illustre Gruppe aus aller Herrn Länder – England, USA, Neuseeland, Norwegen, Belgien, Schweiz, Äthopien. Nicht alle diese Länder sind in Europa, genau gemerkt. Genau das ist aber ein Kennzeichen von uns, dass wir immer multi-kultiger werden.

Martin Robinson eröffnete das Treffen und sagte im Prinzip nichts Neues – für mich jedenfalls (#weitwinkel#01). Dann kam Alan Hirsch und sprach über die Krise im Westen. Auch seine Leier wurde schon mal gespielt, aber es kam mit neuer Frische und klarer Ansage. „Hillsong, Willow Creek und Saddleback erreichen max 15% unserer Gesellschaft,“ so Alan. „Ich bin dankbar dafür, aber was ist mit den anderen 85%? Und was mich an diesem attraktionalen Modell stört ist, dass es eigentlich extraktional ist – es nimmer Leute raus aus ihrem Umfeld, anstatt sie reinzuschicken.“ Das war sein Challenge an uns. Ein guter – und der, der mich zu missional treibt (#spark).

Alan Hirsch Lörrach

Ein Augenöffner war für mich die Frage nach dem Evangelium. Alan brachte das und meinte: „Die Reduzierung des Evangeliums auf Rechtfertigung macht die Sache kompliziert.“ Damit sprach er das Standardverständnis an, das beim Wort „Evangelium“ benutzt wird. Die Logik ist so: Menschen sind sündig, Jesus stirbt für uns, wir nehmen sein Opfer an (#übergabegebet) und alles ist geritzt. Oh, ja, weitersagen, bitte!

Er ging etwas darauf ein: „Luther war ein augustinischer Mönche. In seiner Zeit und mit seiner Gesinnung hatten sie eine hohe Sicht von Gott und eine geringe Sicht vom Menschen. Luther erlebte Anfechtungen – starke Schuldgefühle über seine Distanz zu Gott und Gottes Missfallen. Schau dir die alte Kirchen an. Da ist Christus ganz oben. Dann gibt es viele Ebenen von Engeln. Dann die Heiligen. Dann die Kirche. Und ganz unten ist der Mensch. Das war das Weltbild. Daher war die Frage, wie man mit Gott in Verbindung tritt sehr relevant. Es braucht nicht viel, um zu sehen, wie unsere Zeit heute anders ist. Niedrige Sicht von Gott, hohe Sicht vom Menschen. Ganz anders.“

Fair point – das fiel mir auch schon auf. Vor allem die Botschaft von NT Wright geht in die Richtung: wir haben das Evangelium verkürzt. Wir lesen es zu individuell. Alan gab uns eine witzige Geschichte: „Ich habe mal mit einem Afrikaner geredet. Der hatte Jesus in sein Herz eingeladen. Aber sein Leben war ausufernd. Er hatte viele Frauen und obwohl er Jesus liebte, lebte er weiter so. Als wir darüber redeten, fragte er mich: ‚Ich habe Jesus in mein Herz eingeladen; aber wie kriege ich ihn in meinen Penis?‘ Und das ist der Punkt: wir haben ein Evangelium verkündet, das nur ums Herz geht und nicht um die Verkörperung. Es gibt von einer persönlichen Botschaft zu einer privaten über. Jemand nannte das das ‚verinnerlichte westliche Moralgefühl von Augustinus her kommend‘.“ Und weil das so verbreitet ist, ist es schwer, es gut und klar zu vermitteln. „Wir können Menschen nicht das lehren, was sie schon zu wissen denken“ – so Epikurius. Unsere Botschaft hat keine überraschende Wirkung mehr, nicht mehr wirklich News und Leute sind wie geimpft gegen die eigentliche Jesus-Botschaft.

Dietrich Schindler kam dann noch eine hat eine Verkaufsshow über seinen My-Life-Workshop gehalten. In der Summe war das antörnend, dass ich meinen Weglaufimpuls mehrfach unterdrücken musste. In seinem 6-Wochen-Kurs will er Glaubensinhalte vermitteln. Es baut auf der Lebensgeschichte der Menschen auf und will zeigen, wo sie Gott gesehen haben und wo sie ihn brauchen. Ein brillianter Punkt in dem Ansatz blieb mir hängen – wenn der Alphakurs den Glauben erklären will geht er von einem Interesse an der Bibel und Jesus aus. MyLife baut auf den Narzissmus der Menschen, dass sie vor allem an ihrer eigenen Geschichte interessiert sind. Connection people’s story to the larger story – das ist ein interessanter Aspekt.

