Tag Archives: Gemeindegründung

Woher weiß ich, dass die Vision klar ist?

27 Mrz

Letztens saß ich vor meinem Laptop und hörte mir die Ideen von Ralf an. Er wollte was Neues starten. Eine Kirche, aber nicht traditionell. Wir haben über 45 Minuten geredet. Ich mag den Typ. Er denkt schon ein paar Jahre über das Ding nach, was er machen will. Und mit Familie im Rücken ist das kein leichter Schritt: was zu machen für andere, für seine Träume einstehen, losgehen. Ich mag solche Menschen.

Als ich den Video-Call endet, war ich etwas verdutzt. Was will er denn eigentlich? Ich geh nach solchen Gesprächen innerlich einen Schritt zurück und frage mich, welches Bild er bei mir gemalt hat. Keins, so wirklich. Wie oft, wusste er mehr, was er nicht will, als seine Vision zu formulieren.

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Klar Vision, darum geht es. Ich bin in vielen Prozessen, wo ich Menschen mit ihrer Vision helfe. Und dann mache ich immer wieder den Schritt zurück und suche nach dem Bild. Ist das schon eine Vision? Ist sie klar? Woran macht man Klarheit eigentlich fest? Bisher habe ich das eher intuitiv gemacht. Vielleicht gibt es aber eine Möglichkeit, das konkreter zu machen.

Hier sind ein paar ein paar Dimensionen, die mir auffallen:

  • Schnelligkeit einer Antwort – wie kurz können die Gefragten ihre Vision teilen? Wie schnell kommen die Worte über ihre Lippen?
  • Eleganz der Antwort – reimt es sich? Sind die Worte sexy? Hat es Slogan-Charakter oder Witz? Kommt es rhythmisch daher?
  • Kopfkino – wie konkret und umgangssprachlich sind die Zielzustände formuliert?
  • Meine Emotionale Reaktion – redet die Person mit Drang? Bekomme ich Lust auf diese Vision und würde am liebsten mitmachen?
  • Differenzierung der Antwort – hört sich die Vision originell an? Wird der Unterschied zu anderen klar?

Letztlich müssten die meisten dieser 5 Punkte da sein, damit man sagen kann – das ist was. Es muss zu Ende gedacht sein, was da ansteht. Es muss mit Schärfe und klarer Sicht daher kommen. Dann kann es auch was Großes bewirken.

Manche haben Visionsallergie. Zu viel wurde ihnen verkauft als Vision, was nur eine aufgeblasene Selbstdarstellung war. Oder ein größenwahnsinspirierte Flucht nach vorne. OK, ich kenne das. Dennoch führt kein Weg an Vision vorbei. Eine klare Sicht hilft, Leute zu einen. Letztlich frage ich mich bei all den Fragen – würde ich da mitmachen? Wenn Kopfkino entsteht, dann machen Leute eher mal mit. Und wenn Leute mitmachen, dann geht halt mehr.

Metropolis – die Club Church in Zürich startet

21 Okt

Dieses Wochenende kickt Tim in Zürich seine Club-Church Metropolis los. Das Grand Opening im Club Chicago 1928 findet diesen Sonntag statt. Ich kenne Tim seit gefühlten Jahrhunderten und freue mich über seinen Weg die letzten Jahre mit Mike Breen und Greig Suarrat. Sie haben sich wirklich ins Zeug gelegt, der Instagram-Stream boomt und die Vorbereitungen sind klasse.

Ich habe keine Ahnung, ob jemand eine Club Church will oder ob es fliegt. Vor 10 Jahren wären da meine Träume in Erfüllung gegangen, ich wäre in der ersten Reihe gestanden und hätte getanzt. OK, gelogen; auch vor 10 Jahren war ich kein Tänzer. Jetzt ist mir das selbst wahrscheinlich zu hibbelig und die Leute zu geschminkt. Dennoch geht für mich ein Traum in Erfüllung – Tim lebt sein Ding; Kirche findet Raum in neuen sozialen Räumen; Leute in Europa werden für Jesus motiviert; und echte Liebe für Jesus schlägt sich in Kirchengründung nieder. Geile Sache!

Also, Glückwunsch an Tim und die Crew. Das ist ein großer Schritt und ich werde am Sonntag für ihn und die Chicago1928-Clique beten. Rock’n’roll!

