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Die geilen Zeilen dieser Tage

21 Jan

 

Wie gut ist es, wenn jeder mal abstöpselt und die geruhsamen Tage einiges an Zeit im Gepäck haben. Endlich mal wieder Zeit zum Lesen, und so waren einige Bücher dran, die schon länger gewartet haben. Hier ist meine Leiseliste aus diesem Winter:

The Shack Revisited (von Baxter Kruger) – Note: 1-2

Ein Kommentar zum Film THE SHACK kommt ja etwas langeweilig daher. Aber dieses Ding ist richtig gut. Gerard Kelly empfohl mir das, vor allem weil es eine gute Einführung in Trinität-Denke ist. Wie wahr, viele gute Aspekte drin.

Eve (von Paul Young) – Note: 3

Paul Young hatte mit THE SHACK einen supermegaseller, und das zurecht. Hier ist ein Nachfolger mit dem tollen Thema Schöpfung. Ein paar Passagen waren Top, in der Summe war es mir zu wirr und abgefahren.

Reformation Myths (von Rodney Stark) – Note 2-

Ich mag ja Underdogs und wenn ein paar allgemeine Fakten umgedreht werden. Der Sozologe Rodney Stark ist da mein Man – und ich habe fast alles von ihm gelesen. Das hier geht um die Reformation und Luther – und beide bekommen hier ihr Fett weg. Gutes Ding mit wichtigen Erkenntnissen.

Reckless Mercy (von Carl Tuttle) – Note: 1-2

Carl Tuttle ist ein alter Haudegen aus der Vineyard und hat ein bewegtes Leben hinter sich. Diese Biografie spricht offen über diesen Weg und hat goldene Momente für den Leser dabei.

How to Change the World (von David Bornstein) – Note: 2

Social Entrepreneurship ist ein weiteres Steckenpferd von mir – mit neuen Businesses Gutes in der Welt bewirken. Hier sind einige Geschichten über die Ashoka Foundation und deren Gründer  Bill Drayton. Gute Inspration und bewunderswerte Pioniere.

The Theology of Dallas Willard (von Gary Black) – Note: 2-3

Große Persönlichkeiten sind manchmal schwer zu verstehen – und so tut Gary Black einen tollen Dienst, indem er Dallas Willard entschlüsselt und die wesentlichen Thesen rausarbeitet. Das Vorwort in diesem Buch ist Gold wert, der Rest top wenn auch manchmal etwas technisch und trocken. Egal, Willard ist geil.

Bonhoeffer (von Eric Metaxas) – Note: 2

Der DB-Zug fuhr bisher an mir vorbei; und nachdem ich Metaxas vor ein paar Jahren in Berlin traf, wollte ich seine Biografie über Dietrich lesen. Die ist nett, kompakt und erhellend. Gutes Ding.

Guerilla Marketing (von Jay Levinson) – Note: 4-5

Ein geiler Ansatz: wenn du klein bist hast du viele Vorteile; nutze sie. Ein paar gute Gedanken und dann viel, viel, viel Füller. Wenn mir jemand im Buch sagt, ich muss auf meine Schriftgröße bei Drucksachen achten, dann bin ich raus. Leider etwas unterwältigend.

All Rivers Run to the Sea (von Elie Wiesel) – Note: 4

Elie Wiesel gewann den Friedensnobelpreis 1986 und da muss eine Biografie schon was bieten. Ich habe es nicht ganz gecheckt, oder es war echt etwas lahm. Die Zeiten sind gut beschrieben, aber mir fehlte der Punch.

The Startup Way (von Eric Ries) – Note: 2

Vor ein paar Jahren war THE LEAN STARTUP eine Offenbarung. Ganz großes Kino. Hier nimmt Eric Ries die Gedanken daraus und überträgt es auf große Systeme – Firmen, Regierung, etc. Ein paar sehr gute Ansätze und viel zum Denken. Like!

Paul (von Walter Wangerin) – Note: 2-3

Das Leben vom Apostel Paulus als Erzählung. Habe mir viel davon versprochen und hat auch gute Einsichten. In der Summe etwas lang und klischee-lastig. Dennoch hilfreich und guter Zeitvertreib.

