Tag Archives: Missional

Wie Johannes Reimer die Welt verändert (und die Kirche mit dazu)

8 Mai

„Gott liebt die Welt,“ sagt Johannes Reimer ins Mikrofon an unserem Workshop-Samstag. „Er liebt die Welt. Die Scheißwelt!“ Der Professor und Theologe hört sich zunächst an wie ein normaler Evangelist, um dann im nächsten Satz seine Botschaft heimzuhämmern: „Gott sandte nicht seinen Sohn in die Welt, um uns dann abzutransportieren. Es sandte ihn, weil er die Welt liebt!“

Reimer tourt seit Jahren deutsche Gemeinden und ist eine ziemliche Erscheinung. In seinen jungen Jahren war er Boxer – und er hat auch heute noch die Kraft einen Haken zu setzen, wenn auch nur durch seine Meinungen. Dann ist er im russisch-deutschen Mix aus Mennoniten und Baptisten zum Glauben gekommen. Er wandelte sich vom Saulus zum Paulus und zog los, die Botschaft von Jesus zu verbreiten. Heute ist er Professor an der University of Pretoria, lehrte an FEG-Ausbildungskolleg in Ewersbach und schreibt Bücher wie Lewandowski Tore schießt. Und er man trifft ihn öfter mal auf Konferenzen oder in Gemeinden mit seiner Botschaft von der Transformation der Welt.

Seine Idee ist simple: Gemeinde ist zum Wohl der Welt da. Konservative Christen kriegen da oft mal die Krise. Fast so als würde man einem Veganer sagen, medium-rare Rindersteaks sind echt das Beste. Wenn es einem egal, dann Johannes. Wenn es Bibel ist (und das ist Fakt für ihn), dann wird es auch besprochen. „Paulus benutzt das Wort ‚Ekklesia‘ für Gemeinde,“ sagt Reimer. „Zu der Zeit war das eine politische Einrichtung. Da saßen ein paar Weise Leute am Stadttor und vertrieben sich die Zeit. Wenn es dann eine wichtige Frage gab, dann kam die Leute zu dieser Ekklesia und baten um Rat,“ so Johannes. Fast so, als wäre diese Clique von alten, erfahrenen Herren ein Richterklub, der neben Backgammon ab und zu schwere Fälle bespricht. Nur ist der Fokus ist nicht auf richtig-und-falsch, sondern auf hilfreich-und-fördernd.

IMG_1331Und diese Idee bringt Johannes mit auf seinen Touren. „Was ist, wenn eure Gemeinde aufhört zu existieren,“ fragt er regelmäßig am Anfang seiner Sessions. „Interessiert das jemand? Merkt das jemand?“ Damit fordert er alle auf, über die Relevanz der eigenen Gemeinde nachzudenken. Waynejuckts was du machst? Wenn niemand außerhalb der Heiligen Hallen was mitkriegt – dann liegst du daneben.

Reimer hat einen Plan. Sein Trafo-Prozess nimmt Gruppen an die Hand und will sie dahin führen, diese Ekklessia zu werden. In 8 Schritten führt er Gemeinden zu praktischen Plänen, ein Segen für ihr Umfeld zu sein.

Es fängt an mit Verortung – sich an einem Ort festzumachen. „Viele Gemeinden sie wie McDrive,“ so Johannes. „Du fährst hin, holst dir deinen Kick und verdaust das den Rest der Woche.“ Damit lädt er Gruppen ein, ihre Flagge an einen Ort zu stecken. Sie übernehmen für ein Gebiet Verantwortung.

Dann schaut er mit Gruppen in ihre Potentiale – welche Gaben sind da? Was könnt ihr eigentlich. Diese Potentialanalyse führt zu einem Profil, was die Gemeinde zu bieten hat. Manche sind praktisch veranlagt, andere können „Hammer“ noch nicht mal buchstabieren. Das ist kein Hindernis, sondern die Gabe Gottes.

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Danach schaut die Gemeinde an ihren Ort – was für Nöte gibt es da? Was wird nicht bedient? Durch Raumlaufen, Interviews und Gebetseindrücke wird ein Bild gesammelt von den Bedarfen.

Im 4. Schritt kommen dann Potentiale und Nöte zusammen in einer Vision. Was könnten wir machen, das ein Segen ist? Was macht einen spürbaren Unterschied?

Und die nächsten 5 Schritte sind dann gutes Projektmanagement. Partner finden, Angebot formulieren, planen, loslegen, schauen ob es funzt.

Eigentlich keine Wanderung zum Nordpol, das Ganze. Durchaus machbar, wie wir selbst gemerkt haben. Der Prozess dauert, vor allem wenn die Gruppe größer ist (und das schlägt Reimer auf jeden Fall vor). Wir haben 3 Ideen daraus generiert. Freunde von uns in Köln haben einen Spielplatz in der Nachbarschaft mit einem Partner gebaut.  Der Einfluss hat sich definitiv vergrößert und die Kirche ist nicht mehr nur als Himmelfahrtskommando gesehen. „Die tun ja was,“ ist oft eine Reaktion auf die Trafo-Projekte. Bei uns selbst sind wir immer noch dran.

Aber unabhängig vom Erfolg der Aktionen hat Johannes Reimer einiges bei uns bewirkt: unsere Sicht ist verändert. Und mit dieser veränderten Sicht sind wir auf dem Weg, unsere Stadt zu verändern.

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Forge Training startet

18 Feb

Letzten Montag waren wir in Stuttgart (Bad Canstatt) und haben die Gedankenblitze der letzten Monate vorgestellt. Mit Mary und Mark haben wir überlegt, wie wir Forge in Deutschland an den Start bringen. Die Amis haben doch ihre eigene Logik was Trainings angeht. Da ist so oft eine Unterwältigung bei mir in Ader, wenn ich zuhöre und irgendwelche Worte in Sätze einsetzen soll.

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Also haben wir uns gefragt, wie das wohl im hippen, kritischen, individualistischen Europa läuft. Und gleich haben wir uns den dicksten Brocken geschnappt. Statt ein ganzes Training aufzubauen wollten wir uns mit einem Teilthema beschäfitgen. Evangelisation, ist das jetzt. Sicher ein Wort, das bei manchen auf einem Level mit Trump und Putin rangiert. Stress, Oldschool und verkrampfte Ansagen kommen da direkt in die Hashtags.

Aber was gibt es besser als „buy low, sell high“ – bei etwas einsteigen, das eben kein Trend ist, das nicht leicht ist, das man wirklich knacken muss.

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Und so sind wir auf die Suche gegangen – nach Inhalt und Form. Erst mal die Form.

Ich bin jetzt schon so lange Beobachter von Trainings und Kursen. Und zum großen Teil sind die super ineffektiv. Wenn Leute einen Kurs machen, bekommen sie am Ende einen Bogen: „wie nütztlich für ihre Aufgaben werden die Inhalte“. Und weil sie irgendwie was gesehen haben, das sie vorher noch nicht hatten, kreuzen sie 7 von 8 an. Und zwei Wochen später weiß keiner mehr, um was es ging.

Wir wollten das ändern. Statt die Konzepte in den Mittelpunkt zu stellen, rücken wir den Alltag ins Zentrum. Dort sollen die Teilnehmer ihren Alltag reflektierne, mit Input einen neuen Plan erarbeiten, und dann zusammen mit anderen Änderungen angehen. Fall-basiert, statt Konzept-orientiert. Wir machen das, in dem die ersten 4 Wochen zuhause ein paar Videos, Arbeitsblätter und Inputs gibt. Damit bereiten sie sich vor, und kommen dann an einem Tag ans Ausarbeiten ihrer Ideen. Die Teilnehmer selbst gestalten den Pfad, nicht wir.

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Und dann Inhalt. Das große Problem bei Evangelisation ist Spam. Wie Staubsaugerverkäufer interessieren sich die meisten Evangelisten nicht dafür, ob die Leute schon ein Geräte daheim haben oder was sie gerade umtreibt. Umsatz ist King. Und so wird das Ding derart angepriesen, dass dir nur noch nicht die Wahl bleibt zwischen Flucht und, ähm, was eigentlich sonst? Beziehung fehlt auf jeden Fall total. Und sich in die Welt der anderen begegeben. Da haben wir ein paar coole Entdeckungen gemacht und bieten das jetzt den Teilnehmern an.

Ich bin gespannt wie Flitzebogen. Hat sich gelohnt, die Vorarbeit. Und jetzt sind wir stolz auf den Kickoff und was über die nächsetn 2 Monate kommen wird. Lernen werden wir auf jeden Fall was!

Druckreif – NT Wright Buch geht an den Start

9 Sep

Gestern gab’s ne Email mit einer Überraschung. „Fascinating,“ schrieb er. NT Wright hat geantwortet und seine Freude ausgedrückt. Ich hatte ihm einen Tag vorher mein Buch zugeschickt, das Anfang Oktober rauskommt. Er ist ja eine ziemliche Größe heutzutage, und dazu noch sehr gebildet und hat einen hohen Anspruch. Dass er gleich antwortet und so eine Zusammenfassung von mir noch gut findet – das war cool.

Mit knapp 100 Seiten bin ich jetzt fertig. 50 Bildchen ergeben einen Überblick über die Theologie von NT Wright. Der Titel heißt „The Marriage of Heaven and Earth“ und der Untertitel reimt sich sogar (wie mein Musikerfreund sofort gemerkt hat; und wir wissen: was sich reimt, das ist gut): „A Visual Guide to NT Wright“. Und Dank Motoki und Constanze habe ich ein schickes Cover.

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Das Ganze hat mich jetzt 2 Jahre beschäftigt. Am Anfang wollte ich mir mal einen Überblick über NT Wright verschaffen: was sagt der denn eigentlich? Und wie kann ich es rüberbringen? Dann fiel mir auf, dass viele Leute einfach keinen richtigen Zugang zu ihm finden. Irgendwie ist seine Schreibe zu komplex und braucht viel Aufmerksamkeit. Da kam die Idee, ein Bilderbuch über ihn zu machen.

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Die erste Version war recht lange. Jetzt sind es 50 Bilder und auch weniger Text. Damit sollte es eigentlich funktionieren. Am Anfang gibt es das nur auf Englisch für den Kindle, später noch auf deutsch. Ich habe einen Blog aufgesetzt, um die Geschichte dahinter etwas zu erzählen.

Jetzt sammle ich gerade ein paar Stimmen dazu. Hier ist die von Alan Hirsch und Mike Breen. Andere folgen in den nächsten Tagen.

„This is a very clever and useful introduction into the encyclopedic mind of the most prolific New Testament scholars of our generation. Tom Wright’s thinking is a gift to those of us who seek to further understand the church in mission, discipleship in the way of Jesus, and life in the Kingdom of God. Marlin’s book is a needed distillation of his key ideas. A good read.“
– Alan Hirsch, Author, Thought Leader, Activist, alanhirsch.org

„The Lord Jesus had the amazing ability to make the complex simple-not simplistic but simple -and that meant that all who heard him could learn, remember and share his teaching. In this book Marlin Watling reveals the same facility – received from Jesus himself – to interpret the theological reflection of one of the world’s greatest theologians, NT Wright. Now, Tom Wright’s work can be read and understood by us all. And that is a great gift to every student of theology, Christian minister and interested lay man and woman.“
– Mike Breen, Founder of 3DM Movements

Ich bin gespannt, was das Buch bewegen wird. Mein Ziel ist es, Kopfkino für missionales Leben zu bringen. Ich bin happy, wenn Leute dadurch weniger Konsum-orientiert leben und mehr die Mission Gottes in ihrem Leben zentral halten. Mal gespannt, ob das klappt.

 

Was ist Missional?

12 Dez

Kürzlich war ich am Skypen mit Eva aus Hamburg und die Sprache kam auf das Wort dieser Tage. Missional. Manchen hängt es schon zum Hals raus. Für andere ist das Zentrum der Aufmerksamkeit. Eva fragte mich: „Was verstehst du denn unter Missional?“ Gute Frage.

Ich habe ihr kurz ein paar Punkte zusammengetackert. Sicherlich Buzz-Words. Hier habe ich die Ideen dann ausformuliert. Meine Reise mit dem Wort startet mit Hirsch und Frost (Shaping of the Things to Come) und es war die Antwort auf die Emerging-Krise vor 10 Jahren. Gefühlte Kritikpunkte lösten sich mit dem Wort. Oder besser: mit dem, was hinten dran steckt. Bisher habe ich versucht, strukturell zu erklären, oder Ansätze dazu zu zeigen. Hier ist mein aktueller Stand in 5 Akten.

1. Akt – Alles ist Sein Revier

Das Problem: Industriegebiet. Sonntag für Sonntag fahren zig Menschen in die Industriegebiete in deutschen Städten, singen zu Jesus und beten für ihren Nächsten. Nur die Nächsten sind Maschinen. Gepredigt werden Moral und Ideale, die man dann im Alltag umsetzen will.

