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Forge Training startet

18 Feb

Letzten Montag waren wir in Stuttgart (Bad Canstatt) und haben die Gedankenblitze der letzten Monate vorgestellt. Mit Mary und Mark haben wir überlegt, wie wir Forge in Deutschland an den Start bringen. Die Amis haben doch ihre eigene Logik was Trainings angeht. Da ist so oft eine Unterwältigung bei mir in Ader, wenn ich zuhöre und irgendwelche Worte in Sätze einsetzen soll.

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Also haben wir uns gefragt, wie das wohl im hippen, kritischen, individualistischen Europa läuft. Und gleich haben wir uns den dicksten Brocken geschnappt. Statt ein ganzes Training aufzubauen wollten wir uns mit einem Teilthema beschäfitgen. Evangelisation, ist das jetzt. Sicher ein Wort, das bei manchen auf einem Level mit Trump und Putin rangiert. Stress, Oldschool und verkrampfte Ansagen kommen da direkt in die Hashtags.

Aber was gibt es besser als „buy low, sell high“ – bei etwas einsteigen, das eben kein Trend ist, das nicht leicht ist, das man wirklich knacken muss.

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Und so sind wir auf die Suche gegangen – nach Inhalt und Form. Erst mal die Form.

Ich bin jetzt schon so lange Beobachter von Trainings und Kursen. Und zum großen Teil sind die super ineffektiv. Wenn Leute einen Kurs machen, bekommen sie am Ende einen Bogen: „wie nütztlich für ihre Aufgaben werden die Inhalte“. Und weil sie irgendwie was gesehen haben, das sie vorher noch nicht hatten, kreuzen sie 7 von 8 an. Und zwei Wochen später weiß keiner mehr, um was es ging.

Wir wollten das ändern. Statt die Konzepte in den Mittelpunkt zu stellen, rücken wir den Alltag ins Zentrum. Dort sollen die Teilnehmer ihren Alltag reflektierne, mit Input einen neuen Plan erarbeiten, und dann zusammen mit anderen Änderungen angehen. Fall-basiert, statt Konzept-orientiert. Wir machen das, in dem die ersten 4 Wochen zuhause ein paar Videos, Arbeitsblätter und Inputs gibt. Damit bereiten sie sich vor, und kommen dann an einem Tag ans Ausarbeiten ihrer Ideen. Die Teilnehmer selbst gestalten den Pfad, nicht wir.

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Und dann Inhalt. Das große Problem bei Evangelisation ist Spam. Wie Staubsaugerverkäufer interessieren sich die meisten Evangelisten nicht dafür, ob die Leute schon ein Geräte daheim haben oder was sie gerade umtreibt. Umsatz ist King. Und so wird das Ding derart angepriesen, dass dir nur noch nicht die Wahl bleibt zwischen Flucht und, ähm, was eigentlich sonst? Beziehung fehlt auf jeden Fall total. Und sich in die Welt der anderen begegeben. Da haben wir ein paar coole Entdeckungen gemacht und bieten das jetzt den Teilnehmern an.

Ich bin gespannt wie Flitzebogen. Hat sich gelohnt, die Vorarbeit. Und jetzt sind wir stolz auf den Kickoff und was über die nächsetn 2 Monate kommen wird. Lernen werden wir auf jeden Fall was!

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Predigen für Postmoderne – Teil 2

3 Jul

Im letzten Post gab es Lobeshymnen auf Dave Schmelzer und seine Postmoderne. Die Einführung seines Talks aus 2005 in Chicago ging um Objektivität vs. Erfahrung. Moderne stehen auf objektive Fakten. Postmoderne eher auf erfahrbare Geistlichkeit.

Hier ist nun der 2. Teil mit praktischen Tipps. Auf eine heiter Diskussion…

Nachdem ich das gesagt habe, will ich einige Punkte präsentieren, die ich bei den meisten Predigten anwende. Die will ich euch präsentieren, und dann einige körperliche Übungen vorstellen, um zu zeigen, wie man als Prediger seinen Körper einsetzt. Ich will dabei nicht viel explizit über die Theologie dahinter sagen, sondern sie einfach voraussetzen. Die „Modernisten“ unter uns werden das ganze also nicht sehr biblisch belegt finden, zu Recht. Aber wenn ihr nur die versteckten Tiefen der Schrift kennen würdet…

1) Bringe überzeugend rüber, dass alles, was Gott will dass wir tun, uns zu Gute kommt.

Das ist etwas nicht sehr modernes. Die meisten meiner Predigt-Titel enthalten eine Verheißung. Ich mache es mir selbst zur Pflicht, in den ersten paar Minuten der Predigt klar zu machen, was die Leute davon haben, wenn sie mir 40 Minuten lang zuhören. Deshalb fange ich wenige Sätze an mit „Die Bibel sagt…“, mit der Bedeutung „..deshalb solltest du es tun.“ Ich benutze auch das Wort „sollen“ wenig, denn: warum sollten sie etwas tun, wenn es nicht in ihrem Interesse ist. Gott ist schließlich gut. Wieso sollte er uns schaden? Zum Beispiel Evangelisieren: Normalerweise wird gesagt: Du musst das tun, weil Jesus es befiehlt. Sonst bist du einfach ein schlechter Christ, der sich nicht um den Auftrag Jesu kümmert. Das funktioniert in meinen Kreisen nicht. Ich frage mich: Warum sollte eine geistig gesunde Person, die ihr Leben bewußt gestaltet, wie sie es möchte, evangelistisch aktiv sein? Das ist mein Ansatz. Und wenn ich keine Antwort habe, sollte ich gar nicht darüber predigen. Zum Beispiel Apg 17: „Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darin ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. Auch läßt er sich nicht von Menschenhänden dienen, wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt.“ Also kann es für nicht darum gehen, seine Bedürfnisse zu befriedigen, indem wir ihm dienen. Also wenn ich meinen Teil beitrage und das Evangelium an Orten verbreite, wo es noch nicht ist, also hier in Cambridge, und ich werde von einem Bus überfahren, bin ich weg. Ich denke, dass Leute um mich trauern würden, das Gott traurig ist, aber ich denke nicht dass Gott sagt: Oh nein, Cambridge ist verloren, Dave ist tot. Er kommt damit klar, er ist Gott. Ich fühle nicht einen Mangel in dem aus, was Gott tut. Ich bin eingeladen, an seiner Arbeit mit zu machen. Es ist zu meinem Vorteil – ich wäre blöd, es nicht zu tun. Da heißt: Ich predige die Vorteile davon, etwas zu tun – und den Preis dafür, etwas nicht zu tun.

