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Die Job-Kopf-Herz Connection

17 Jun

Pixar/Disney hat den Nagel mal wieder mittig getroffen – im Minifilm „Inner Workings“ bauen sie einen Arbeitstag nach. Und dabei kommt die Kopf-Herz-Connection als zentrale Figur auf die Bühne.

Der Film ist im Web noch rar, daher hier eine Version mit Audio-Kommentar. Trotzdem geil.

Im Moment ändert sich die Wahrnehmung von Arbeit krass. Früher war man dankbar ergeben, dass man Sicherheit und lange Perspektive hatte. Heute prangert der Stil von großen Firmen und stupiden Jobs immer stärker aus, und die digitalen Smarties verabschieden sich lieber mit eigenen Projekten als ihr Herz zu entkoppeln. Da stecken viele Firmen in der Krise – und unterschätzen noch immer, was eigentlich im inneren ihrer Mitarbeiter abgeht.

Zeit für NewWork und eine Update für die Kultur von Arbeitsplätzen und Abteilungen. Leute brauchen Raum zu gestalten, mehr Sinn und einfach auch ein geileres Ambiente. Mit Inner Workings wird das klar auf die Leinwand gezeichnet.

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Neue Tunes

28 Mai

All Killer, no Filler. Wir haben über die letzten Monate einen Plan ausgeheckt, die besten neuen deutschen Songs zu scouten, zu frisieren und dann in einem netten Gewand zu servieren. Hier ist Liedgut. Mary hat toll arrangiert und gesungen, und die Tobi Fleck Band legte gute Rhythmen und Klangfarben dazu. Bin echt happy damit.

Hier ist das Liedgut 6-pack über Bandcamp oder unseren Shop. Stream hier und da geht natürlich auch.

1.000 Stunden Zufallsfreundlichkeit

23 Mai

Da hatte die Gateway Vineyard in Norwich mal ne Heck of an Idea. Sie mögen ihr Städtchen, sehr sogar. Und als Kirche ist man neben ner passable Grundhaltung ja nicht immer so der praktische Haufen. „Wie wär’s wenn wir uns 1.000 Stunden als Ziel setzen,“ dachten sich die Macher hinter 1.000 Hours, „und lauter Aktionen von Freundlichkeit und Segen auf unsere Stadt loslassen?“.

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Jede Minute zählt und wird geloggt. Die Ideen sind low-key – von Müll aufheben zu fremde Parkuhren füttern und Kuchen für den Nachbarn backen. Alleine oder in der Gruppe, alles möglich. Die Kirche hat eine Liste mit 15 Themen vorbereitet, um als Starter zu laufen. Daneben gibt es Ideen für Familien mit Kindern und Jugendliche. Wenn’s jemand interessiert: für Jugendlich gibt es den Spezial-Tipp „Be a friend to a shy or new person at school“.

Neben den Einzelaktionen werden auch ein paar Events zusammen angeboten. Das hält die Stimmung hoch und gibt dem Ganzen nochmal ein Gesicht. Geloggt wird das Ganze über eine Webseite oder über eine Karte in der Gemeinde. Regelmäßig gab es auf dem Blog Updates zu den Stunden und Highlights von einzelnen Aktionen.

Geplant war das Ganze für die Fastenzeit vor Ostern. Leider ging der Plan nicht auf und die Gemeinde hatte 1.000 Stunden ganze zwei Wochen zu früh geloggt. Die Aktion war auch über Insta zu verfolgen.

Die Aktion bringt wirklich schön viel Farbe in die Ambitionen einer Kirche, die ihre Stadt liebt. Die lokalen Nachrichten haben darüber berichtet und sehr viel Zuspruch mitgebracht. Es zeigt, was gemeinsame Aktion und praktische Schritte bewirken können. Well done, Lads!

Das bringt mich zum Kochen

13 Mai

Michael Pollan entpackt auf 400 Seiten die Story hinter der Küche. Pollan ist Autor und Biograf von Ideen. Eine Kombi, die mir aus dem Herzen spricht. In Cooked beschreibt er die Entwicklung von Grillen, Schmoren, Brotbacken und Vermentieren. Und dabei deckt er die Chemie im Essen genauso auf wie die Geschichte in unseren Küchen. Ein großes Buch.

Jetzt ist auf Netflix die Doku dazu verfügbar. 4 Stunden coole Bilder und Storytelling sind gut. Das Buch ist noch viel geiler. Man bekommt auf jeden Fall Lust auf Experimente und neue Geschmäcker. Ganz toll geschrieben mit vielen Aha-Momenten. Kann ich nur empfehlen.

So, ich muss jetzt Brotback gehen.

 

Silence

6 Mai

Japan, 1630. Die Geschichte von einem fremden Land, ambitionierten Mönchen und einem zerrissenen Herz. Superguter Film von Martin Scorcese mit beeindruckenden Bildern. Großes Kino!

Unternehmenspfarrer

29 Apr

„Oha, die Amis mal wieder!“ Vor ein paar Monaten bin ich bei der Suche nach Gott und Job über die Idee gestolpert, Pfarrer in Unternehmen anzustellen. Da gibt es einige kleine und große Firmen in den USA, die das gemacht haben. So richtig mit Bezahlung und Freiheit, den Leuten bei geistlichen und seelischen Problemen zu helfen. Interesting – dachte ich!

Wenn man sich das genauer anschaut, dann sind seit ca. 10 Jahren manche Firmen dran, damit zu experimentieren. Ungefähr um die gleiche Zeit kam in vielen Firmen das Thema „Diversity“ hoch. Zu wenig Frauen in Führungskräften war da ein klaffendes Problem. Und zu wenig Farbe. Und später kamen dann auch noch wünsche nach Gay-and-Lesbian Communities, wie auch Transgender fragen. Unternehmen wollten sich weltoffen zeigen – manchmal sagten sie das bringt mehr (was es nicht tut) und öfter sagten sie, ihre Kunden seine ja auch so divers, also müssten sie das intern auch abbilden.

Wenn man dann schon mal divers ist und das Erleben der Menschen eine Rolle spielt – na, dann ist Spiritualität ja auch nicht ganz aus der Welt. Manche Unternehmen hatten Yoga-Räume oder Wellbeing-Wochen. Aber Pfarrer sind ja nochmal ne andere Nummer.  Weil Religion hat natürlich immer so was bestimmendes und einnehmendes. Da gibt es doch enorme Hemmungen.

„Man muss zwischen faith-based und faith-friendly unterscheiden,“ sagt der Dozent David Miller von Princeton. Er forscht seit geraumer Zeit zu dem Faith-and-Work Thema und die Workplace Chaplains sind ihm da auch ans Herzen gewachsen. Faith-based heißt, man verpflichtet sich einer Religion und versucht dieser zu dienen. Fatih-friendly heißt, man bezieht Spiritualität als wichtiges Merkmale von Menschen ein und gibt Raum, dass das thematisiert und gelebt werden kann.

Der Grund für die Unternehmenspfarrer ist daher auch genau das: Leute bringen ihr ganzes Leben mit zur Arbeit. Und jeder, der gläubig ist, weiß: der Glaube ist ein wesentliches Merkmal im Leben. Da ist es natürlich netter und menschlicher, wenn die Arbeit dafür auch Raum gibt. Damit kommuniziert so ein Programm: ihr Leute seid uns in eurer Ganzheit wichtig.

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Aber mehr noch. Immer mehr Leute leben einsam. Man lebt nicht mehr in dem Dorf, wo man aufgewachsen ist. Die Eltern wohnen weiter entfernt. Man ist einfach nicht mehr umgeben von einer Community, die bei Krisen und Rückschlägen hilft. Viele Menschen finden dennoch gute Weg, viele auch nicht. Und so ist eine Hilfe durch ein hörendes Ohr und emphatisches Herz oft Gold wert.

Bei meinen Forschungen bin ich auf den interessanten Zusammenhange zwischen Spiritualität und Lernbereitschaft gestoßen. Je mehr die Leute einen Glauben an Gott haben, desto mehr sind sie kreativ und offen für neues. Der Grund liegt im Verhältnis. Man sieht sich als Mensch als Geschöpf und mit einem großen Mysterium konfrontiert. Man übt geistliche Disziplinen, um als Person zu wachsen und mehr über Gott zu erfahren. Man hat einen Fokus auf Charakter-Veränderung und auf Reflexion. Wer sein Leben lang mehrere Male die Woche sich mit tiefen Fragen konfrontiert und bereit ist, alles in Frage zu stellen – na, der wird von ein bisschen Globalisierung nicht zu krass aus der Bahn geworfen.

Schlau also, wer dem Raum gibt. Natürlich sind die USA da ne Ecke flexibler mit einfach-mal-machen und weniger Schubladen-Denken, vor allem bei Religion. Ich bin gespannt, was auf dem Feld die nächsten Jahre noch passiert und werde ein Auge drauf halten. Gibt ja noch viel zu lernen!

Mein Stress mit 360 Feedback

22 Apr

Ich saß schon Hundertmal vor dem Computer wie heute Mittag: eine ewige lange Liste von Einschätzungen, die ich für meinen Boss abgeben muss. „Auf einer Skale von 1 bis 5,“ so heißt es jeweils am Anfang, „wobei 1 gar nicht und 5 sehr stark ist.“ Und dann kommen meist 100, wenn’s schlecht läuft 150 Fragen über Dinge, die vielleicht noch nicht mal ein Ehepartner über jemand weiß. Beispiel?  „Er hat Freude daran, anderen dabei zu helfen, Dinge vollständig zu verstehen, so dass sie in Zukunft nicht mehr auf seine Unterstützung angewiesen sind“.