Der Ursprung: Epikur. 300 vor Christus entledigte sich dieser griechische Philosoph von allen Gottkomplexen. Er sagte, alles nimmt seinen Lauf, die Naturgesetze wirken. Gott mag es irgendwo geben, aber dem Laufe der Dinge ist das egal. Diese Pille hat die Aufklärung, und später die Moderne geschluckt, und die Christen haben sich damit arrangiert. Irgendwie ist der Gott-weg-Reflex so stark in unsrer Gesellschaft, dass Jesus auch nur noch für „geistliche“ Wahrheiten zuständig ist. Geist und Welt ist getrennt. Alltag und das Heilige auch. Es gibt ein Split-Level View: oben wo Gott ist, und unten wo wir Menschen sind. Selbst „übernatürliche“ Gemeinden feiern lediglich das punktuelle Durchdringen dieser Dynamik: Gott bricht durch, aber die Weltsicht ist geteilt.

Die Antwort: Schöpfungs-Monotheismus. Zugegeben, das ist ein Wortmoloch. Aber die Idee ist einfach: Schöpfung passierte durch Gott. Er hat alles gemacht. Alles ist sein. Jedes Molekül hängt an seinen Fingern. Es gibt kein einziges sekuläres Element im Universum. Und dazu noch: es gibt nur einen Gott. Das große Bekenntnis der Juden heißt Schema: siehe, der Herr dein Gott ist ein Gott. Einer. Über alles. In allem. Das ist der sehr weit gespannte Blickwinkel von Missional. Und dieser hat Jesus im Fokus: 1. Kor 8,6. Die Welt ist von und für Gott. Alles ist sein Revier.

2. Akt – Nachbarschaft

Das Problem: der Sonntagmorgen. Die Sache mit dem Gottesdienst. Eigentlich echt schön, und ohne ihn geht es sicherlich nicht. Aber irgendwie unterwandert er die ganze Richtung  des Glaubens. „Gehen wir in die Gemeinde?“ fragen meine Kinder – und meinen ein Event. Ein Hoch auf Leute, die zusammen kommen, sich kennen und miteinander unterwegs sind. Aber die Form prägt die Botschaft.

Der Ursprung: Aristoteles. Wieder ein Grieche, dieses Mal 350 v.Chr. Der bekannteste Philosoph ever hat die Welt mit einer Idee incepted: das Glück ist das oberste Gut. In der amerikanischen Verfassung ist dieser sogar festgeschrieben: „the pursuit of happiness„. Und Sonntag für Sonntag gibt es eine christliche Version davon. Dein Potential, deine Berufung, deine Identität. Das Ding ist: die individuelle Glücksmaschine ist zu kurz gesprungen. Gott will nicht nur unser Glück. Das auch. Aber weit mehr!

Die Lösung: Imago Dei und Inkarnation. Gott schuf uns in seinem Ebenbild. Mit der Sünde wird das entstellt und verdreht. Durch Erlösung wird die ursprüngliche Form wieder hergestellt. Deshalb wurde Jesus Mensch. Er lebte als Gottes Ebenbild. Und er starb, um unsere Vergehen auf sich zu nehmen – und zu besiegen. Jetzt sind wir „neue Kreatur“. Und alle Moral, alle Wunder sollen dahin führen. Dass wir Ebenbilder Gottes sind. Und sein Wesen in die Welt tragen. „Bebauen und bewahren“ hieß es am Anfang. Ein Stück Land nehmen und dort Verantwortung übernehmen, dass Gottes weise Führung umgesetzt wird. Unser Postleitzahlengebiet ist unsere Mission. Verortung nennt es Johannes Reimer. Weg vom McDrive Standardfutter, das easy reingeschaufelt wird. Und hin zu der Nahrung, die uns seine Hände und Füße sein lassen.

3. Akt – Alle spielen mit

Das Problem: die Bühne. In den letzten 10 Jahren boomen Lifestyle Kirchen. Mit Hairspray und Deo auf der Toilette und mehr Anglizismen als MTV. Es ist fast unweigerlich: wenn die Gemeinde über 200 Leute wird, dann fängt die Bühne an ihre Rolle zu zementieren. Charismatische Redner betüteln das Volk und vermitteln große Emotionen.