Ein weiterer Gedanke: Ich will nicht, dass mir Prediger sagen, dass ich ein Idiot bin wenn ich nicht tue was sie sagen. Aber ich will schon, dass sie sagen das ich nicht clever bin, wenn ich es nicht tue. Das ist etwas ganz anderes. Ich habe zwei Predigen hintereinander von einem talentierten Mann gehört, dessen Stil ich aber nicht mochte. Er hat über Evangelisierung geredet. In der ersten Predigt ging es darum, ob man seinen Arbeitsplatz als Missionsfeld sieht. Er sagte: „Ich glaube nicht, dass du das tust!“ Er fragte weiter: „Betest du für sie, betest du jeden Tag dafür, dass sie durch dich zum Herrn kommen – ich habe mich umgehört, ich glaube nicht dass du das tust!! Was stimmt mit euch nicht? Liebt ihr Gott überhaupt? Gehts euch nur ums Geld oder um Gott? Also rafft euch auf, seht den Arbeitsplatz als Missionsfeld und lasst uns beten..“ In der zweiten Predigt, eine Woche später fing er an: „Lasst uns zusammen die freie Gnade Gottes feiern. Wir können sie nicht verdienen. Sie ist absolut frei, lasst uns darin frohlocken. Lasst uns beten..“ Wenn die Gnade frei ist – was ich glaube – wofür sind dann all die Gebote? Ich glaube, es sind Anweisungen für unser Leben als Christen. Wenn wir nicht beten, haben wir keine gute Beziehung zu Gott, wenn wir unseren Ehepartner nicht so lieben, wie die Bibel es sagt, wird unsere Ehe schlecht sein. Daran ändert die freie Gnade Gottes nichts – deshalb gibt es die Gebote, weil sie uns zum Besten dienen. Also sage mir als Prediger nicht, dass ich ein Idiot bin, wenn ich nicht tue was du denkst das ich tun soll, sag mir dass ich nicht clever bin. Also wenn’s um Mission am Arbeitsplatz geht: Super Frage, also warum bin ich nicht clever, wenn ich es nicht tue? Das ist eine ganz andere Frage.

2) Bringe Jesus in eine Lage, dass er seine Macht demonstrieren kann.

Ich mag Tips, ich gebe viele Tips, möglichst konkrete. Denn es geht darum, den Leuten zu zeigen, was an der Botschaft relevant für sie ist und was sie davon haben, wenn sie es umsetzen. Ich rate den Leuten, Dinge zu tun, auf die Gott eine Reaktion versprochen hat. Wenn keine Verheißung von Gott auf etwas liegt, liege ich falsch.  Psalmen zu beten, zum Beispiel.  Mein Freund Steve hat es probiert, obwohl er nicht gläubig war, und sein Leben hat sich gebessert. Darauf bin ich natürlich durch die Bibel gekommen. Die historische Forschung hat gezeigt – und ich vertraue ihr da – dass der Psalter ein Gebetsbuch war. Hast du mal gemerkt, wie wenig sich der Psalter für Bibelarbeiten eignet? Warum? Ich denke, wiel sie nicht dafür gedacht sind. Es ist als Gebetsbuch gedacht, nicht dazu, es zu analysieren und auseinanderzunehmen. Aber du kannst sie beten. Und wenn du es tust, wie es Menschen 3000 Jahre getan haben, wird es dein Leben verändern. Also sage ich: Bete Psalmen, weil es dein Leben verändert. Wenn du es tust und es ist nur langweilig – hör auf damit! Genauso mit Gemeinde: Wenn du in einer Gemeinde unzufrieden bist und es dir nichts bringt – geh woanders hin, warum solltest du etwas tun, was nicht in deinem Interesse ist? Vielleicht liegt es an uns, oder du passt hier nicht rein. Es gibt viele andere gute Gemeinden, und wenn die nichts sind, komm zurück. Generell: Wenn die Dinge, zu denen ich rate, keine Reaktion, kein Ergebnis bringen, würde ich sie nicht tun.

3) Lass dich von jeder Predigt selbst herausfordern.

Das ist nur mein Anspruch, es muß nicht deiner sein. Aber das ist, was ich entdeckt habe, was mir nicht leicht fällt, aber es ist hilfreich. Ich schreibe meine Predigten selbst. Es gibt eine Sache, die mir etwas peinlich ist, aber falls sie euch auch peinlich ist, mir geht es nicht anders: Ich schreibe meine Predigten spät in der Woche. Wenn ich mit Pastoren rede fragen sie manchmal: Bist du einer von denen, die ihre Predigten spät in der Woche schreiben, Samstag nacht? Und ich antworte: Ja, grundsätzlich. Der Grund warum ich das angefangen habe, war: Ich hatte das Gefühl, Predigten würden mein ganzes Leben bestimmen, es käme immer schon die nächste. Ich wollte das begrenzen. Wenn eine Predigt etwas 10 Stunden Vorbereitung braucht, sollten es die letzten 10 Stunden der Woche sein, nicht die ersten. Denn wenn es die ersten sind, werde ich gar nicht mehr mit meinen Mitarbeitern reden. Ich werde keine Pastoren treffen, keine Visionstreffen besuchen, keine Seelsorge machen, ich werde nicht der Gemeinde dienen, nur die Predigt schreiben. Wenn ich am Anfang der Woche anfange würde ich die ganze Woche darüber nachdenken.

Also, ich sitze an der Predigt, zwei, drei Stunden lang – und bin gelangweilt. Alles was ich schreibe, ist wahr – es ist kein Problem von theologischer Korrektheit. Ich glaube, was ich sage, aber ich bin gelangweilt. Warum ist das so? Ich glaube, weil ich den Leuten etwas erzähle, was ich vor zwanzig Jahren gelernt habe. Es ist wahr, wahrscheinlich sogar hilfreich, aber ich habe es seitdem nicht wirklich im Leben umgesetzt. Dann könnte jemand einwenden: Ja, aber es ist nicht jeder so weit wie du, für Neubekehrte könnte es hilfreich sein. Aber ich will das nicht tun. Ich sage zu Gott: Nein, das bringt’s doch nicht. Ich will von ihm wissen: Was in diesem Text willst du mir heute sagen, woran muß ich arbeiten? Worüber ich nachdenken muß, was mich wirklich umhaut? Wenn da nichts ist, worüber soll ich dann reden? Acuh wenn es schon spät ist: Es kann sein, dass ich eine Stunde nur darüber bete, bis ich ein Wort von Gott habe, dass ich weitergeben kann. Ich will sagen können:Das ist wichtig für die Leute, weil es mir wichtig geworden ist. Also, was mich angeht: Ich finde es wird lebendig, wenn ich wirklich herausgefordert bin. Wenn ich auch nur ein bißchen gelangweilt ist, selbst wenn es wahr ist, frage ich mich: Warum predige ich das?

4) Predige mit Begeisterung und Überzeugung, selbst wenn du nicht völlig von der Predigt begeistert bist.