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Gast.Freund

25 Sep

Trainingskurst-1

Demnächst rollen wir in Heidelberg den neuen Forge-Kurs raus. Gastfreundschaft ist ganz großes Tennis. Da braucht es nicht viel – ein Tisch und eine Prise Herzlichkeit. Und schon kann die Küche oder Wohnzimmer zum Ort von Wundern werden. Ich bin wirklich angetan von unserer Entwicklung und kann gar nicht warten, dass wir loslegen. Hier ist unser Take:

GAST.FREUND
Vom Engel beherbergen und Feinde bekochen – Eine Einführung in die hohe Kunst der Gastfreundschaft.
Von Abraham bis zur Urgemeinde, die Bibel berichtet uns davon das sich ein tiefes geistliches Leben immer auch in der Liebe zu den Menschen widerspiegelt. Dies äußert sich, nicht zuletzt, in einer radikal gelebten Gastfreundschaft. Aber wie lässt sich diese uralte orientalische Tugend in unseren Alltag übertragen? Was genau macht gute Gastfreundschaft aus? Gibt es Prinzipien an denen sie sich messen lässt? Diesen und anderen Fragen möchten wir uns in unserem Kurs theoretisch und praktisch stellen und jedem Teilnehmer herausfordern (s)einen ganz eigenen Stil von Gastfreundschaft zu entwickeln.

Mehr hier.

 

Forge Training startet

18 Feb

Letzten Montag waren wir in Stuttgart (Bad Canstatt) und haben die Gedankenblitze der letzten Monate vorgestellt. Mit Mary und Mark haben wir überlegt, wie wir Forge in Deutschland an den Start bringen. Die Amis haben doch ihre eigene Logik was Trainings angeht. Da ist so oft eine Unterwältigung bei mir in Ader, wenn ich zuhöre und irgendwelche Worte in Sätze einsetzen soll.

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Also haben wir uns gefragt, wie das wohl im hippen, kritischen, individualistischen Europa läuft. Und gleich haben wir uns den dicksten Brocken geschnappt. Statt ein ganzes Training aufzubauen wollten wir uns mit einem Teilthema beschäfitgen. Evangelisation, ist das jetzt. Sicher ein Wort, das bei manchen auf einem Level mit Trump und Putin rangiert. Stress, Oldschool und verkrampfte Ansagen kommen da direkt in die Hashtags.

Aber was gibt es besser als „buy low, sell high“ – bei etwas einsteigen, das eben kein Trend ist, das nicht leicht ist, das man wirklich knacken muss.

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Und so sind wir auf die Suche gegangen – nach Inhalt und Form. Erst mal die Form.

Ich bin jetzt schon so lange Beobachter von Trainings und Kursen. Und zum großen Teil sind die super ineffektiv. Wenn Leute einen Kurs machen, bekommen sie am Ende einen Bogen: „wie nütztlich für ihre Aufgaben werden die Inhalte“. Und weil sie irgendwie was gesehen haben, das sie vorher noch nicht hatten, kreuzen sie 7 von 8 an. Und zwei Wochen später weiß keiner mehr, um was es ging.

Wir wollten das ändern. Statt die Konzepte in den Mittelpunkt zu stellen, rücken wir den Alltag ins Zentrum. Dort sollen die Teilnehmer ihren Alltag reflektierne, mit Input einen neuen Plan erarbeiten, und dann zusammen mit anderen Änderungen angehen. Fall-basiert, statt Konzept-orientiert. Wir machen das, in dem die ersten 4 Wochen zuhause ein paar Videos, Arbeitsblätter und Inputs gibt. Damit bereiten sie sich vor, und kommen dann an einem Tag ans Ausarbeiten ihrer Ideen. Die Teilnehmer selbst gestalten den Pfad, nicht wir.

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Und dann Inhalt. Das große Problem bei Evangelisation ist Spam. Wie Staubsaugerverkäufer interessieren sich die meisten Evangelisten nicht dafür, ob die Leute schon ein Geräte daheim haben oder was sie gerade umtreibt. Umsatz ist King. Und so wird das Ding derart angepriesen, dass dir nur noch nicht die Wahl bleibt zwischen Flucht und, ähm, was eigentlich sonst? Beziehung fehlt auf jeden Fall total. Und sich in die Welt der anderen begegeben. Da haben wir ein paar coole Entdeckungen gemacht und bieten das jetzt den Teilnehmern an.