Der Urpsrung: Konstantin. Man vergisst fast, dass die ersten Christen  ohne Lichtshow und Professionalität auskamen. Erst seit 300 n Chr wurde das Christentum etabliert, bekam tolle Gebäude und auf einmal war das ein Platz für große Talente (und große Egos). Was wie ein Sieg bei Konstantin aussah, war eine zwiespältige Geschichte. Profis wurden mehr und mehr gefragt. Und das Fußvolk durfte schon artig zuhören und seine Rolle spielen. Nur führt das zu einer Passivität in der Kirche. Wie bei einem Spiel Barca gegen Real –22 Leute geben ihr Bestes auf dem Rasen, während 1 Milliarde sitzen und Bewertungen abgeben.

Die Lösung: der Leib Christi. Paulus sprach von einem „lebendigen Tempel“, in dem „jeder sein Werk tut“. Und das Werk ist mehr als die geistliche Gabe des Parkplatzeinweisens. Klar, auch praktische Dinge wollen erledigt sein. Nur: dabei sollte die Gemeinde eine Verkörperung von Liebe sein. Die Geistesgaben von allen sollten zum Zuge kommen. Und alle sollten mit Glauben und Sehnsucht dienen. Nicht nur die 3-4 Leute auf der Bühne. Missional bedeutet, als Leib Gottes zu agieren und alle zum Mitspielen zu bewegen.

4. Akt – Gott ist hier

Das Problem: der Turm in Babel. In 1. Mose 11 ist das Volk vereint, spricht eine Sprache und hat einen großen Plan. Klingt wie das Erfolgsrezept von jeder Mega-Church. Vision, Einheit, Knete. Auch heute sind Gruppen unterwegs, die ihresgleichen sammeln wollen. Ob von der Soziologie (gleiches Alter, gleiche soziale Schicht) oder von der Theologie (reformiert oder ökologisch oder oder oder).

Der Ursprung: Hybels,Wimber,Warren,Keller. Diese 4 Männer haben wirklich Großes geleistet und ich habe viel von ihnen gelernt. Sie haben Geschichte geschrieben und viel angestoßen, und das ist über alle Kritik erhaben. In meiner Recherche für mein Buch ist mir aufgefallen, dass alle vier mit der gleichen Frage gestartet sind:

Bill Hybels – «Wie können wir einen Gottesdienst feiern mit Menschen, die Gott nicht kennen?«

John Wimber – »Würde ich in diese Kirche gehen, wenn ich nicht angestellt wäre?”

Rick Warren – »Welche Art von Gottesdienst wäre das beste Zeugnis für die Ungläubigen?”

Tim Keller – »Zu was für einer Kirche würde ein New Yorker gehen?”

Das sind clevere Fragen. Und die haben‘s durchgezogen. Von außen her gedacht, und die Kirche entsprechend gestaltet. Alles gut. Viele Menschen sind zum Glauben gekommen (#halleluja, und das ist nicht sarkatsisch gemeint.). Nur führt diese Art von Attraktivitäts-Gemeinde zu einigen Problemen. „Das Kirchentum meiner Sorte ist das wahre Christentum.“ – diesen Satz habe ich so oft gehört. Entweder direkt, viel öfter noch zwischen den Zeilen. Eine Sprache, eine Vision, ein Plan. Jeder baut seinen Turm in den Himmel. Klubmaierei. Ein großes Zeichen unsrer Zeit.

Und noch krasser ist der Shift von Attraktional zu Extraktional: Menschen werden aus ihrem Umfeld abgezogen, zu innerlichen Höhepunkten getrieben in der Hoffnung, dass sie nächste Woche ihre Kollegen mitbringen. Möglichst viele Menschen in einer Halle ist nicht das Ziel des Glaubens. Eine Verkörperung von Gottes Liebe an allen Ecken und Enden dieser Welt ist das Ziel. Nicht nur das Sammeln zum Zuhören, sondern das Senden und Tun ist der Beweis von Glaubensbewegungen. Wenn Glaube in dunklen Hallen durchgeführt wird (die auch noch überall auf der Welt gleich aussehen), wenn Christen aus ihrem Umfeld abgezogen und in der Gemeinde busy gehalten werden, dann ist das zu kurz gesprungen. 95% der westlichen Welt suchen kein Event, sondern brauchen Beispiele, wie Gottes Liebe in ihrer Stadt aussieht – in ihrer Nachbarschaft, in ihrem Leben, für normale Menschen.

Die Lösung: Now-and-not-yet. Die Reich-Gottes-Denke fehlt. Das angebrochene Königreich Gottes – das auch mehr ist als Kirche (#commongood). Er wirkt in aller Welt. Er wirkt in allen Klubs. Er wirkt in allen Gassen. Das war die Botschaft von Jesus: „das Reich Gottes ist hier“. Das muss wieder in den Fokus und das Kopfkino der Gemeinden. Das durchdenken und in ihrem Umfeld zu leben wird eine Welle der Veränderung bringen (#erstchristen, #china, #worktogether).

