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Un-Kommerz an Weihnachten

10 Dez

Eine schöne, kleine Erinnerung über den Gott, der uns alle überrascht hat.

Teste dich – die 5 Beiträge zur Revolution

22 Jul

Sodele, über die letzten Wochen haben Andreas und ich an einem Test gefeilt. Selbsterkenntnis ist ja bekanntlich ein högscht gutes Gut – und so haben wir unsre Hirner zusammengestellt und konzipiert.

Die Idee ist aus Epheser 4. Dort sind 5 Gaben genannt, die vieles bewirken:

  • empowern
  • reifen lassen
  • Wachstum bieten
  • Jesus repräsentieren
  • alle zum Mitspielen bewegen.

Auf Englisch gab es mal was von Mike Breen (etwas basic, nach unserem Geschmack) und einen von Alan Hirsch. Alan war das zu viel Act, das auf deutsch zu übersetzen – und dann haben wir selber mal überlegt.

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Rausgekommen sind 35 Fragen, die man in unter 5 Minuten machen kann. Und weil wir in 2016 leben ist das im Internet, kostenlos und sofort verfügbar.

Hier haben wir eine ausführlichere Beschreibung dazu. Bereit?!

Psalmen – Napkin Zusammenfassung

18 Mrz

Das Gebetsbuch der Bibel. Die Psalmen dienen seit Jahrhunderten als Vorlage und Einladung ins Gebet. NT Wright hat sie sich angeschaut und gesagt, es passiert mehr als Poesie. Wenn man in die Psalmen eintaucht bekommt man eine Weltsicht eingeimpft. Und diese ist krass anders als die ZDF-schauende Masse von heute.

Hier ist eine Zusammenfassung in 7 Bildern von the Case for the Psalm.

Windschatten geht los

4 Mrz

Wir starten in die 21 Tage vor Ostern mit der „Windschatten“ Aktion. Bereits letztes Jahr haben wir Menschen in ganz Deutschland auf die Reise in die Nachbarschaft geschickt. Jetzt laden wir zu „Habitus“ ein. Vier Gewohnheiten für einen missionalen Alltag.

habitus

Ich freue mich sehr auf die Aktion. Wenn du noch einsteigen willst, jetzt ist die letzte Chance.

Was ist Missional?

12 Dez

Kürzlich war ich am Skypen mit Eva aus Hamburg und die Sprache kam auf das Wort dieser Tage. Missional. Manchen hängt es schon zum Hals raus. Für andere ist das Zentrum der Aufmerksamkeit. Eva fragte mich: „Was verstehst du denn unter Missional?“ Gute Frage.

Ich habe ihr kurz ein paar Punkte zusammengetackert. Sicherlich Buzz-Words. Hier habe ich die Ideen dann ausformuliert. Meine Reise mit dem Wort startet mit Hirsch und Frost (Shaping of the Things to Come) und es war die Antwort auf die Emerging-Krise vor 10 Jahren. Gefühlte Kritikpunkte lösten sich mit dem Wort. Oder besser: mit dem, was hinten dran steckt. Bisher habe ich versucht, strukturell zu erklären, oder Ansätze dazu zu zeigen. Hier ist mein aktueller Stand in 5 Akten.

1. Akt – Alles ist Sein Revier

Das Problem: Industriegebiet. Sonntag für Sonntag fahren zig Menschen in die Industriegebiete in deutschen Städten, singen zu Jesus und beten für ihren Nächsten. Nur die Nächsten sind Maschinen. Gepredigt werden Moral und Ideale, die man dann im Alltag umsetzen will.

Der Ursprung: Epikur. 300 vor Christus entledigte sich dieser griechische Philosoph von allen Gottkomplexen. Er sagte, alles nimmt seinen Lauf, die Naturgesetze wirken. Gott mag es irgendwo geben, aber dem Laufe der Dinge ist das egal. Diese Pille hat die Aufklärung, und später die Moderne geschluckt, und die Christen haben sich damit arrangiert. Irgendwie ist der Gott-weg-Reflex so stark in unsrer Gesellschaft, dass Jesus auch nur noch für „geistliche“ Wahrheiten zuständig ist. Geist und Welt ist getrennt. Alltag und das Heilige auch. Es gibt ein Split-Level View: oben wo Gott ist, und unten wo wir Menschen sind. Selbst „übernatürliche“ Gemeinden feiern lediglich das punktuelle Durchdringen dieser Dynamik: Gott bricht durch, aber die Weltsicht ist geteilt.

Die Antwort: Schöpfungs-Monotheismus. Zugegeben, das ist ein Wortmoloch. Aber die Idee ist einfach: Schöpfung passierte durch Gott. Er hat alles gemacht. Alles ist sein. Jedes Molekül hängt an seinen Fingern. Es gibt kein einziges sekuläres Element im Universum. Und dazu noch: es gibt nur einen Gott. Das große Bekenntnis der Juden heißt Schema: siehe, der Herr dein Gott ist ein Gott. Einer. Über alles. In allem. Das ist der sehr weit gespannte Blickwinkel von Missional. Und dieser hat Jesus im Fokus: 1. Kor 8,6. Die Welt ist von und für Gott. Alles ist sein Revier.