Zum Schluss kam für mich noch ein Wort aus Jesaja 43,18-19 das mich ziemlich getroffen. „Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! 19 Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht? Ich mache einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde.“ – Gott ist am Neugestalten interessiert. Er fordert aktiv auf, sich vom alten abzuwenden. Und er macht was an Orten, wo man es vorher nicht gedacht hätte. Ist das nur meine Persönlichkeit, die auf so was scharf ist? Oder hört sich das an wie der Funke für was Neues? Für mich war das neben den tollen Begegnungen und den Alan-Inputs der eigentliche Kairos-Moment an diesen Tagen.

Empfehlungen – Buch und Event

29 Nov

Buch:

Es ist soweit, dass Standardwerk zu missionalem Glauben und Gemeinde erscheint auf Deutsch: Die vergessenen Wege. Die Wiederentdeckung der missionalen Kraft der Kirche ist die Übersetzung von The forgotten ways von Alan Hirsch und das dritte Buch der Novavox-Edition im Neufeld-Verlag.

Wie konnte sich der christliche Glaube in den ersten 300 Jahren nach Jesus so dynamisch zu der Weltreligion entwickeln, die es wurde? Was haben stark wachsende, multiplikative Bewegungen der neueren Zeit mit den ersten Christen gemeinsam? Und was lässt sich aus diesen Beispielen und den biblischen Texten für uns heute ableiten? Wie sieht die DNA und die Praxis von Christen und Gemeinden aus, die Gottes Mission folgen und das Jesus-Gen in ihrem Umfeld zur Wirkung bringen? Spannende Fragen, zu denen Alan Hirsch in diesem Grundlagenwerk fundiert, gründlich und trotzdem praxisorientiert Antworten und Impulse gibt. Für jeden, der grundlegend über Glauben und Gemeinde im 21. Jahrhundert nachdenkt, hat dieses Buch das Potenzial, auf neue bzw. vergessene Wege zu führen.

Wer sich auf diesen Weg einlässt, der kann die Publikation von solchen Büchern fördern indem man das Buch auf den Seiten von Novavox kauft – bzw. vorbestellt, noch ist es nicht erschienen.

Event:

Wo gibt es innovative, inspirierende Gemeinden und Projekte in unserem Land? Wer sich durch Innovation inspirieren und motivieren lassen will oder mitdiskutieren und die Zukunft der Kirche mitgestalten will, für den ist die inno2012 das Event. Die hoch interaktive und partizipatorisch angelegte Veranstaltung findet vom 24.-25. Januar 2012 in der Porsche-Arena in Stuttgart statt. Unter anderem mit dabei sind auch Vineyard und Novavox, sowie ca. 25 andere Co-Veranstalter. Einen solchen Marktplatz der Innovation im kirchlichen Raum gab es wohl bisher nicht in Deutschland, womit der Event selbst schon ein innovatives Ereignis wird. Mehr Infos gibt es hier.

Münster Missional Mindsharing

13 Apr

In 2 Wochen geht es in Münster los: zusammen mit David und Stefan habe ich in den letzten Monaten an einem Event für Missional-Praktiker gearbeitet. Wir wollten Freunde und Bekannte zusammen bringen, um miteinander zu connecten, was missional in Deutschland heißt. Wir werden uns hauptsächlich ums World Cafe scharen und werden von Alan Hirsch mit erlesenen Gedanken-Häppchen verköstigt.

Ich werde hier über die Tage bloggen und bin gespannt, dort entsteht. Wen es interessiert, kann sich unsere Pre-Readings reinziehen:

Friend of missional
Ein guter Einstiegspunkt, um den Begriff „missional“ klarer zu füllen.
Was ist eine missionale Gemeinde, was nicht?

Rodney Stark: Live Longer, Healthier, & Better
Der Autor von „The Rise of Christianity“ mit einem soziologischen Blick auf die frühe Kirche: Warum Christen länger lebten und warum ihr Einfluss auf ihre Umwelt so groß war.

Churches moving into the community
Ein Artikel über ein Netz von „externally focused“ Gemeinden, die ihre Qualität weniger daran messen, wieviele Menschen im Gottesdienst oder in Kleingruppen sind, sondern wieviele Menschen in der Stadt der Stadt dienen. Am Ende des Artikels eine gute Literaturliste zum Thema.

Servant Evangelism
will Gott fernen Menschen dienen, um gute Nachricht für sie zu SEIN, bevor sie gute Nachricht hören können.

Toward A Theology Of Public Presence
Leonard Hjalmarsons theologisches Plädoyer für eine gesandte Kirche. Er zitiert viele Stimmen (NT Wright, Dwight Friesen, Andrew Jones, Brian McLaren u.v.a) und bindet einen schönen missionalen Blumenstrauß.

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