Tag Archives: projekt

Wie Johannes Reimer die Welt verändert (und die Kirche mit dazu)

8 Mai

„Gott liebt die Welt,“ sagt Johannes Reimer ins Mikrofon an unserem Workshop-Samstag. „Er liebt die Welt. Die Scheißwelt!“ Der Professor und Theologe hört sich zunächst an wie ein normaler Evangelist, um dann im nächsten Satz seine Botschaft heimzuhämmern: „Gott sandte nicht seinen Sohn in die Welt, um uns dann abzutransportieren. Es sandte ihn, weil er die Welt liebt!“

Reimer tourt seit Jahren deutsche Gemeinden und ist eine ziemliche Erscheinung. In seinen jungen Jahren war er Boxer – und er hat auch heute noch die Kraft einen Haken zu setzen, wenn auch nur durch seine Meinungen. Dann ist er im russisch-deutschen Mix aus Mennoniten und Baptisten zum Glauben gekommen. Er wandelte sich vom Saulus zum Paulus und zog los, die Botschaft von Jesus zu verbreiten. Heute ist er Professor an der University of Pretoria, lehrte an FEG-Ausbildungskolleg in Ewersbach und schreibt Bücher wie Lewandowski Tore schießt. Und er man trifft ihn öfter mal auf Konferenzen oder in Gemeinden mit seiner Botschaft von der Transformation der Welt.

Seine Idee ist simple: Gemeinde ist zum Wohl der Welt da. Konservative Christen kriegen da oft mal die Krise. Fast so als würde man einem Veganer sagen, medium-rare Rindersteaks sind echt das Beste. Wenn es einem egal, dann Johannes. Wenn es Bibel ist (und das ist Fakt für ihn), dann wird es auch besprochen. „Paulus benutzt das Wort ‚Ekklesia‘ für Gemeinde,“ sagt Reimer. „Zu der Zeit war das eine politische Einrichtung. Da saßen ein paar Weise Leute am Stadttor und vertrieben sich die Zeit. Wenn es dann eine wichtige Frage gab, dann kam die Leute zu dieser Ekklesia und baten um Rat,“ so Johannes. Fast so, als wäre diese Clique von alten, erfahrenen Herren ein Richterklub, der neben Backgammon ab und zu schwere Fälle bespricht. Nur ist der Fokus ist nicht auf richtig-und-falsch, sondern auf hilfreich-und-fördernd.

IMG_1331Und diese Idee bringt Johannes mit auf seinen Touren. „Was ist, wenn eure Gemeinde aufhört zu existieren,“ fragt er regelmäßig am Anfang seiner Sessions. „Interessiert das jemand? Merkt das jemand?“ Damit fordert er alle auf, über die Relevanz der eigenen Gemeinde nachzudenken. Waynejuckts was du machst? Wenn niemand außerhalb der Heiligen Hallen was mitkriegt – dann liegst du daneben.

Reimer hat einen Plan. Sein Trafo-Prozess nimmt Gruppen an die Hand und will sie dahin führen, diese Ekklessia zu werden. In 8 Schritten führt er Gemeinden zu praktischen Plänen, ein Segen für ihr Umfeld zu sein.

Es fängt an mit Verortung – sich an einem Ort festzumachen. „Viele Gemeinden sie wie McDrive,“ so Johannes. „Du fährst hin, holst dir deinen Kick und verdaust das den Rest der Woche.“ Damit lädt er Gruppen ein, ihre Flagge an einen Ort zu stecken. Sie übernehmen für ein Gebiet Verantwortung.

Dann schaut er mit Gruppen in ihre Potentiale – welche Gaben sind da? Was könnt ihr eigentlich. Diese Potentialanalyse führt zu einem Profil, was die Gemeinde zu bieten hat. Manche sind praktisch veranlagt, andere können „Hammer“ noch nicht mal buchstabieren. Das ist kein Hindernis, sondern die Gabe Gottes.

IMG_1330

Danach schaut die Gemeinde an ihren Ort – was für Nöte gibt es da? Was wird nicht bedient? Durch Raumlaufen, Interviews und Gebetseindrücke wird ein Bild gesammelt von den Bedarfen.

Im 4. Schritt kommen dann Potentiale und Nöte zusammen in einer Vision. Was könnten wir machen, das ein Segen ist? Was macht einen spürbaren Unterschied?

Und die nächsten 5 Schritte sind dann gutes Projektmanagement. Partner finden, Angebot formulieren, planen, loslegen, schauen ob es funzt.

Eigentlich keine Wanderung zum Nordpol, das Ganze. Durchaus machbar, wie wir selbst gemerkt haben. Der Prozess dauert, vor allem wenn die Gruppe größer ist (und das schlägt Reimer auf jeden Fall vor). Wir haben 3 Ideen daraus generiert. Freunde von uns in Köln haben einen Spielplatz in der Nachbarschaft mit einem Partner gebaut.  Der Einfluss hat sich definitiv vergrößert und die Kirche ist nicht mehr nur als Himmelfahrtskommando gesehen. „Die tun ja was,“ ist oft eine Reaktion auf die Trafo-Projekte. Bei uns selbst sind wir immer noch dran.

Aber unabhängig vom Erfolg der Aktionen hat Johannes Reimer einiges bei uns bewirkt: unsere Sicht ist verändert. Und mit dieser veränderten Sicht sind wir auf dem Weg, unsere Stadt zu verändern.

Advertisements

Case Study – was in Portland passierte

18 Jan

Pragmatismus ist sexy – so sehe ich das jedenfalls. Funktionierende Dinge habens mir angetan. Und in diesen Zeiten denke ich viel über Projekte zur allgemeinen Weltverbesserung nach. Da bin ich via Tim Keller auf einen kleinen Vortrag von einem Bürgermeister und einem Pastor gestolpert und was sie ihrer Stadt angetan haben. Worte wie „Respekt“, „dienen“, „aufeinander gehört“ sind einfach super in diesen Zeiten von Ausgrenzung, Wortverbiegung und Angst vor Anderen.

projekt: pioniere

21 Jan

Vor einem Monat habe ich eine neues Projekt gestartet mit dem Namen „Pioniere“. Es soll ein Buch über Gründung und Start von Gemeinschaften werden. Über die letzten 2 Jahre habe ich viel über Gründung gemacht und würde gerne was schreiben, was Leute motiviert, mehr zu wagen und Dinge zu starten. Es soll Vision vermitteln und Schritte zur Umsetzung zeigen. 

Bisher habe ich die ersten 2 Kapitel geschrieben.Das ist für mich das volle Flow-Erlebnis, an einem Text zu schreiben. Ich bin auf nette Geschichten gestossen und denke, die Schritte werden recht hilfreich sein. Es sind einige Berichte drin, wie Gemeinden entstanden sind und was die Gründer dabei gelernt haben. 

Das hier ist das Konzept zum Buch:

grunderbuch

Aus dem Leben des Gründers entsteht eine Mission, die ein Team entstehen lässt und durch einen Plan an Kraft gewinnt. Das führt zur Wirkung nach außen (Evangelisation) und dem Wachstum nach innen (Jüngerschaft). Am Ende steht eine neue Gemeinschaft. 

„Pioniere“ wird es nicht heißen. Bisher sind es hauptsächlich Pioniere, die so was wagen. Aber meine Hoffnung ist, dass mit dem Buch nicht nur Prionier-Typen eine Gründung wagen, sondern eine breitere Gruppe. Mal schauen, was daraus wird…

guter Blog zu dem Thema – Church Planting Novice

%d Bloggern gefällt das: