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Wo ist die Vineyard? – ecpn III

2 Okt

Die Nächte sind besonders gut hier in Faro beim European Church Planting Network. Bei ein paar Drinks diskutieren wir unsere Eindrücke vom Tag und was uns bewegt. Die Norweger, Litauer, Bulgaren und Finnen gehen durch interessante Transformation zu missionalem Leben. Gestern Abend traf uns Mike Breen zu einem kurzen Chat über unseren Weg als Vineyard. Er stellte uns die Frage: „wo ist die Vineyard heute?“

Die Diskussion ging schnell da hin, dass wir nicht mehr die glorreichen Tage der 80er und 90er erleben, wo die Vineyard wild und frisch war. Viele sprechen von einem Plateau, wo die Bewegung irgendwie stagniert. Es ist die Frage, ob wir noch unseren Wurzeln treu sind und das leben, was die frühe Vineyard ausgezeichnet hat. Damals war es fast ein Schock in eine Vineyard-Gemeinde zu kommen: eine frische Erfahrung mit dem Heiligen Geist, Lehre mit persönlichem Bezug und gefüttert durch persönliche Erfahrung, und Betonung von Erneuerung und Heilung und der Barmherzigkeit Gottes. Pfingstlertum trifft auf Evangelikal trifft auf Erneuerung. Das war fast eine Revolution für viele und hatte einen unvergleichbaren Vibe.

 

Wo sind wir heute? Meiner Meinung nach ist das Plateau eher ein gefühltes Plateau als ein tatsächliches. Denn auch heute werden viele Gemeinden gegründet. In vielen Gemeinden findet Dienst an Armen statt, Heilungen passieren und die Gegenwart Gottes ist spürbar. Nicht mehr so Rock-Star-mäßig wie vor 15 Jahren, aber stetig. Das Reich Gottes breitet sich aus. Dieses Fehlen von Rockstars und der fehlende Enthusiasmus von Neuentdeckung verbreiten eben einen anderen Vibe. Auf einem Punkt haben wir geschwächelt und vielleicht den Zug verpasst: Worship. Früher waren wir am Edge und haben Worship geprägt. Ich erinnere mich an meine erste Vineyard-Veranstaltung. Ich war tief bewegt und dachte: „was ist DAS?“. Monatelang hat es mich bewegt. Das war etwas ganz Neues: Gottes Barmherzigkeit in direkter Interaktion mit ihm begegnen. Heute gibt es auch Anbetung in Gemeinden und Gottes Gegenwart ist schon spürbar. Aber es ist nicht mehr so frisch und interaktiv wie früher. Wir haben verpasst, in neue Leiter, neue Formen und Vernetzung zu investieren. Dennoch ist viel Gutes da und wir sind weiter dabei, unseren Fokus auf das Reich Gottes auszurichten. Und da weiß man nie, was passiert.

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der Weg zu kreativen, missionalen Gemeinschaften – ecpn III

1 Okt

Die Sonne brennt und wir sitzen den ganzen Tag im Workshopraum. Klasse. Heute Mittag ging es hier in Faro weiter mit Modellen für Gemeindegründung. Paul Maconochie kam aus Sheffield, um über deren Erfahrung mit Clustern zu reden. Sie haben sich von einer Mega-Church mit 700 Mitgliedern zu einem Netzwerk von mittelgroßen Gruppen gewandelt, das heute ungefähr 1.500 Leute zieht. Das hat bei denen auch fast 10 Jahre gedauert und brauchte verschieden Anläufe, bis es so gut wie heute lief. Zentral ist dabei die Unterstützung der Leiter durch Schulung und Begleitung. Sie nennen das „low control – high accountability“. Im Prinzip geht es darum, Leute zu coachen und sich regelmäßig mit ihnen zu treffen, um eine gute Entwicklung zu ermöglichen.

In Heidelberg hatten wir letzten Montag unser Treffen zu Gemeinschaften (deutsch für Cluster), wo wir stehen und wo wir hin wollen. Momentan haben wir eine Gemeinschaft seit einem Jahr am Laufen (genannt EOS) und sind gerade dabei, eine zweite zu formen. Wir diskutierten das mit der Gemeinde und sammelten, was wir uns davon versprechen und was wir fürchten. Die Top 3 Chancen sind:
– Die Erkennung und Freisetzung von Gaben, sowie mehr Involvement der Leute
– Mehr Nachfolge bei den Leuten
– Einzelne werden in ihrer Berufung gefördert und geformt
Die Top 3 Gefahren sahen wir als:
– Es bleibt hohe Belastung von einzelnen in der Gemeinschaft (20-80)
– Verselbständigung und Abspaltung in den Gruppen möglich
– Exklusive Gemeinschaften, die sich ums Wohlfühlen kümmern