Ich weiß nicht wieviel von euch regelmäßig auf der Kanzel stehen und denken: Ich hoffe, das funktioniert. Ich hoffe, ich bring’s heute rüber und werde meiner Aufgabe gerecht. Für mich ist es halb/halb: Jedes zweite Mal bin ich recht selbstbewußt und denke: Ich gebe einfach mein Bestes, mehr kann ich nicht tun. Die anderen Male mache ich mir Gedanken: Ich hoffe, das klappt und ich kann das heute gut machen. Mir hat Gott mal gesagt, als ich angefangen habe zu predigen: Niemand will deine Entschuldigung gleich am Anfang hören. Auch wenn du dir unsicher bist: Niemand will als Einleitung hören: „Hey, ich hab’s auch nicht ganz geblickt, es war spät gestern abend…“ Genausowenig solltest du sagen: „Es könnte nicht viel besser sein, ich bin wirklich ziemlich gut… Ich bin sehr gut.“ Niemand will das hören! Gott sagt mir ständig: Hör zu, hast du eine andere Predigt in petto für heute? – Nein. – Hast du auf den Heiligen Geist gehört, Zeit mit mir und dem Text verbracht, dich selbst gefragt und wirklich nach der Herausforderung gesucht, die der Text bereithält? – Ja, das tue ich immer. – dann ist das das Wort des Herrn. Das ist es, was die Leute hören sollen. Und niemand will deine Entschuldigung hören, warum es vielleicht besser sein könnte. Also ist das im Augenblick die beste Predigt die jemals gehalten wurde und du predigst sie heute. Und du predigst im Bewußtsein, dass das Gold ist, dass du den Leuten gibst. Und ich predige es. Und ich sage euch eins: Die Predigten, auf die ich die meisten Reaktionen erhalten habe, waren die, bei denen ich am unsichersten war. Diese Predigten haben Leben verändert. Gott ist gut, er verspricht seine Gegenwart und gibt uns sein Wort. Also, entschuldigt euch nicht.

Das Buch, dass ich in Bezug auf Predigen empfehle, ist eigentlich kein Buch übers predigen, sondern über das Halten von Reden. Es heißt „The quick and easy way to effective speaking“ von Dale Carnegie. Ich glaube Dale Carnegie war der beste Lehrer im Reden halten den es gab. Er hielt Seminare zu dem Thema in den Zwanzigern in CVJMs und wurde so berühmt. Er schrieb weitere Bücher, z.B. „Wie man Menschen beeinflusst und Freunde gewinnt“ und ein empfehlenswertes Buch zum Thema „Sorgen“, es heißt „Sorge dich nicht, lebe!“ Das wäre auch ein super Predigt-Titel. Das Buch ist großartig. Das über Freunde ist nicht sein bestes, aber auch das ist gut. Er spricht darüber, wie er zehntausende von Leuten im Reden halten trainiert hat, Verkäufer, Prediger, Ehrenamtliche, alle möglichen Leute aus verschiedenen Kontexten. Ich habe viele Bücher aus dem evangelikalen Kontext gelesen über Predigen. Er ist das absolute Gegenteil. Es geht wieder um den Gegensatz Moderne-Postmoderne. Carnegie war postmodern in den Zwanzigern. Was er sagt, ist für mich vorbildhaft. Es gibt ein Standard-Buch übers Predigen von einem Dozenten vom Gordon-Conwell-Seminary, das mir auch empfohlen wurde – aber ich konnte nichts damit anfangen. Es geht wieder nur um Abstraktionen, Konzepte. Man soll keine Geschichten erzählen, nur „objektiv“ zu sein. Carnegie dagegen sagt: Alles kommt aus deiner Erfahrung, aus deiner Begeisterung. Und wenn du keine Leidenschaft hast für das, was du sagst – warum sagst du es dann? Jedenfalls: Dieses Buch ist absolut empfehlenswert.

Einer seiner Punkte ist: Rede mit Begeisterung darüber, wie das Thema dein Leben verändert hat. Die Leidenschaft, die Begeisterung macht den entscheidenden Unterschied. Du kannst über ein und dasselbe Thema reden, mit und ohne Leidenschaft – das ist das Entscheidende. Und die Leidenschaft hängt eng damit zusammen, wie sehr es dein Leben verändert hat. Das ist ein großer Anspruch, jede Woche, jeden Punkt dazu in Bezug zu setzen wie es dein Leben verändert hat. Dennn wie viele Dinge verändern dein Leben wirklich? In der Praxis redest du über weite Themenkreise, auf die du immer wieder zurück kommst. Aber die es kommt immer wieder darauf zurück: Wenn es nicht dein Leben verändert hat, wieso predigst du dann darüber? In dem Buch erzählt Carnegie eine Geschichte. Er redet über diesen Typ in seiner Klasse, der eine Rede gehalten hat über Patriotismus. Er fängt an mit getragener Stimme: „Patriotismus ist eine großartiges Geschenk des Schöpfers an unser Volk…“ Einfach eine Reihe von abstrakten Ideen über Patriotismus. Die Klasse hat ihn irgendwann dazu gebracht, aufzuhören. „Hör auf zu reden…“ Und Carnegie fragt den Kerl: „Was ist dir persönlich am Patriotismus wichtig?“ – Der Kerl war Kriegsgefangener im 2. Weltkrieg und war geflohen. Also sagte er: „Es ist mir sehr wichtig, ich bin ein guter Patriot!“ Und Carnegie frage „Warum?“ – „Ich war Kriegsgefangener im 2. Weltkrieg.“ – „Dann erzähl mir darüber..“ Und er erzählte sehr eloquent seine Geschichte und die Leute waren gefesselt. „Das ist mir passiert.. und deshalb bin ich Patriot!“ Die Leute reagierten mit stehenden Ovationen. Vom langweiligsten Redner zum Besten! Es geht immer wieder darum: Hast du Begeisterung für das Thema und warum? Es gibt kein ödes Leben auf der Erde. Wenn man Leuten wirklich zuhört, hat jeder etwas interessantes zu erzählen. Meine Eltern waren Farmer in Iowa, und mit 21 haute mein Vater ab um aufs College zu gehen und wurde schließlich einer der erfolgreichsten Anwälte in Kalifornien. Jeder hat interessante Geschichten zu erzählen. Wenn du verstehst, was Leute antreibt, dann ist das spannend.