5. Akt – Erneuerung der Welt

Das Problem: Wolkenkuckucksheim. Die Kirche predigt den Leuten das Evangelium und sagt, dass sie in den Himmel kommen. Tickets ins Jenseits werden nach einem kurzen Gebet gefeiert, und das Ziel im Leben ist es, anderen ähnliches Glück zu vermitteln. Diese Fluchtreflexe sind eine Fehlentwicklung im Glauben. Wenn die Welt eh über die Klippen geht, was soll man da noch groß reparieren? Wenn Gott Schöpfer der Welt ist (#1) und wir erlöst sind, um als seine Verwalter in dieser Schöpfung zu leben (#2), dann sind Jenseitstendenzen die falsche Richtung.

Der Ursprung: Luther. Die falsche Frage zur falschen Zeit. Hätte ich vor 500 Jahren gelebt wäre Luther mein Held. Ich müsste meine Sünden nicht mehr mit Geld und Sinnlosaktionen bezahlen. Sondern dürfte direkt zu Gott. Luther is the man! Allerdings verkauft schon lange keiner mehr Ablassscheine und die individuelle Freiheit ist jetzt nicht gerade Mangelware. Die Frage: „wie kann ein sündiger Mensch  vor einem heiligen Gott bestehen“ war total im Fokus vor 500 Jahren. Und das gab es einen superhilfreichen Durchbruch. Nur stellt diese Frage heute niemand mehr (außer er wurde ein paar Stunden von Evangelikalen bearbeitet)  – und zu Zeiten Jesu auch nicht.

Die Lösung: Erwählung. Gottes Plan mit der Welt war keine Betaversion. Die Welt wartet nicht auf Tag X, um dann erst in ihrer vollen Funktionalität zu erscheinen. Sie ist gut, und wird eines Tages vom Fluch befreit, den wir Menschen auf sie gebracht haben. Und in der Zwischenzeit sind erlöste Menschen die Vorboten dieser Erlösung (Röm 8, 18-23: „…Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und wartet…“.). Diese Welt ist immer noch Gottes Welt, und das Evangelium geht sowohl um die persönliche Sünde-Befreiungs-Thematik, wie auch um die Wiederherstellung von dem Ursprungsplan: dass Menschen Gottes weiße Verwalter sind. Herrlichkeit – das ist kein gleisendes Licht – sondern Gottes weise Handschrift, die durch uns in die Welt kommt (Ps 8). Wir sind erwählt, um einen Zweck zu erfüllen: gute Werke zum Wohle der Welt zu bringen.

Fazit

Das sind die 5 Elemente in Missional. Da sind große theologische Ideen drin. Wenn diese Ideen so was wie Weichen sind, dann können sie uns den Weg in die Zukunft leiten. Wer denkt, alles ist schon in Butter, braucht nicht weiter zu denken. Ich habe eine andere Meinung. Wir müssen zurück zu Jesus. Wir können zurück zu seinen Wegen. Und ich glaube, wir können das in unsrer Generation schaffen. „Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie,“ sagte einst Kurt Lewin. Unser Tun wird sich ändern, wenn wir Dinge in Zusammenhang verstehen. Die Welt wartet drauf. Was das Evangelium das Beste ist, was es gibt. Fangen wir an, es zu erfassen! Fangen wir an, es zu leben!

 

Kairos Event in Lörrach – meine Sicht

27 Apr

Ende April wurde ich für ein paar Tage ins beschauliche Lörrach eingeladen. Von den Hängen sieht man in die Schweiz und den Roche-Turm in Basel. Eurochurch hatte geladen und wollte an einem Roundtable über die Zukunft der Kirche in Europa reden. 60 Leute sind gefolgt und in einem ehemaligen Gewächshaus (#fcglörrach) lernten wir uns kennen und stellten uns Fragen.

Eurochurch – watn dat? Ich bin über Martin Robinson (#weitwinkel#01) auf die Truppe gestoßen. Turns out: er ist der Leiter der Gruppe, die es seit den 80ern oder so gibt. Anfänglich haben die Church Growth für Europa gemacht. Ab den 90ern dann mehr organisch und missionales Zeug. DAWN Europa war ne Weile am Ruder – jetzt mischen Robinson wie auch Alan Hirsch da mit. Soweit, was ich weiß.