So ein Übergang muss gut durchdacht und begleitet sein. Wir sind weiter dran, unsere Lektionen in dem Übergang zu lernen. Die Stimmung ist aber positiv und wir erhoffen uns, dass wir ähnlich wie in Sheffield mehr zu missionalem Mindset kommen.

merkt einer, wenn wir nicht mehr da sind? – ecpn III

30 Sep

Die Sonne strahlt wieder in Faro (Portugal) und im Dom Pedro Hotel versammelt sich die Gemeindegründer-Pioniere aus Europa. Es ist das dritte Treffen des European Church Planting Networks, wo Gründungsbewegungen aus Ost- und Mitteleuropa zusammen kommen, um ihre Strategie zu schärfen und mehr Gemeinden zu gründen. Dieses Mal haben wir einigen Besuch dabei, zum Beispiel Reggie McNeal, Eric Swanson und Mick Woodhead.

Am ersten Abend haben wir über die Lehren der letzten 6 Monate für uns bei Vineyard geredet. Wir haben einiges an Unterstützung gestartet: ein Portal für Gründer, einen Prozess für bewusste Innovation, wir waren auf den Straßen von Berlin und haben neue Gemeinden gestartet. Wieder beeindruckt bin ich von den Kollegen vom Antioch Movement in der Ukraine. 115 neue Gemeinden haben die in den letzten 6 Monaten gestartet und sie breiten ihren Ansatz weiter Richtung Asien und Russland aus.

Diese 3 Tage stehen unter dem Thema, wie wir Gemeinden in postmodernen Städten gründen können. Es ist interessant, wie die Osteuropäer das aufnehmen: sie sehen den Einfluss vom Westen in den Städten und gleichzeitig ist auf dem Land noch eine pre-moderne Gesellschaft. Eine sehr interessante Herausforderung. Die Norweger und Weißrussen haben echt gute Entwi cklungen hinter sich und bewegen sich immer mehr Richtung missional und den Leuten zugewandt. Heute morgen gab es dann Buchbesprechungen: the one-minute manager, church-planting movement, the externally-focused church, present future. Bin gespannt, was diese Woche noch passiert.

wie können wir besser gründen? – ecpn II

8 Mrz

Die letzten Nächte sah ich vor meinem inneren Auge nur Post-Its wie früher Tetris-Blöcke als das der Hype war. Die letzten 3 Tage haben wir von morgends bis spät nachts in Workshop-Räumen verbracht und über das Leben von Gründern nachgedacht. Heute kamen die Pläne für die nächsten Schritte zusammen und dann haben wir mit unseren Freunden vom EJW die Sonne und den Strand genossen (inklusive erstem Sonnenbrand – chaka!).

Unsere Ergebnisse sind nicht bahnbrechend oder überraschend, aber wir haben ein gutes Verständnis was das Leben von Gründern besser machen könnte. Und ist Innovation nicht genau das: die naheliegenden Schritte zu gehen und Probleme zu lösen. Daher bin ich trotz unserer bodenständigen Ergebnisse sehr positiv. Hier sind meine Pakete, die ich über die nächsten Monate schnüren darf:

Leichte Ausbildung
Zusammen mit Marcus stecken wir ein Programm zusammen, um Gründer auf ihre Aufgaben vorzubereiten. Unser Ziel ist ganz klar, das möglichst einfach, untheoretisch und leicht zu machen. Wir haben viele gute Ideen über Inhalte und Methoden, aber es wird sicher ein paar Monate dauern bis wir einen ersten Wurf haben und den Einsatz testen können.

Gründer-Portal
Die Engländer von Fresh Expressions haben so ein Online-Learning-Network schon im Einsatz und die Idee ist einfach: einen Punkt zu schaffen, wo Gründer auf Ressourcen zugreifen und lernen können. Machmal hilft eine Anleitung, Beschreibung oder ein Überblick, um bessere Optionen beim Gründen zu haben. Wir wollen auch das möglichst einfach gestalten und neben den praktischen Tools auch Stories, Interviews und Berichte posten, damit die Vision von Gründen am Leben bleibt.