Ich bin gespannt wie Flitzebogen. Hat sich gelohnt, die Vorarbeit. Und jetzt sind wir stolz auf den Kickoff und was über die nächsetn 2 Monate kommen wird. Lernen werden wir auf jeden Fall was!

Wird die Erde explodieren? Nein.

13 Jul

Dieser Tage bin ich gerade in den letzten Zügen von meinem Buch über NT Wright und sitze oft tippend in meinem Lounge-Chair. Ich schreibe ein Zusammenfassung von dem britischen Theologen, der mich die letzten Jahre so prägt. Und ich mal seine Kerngedanken mit kleinen Bildchen.

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Kürzlich fragte mich jemand, was denn neu bei ihm sei.

Gute Frage. Ich habe das Buch danach ausgerichtet und bin bei 4 Themen gelandet. Ein zentrales Thema ist sein Verständnis von der Erde und wie es mit ihr weitergeht. Das ist mir beim Schreiben ganz neu auf den Radar gerutscht und so klar wie nie zuvor.

Früher dachte ich irgendwie, die Erde dankt irgendwann ab. Armageddon kommt und dann bleibt wenig übrig. Die christliche Allgemeinbildung ist irgendwie auf Abschied von unserem Planeten geprägt. Himmel ist woanders – das denkt eigentlich jeder. So dachte ich auch. Irgendwie.

Da lag ich falsch. Seit ich Tom Wright mehr verstehe, sehe ich das auch klarer in der Bibel. Früher bin ich von einem Ende von Zeit und Raum ausgegangen. Das war schräg. Heute sehe ich klar, dass Zeit und Raum nicht aufhören werden, sondern in ihre Gott-Bestimmung reinkommen. Warum? 4 Aspekte sind mir wichtig:

  1. Gott ist Schöpfer – die Schöpfung ist ein Ausdruck von ihm und gut gemacht, keine Beta-Version
  2. Gott ist Erlöser – sein Wesen ist das Retten, nicht das Abschaffen.
  3. Seine Absichten bestehen – er wollte die Welt mit seiner Herrlichkeit füllen. Gottes Absichten sind unwiderrufbar (Röm 11,29).
  4. Gott erneuert jetzt schon – das Reich Gottes ist bereits als Neuschöpfung gestartet. Der Grund ist gelegt. Und was Gott anfängt, das vollendet er.

Zeit, Raum und Materie werden nicht einfach aufhören zu existieren. Sie werden von Gott erneuert, transformiert. Gottes Absicht war es von Anfang, die Welt zu bevölkern und mit seiner Herrlichkeit zu füllen (siehe Auftrag an Adam & Eva, Noah, Abraham, Jakob, etc; siehe Verheißungen an die Propheten; siehe Gebete und Hoffnung in den Psalmen). Gottes Gericht ist eine Reinigung, die die Weltordnung neu machen wird und wir werden diese Welt bewohnen.

Und das macht einen großen Unterschied für das Hier und Jetzt. Wenn das Schicksal der Welt dahin führt, dass sie aufhört und wir auf Wolken sitzen und den ganzen Tag Harfe spielen, dann geht es darum Leuten Lust aufs Harfe spielen zu machen. Wenn es dahin führt, dass die Welt gesäubert und gerade gerückt wird, dann geht es darum, Leuten Lust auf die Welt zu machen und sich in dieser Welt konstruktiv zu beteiligen.

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It’s all about the story, baby!

Weitwinkel #03

13 Apr

Sollte gut werden, denke ich. 10-12 Juni in Heidelberg. Sei dabei!

Tatendrang

8 Feb

Die erste Woche im Januar konnte ich kaum abwarten, wieder loszulegen. Der Schnee in der Schweiz war nicht so. Und ich habe den Kopf voll mit Ideen. Tatendrang hatte ich, und zwar richtig.