Es geht was – Gründung im Aufwind

13 Dez

Das Internet ist schon geil: mit ein paar Klicks lassen sich die breitesten Informationen abfassen. Kürzlich war ich auf der Suche nach Gruppen, die mit Gemeindegründungen am Start sind. Es ist mir schon aufgefallen, dass das in fast allen Verbänden ein wichtiges Thema ist. Die FEGs machens, die ICFs auch, die Vineyards probierens, auch die Baptisten und Methodisten, und die Evangelischen.

beziehungen

Vor 5 Jahren war ich Teil des European Church Planting Networks. Damals hatte Mike Breen verschiedene Verbände eingeladen, um voneinander zu lernen und Gründung strategisch voranzubringen. Ich war in der Osteuropa-Gruppe und da waren schon viel Cowboys am Start. Ob Bulgarien, Ukraine, Weissrussland oder Albanien – einige harte Gründer haben alles gegeben, um an diesen Orten Gemeinde zu pflanzen. Mike Breen gibt auf seiner Wiki-Seite an, dass damals über 1.100 Gemeinden entstanden sind.

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Und so bin ich voller Erstaunen, was über die letzten 10 Jahre in Europa gewachsen ist. Acts 29 ist aktiv und hat über 500 Gemeinden (ca.30 davon in Europa) gegründet. City-to-City aus New York hat 2012 alleine 45 Gemeinden gegründet (14 in Europa). Christian Associates ist mit 30 Projekten in Europa. Die FEGs haben ihre Vision von 100 Gemeinden in 10 Jahren über die Hälfte erfüllt – und das nur in Deutschland. Fresh Expressions entstehen in den etablierten Kirchen, ICF hat 33 Gemeinden gestartet. Hoffnung Deutschland ist mit 200+ Gemeinden im Lande unterwegs.

Ganz schön viel! Das sind nur die Bewegungen, die ich kenne und halbwegs abschätzen kann. Es gibt bestimmt noch mehr, vor allem auch Independent Gemeinden. In Heidelberg alleine sind in den letzten 10 Jahren 6 Gemeinden gegründet worden (oder in der Mache), die ich kenne (und das sind nie alle). Kann es sein, dass der Geist Gottes gerade ziemlich am Wirken ist, neue Gemeinden zu schaffen?! Und altes neu zu pflanzen?! Und sind da nicht einige Formen dabei, die auch recht neu sind in dem, welche Gruppen sie erreichen und wie sie Kirche denken?! Und das alles in den letzten 10 Jahren!

Rock’n’roll!

Campus Impact

4 Nov

Wir leben in einer Zeit von großen sozialen Veränderungen. Auch wenn wir weniger Demonstrationen haben als vor 40 Jahren, so ändert sich die ganze Grundlogik unsrer Gesellschaft. iPhone, internationale Mobility, coworking – wir sind flexibel, immer on und alles wird durchmischt. Die gute Nachricht: die Gemeinde Jesu marschiert. In den letzten 10 Jahren wurde Gemeindegründung zum globalen Thema. Jeder Verband fährt Aktionen. Manche Netzwerke kümmern sich nur um Gründung. In Europa sind in den letzten 10 Jahren über 1.000 neue Gemeinde entstanden. Ist ja auch kein Wunder: Flexibilität bedeutet häufig keine Verwurzelung. Immer on bedeutet häufig Überforderung. Alles durchmischt bedeutet Sehnsucht nach etwas Stabilem. Die Zeichen stehen gut für Gottes Wahlwerkzeug: die Gemeinde.

Das Ziel

Bisher waren wir in den Gründungen eher zufällig. Wo jemand Lust hatte, legte er los. Wir haben nicht überlegt, wo es am meisten Sinn macht, sondern sind mit der Ausgangslage gegangen. Das wollen wir ändern. Wir wollen an Uni-Städten Gemeinden gründen. Nicht den Weltmetropolen wie Berlin oder München, sondern an den Städten mit 100.000 – 500.000 Einwohnern, die Unis haben. Dort wird die Denkfabrik der Zukunft geformt und junge Menschen sind an einem Wendepunkt in ihrem Leben. Dort lebendige Gemeinden zu etablieren könnte unser ganzes Land prägen und die Welle der Gründer weiter anschwillen lassen. Von dort gehen Menschen in alle Himmelsrichtung und können das Gründer-Gen weiter verbreiten.

Der Weg

Daher wollen wir in 3 Jahren für diese Städte Gründer finden und Gemeinden gründen. Wir suchen Starter, schicken sie durch ein Assessment, trainieren sie an den notwendigen Stellen und begleiten sie zur Realisierung der Gemeinde. Wir stellen dafür Geld zur Verfügung und wollen sehen, dass das Ganze fliegt. Seit wir vor 4 Wochen diesen Wunsch formuliert haben, gibt es bereits 2 Projekte, die in der Vorarbeit sind.