Fringe Vineyard
Schon bei Diskussionen über Rodney Stark und Innovation im Glauben kam die Aussage, dass Innovation selten aus dem Kern kommt. Neue Formen treten am Rand auf und bilden neue Bewegungen oder finden langsam den Weg in den Mainstream. Bei den Interviews mit Leitern aus dem englischen Raum kam immer wieder die Aussage: in Deutschland ist man sehr begrenzt was Experimente und Risiko angeht. Wenn Freunde von mir was Neues im Gemeindeumfeld versuchen, müssen sie sich häufig alleine durchschlagen und es fehlt die Unterstützung. Daher wollen wir ein bewusstes Experimentierfeld schaffen, wo wir neue Formen und Ansätze von Gemeinde unterstützen, fördern und davon lernen wollen. Wir wollen den Rand (Fringe) bewusst kultivierien und damit unsere Ansätze zu Gründung erweitern.

Die anderen haben auch noch eine Reihe von Actions mitgenommen und kümmern sich um Assessments, Coaching und Netzwerken von Gründern. Damit bewegen wir uns auf jeden Fall voran. Der ganze Prozess hat sich auf jeden Fall gelohnt. Jetzt muss ich mich aber erst mal wieder warm anziehen, denn es geht heim in den kalten März in Deutschland.

einfach gründen – ecpn II

5 Mrz

Im Alten Testament gab es die 10 Gebote.
Die Pharisäer machten daraus mehr als 600 Gebote.
Jesus formulierte 2 Gebote

Diese Einfachheit ist ein Zeichen von Reife. Wenn Ansätze einfach sind, dann haben sie auch größere Chancen, sich zu reproduzieren und Wirkung zu entfalten. Das fordert für Gründung heraus: die Modelle und Methoden leicht zu halten. Wir haben den Traum, dass Gründung so leicht wird, dass Teenager es machen können und es eine natürliche Frucht des Lebens mit Gott wird.

Andrew aus London präsentierte das Modell über Clusters in der St. Andrews Gemeinde in Chorleywood. Seit 5 Jahren haben sie ihre Gemeinde von 500 Leute in Mid-Sized Communities verändert. Statt alle Leute in einem Gottesdienst zu versammeln, haben sie kleine Gruppen von bis zu 50 Personen etabliert, die mit eigener Mission und eigenem Namen superflexibel ihre Treffen und Formen finden. Einmal im Monat kommen alle zusammen, ansonsten feiern sie ihre Gottesdienste und Treffen unabhängig. Laut Andrew hat sich das für sie sehr bewährt, weil es weniger Konsumenten in der Gemeinde gibt, mehr Vielfalt und weniger Programm-Fokus. Den ganzen Tag haben dann die verschiedenen Gruppen darüber diskutiert, wie sie auch dahin kommen, mehr Wirkung nach außen zu entwickeln und die Leute einzubeziehen.

Das wirkliche Herzstück unseres Prozesses hier war aber die Auswertung von unsrer Untersuchung zu Gründern. Wir haben die letzten beide Nächte die 50 Interviews angeschaut (es gab leider im offiziellen Teil kein Platz für unsere Analyse, aber wir sind hart) und schrieben bei jeder Geschichte die Kompetenzen, Krisen, Ressourcen und Phasen der Gründung auf kleine Post-Its. Für den Umweltschutz war das kein direkter Beitrag, aber wir haben einen massiven Überblick gewonnen und haben uns substantiell in das Leben der Gründer vertieft.

Was ist letztlich rausgekommen? Wir haben ein paar Faktoren und Potentiale identifiziert, allerdings war das wirkliche Lernen für uns die Feinheiten des Prozesses. So gab es Überraschungen und Zusammnehänge, die man aus „Erfolgsfaktoren“ nur schlecht ablesen kann. Gründung ist ein langer Prozess, wo viel zusammen kommt und es wenig einfache Antworten gibt. So war überraschend, dass manche ohne Vision gestartet sind, andere haben gleich mit dem Gottesdienst angefangen und waren erfolgreich. Gebet und Fasten war auch kein wesentlicher Faktor und auch die Berufung war nicht immer eindeutig eine Grundlage. Was macht man daraus?

Als wir alle unsere Post-Its an der Wand zusammengefasst haben, haben wir uns gefragt: wo haben wir das größte Potential? Wo können wir am meisten Unterschied machen? Uns wurde klar, dass Evangelisation und Sammeln am meisten unterschätzt wird; dann ist Coaching und Mentoring ein großer Bereich, genauso wie Klarheit und Führung. Es gibt natürlich noch viele weitere Aspekte und wir haben nicht den Anspruch, alles zu lösen und in ein Bild zu packen. Im nächsten Schritt gehen wir jetzt daran, wie wir diese Bereiche stärken können und wie wir das ganze einfach und leicht halten können. Es scheint, dass es wieder eine lange Nacht wird.