Seit ein paar Monaten feile ich an einem Buch über NT Wright. Der gute Kollege hat mich sehr geprägt. Und fast jedes Buch von ihm finde ich Nobel-Preis-verdächtig. Nur ist er leider etwas kompliziert. Ich verstehe ihn gut, aber seine Sätze winden sich schon etwas. Und er macht auch nicht die knackigsten Aussagen. Daher habe ich angefangen, Bilder über ihn zu malen. Hier ist mein Versuch, sein 1.700+ Seiten Buch über die Theologie bei Paulus zusammen zu kritzeln:

 

Seit letztes Jahr spuckt mir die Idee im Kopf rum, alles von NT Wright mit Bildern zu erklären. Seine ganzen 45+ Bücher. Also habe ich mir ein Projekt gesetzt und angefangen, alles Bücher in Bilder zu malen – und dann eine Storyline zu entwicklen. Das Projekt läuft und ich habe schon 5 Drafts fertig. Der Claim ist so:

NT Wright in 95 Bildern erklärt – das größte theologische Brain unsrer Zeit, zusammengefasst auf einer Serviette

Über den Jahreswechsel und jetzt im Januar habe ich die Storyline gerade gezogen und bin eigentlich so gut wie fertig. Ich schreibe auf Englisch – weil da geht mehr im globalen Kontext. Jetzt muss ich die Bilder noch stylisch machen und dann einen Verlag finden.

Dann habe ich mit meiner geliebten Mosaik in Heidelberg unsere Vision überarbeitet. Seit ein paar Monaten haben wir uns Gedanken über unsere Rolle in der Stadt gemacht. Es war ein super Prozess und wir sind auf ein ganz neues Niveau gekommen. Der neue Slogan sagt, dass wir eine Stimme für die Stadt sein wollen.

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Motoki und sein Studio haben uns geholfen, die Worte und Grafiken gerade zu ziehen. Im Moment sind wir gerade am Rausrollen und Planen, wie das aussehen kann. In diesem Zuge haben wir auch unsere Identität geklärt – für was wir stehen.

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Aus diesen Ideen haben wir gerade ein spannendes Projekt, integratives Wohnen in Heidelberg zu entwickeln. Flüchtlinge und Deutsche zusammen. Ein Ort, der etwas nach Himmel schmeckt und Unterschiedlichkeiten zelebriert. Das ist ein größeres Ding und wir arbeiten gerade heftig an einem Konzept und schauen, wie wir das auf die Beine stellen können.

Viele Möglichkeiten und voller Tatendrang. 2016 läuft gut an.

 

 

Der Terror von Paris und die Kollision von Weltsichten

28 Nov

Ich bin gerade in einem A380 und wir entern gerade den afghanischen Luftraum. Mein Abteil schläft größtenteils und meine latente Flugangst freut sich, wenn wir an Islamabad und so vorbei sind. Die Ergebnisse von Paris waren vor 2 Tagen, und es ist mal wieder klar geworden, dass es unterschiedliche Sichten der Welt gibt.

Der Westen ist genervt und verunsichert. Nicht nur weil Leute gestorben sind. Sondern weil unsere geliebten Straßen mit Blut bedeckt sind. Und unsere Lebensphilosophie eins aufn Deckel bekommen hat. Es scheint, dass die Botschaft von Toleranz noch nicht überall angekommen ist. Und genau das ist der Punkt. Hier knallen zwei Weltsichten aufeinander.

Weltsichten sind eine Art, die Welt zu verstehen und zu erklären. Sie ist tief verankert, so dass wir es oft gar nicht mehr wahrnehmen. Es ist „normal“, die Welt so zu sehen. Und wer das nicht tut, ist irgendwie „krank“ oder „komisch“. Von NT Wright bin ich nochmal tiefer auf diese Dynamik in seinem grandiosen Udemy Kurs gestoßen.

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Weltsichten orientieren sich an Geschichten, Symbolen, Praktiken und die Antwort auf 5 grundlegende Fragen: wer sind wir? Wo sind wir? Welche Zeit ist es? Was ist das Problem? Und was ist die Lösung? Daraus ergeben sich Zielen und Glaubensgrundsätze. Hört sich erst mal kompliziert an? Na klar, das letzte Mal als ich die Physik hinter einer Brille versehen wollte, war es auch nicht viel besser. Mal ein Versuch, das Ganze anschaulich zu machen an ein paar Beispielen. 