Letztes Jahr funkte Martin mich dann an, ob ich an einem Gespräch teilhaben will. „Wir haben den Westen nie erreicht,“ so seine Ansage. „Europa ist wie ein Stein im Wasser. Die Kirche hat die Ecken rundgespült, aber das innere ist trocken.“ Steile Ansage. Und dann kommt er mit Lesslie Newbigin um die Ecke – dem Grandmaster der Missiologie in Europa. Newbigin kam in den 80ern nach über 50 Jahren Missionar von Indien zurück nach Europa und war erschrocken, welche kulturellen Missverständnisse zwischen Kirche und Gesellschaft verstehen. Martin arbeitete kurz danach mit ihm und sie haben „Gospel & Culture“ Arbeitsgruppen gemacht. „We failed,“ sagt er. „Wir haben die richtigen Fragen gestellt, sind aber nicht zu einem guten Ergebnis gekommen.“ Krasse Selbstreflektion und Eingeständnis, wo wir stehen. „Wir sollten es probieren. Wir brauchen junge, innovative Leute. Kommst du?”

Ich fand mich vom Alter und der Mentalität in der Unterzahl. Die meisten waren etablierte Mitarbeiter von Werken, und kaum jemand war wirklich auf Gemeindegründung aus, geschweige denn eine Gemeinde zu leiten. Dennoch war es eine illustre Gruppe aus aller Herrn Länder – England, USA, Neuseeland, Norwegen, Belgien, Schweiz, Äthopien. Nicht alle diese Länder sind in Europa, genau gemerkt. Genau das ist aber ein Kennzeichen von uns, dass wir immer multi-kultiger werden.

Martin Robinson eröffnete das Treffen und sagte im Prinzip nichts Neues – für mich jedenfalls (#weitwinkel#01). Dann kam Alan Hirsch und sprach über die Krise im Westen. Auch seine Leier wurde schon mal gespielt, aber es kam mit neuer Frische und klarer Ansage. „Hillsong, Willow Creek und Saddleback erreichen max 15% unserer Gesellschaft,“ so Alan. „Ich bin dankbar dafür, aber was ist mit den anderen 85%? Und was mich an diesem attraktionalen Modell stört ist, dass es eigentlich extraktional ist – es nimmer Leute raus aus ihrem Umfeld, anstatt sie reinzuschicken.“ Das war sein Challenge an uns. Ein guter – und der, der mich zu missional treibt (#spark).

Alan Hirsch Lörrach

Ein Augenöffner war für mich die Frage nach dem Evangelium. Alan brachte das und meinte: „Die Reduzierung des Evangeliums auf Rechtfertigung macht die Sache kompliziert.“ Damit sprach er das Standardverständnis an, das beim Wort „Evangelium“ benutzt wird. Die Logik ist so: Menschen sind sündig, Jesus stirbt für uns, wir nehmen sein Opfer an (#übergabegebet) und alles ist geritzt. Oh, ja, weitersagen, bitte!

Er ging etwas darauf ein: „Luther war ein augustinischer Mönche. In seiner Zeit und mit seiner Gesinnung hatten sie eine hohe Sicht von Gott und eine geringe Sicht vom Menschen. Luther erlebte Anfechtungen – starke Schuldgefühle über seine Distanz zu Gott und Gottes Missfallen. Schau dir die alte Kirchen an. Da ist Christus ganz oben. Dann gibt es viele Ebenen von Engeln. Dann die Heiligen. Dann die Kirche. Und ganz unten ist der Mensch. Das war das Weltbild. Daher war die Frage, wie man mit Gott in Verbindung tritt sehr relevant. Es braucht nicht viel, um zu sehen, wie unsere Zeit heute anders ist. Niedrige Sicht von Gott, hohe Sicht vom Menschen. Ganz anders.“