Portugal beginnt – ecpn II

3 Mrz

Nach 3 Monaten Regen und Dunkelheit kommt dieser Trip nach Portugal mit Sonne, Palmen und Strand richtig gut. Ich bin hier in Faro für das zweite Treffen vom European Church Planting Network (ecpn) und werde wieder live bloggen. Wir haben unser Forschungsprojekt durchlaufen und 50 Interviews mit Gründern gemacht. Bisher hat es inspiriert und mir gehen viele Gedanken durch denk Kopf. In den nächsten Tagen nehmen wir den Prozess von IDEO (design-led innovation), um aus den die Ideen für die Zukunft von Gründung im deutschen Raum abzuleiten.

Ansonsten freue ich mich an Portugal, wo ich schon immer mal hin wollte. Ich habe ein paar Tage Zeit, Abstand zu nehmen und über mein Leben nachzudenken. Die Gemeinde läuft im Moment wirkich gut: es kommen Menschen zum Glauben, wir haben viele Gäste und erleben Gottes Gegenwart. Neue Lieder entstehen und Leute erleben, wie Jesus ihr Leben bereichert. Es besteht sogar die Möglichkeit, dass wir bald eine Gründung in der Nähe starten. Das bring t auch alles etwas Hektik mit sich und so bin ich froh, hier einfach mal die Füße in die Sonne zu strecken und abzuhängen. Gestern Abend waren wir mit Roger und Marius am Hafen Essen und haben dann noch Benfica gegen Sporting geschaut. Mehr gibt es morgen…

Was neu war – 4. Tag bei ecpn

19 Okt

Das 70-er Jahre Retro-Restraurant Menza in mein Lieblingsrestaurant in Budapest und wir Vineyard-ler hatten einen wunderbaren Abend. Es gab Zeit zum Reflektieren, was hier bei ecpn neu war und was ich für mich mitnehmen kann.

menza.jpg

Ich war echt beeindruckt von eigen der Gruppen. Bulgarien geht echt was, die Typen sind super drauf und haben wirklich ein Herz für das Land. Antioch Netzwerk in Ukraine wollen eben mal das ganze Land erreichen und stellen das gar nicht dumm an. In Oslo arbeiten sie heftig mit Clustern und missionalen Strukturen. Es ist ganz beeindruckend zu sehen, wie viel Action im Reich Gottes ist und wie in ganz Europa Gründungen unterwegs sind.

Ganz Europa? Nein, ein kleines, gallisches Dorf leistet erbitternden Widerstand. Weder in unsrer Gruppe noch in der ersten Learning Community (wo Mirko und Stefan waren) gab es Gruppen aus dem Süden wie Italien, Spanien, Portugal oder eben aus Frankreich. Was ist los? Außerdem fehlten Tschechien und Polen. Vielleicht hängt das am Katholizismus? Oder an der Hitze im Süden?

Persönlich haben mich zwei Gedanken geprägt. Der Schlüssel ist die eigene Versorgung – um in der Gemeinde eine Bewegung zu bekommen, müssen die Leute zu dem Punkt kommen, wo sie sich selbst und andere versorgen können. Geh zu ihren Treffen – andere Gemeinden und Pastoren zu ehren kann einfach dadurch geschehen, dass ich ihre Treffen besuche. Anstatt nur zu irgendwelche Einheits-Treffen zu gehen, kann das wirkliches Interesse und Wertschätzung kommunizieren. Es stimmt, das macht eigentlich kaum jemand und wenn es passiert, kommt das sehr gut.

Am Ende hatte ich noch ein gutes Gespräch mit Steve über Gemeindegründung und Business. Paulus hat das vermischt durch sein Zeltmachen. Mir ist bisher keine Bewegung bekannt, die das bewusst miteinander kombiniert oder einen Ansatz hat, von so einer Synergie zu profitieren. Dabei schienen mir 2 Aspekte interessant: Business-Leute können in Strategie und Ergebnissen denken, was vielen Gemeinden gut tun könnte; sie bringen außerdem die gesellschaftliche Dimension mit und Wohlstand in eine Region, was den Impact der Gemeinde stärken könnte. Ich hoffe, dass wir beim nächsten Treffen diese Ideen vertiefen können.

Letztlich war das ganze Treffen sehr intensiv, produktiv und super spaßig. Vor allem das Abhängen mit den Kollegen aus dem Weinberg ist immer ein riesen Gaudi und es gab massig neue interessante Reich-Gottes-Praktiker kennen zu lernen. Ich freue mich schon auf die Veränderungen, die wir in 6 Monaten bei unserem nächsten Learning-Treffen sehen werden.

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