Hitler-Weltsicht

Nehmen wir mal Adolf. Wie war die Weltsicht vom ambitionierten Nazi 1938? Gehen wir das mal eins nach dem anderen durch:

Geschichten – der Friede von Versailles war eine Mogelpackung, die die Deutschen benachteiligt und den Lebensraum raubt. Deutschland ist eine der stärksten Nationen der Erde, sowohl von der Wirtschaft als auch Wissenschaft. Die Zukunft Deutschlands ist bedroht von innen und außen.
Symbole – die Swastika, die Wehrmacht, die SS, die blonden Jungs. Sie sprechen vom Selbstbewusstsein der Deutschen.
Praktiken – der Hitler-Gruß, die Aufrüstung, die Verbesserung der Infrastruktur, die Verfolgung von bedrohlichen Gruppen. Dies sind Aktionen, die dem Anspruch und Geschichte Ausdruck verleihen.
5 Fragen:
Wer sind wir? – wir sind die arische Rasse, allen anderen überlegen.
Wo sind wir? – im eingezwerchten deutschen Lebensraum, bedroht von links und der Mitte.
Welche Zeit ist es? – Zeit für finale Lösungen, Zeit für Aktion
Was ist falsch? – die Juden. Und der Vertrag von Versailles.
Was ist die Lösung? – Vernichtung der Juden, und Zurückeroberung von verlorenen Ländern. Bekämpfung von bedrohlichen Gruppen und Staatsfeinden.

Krasse Brille. Nur die dachten echt so. Und die waren nicht alle auf den Kopf gefallen. Selbst wenn das heute schwer zu verstehen ist. Es war die Zeit des Nationalismus. Und in einer Form hatten das viele Nationen. Sie hatten nur nicht die Geschichte oder die Macht wie Deutschland zu reagieren. 

Isis-Weltsicht

OK, kommen wir in unsere Zeit und sprechen mal über Abu Bakr. Was treibt ihn denn an? Und warum reagieren die so wie sie es tun? Das ist total schwer für einen reichen Westler ernsthaft nachzuvollziehen. Gladwell hat mal einen tollen Artikel über Katastrophen aufgrund von unterschiedlichen Denkbrillen geschrieben. Auch über ISIS gibt es gute Analysen. Auch wenn ich selbst ewig weit weg bin von Mosul, so habe ich mir doch ein paar Biografien wie die von Bin-Laden reingezogen und damit mehr verstanden, dass sie tatsächlich zusammenhängend denken.

Geschichten – der Westen ist die Verkörperung des Teufels mit seiner Doppelmoral und Freizügigkeit. Er drängt uns seinen Willen auf, und bombardiert unsere Länder. Unschuldige sterben tagtäglich, und keiner trauert um sie. Als die Gläubigen Allahs sollten wir die Welt reagieren, dagegen finden wir uns im Ghetto in unseren eigenen Ländern.
Symbole – 911, zerbombte Städte, Al-Qaida, Kalaschnikow, Koran, Kalifat. Sie sprechen von einer Welt des Kampfs von den Treuen gegen die Gottlosen; und einer Alternative zum Westen.
Praxis – Ramadan, Haddsch, Dschihad, Koranschulen. Das Leben soll von Allah geprägt sein, auch wenn es kosten mit sich bringt. Es ist ein Zeichen der Treue gegenüber Gott und wird entlohnt.
5 Fragen:
wer sind wir? – das Volk Gottes, die wahren Moslems, die Gott-Treuen
Wo sind wir? – in der Unterdrückung, unser Lebensraum wird uns nicht gelassen.
Welche Zeit ist es? – das Ende der Zeiten, in denen der Satan kämpft und bekämpft werden muss
Was ist das Problem? – Amerika. Der Westen. Abtrünnige (Nicht-Moslems). Die Besetzung unsrer Länder
Was ist die Lösung? – Koran befolgen. Für Allah kämpfen (Dschihad). Kalifat aufrichten und ein Platz an der Sonne verkörpern. Den Westen im Herzen treffen, damit er sich zurückzieht.