Nächster Tip: Mach’s einfach. Es ist schwierig, nicht am laufenden Band zu verallgmeinern! Als Autor mag ich eigentlich „Poesie“ gar nicht. Ich bin mehr der „Prosa-Typ“ beim Predigen. Ich tue mich schwer mit „poetischen“ Predigt-Überschriften wie „Verlier nicht deinen Axt-Stiel.“ – „Was meinst du damit?!“ Es ist einfach eine Metapher – aber woher soll ich wissen, um was es geht? Ich will im Predigt-Titel mitkriegen, um was es geht, was die Verheißung dahinter ist. Ich will wissen, was Gott verspricht, nicht so etwas wie „Blumensträuße der Gnade“. Mach’s einfach, drück dich klar aus. Das ist nicht immer einfach. Z.B. ein Schriftwort wie „Perlen nicht vor die Säue werfen.“ Jesus hat’s gesagt, dann ist es gut genug für mich. Aber es ist Poesie, eine Metapher. Du kannst sicher sein, ich werde nie Perlen vor die Säue werfen. Das ist es..! Ich vermute stark, Jesus spricht hier symbolisch, metaphorisch. Es könnte verschiedene Dinge bedeuten: Für manche Leute zu beten, anstatt ihnen zu predigen. Oder: Leute die kein Interesse haben, links liegen zu lassen. Was auch immer es ist: Drück’s klar aus, mach’s einfach und deutlich. Und schließlich: Je mehr du Leuten ausdrücklich Freiheit gibst, desto mehr kannst du von ihnen verlangen. Hier ist mein Versprechen: Die meisten konservativen Gemeinden arbeiten mit Druck, und verlangen schließlich fast nichts von den Leuten. Ich versuche mein Bestes darin, Leuten alle Freiheit zu lassen und alles von ihnen zu verlangen. Hier sind meine Einsichten: Als wir ein Kirchengebäude bauen wollten, wir waren zu der Zeit etwa 700 Erwachsene. Aber die meisten waren nicht wohlhabend. Sie waren Studenten oder gerade frisch im Job. Die Kosten insgesamt sind 9 Millionen Dollars. Die hatten wir nicht. Wie sollten wir das Geld auftreiben? Sollten wir einen Berater engagieren? Wir entschieden uns dagegen. Ich habe Rick Warren gelesen, großartig. Ich habe entdeckt, dass er Aufzeichnungen begonnen hat über die Spendenkampagne, 10 Jahre vorher, als er 5000 Leute in der Gemeinde hatte. Das Spendenaufkommen in dieser Kampagne war das höchste, pro Person gerechnet, das es jemals gab. Dieser Bezirk ist der reichste in Amerika. Zurück in unsere Zeit. Ich fühlte mich wie ein Schmock. Ich habe mit den besten Spendern geredet, aber fühlte mich auch komisch und manipulativ dabei. Also habe ich ihnen gesagt: „Wenn du Bedenken hast, auch nur einen Dollar zu geben, dann gib diesen Dollar nicht.“ Wenn du auch nur den Hauch von Einwänden hast, die dich hindern, mit Begeisterung zu geben – dann will ich es nicht.“ Ich will nichts aus dir rauslocken, dass du widerwillig gibst. Ich will wirklich nur die Kohle, die du freudig und gerne gibst. Dann habe ich erklärt, warum Ich selbst gerne viel Geld gebe. Ich gebe einen Großteil meines Gehaltes, obwohl ich sowieso weniger als üblich bekomme. Ich habe gesagt: Ich will freiwillig noch weniger Gehalt bekommen. Und ich hoffe, du tust das gleiche. Weil ich daran glaube. Ich glaube, Gott wird es belohnen. Im ersten Jahr gaben wir 20000 Dollar. Das habe ich gepredigt, und daraufhin war die durchschnittliche Spendensumme pro Person 26000 Dollar! Wie kam es dazu? Weil ich Freiheit gepredigt habe – und alles verlangt habe.

Das ist glaube ich abgelaufen: In einer normalen „modernen“ Kirche wird gesagt: Die Bibel sagt „X“, deshalb solltest du es tun. Du hast natürlich die freie Wahl, aber es nicht zu tun heißt der Bibel ungehorsam zu sein. Die Verantwortung wir abgewälzt. Es wird gesagt: Wenn du damit nicht klarkommst und dich ärgerst, dann nicht über mich, sondern über Paulus. Oder über Jesus. Das ist die Ausübung von Druck! Die Botschaft, die rüberkommt ist: Falls du dem lebendigen Gott gegenüber ungehorsam sein willst, fühl dich frei nicht zu tun, was ich sage. Wenn wir das tun, wenn wir auf diese Weise über Leute urteilen, dann üben wir Druck aus. Und im Grunde verlangen wir nichts. Wenn wir gleich mit der Hölle drohen, können wir das nicht sehr oft tun, weil es sich abnutzt. Deshalb verlangen wir am Ende gar nichts. Wir üben Druck aus. Wir denken: Wenn ich sie danach frage, drei Minuten am Tag zu beten, bin ich ein [cold leader? ca. 42:00]. Wenn ich eine Stunde verlange, dasselbe. Wenn ich sage: Gebt doch ein bisschen, es steht doch in der Bibel. Wir verlangen so wenig wie möglich, weil wir kein [cold leader?] sein wollen. Was ich versuche rüberzubekommen ist: Es gibt kein Urteil. Ich verurteile Leute nicht, weil sie nicht tun, was ich sage. Also was ist passiert: Leute gaben sehr großzügig, aber kein großer Teil der Leute. Von den 700 Leuten gaben in der ersten Runde etwa 200-300. Aber das habe ich ja gesagt: Wenn ihr irgendwelche Vorbehalte habt, gebt nichts. Also habe ich gesagt: Super wenn ihr was gebt, ok, wenn ihr nichts gebt. Ich bin gespannt was Gott für dich tut. Fazit: Je mehr Freiheit du gibts, desto mehr kannst du verlangen.

Predigen für Postmoderne – Teil 1

28 Jun

Dave Schmelzer ist Pastor der Vineyard in Boston und einer meiner Mentoren. Als mir ein Freund eine Predigt von ihm gab (damals noch auf Kassette), war ich hin und weg. Dave redete irgendwie anders. Schon mit Bibel und so, aber frischer. Und vor allem näher für mich. Über die Jahre habe ich von ihm viele Ideen gelernt, die ich schon hatte, aber nicht formulieren konnte. Er war ein postmoderner Prediger. Nicht mit Stationen oder Lichtshow. Sondern vom Ansatz her.

Dieser Vortrag hielt er vor 7 Jahren in der Nähe von Chicago. Ich habe ihn übersetzt und poste hier in 2 Teilen. Es ist vielleicht hier und da etwas lang, aber die Gedanken sind so relevant zu dem, wie ich unsere Welt empfinde, dass ich das Sortieren dem Leser überlassen will. Ich bin gespannt auf die Reaktionen und Diskussion. Voila…

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Was für ein Glaube?