Die Initiative Campus Impact ist ein Pilotprojekt in strategischer Gemeindegründung in Deutschland und der Schweiz. Sie wird konzipiert und verantwortet von:

roger

Roger Keller ist Bischof im Vineyard-Netzwerk und hat 2 Gemeinden in der Schweiz gegründet. Der ausgebildete Theologe begleitet über 50 Gemeindeleiter und Gründer seit mehreren Jahren und war Teil des European Church Planting Networks. Er ist Pastor der Vineyard Kreuzlingen.

Marlin Watling ist Personalleiter in einem Pharmaunternehmen und war an 2 Gründungen in Deutschland und den USA beteiligt. Er ist Autor des Buchs START- von der Vision zur Umsetzung – und begleitet über 10 Gründungen in Deutschland. Er ist Pastor der Vineyard Heidelberg.marlin

Dauernd starten neue Gemeinden

28 Feb

Am ersten Weihnachtsfeiertag traf ich bei einem Familiendinner zwei Onkels meiner Frau – der eine Bischof bei den Mennoniten in Pennsylvania, der andere Gründer und Pastor eine Gemeinde. Keine Angst, es gibt auch normale Leute in der Familie.

Mit dem Mennonitenbischof bin ich schon vor 2 Jahren ins Gespräch gekommen. Damals meinte er, sie müssen Gründungen an den Start bringen. Denn die alten Gemeinden werden immer älter und erreichen die Leute nicht mehr. Ich habe ihn gefragt, wie er das macht? Er: Interessierte zusammen bringen und mal schauen. Also, was ist passiert?

„Hm, mittelmäßig,“ meinte er, „wir haben 13 gestartet.“ 13? 13 finde ich gut. Bei ein paar Dutzenden Gemeinden, die jetzt alle nicht direkt innovativ oder veränderungsschnell sind. Warum kam das das Hm am Anfang? „Ich denke, das war der erste Schritt,“ meint er, „jetzt müssen wir Leute in unseren Gemeinden finden, die das bisher noch nicht geplant hatten. Und Leute außerhalb unsrer Gemeinden.“ Solche Statements bei den Mennoniten? Das hat mich echt überrascht und ermutigt. Die sind wirklich dran und meinen das ernst. Und der andere Onkel?

Er hat über die Jahre 9 Gemeinden gestartet. Momentan sind sie an 3 dran. Alle im Umkreis von 70 Kilometern. Es sind Leute aus der Gemeinde, die was machen wollen. Einer in der nächst größeren Stadt in der Innenstadt unter den Hispanics. Die anderen einfach 30 Kilometer entfernt. Er ermutigt sie einfach und holt sie alle paar Monate zusammen für einen Trainingstag.

Da passiert wirklich einiges. Das sind nicht die großen Headlines und viele Projekte werden sicher nie irgendwo gefeaturt oder überhaupt gezählt. Aber es ermutigt, diesen natürlichen Umgang mit Gründung und Erneuerung zu sehen. Natürlich haben die Amis dieses Can-do Attitude und eine informellere Kultur, die so was unterstützt. Ich glaube, dass es in den kommenden Jahren in Deutschland ähnlich mit Gründungen zunehmen wird. Ich denke, es wird ähnlich von einzelnen Personen und Gemeinden gesponsort werden. Vielleicht erlebt dann hier demnächst auch jemand ein solches Weihnachtsessen mit überraschenden Berichten…

nicht vergessen: START kommt bald!

Wiki um Gründung erweitert

24 Feb

Bisher gab es noch keine Eintrag bei Wikipedia zu Gemeindegründung. Das ist in sich vielleicht schon interessant. Bisher, wie gesagt…

nicht vergessen: START kommt bald!

START kommt – Buch über Gründung

27 Jan

Das war mein Hobby im Sommer 2010 – Gemeindegründung zu beschreiben. Es hat sehr viel Spass gemacht, weil gute Geschichten dabei sind, wie Gemeinden entstehen. Eine FEG, eine ICF, eine Landeskirche, eine Vineyard und eine Christian Associate Gemeinde.

Jedes Wochenende besuchen Menschen Gottesdienste, jede Woche treffen sich Christen in Hauskreisen und Dienstgruppen. Doch wo kommen diese her?

START ist jetzt am 20. Feb am Start. Dabei geht es auf unsere Interviews in Faro zurück, wo wir über 50 Gründer befragt haben, was in unserem Land funktioniert. Ein super aufwendiger Prozess, aber es hat sich ausgezahlt. Nicht nur ist dadurch unser Gründertraining entstanden, sondern auch das Modell für Gründung, das in START steckt.

Bin gespannt auf die Reaktionen und Auswirkungen von START.

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