Auch das ist für jemand ohne Koran-Priorität nicht ganz verständlich. Aber schau dir mal an was die Amerikaner mit Kuba gemacht haben. Die leben ein paar Kilometer südlich von Florida und ein paar Jahrhunderte zurück. Da wird es lange dauern, bis die Amerikaner als Befreier gelobt werden oder die Demokratie als Fortschritt gefeiert wird. Weltsichten muss man erst mal verstehen – bevor man sie richtig oder die anderen als Dödels darstellt.

Unsere Weltsicht & warum Paris stört

Kommen wir mal zu selbst. Das ist zugegeben schwerer. Seine eigene Denkbrille ist so eingebaut, dass man sie kaum abnehmen kann, um sie zu analysieren. Manchmal helfen die Knackpunkte in der Sicht, manchmal die Kritik von außen. Hier ist mein Versuch:

Geschichten – wir leben in einer globalisierten Welt und haben eine schreckliche Geschichte hinter uns. Demnach fassen wir keine totalitären Systeme an (oder Überwachungen wie NSA) und verschreiben uns der Toleranz. Jeder soll willkommen sein, am besten als Freunde. Die Wissenschaft und Objektivität hilft uns, alles besser einzuordnen und nach und nach die Probleme der Welt zu lösen. Zusammen mit der soliden Wirtschaft ermöglicht sie uns das Reisen und verwirklich von unseren Träumen. Wir sind Kapitäne unsrer eigenen Schiffs – und hassen es wenn uns jemand die Spur abdrängt.
Symbole – VW (naja, jetzt eher Mercedes), DFB Nationalelf, Reisebüros, Handys, Multimedia-Wohnzimmer, Brunchen, Handtücher an Pools. Wir sehen uns als Weltoffen, tolerant, connected und wollten gerne unser Leben genießen und unseren Platz sichern. Sicherlich am Pool.
Praxis – Shoppen, Reisen, Wandern, Heute Journal schauen, beim Bier über die Welt diskutieren, Mentoring oder Beratung für unseren Platz im Leben – wir verwirklichen uns, sehen uns als Teil der Welt uns verschaffen uns einen guten Überblick.
5 Fragen:
Wer sind wir? – gebildete Europäer, die aus ihrer Geschichte gelernt haben und sozial verantwortlich wirtschaften und balanciert auf die Welt schauen
Wo sind wir? – in unserem Eck von Europa.
Welche Zeit ist es? – Zeit für kühlen Kopf in turbulenten internationalen Zeiten, und Zeit unser Leben zu genießen
Was ist falsch? – Totalitäre Regime, Mangel an Bildung, Dieter Bohlen, Islamistische Fanatiker, amerikanische Banker
Was ist die Lösung – hm, wissen wir nicht so richtig. Hoffen, aber auch nicht zu stark. Vielleicht die Hände falten wie Angela und stoisch nach vorne blicken. Aber das ist auch nicht sexy.

So, da mag ich evtl daneben liegen. Aber mal ein Versuch. Gibt es bessere? Hoffentlich. Nur ist unser Drive in Deutschland etwas abhanden gekommen. Joschka Fischer war noch einer, der für was stand. Heute steht kaum einer mehr für was. Unsere Weltsicht hat keine wirklichen Lösungen. Wir sind gut im Bewerten, aber unser Glaube an Militär und Überwachung ist historisch nicht machbar. Finanzen und Religion sind eh nicht unser Ding. Also, Frühschoppen machen und auf bessere Zeiten warten.

Demnach sind so Ereignisse wie Paris eigentlich auch ein riesen Störeffekt für uns. Nicht nur wegen der Toten. Sondern weil sie überhaupt keinen Platz in unserem Weltbild haben. Wir finden Totalitarität Scheiße und werden uns nie damit anfreunden. Wir können aber nichts wirklich machen. Afghanistan war jetzt militärisch auch nicht der Hit. Und nun? Einfach rumwarten? Einfach akzeptieren? Das geht auch nicht. Wo geht es hin?

Wir sind gerade an Dehli vorbei geflogen, Islam-Kriegs-Land ist also hinter mir. Da bin ich erleichtert. Neben mir schaut einer Mission Impossible Rouge. Die Welt vom Bösen befreien, dass man im Westen wieder ruhig leben kann. Zeit für ein paar Minuten Ruhe bevor wir landen.

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