Ich bin seit dem College Christ. Und kurz nach dieser ziemlich dramatischen Umkehr habe ich mit einem sehr konservativen Pastor über meine Bekehrung geredet. Er fragte mich: „Warum bist du Christ?“ und ich sagte, dass ich dem lebendigen Gott begegnet bin. Er war so konservativ, dass er nicht unbedingt an einen lebendigen Gott glaubte – er glaubte an den Gott der Bibel. Er sagte dem Sinn nach: das reicht nicht. Ich dachte: „Oh, oh; also ich mag auch die Bibel“ und dachte, das würde er gut finden. Er fragte mich: „was meinst du?“ Ich sagte: „mir ist aufgefallen, dass wenn ich die Bibel lese und es von bestimmten Konsequenzen spricht, und ich tue die Dinge, dann tritt das auch so ein. Es ist wirklich gut.“ Er schüttelte traurig seinen Kopf. Ich dachte: „Oh, oh; schon wieder das falsche.“ Er fragte mich nach einem Beispiel. Ich sagte: „Wenn Jesus sagt: kommt zu mir mit euren Lasten und ich gebe euch Ruhe. Dann überlege ich, wie ich zu ihm kommen kann, denn ich habe oft schwere Lasten. Kann ich tatsächlich zu Jesus gehen, ihm meine Lasten geben und er nimmt sie?! Und meine Erfahrung ist: Ja!“ Er schüttelte einfach seinen Kopf. Ich grub mir ein immer tieferes Loch.

Dann fragte er mich: „was ist, wenn du die Dinge in der Bibel probierst und sie funktionieren nicht?“ Ich hatte das Gefühl, das war eine Fangfrage. Ich sagte: „Aber sie tun es!“ Er meinte, „aber was wenn es nicht der Fall wäre?“ „Ich weiß nicht. Wenn die Bibel davon spricht, dass es für mich gut wäre und es passiert nicht, dann würde ich denken, dass ich was falsch gemacht habe oder einfach naiv bin. Ich würde weisere Leute als mich fragen und ihren Rat nehmen und durchhalten. Aber wenn du damit meinst, dass in der gesamten Weltgeschichte für alle Leute, die das probiert haben, nie was dabei rumgekommen ist – dann wäre ich wahrscheinlich kein Christ mehr.“ Er sagte: „Ich wusste es! Das bedeutet, du bist nicht errettet.“ Ich sagte: „Wirklich? – bedeutet errettet zu sein, dass du gegen alle Erfahrung an die Bibel glauben musst? Wenn alle Erfahrungen in eine andere Richtung deuten, aber die Bibel was anderes sagt, dann muss ich der Bibel glauben?“ „Ja! Das heißt, auf dem Wort Gottes stehen! Es geht nicht um deine Erfahrungen. Erfahrungen können lügen. Alles, was du mir gesagt hast, ist erfahrungsbasiert. Mein Glaube gründet sich im Wort Gottes!“

Die Moderne und das danach

Was er mir vermittelt, war eine extreme Form von Moderne. Momentan gibt es gerade diesen Wandel von einem modernen Verständnis vom Reich Gottes zu einem zunehmend postmodernen Verständnis. Ich bin hier sicherlich kein Experte, aber im groben ist es so: die Moderne ist eine philosophische Art zu denken, die mit der Aufklärung zur Mitte des 16. Jahrhunderts kam. Sie hat mehr an Einfluss zugenommen und zeigte, dass wir nicht mehr das Wissen von Vorfahren oder Traditionen einfach übernehmen müssen, oder einfach Autoritäten glaube müssen. Stattdessen können wir wissenschaftlich arbeiten und Dinge erforschen und bekommen ein objektives Wissen. Dadurch wird die Gesellschaft immer besser, es gibt Fortschritt und wir kommen dem Himmel auf Erden nahe – das ist die Annahme der Moderne.

Viele gute Dinge sind in der Moderne passiert – Buchdruck, Computer, Medizin, Mobilität. Moderne: yeah! Aber: mitten im 20. Jahrhundert als der 2. Weltkrieg zum Ende kam, wurden mehr und mehr Menschen desillusioniert mit der Moderne. War nicht die Verheißung der Moderne, dass das Leben immer besser wird? dass Menschen immer glücklicher werden? Und hier haben wir im 20. Jahrhundert mehr Menschen getötet als in der gesamten Menschheitsgeschichte. Und wir fühlen uns nicht glücklicher, um ehrlich zu sein.

Und wie ist das mit Dingen, die man nicht unter ein Mikroskop tun kann? Dinge wie Liebe, Intimität, Freundschaft – alles, was mit Beziehungen zu tun hat. Vielleicht ist das ganze Universum mehr beziehungsorientiert als wir gedacht haben. Vielleicht ist das ganze nicht so unpersönlich und abstrakt. Vielleicht wollen wir einfach jemand kennenlernen. Eine meiner Lieblingsstellen in der gesamten Literatur ist eine Zeile aus einem Buch von E.M. Foster, das unter dem Titel „Howard’s end“ verfilmt wurde. Seine berühmtesten Zeilen haben es nicht in den Film geschafft. Es waren seine berühmtesten Worte: Only connect! Er meint damit, dass letztlich alles darauf hinausläuft, ob du connectest oder nicht. Isolation ist der schlimmste aller Zustände. Intimität und Beziehung ist, wofür wir geschaffen sind. Das ist eine sehr postmoderne Sichtweise.

Warum Christen auf die Moderne stehen

Christen tendieren dazu, in der Mitte gefangen zu sein. Die Christen haben sich am Ende des 19. Jahrhunderts dafür geschämt, dass wir nicht gut in der Moderne waren. Wir hatten das Gefühl, dass Leute uns anschauen als wären wir ein Haufen Idioten. Sie unterstellen uns, dass wir nur auf unsere Großeltern hören, an Tradition glauben und nicht selbst denken können. Die anderen sind die ganzen schlauen Leute, sind Wissenschaftlich und wir fühlen uns wie Deppen. Wir werden es ihnen zeigen! Und wir zeigen es ihnen, indem wir auf ihre Denkweise eingehen und nach ihren Regeln spielen. Wir machen aus dem Leben mit Jesus eine Wissenschaft! Und das funktioniert, indem wir alles am Standard der Bibel messen. Denn das ist das einzig objektive, das wir haben. Wenn wir das als Axiom nehmen, dass die Bibel das inspirierte Wort Gottes ist, und wahr ist, dann finden wir darin alles, was wir wissen müssen. Und daraus wuchs dann Fundamentalismus und Evangelikalismus.

In den 80ern, als Postmoderne etwas mehr Verbreitung fand, haben alle in der Kirche darauf mit Ablehnung reagiert, weil sie sich bedroht fühlten. „Diese verdammten Postmodernen! Sie glauben nicht an Wahrheit. Alles ist relativ. Nichts ist verbindlich.“ Das ganze entpuppt sich etwas als Götzendienst, denn es greift das eine Ding an, an dem wir festgehalten haben: „Wir sind keine Idioten, denn die Bibel ist wahr und wir kennen uns damit aus!“ Und jetzt kommt die Postmoderne, wo Wahrheit mehr beziehungsmäßig ist und nicht mehr so abstrakt. Deshalb reden viele von der Bedeutung von Geschichten.