Fair point – das fiel mir auch schon auf. Vor allem die Botschaft von NT Wright geht in die Richtung: wir haben das Evangelium verkürzt. Wir lesen es zu individuell. Alan gab uns eine witzige Geschichte: „Ich habe mal mit einem Afrikaner geredet. Der hatte Jesus in sein Herz eingeladen. Aber sein Leben war ausufernd. Er hatte viele Frauen und obwohl er Jesus liebte, lebte er weiter so. Als wir darüber redeten, fragte er mich: ‚Ich habe Jesus in mein Herz eingeladen; aber wie kriege ich ihn in meinen Penis?‘ Und das ist der Punkt: wir haben ein Evangelium verkündet, das nur ums Herz geht und nicht um die Verkörperung. Es gibt von einer persönlichen Botschaft zu einer privaten über. Jemand nannte das das ‚verinnerlichte westliche Moralgefühl von Augustinus her kommend‘.“ Und weil das so verbreitet ist, ist es schwer, es gut und klar zu vermitteln. „Wir können Menschen nicht das lehren, was sie schon zu wissen denken“ – so Epikurius. Unsere Botschaft hat keine überraschende Wirkung mehr, nicht mehr wirklich News und Leute sind wie geimpft gegen die eigentliche Jesus-Botschaft.

Dietrich Schindler kam dann noch eine hat eine Verkaufsshow über seinen My-Life-Workshop gehalten. In der Summe war das antörnend, dass ich meinen Weglaufimpuls mehrfach unterdrücken musste. In seinem 6-Wochen-Kurs will er Glaubensinhalte vermitteln. Es baut auf der Lebensgeschichte der Menschen auf und will zeigen, wo sie Gott gesehen haben und wo sie ihn brauchen. Ein brillianter Punkt in dem Ansatz blieb mir hängen – wenn der Alphakurs den Glauben erklären will geht er von einem Interesse an der Bibel und Jesus aus. MyLife baut auf den Narzissmus der Menschen, dass sie vor allem an ihrer eigenen Geschichte interessiert sind. Connection people’s story to the larger story – das ist ein interessanter Aspekt.

Zum Schluss kam für mich noch ein Wort aus Jesaja 43,18-19 das mich ziemlich getroffen. „Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! 19 Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht? Ich mache einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde.“ – Gott ist am Neugestalten interessiert. Er fordert aktiv auf, sich vom alten abzuwenden. Und er macht was an Orten, wo man es vorher nicht gedacht hätte. Ist das nur meine Persönlichkeit, die auf so was scharf ist? Oder hört sich das an wie der Funke für was Neues? Für mich war das neben den tollen Begegnungen und den Alan-Inputs der eigentliche Kairos-Moment an diesen Tagen.

9 Bilder erklären Surprised by Hope – Nakin Zusammenfassung

6 Apr

Ostern feiern war herrlich gestern. Morgens um 6 Uhr auf der Neckarwiese ein paar Lieder gesungen (oder versucht, zu singen) und mit Anderen sich zurufen: „Der Herr ist auferstanden“. Ich muss gestehen: für nix anderes würde ich an einem Feiertag um 5.15 Uhr aufstehen. Es ist der größte Tag der Geschichte. Und mein Leben ist wegen diesem Tag ein Anderes!

2008 kam NT Wrights Buch „Surprised by Hope“ raus. Es war ein Mega-Beststeller. Darin stellt er die Frage, wie das Leben nach dem Tod aussieht. Und ist wieder mal der Meinung, dass die meisten Christen Vieles falsch verstehen. Zum Beispiel die Hoffnung. Und mit seiner breiten theologischen Ausbildung und einer guten Dosis Philosophie geht er den Dingen auf den Grund. Was passiert nach dem Tod? Was hat es mit Hölle auf sich? Wie sollen wir daher leben?

Dieses Mal waren es zu viele Bildchen für ein Video. Also habe ich 3 aus dem Buch gemacht. Hier ist der erste Teil. Ganz nach dem Stil von Simply Good News oder How God became King. Viel Spass und Klarheit damit!

How God became King – Napkin Zusammenfassung

14 Mrz

Dieser Tage startet unsere Windschatten Aktion und ich bin pumped. Es freut mich sehr mit über 100 Leuten in Europa unterwegs zu sein und unsere Nachbarschaft zu entdecken. Der Ausdruck „Windschatten“ (stammt vom Mark) ist ideal – wir lernen von anderen durch die Nähe zu ihnen.

Hier ist eine meiner Vorläufer, von denen ich viel lerne: NT Wright. Kürzlich habe ich Simply Good News in ein paar Minuten zusammengefasst. Jetzt kommt sein 2012 Buch „How God became King„. Ich weiß noch, wie ich das im Zug eines Tages gelesen habe und kurz innehalten musste. „Wenn das wahr ist,“ so habe ich mir gedacht, „dann ändert das alles“. Und so habe ich es mir in Paper53 zusammengemalt und dann auch hier geteilt.

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