Apropos verstehen – der letzte Satz hat so viele Kommas, dass man echt bei der Sache sein muss. Und das am Bildschirm zwischen Emails und Meetings. Und dann soll daraus mein persönliches Profil bewertet und abgeleitet werden. Wer im Mittelmanagement sitzt hat solche schwarze Stunden mehrmals im Jahr vor sich. Trotz aller Feedbackbereitschaft und Teamesprit – nicht ganz nett von Organisationen, so was wie Wellen über Organisationen zu schicken! #feedbackfatigue

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Dabei würde ich Leuten gerne sagen, was ich von ihnen denke. Oder was sie besser machen können. Mache ich auch ab und zu wenn ich gefragt werde. Und ich frage auch öfter. Feedback ist gut. Feedback einsammeln leider nicht.

Und dann kommt noch die dubiose Analyse davon. Da werden dann Kompetenzen berechnet wie „Umsetzungskonsequenz“. Ich bekomme dann ne 3.5. Meine Mitarbeiter sagen 3.6, mein Chef 3.2 Und jetzt? Zusammen mit den anderen 20 Kernkompetenzen muss ich jetzt überlegen, was das alles heißt.  Meist muss man dann einen Berater engagieren, der seine Hilfe anbietet mit Fragen: „was ist ihnen denn aufgefallen bei ihrem Profil?“ und „wie erklären Sie sich den Unterschied zwischen dem Mitarbeiterbild und Chefbild?“. Wenn man sich dann auf irgendwas festklopfen hat lassen, dann wird man gnadenlos von seiner Umsetzungskompetenz gepackt und bekommt die Frage in den Rache geschoben: „woran merken Sie, dass Sie sich in diesem Punkt in 6 Monaten verbessert haben?“.

Locker 200 EUR pro Ding, zahlreiche Stunden von Input und Rätselraten danach, dazu Beraterkosten. Das ist schon witzig, was die Wirtschaft sich da erlaubt. Frag mal einen mit einem 360° Feedback, das länger aus ein Jahr her ist: was hast du daraus gelernt? Was hat es bewirkt? Da kommen Blicke wie wenn du die Einführung der italienischen Lira in Deutschland vorschlägst.

(Kleiner Einschub – trotz der hier etwas kritischen Energie, ich habe auch was von 20 Kernkompetenzen und unterschieden zwischen Gruppen gelernt. War halt immer ne ziemlich Tortur dort einzukommen).

Geht das eigentlich nicht leicht, seine Führung zu verbessern? Ich denke: auf jeden. Der billigste Ansatz ist immer noch der direkte: setz dich mit deinem Führungsteam hin und frage sie, sie sollen dir eine Sache sagen, die du besonders gut machst. Und eine, die du verbessern solltest, inklusive Tipps wie das gehen kann. Am Ende sag „Danke“ und mach  dir ein paar Notizen. Bäng – normale Sprache, keine Berater, klare Verbesserungspotentiale.

Der andere Weg ist über ein Tool. Das habe ich kürzlich aufgeschnappt, dass der Umweg über Kompetenz ja ziemlich schräg ist. Wer sagt schon seinem Kollegen: „bei der Umsetzungskonsequenz könntest du noch einen Tick zulegen?“. Der Clou liegt darin, nicht nach besser/schlechter oder oft/nie zu fragen – sondern nach mehr/weniger. Also, welches wichtige Verhalten sollte mehr gezeigt werden, oder eben weniger. Beispiel? „Marlin bereitet sich auf Meetings gut vor“ – das wäre die Antwort wohl gleichbleiben von meiner Warte aus.

Der Trick ist also, Verhalten zu fragen, nicht Kompetenzen. Dazu habe ich in einem Tool die besten Ideen von Jim Collins, Peter Drucker, Fredmund Malik, Harvard Business Review wie auch von geistlichen Leitern wie Igantius von Loyola, Pete Scazzero, Chris Lowney und Chuck Ridley zusammengefasst. Daraus ergeben sich nur 35 Fragen, die man mit mehr/weniger beantworten kann. Zum Schluss frage ich dann noch nach den Top-3 wichtigsten im Moment und was man konkret raten würde. Das Ergebnis sind nur 3 Seiten Report mit Vorschlägen an Verhaltensänderung und Tipps, wie das bei der Personen im Einzelnen aussehen kann.

Ich habe das jetzt über die Jahre getestet und bin happy. Weniger Zeit, weniger Headache, klarere Ansagen, idiotensichere Reports. Die Methode gibt es auch anderswo, der Mix an Fragen ist aus meiner Recherche über Führung entstanden.

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