Die Logik der Geschichten

Geschichten bedeuten was in der Postmodernen – und nicht nur Abstraktionen. Und Überraschung: die Bibel ist voller Geschichten. Kannst du es zerlegen? Was ist der Punkt wenn David Goliath erlegt? Ist die Aussage: Mut wird gewinnen!? Ist der Punkt: wenn du an Gott glaubst, kannst du große Hindernisse überwinden!? Ist es: lass dich nicht auf Furcht ein, habe Glauben!? Ist der Punkt: wenn alle um dich misstrauisch sind, dann lass dich nicht runterziehen, sondern geh raus und kämpf!? Was ist der Punkt in Geschichten? Es gibt Millionen von Punkten. Du kannst von allen Richtungen kommen. Du könntest diese Geschichte den Rest deines Lebens predigen und was Interessantes dabei sagen. Denn es ist eine reiche Geschichte. Und es ist wahr. Was ist die Wahrheit? Was ist die wahre Bedeutung der Geschichte? Die Frage ist absurd – es gibt keine wahre Bedeutung der Geschichte. Es ist einfach was es ist – eine Geschichte.

Mir ist aufgefallen, dass in meinem Umfeld moderne Predigten nicht gut kommen. Es ist aber sehr verführerisch. Wenn du mit sehr smarten Leuten zusammen bist, dann denkt jede konservative Gemeinde: wir holen ist jemand mit einem Doktortitel, um den Leuten zu zeigen, dass wir smart und keine Idioten sind. Die ganzen sekulären Stimmen sagen, Christen sind dumm, aber wir beweisen euch, dass wir nicht dumm sind. Wir beweisen es euch, denn wir haben einen Doktor. Und wir geben euch bessere Abstraktionen als die anderen. Die Gemeinden wachsen nicht.

Ein eigener Weg

Ich bin eigentlich als Pastor ins kalte Wasser geworfen worden. Ich war ein Bühnenautor und wollte meine Stücke schreiben und in New York produzieren, was ich auch gemacht habe. Jemand anderes wollte die Gemeinde leiten, aber sein Leben ist aus den Fugen geraten. Dann haben sich alle auf mich eingeschossen und gesagt: du bist unsere einzige Hoffnung. Mach das mit der Gemeinde und pausiere mit dem Bühnenzeug. Ich hatte etwas Ausbildung und habe schon fast alles in der Gemeinde geleitet während wir darauf gewartet haben, dass es dem ursprünglichen Typen besser geht.

Also hatte ich wenige Überzeugungen. Ich hatte noch nicht so viel gepredigt und fragte mich: was sind meine Annahmen über Predigten – im Hinblick darauf, dass ich es in 2 Wochen jede Woche machen muss? Also habe ich mich umgeschaut: was macht Rick Warren? Was machen Leute in der Vineyard? Und ich habe hauptsächlich von Modernen gehört: predige keine Erfahrung, denn Erfahrungen lügen. Ich dachte mir, viele dieser Predigten sind gut. Modern und gut. Rick Warren ist gut, aber er predigt dauernd Statistiken. Er zitiert was aus der New York Times und deshalb hat es einen objektiven Touch, aber wenn es seine eigene Geschichte wäre, dass hätte sie diesen Touch nicht.

Ich dachte mir: das mache ich nicht mit! Wenn die Bibel sagt: du sollst das tun und hier ist der Vorteil für dein Leben, wenn du es tust – wenn ich dann nicht sagen kann: ich habe das versucht und so ist es mir dabei gegangen – dann bin ich nicht ehrlich. Was ich dann sagen würde: du sollst es tun – ich habe kein Interesse, es selbst anzuwenden, denn ich habe schon genug zu tun – aber für dich ist das sicher sehr gut. Ich hatte mal von John Maxwell gehört:  „Nach 15 Jahren in meinem Dienst ist mir ein großer Einblick gekommen: ich werde nie jemand dazu auffordern etwas zu tun, das ich nicht selbst probiert habe.“ Nach 15 JAHREN! WOW! Es scheint mir einfach der Zeitgeist der Moderne zu sein.

Es gibt Leute, denen gefällt nicht, wie ich predige. Das geht den meisten so. Aber bei sind die Leute, denen es wirklich gar nicht gefällt, wie ich predige, sind junge Leute aus sehr konservativen Gemeinden. Ich spreche einfach nicht ihre Sprache. Die sagen mir dann oft, dass meine Predigten nicht tief genug sind. Ich überlege mir dann immer: wie? Meine Predigten fordern mich wie verrückt heraus. Ich frage mich, ob ich es hinbekomme und es stresst mich an allen Ecken und Enden. Ich finde, ich bin ziemlich herausfordernd.

Also wieso finde ich es herausfordernd und sie nicht? Für sie ist es seicht, weil ich nicht sage: Schlagt die Bibeln bei Mt 6 auf, der historische Hintergrund ist der Folgende: Das Ganze spielt in Israel – lasst mich erklären was Israel ist… so was mache ich nicht. Ich predige die Bibel, aber das Herz der Bibel. Was will Jesus von uns, was sollen wir für ihn tun?

Ich sage damit nicht, daß der moderne Predigtstil schlecht ist. Ich will nicht das eine gegen das andere ausspielen. Geschichtliche Erkenntnise zu suchen, ist gut. Und wenn du einen Weg gefunden hast, über Geschichtliches zu predigen und es führt zu Wachstum – Gott segne dich! Und fast 100 % der großen amerikanischen Prediger heute sind „Modernisten“. Ich kennen nicht viele, die „postmodern“ predigen. Also wer bin ich zu sagen: Du lausiger Modernist, ich weiß es doch alles besser..? Und dabei wächst ihre Gemeinde richtig stark. Und sie lieben Jesus, geben das an andere weiter und gründen Gemeinden. Machen sie was falsch? Ich denke nicht, sie machen es großartig. Es zeigt einfach: Sie machen es genau richtig für die Leute, die sie erreichen wollen. Die sollten sich diesen Vortrag gar nicht anhören. Es ist eine andere Herangehensweise.

—- Teil 2 – Predigen für Postmoderne folgt.

ein Atheismus-Projekt

18 Feb

Alain de Botton sieht aus, als würde er zu viel vor dem Computer sitzen. Helle Haut, Glatze und hängende Unterlippe. Und dann redet er noch schnell und mit einem Geek-Vibe. Ich mag seine Bücher. Übers Reisen, die Philosophie und Architektur. Sein Stil gefällt mir auch.

Jetzt hat er ein neues Projekt: Atheismus mit Lehren der Religion zu beleben. Normalerweise sind Atheisten schlimmer als Baptistenprediger aus Texas. Sie sind voller Polemik, Aggressivität und lassen wenig Raum zum Nachdenken. Sie verstehen nicht, wie Religion funktioniert. Und vor allem ist ALLES aus der Religion schlecht. Alain schlägt einen anderen Weg ein – mit Anerkennung, Lernbereitschaft und Raum zum Denken.

In diesem interessanten Vortrag bei TED spricht er über sein Projekt. Es wird nie und nimmer funktionieren. Er versucht, Religion zu verstehen und hat sehr interessante Punkte. Die Kommentare über Kinder sind super, genauso über Wiederholung und Emotionen. Sehr wahr. Er unterschätzt nur die Gemeinde. Auch wenn wir Christen hart mit uns selbst sind und der Gemeinde wenig Credit geben, so sind es doch die Beziehungen und soziale Unterstützung, die das ganze funktionieren lassen. Ist aber natürlich schwierig zu verstehen, wenn man das nie miterlebt hat.

Genug gelabert – hier ist der Vortrag:

Probleme mit dem Centered Set

24 Nov

Jetzt mache ich vielleicht kaput, was ich in den letzten 3 Posts hochgejubelt habe. Centered Set hat revolutionäre Kraft, wurde schon umgesetzt und hat einige parktische Vorteile. ABER! Es hat auch einige Probleme. Hier sind drei, die mir sofort auffallen und auch tatsächlich etwas haarig sind:

Weniger Energie
Gemeinde lebt von der Energie der Leute. Wo sich Leute reinhängen, da geht was. Wo Leute inddiferenz sind, da geht nix. Ganz einfacher Zusammenhang. Je mehr eine Gemeinde es schafft, die Leute einzubeziehen, desto besser läuft der Laden (technischer Ausdruck: das Priestertum aller Gläubigen). Das Kreis-Model hat da den Vorteil, klare Erwartungen formulieren zu können: „wenn du bei uns dabei sein willst, musst du mitarbeiten, deinen Zehnten zahlen und uns unterstützen“. Das führt natürlich zu klareren Entscheidungen und damit zu klarerer Ausrichtung (deshalb wachsen konservative Gemeinden häufig schneller).

Centered Set schwächelt hier öfter mal. Man überlässt Leuten, ihren eigenen Platz zu finden. Forderungen werden weniger oder gar nicht gestellt. Das führt dazu, dass Leute öfter mal keine Entscheidung für sich treffen, weniger mitmachen und weniger Energie da ist. Die Soziologen nennen das Problem „free rider problem“ (Trittbrettfahrer) – mit dabei sein, ohne die Kosten zu tragen. Ein echtes Problem.

Weniger Klarheit
Ähnlich ist der Mangel an klaren Aussagen öfter ein Problem. Da im Centered Set wenige Dinge im Mittelpunkt stehen, wird zu vielen zweitrangigen Dingen keine Aussage getroffen. Von wem auch? Auf den ersten Blick ist das schön, aber in der Praxis anstrengend. Man will ne Sicherheit im Umgang miteinander. Jede WG kennt das. Und mir scheint, dass viele Gemeindeleute enorm auf dieses Gefühl der Sicherheit trainiert worden sind und es über jeden Preis haben wollen. Selbst wenn es zu Lasten der Selbständigkeit und Vielfalt geht.

Diese fehlende Klarheit kann man nur entkräften wenn man das Zentrum um so klarer Macht. Wenn man mit 180 km/h seine Werte lebt und so die Aufmerksamkeit auf die wichtigen Dinge lässt. Dadurch bleiben Probleme zweitrangig. Ansonsten fühlt sich Gemeinde irgendwann an wie eine vernachlässigte WG.

Wer hat die Autorität?
Beide Punkte oben kommen eigentlich daher, dass man die Autorität vom Superpastor auf die Werte überträgt. Nicht mehr ein starker Mann (und es sind meist Männer) hat das Sagen über OK oder Schlecht. Im Centered Set ist der Pastor auch nur Nachfolger. Entscheidungen brauchen dann drei Inputs: die Bibel, die Werte der Gemeinschaft und der Geist. Das ist die These von Phyllis Tickle in ihrem Buch „the great emergence“. Es ist genau dieser Shift von Sola Scriptura (allein das Wort) – was häufig Sola Pastora heißen sollte (allein das Wort nach Auffassung des Pastors) – hin zur verteilten Autorität, die Schwächung und Chance zugleich ist. Als Pastor muss man sich entziehen (denn die Leute haben einen „need for leadership“) und die Beteiligung der Gemeinschaft und des Geistes fordern.

Diese 3 Probleme sind real und können einen Gemeinde entscheidend schwächen. Aber sie sind auch der Grund, warum ich an Centered Set als revolutionäre Kraft glaube.

Ich will Jesus sehen. In der Gemeinde.
Ich bin müde von Pastoren, die ihre Ideologie durch die Bibel auf die Leute pressen.
Ich bin müde von Machtspielchen.
Ich bin müde vom Christentum.

Ich will Christus.
Ich will ihn in seiner Gemeinde.
Ich will Offenheit und Unterschiedlichkeit.

Vielleicht ist Centered Set ein Stück Weg dahin.

wie geht das mit Centered Set?

10 Nov

Was heißt Centered Set jetzt für eine Gemeinde 2011? Hier sind meine Beobachtungen aus den letzten 7 Jahren, als ich das selbst umsetzen wollte:

Unklarheit zulassen
Der größte Vorteil am Bounded Set ist die Klarheit der Erwartungen. Deshalb funktionieren konservative Kirchen so gut, selbst wenn man das als intellektueller Deutscher nicht so mag. Klare Erwartungen haben was Verbindliches, geben Bestätigung und Orientierung. Daher wachsen konservative Gemeinden häufig. Aber: das Evangelium ist für mich nicht, keinen Sex vor der Ehe zu haben. Wenn ich das Zentrum predige, dann lasse ich manche Fragen der Moral und des Lebenswandels offen. Ich konzentriere mich auf die Essenetials, und lasse die anderen Dinge zweitrangig. Manchmal wollen die Leute mehr Orientierung und das ist Teil des Centered Set – Unklarheiten und Chaos zuzulassen und manchmal sogar zu fördern. Es ist dann nicht so kuschelig wie woanders.

Leute loslassen
Leiter haben häufig eine große Unsicherheit und wollen wissen, wer DABEI ist. Man will wissen, auf wen man zählen kann und wer die Linie unterstützt. Auch im Centered Set ist das teilweise so, aber weit mehr über die Bereitschaft der Leute. Wer sich aufs Zentrum ausrichtet ist mit dabei. Und wer schon 100 Jahre in die Gemeinde geht und keine Leidenschaft fürs Zentrum zeigt, ist auch dabei, aber eben nicht zentral. Als Leiter lege ich nicht meine moralischen Zeiger auf die Leute und erwarte Konformität. Ich suche nach Leidenschaft und arbeite nicht mit Druck.

Wenig Moral predigen
Moral ist wichtig. Gott ist heilig und unser Lebenswandel interessiert ihn. Es gibt manche Dinge, die sind klar; es gibt viele, die sind grau. Es hat sich in der Christenheit immer wieder Kulturen entwickelt, die über Maßgabe von oben Moral Vorgaben und sie durchsetzen wollten. Ob im Mittelalter, bei den Puritanern, oder bei den amerikanischen Evangelikalen. Ich finde Gottes Wille super wichtig, aber ich will ihn nicht tun aus sozialer Konformität heraus, sondern aus Herzenshingabe. Moralpredigten tendieren dazu, den Kreis zu beschreiben und nicht das Zentrum. Tim Keller formulierte das einst elegant:

Manhattan ist voller postmoderner Menschen, für die alle moralischen Aussagen kulturell relativ und sozial konstruiert sind. Wenn du mit ihnen über sexuelle Sünde redest, sagen sie einfach: „du hast deine Standards, ich habe meine“. Wenn du dann ihren Relativismus attakierst, fühlen sie sich nur bevormundet und distanzierst… Ich lerne von Soren Kierkegaard, der Sünde als Identitätsfindung (Selbstwert nud Glück) außerhalb von Gott definiert. Das ist das biblische Verständnis von Sünde als Götze. Dadurch ist der Fokus nicht so sehr auf „was falsches tun“ als auf „gute zu ultimativen Dingen“ zu machen.

Anstatt ihr voreheliches Verhältnis zu ihrem Partner als Sünde darzustellen, sage ich ihnen, es ist Sünde, dass sie in einer Partnerschaft nach Lebenssinn, Rettung und Erfüllung suchen. Das kann nur von Gott kommen. Dieser Götze führt zu Angst, Vereinnahmung, Neid und Frust. Ich merke, dass wenn man ihr Leben im Sinn von Götzendienst darstellt, dann leisten postmoderne Menschen nicht viel Widerstand. Christus kann dann nicht nur als die einzige Hoffnung auf Vergebung, sondern auch die Hoffnung für Freiheit und Erfüllung präsentiert werden.

Mit Gottes Kraft rechnen
„Es muss etwas in unseren Versammlungen geben,“ sagte Francis Schaeffer, „das nicht mit Gruppendynamik oder Psychologie zu erklären ist.“ Ich liebe diesen Satz. Ich muss als Christ und Leiter darauf setzen, dass Gott Kraft hat – zu reden, zu korrigieren, zu verbessern. Was mir an Pastoren am meisten fehlt (vor allem an Jungen) ist die Demut, nicht alles zu wissen. Vielleicht wird das mit dem Alter besser (mag gut sein). Aber glaube ich denn, dass wenn ich Christus predige, er zu den Leuten spricht über das, was für sie wichtig ist (Moral)? Oder predige ich Christus und laufe dann los, um die Einhaltung sicherzustellen. Das Evangelium ist für mich, dass Gott kommt und uns hilft. Das ist im Centered Set Grundvoraussetzung. Im Bounded Set erlebe ich so viele soziale Faktoren (hippe Incrowd, Gruppenerwartung + Belohnung, soziale Bestärkung etc), dass ich manchmal Schwierigkeiten habe, einen Gott zu sehen, der Kraft hat.

Bereitschaft suchen
Als Leiter einer Centered-Set Gemeinde kann ich nur auf die Bereitschaft der Menschen schauen. Jeder trägt in sich einen Pfeil – und der ist entweder auf Jesus und unsere Werte ausgerichtet, oder nicht. Und ich will mit den Leuten unterwegs sein und Gemeinde bauen, die Pfeile aufs Zentrum haben. Die anderen dürfen auch dabei sein. Aber Leiter sind die Zentrumspfeiler. Und meine Aufgabe ist es zu suchen, zu warten und wenn Bereitschaft da ist, mit ihnen unterwegs sein. Hört sich wie ein Gleichnis von einem Samenkorn an, das auf einen Acker fiel und nur mancher war bereit…

Das sind ein paar Gedanken zu den positiven Konsequenzen von Centered Set. Die Probleme gibt es nächstes Mal…

Teil 1 und 2 der Serie hier. Noch ein Post folgt…

ein paar Vorbilder im Centered Set

2 Nov

Wer lebte Centered Set? Wenn etwas total gut ist, dann sollte es ja auch praktisch und attraktiv sein. Hier sind drei historische Persönlichkeiten, die Centered Set in ihrem Ansatz waren: Franz von Assisi, Loren Cunningham und John Wimber.

Franz von Assisi war der Superstar des 13. Jahrhunderts. Radikaler, provokanter Nachfolger Jesu, der die gesamte katholische Kirche beeinflusste. Er legte starke Ansprüche an sich selbst – Armut, Gehorsam etc – und fordert es zum Teil von seinen engsten Jüngern. Dennoch zeigt sich ein Zentrum-Fokus in seinem Leben (so weit man das heute sagen kann). Er nannte alles mögliche „Bruder“ und „Schwester“ (wie etwa „Schwester Armut“ etc). Er brachte damit seine Offenheit zum Ausdruck, in allem einen Verbündeten zu erkennen. Er war geleitet davon, in allem Gott zu erkennen und sein Werkzeug zu sein. Trotz seines wachsenden Ruhms versuchte er nicht, Truppen zu organisieren oder seine Agenda in einem Verband zu organisieren. Das Zentrum war wichtig, Leute waren damit konfrontiert und konnten auch zu Hause bleiben und richtig viel Essen. Franz fand sie alle gut.

Loren Cunningham hat mit Jugend mit einer Mission den Wert der Weltmission und Evangelisation in unser Zeitalter getragen. Wer auf einer DTS war oder zu einem Einsatz dabei war, wurde mit diesem Zentrum konfrontiert. Manche JmeM-Zentren waren charismatischer, andere weniger – aber in allen kamen diese Werte durch. Ob man Stockkonservativ war oder in Zungenrede nach dem Butter fragt – alle konnten kommen und mitmachen. Und JmeM macht an vielen Orten mit – mit Gemeinden, anderen Verbänden etc. Klar, JmeM ist ein unabhängiger Verband. Aber die Ausrichtung zeigt klar die Merkmale von Centered Set: klares Zentrum, wenig Verhaltenserwartung, große Offenheit, leidenschaftliches Vorleben.

John Wimber gründete die Vineyard und nahm Centered Set als eine seiner leitenden Theorien. Es erklärt ihm, wie Kirche im Verhältnis zum Glaubenden steht. „Wir haben eine weit offene Vordertür,“ meinte er einst, „und eine weit offene Hintertür.“ Die Leute an Jesus binden, und nicht an die Kirche, war die Devise. Und das lebte Wimber indem er 6 Kernwerte formulierte (das Zentrum) und Leute einlud, da mit dabei zu sein. Es gab kein Zwang, diese zu anzunehmen. Aber nur im Maße der Übereinstimmung konnte man Teil des Ganzen sein. Martin Bühlmann erklärt das auch nochmal.

So, das sind 3 Vorbilder meinerseits. Was man in allen merkt ist die Klarheit des Zentrum wie auch die Bereitschaft, mit der Spannung der Unverbindlichkeit zu leben. Man weiß nicht, wo die Leute letztlich sind, weil man kein „drin“ hat. Aber es ist diese Bereitschaft, die das Zentrum heller erstrahlen lässt und damit so ein Potenzial für unsere Zeit hat.

Teil 1 der Serie – 2 weitere folgen.

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