2. Akt – Nachbarschaft

Das Problem: der Sonntagmorgen. Die Sache mit dem Gottesdienst. Eigentlich echt schön, und ohne ihn geht es sicherlich nicht. Aber irgendwie unterwandert er die ganze Richtung  des Glaubens. „Gehen wir in die Gemeinde?“ fragen meine Kinder – und meinen ein Event. Ein Hoch auf Leute, die zusammen kommen, sich kennen und miteinander unterwegs sind. Aber die Form prägt die Botschaft.

Der Ursprung: Aristoteles. Wieder ein Grieche, dieses Mal 350 v.Chr. Der bekannteste Philosoph ever hat die Welt mit einer Idee incepted: das Glück ist das oberste Gut. In der amerikanischen Verfassung ist dieser sogar festgeschrieben: „the pursuit of happiness„. Und Sonntag für Sonntag gibt es eine christliche Version davon. Dein Potential, deine Berufung, deine Identität. Das Ding ist: die individuelle Glücksmaschine ist zu kurz gesprungen. Gott will nicht nur unser Glück. Das auch. Aber weit mehr!

Die Lösung: Imago Dei und Inkarnation. Gott schuf uns in seinem Ebenbild. Mit der Sünde wird das entstellt und verdreht. Durch Erlösung wird die ursprüngliche Form wieder hergestellt. Deshalb wurde Jesus Mensch. Er lebte als Gottes Ebenbild. Und er starb, um unsere Vergehen auf sich zu nehmen – und zu besiegen. Jetzt sind wir „neue Kreatur“. Und alle Moral, alle Wunder sollen dahin führen. Dass wir Ebenbilder Gottes sind. Und sein Wesen in die Welt tragen. „Bebauen und bewahren“ hieß es am Anfang. Ein Stück Land nehmen und dort Verantwortung übernehmen, dass Gottes weise Führung umgesetzt wird. Unser Postleitzahlengebiet ist unsere Mission. Verortung nennt es Johannes Reimer. Weg vom McDrive Standardfutter, das easy reingeschaufelt wird. Und hin zu der Nahrung, die uns seine Hände und Füße sein lassen.

3. Akt – Alle spielen mit

Das Problem: die Bühne. In den letzten 10 Jahren boomen Lifestyle Kirchen. Mit Hairspray und Deo auf der Toilette und mehr Anglizismen als MTV. Es ist fast unweigerlich: wenn die Gemeinde über 200 Leute wird, dann fängt die Bühne an ihre Rolle zu zementieren. Charismatische Redner betüteln das Volk und vermitteln große Emotionen.

Der Urpsrung: Konstantin. Man vergisst fast, dass die ersten Christen  ohne Lichtshow und Professionalität auskamen. Erst seit 300 n Chr wurde das Christentum etabliert, bekam tolle Gebäude und auf einmal war das ein Platz für große Talente (und große Egos). Was wie ein Sieg bei Konstantin aussah, war eine zwiespältige Geschichte. Profis wurden mehr und mehr gefragt. Und das Fußvolk durfte schon artig zuhören und seine Rolle spielen. Nur führt das zu einer Passivität in der Kirche. Wie bei einem Spiel Barca gegen Real –22 Leute geben ihr Bestes auf dem Rasen, während 1 Milliarde sitzen und Bewertungen abgeben.

Die Lösung: der Leib Christi. Paulus sprach von einem „lebendigen Tempel“, in dem „jeder sein Werk tut“. Und das Werk ist mehr als die geistliche Gabe des Parkplatzeinweisens. Klar, auch praktische Dinge wollen erledigt sein. Nur: dabei sollte die Gemeinde eine Verkörperung von Liebe sein. Die Geistesgaben von allen sollten zum Zuge kommen. Und alle sollten mit Glauben und Sehnsucht dienen. Nicht nur die 3-4 Leute auf der Bühne. Missional bedeutet, als Leib Gottes zu agieren und alle zum Mitspielen zu bewegen.

4. Akt – Gott ist hier

Das Problem: der Turm in Babel. In 1. Mose 11 ist das Volk vereint, spricht eine Sprache und hat einen großen Plan. Klingt wie das Erfolgsrezept von jeder Mega-Church. Vision, Einheit, Knete. Auch heute sind Gruppen unterwegs, die ihresgleichen sammeln wollen. Ob von der Soziologie (gleiches Alter, gleiche soziale Schicht) oder von der Theologie (reformiert oder ökologisch oder oder oder).

Der Ursprung: Hybels,Wimber,Warren,Keller. Diese 4 Männer haben wirklich Großes geleistet und ich habe viel von ihnen gelernt. Sie haben Geschichte geschrieben und viel angestoßen, und das ist über alle Kritik erhaben. In meiner Recherche für mein Buch ist mir aufgefallen, dass alle vier mit der gleichen Frage gestartet sind:

Bill Hybels – «Wie können wir einen Gottesdienst feiern mit Menschen, die Gott nicht kennen?«

John Wimber – »Würde ich in diese Kirche gehen, wenn ich nicht angestellt wäre?”

Rick Warren – »Welche Art von Gottesdienst wäre das beste Zeugnis für die Ungläubigen?”

Tim Keller – »Zu was für einer Kirche würde ein New Yorker gehen?”

Das sind clevere Fragen. Und die haben‘s durchgezogen. Von außen her gedacht, und die Kirche entsprechend gestaltet. Alles gut. Viele Menschen sind zum Glauben gekommen (#halleluja, und das ist nicht sarkatsisch gemeint.). Nur führt diese Art von Attraktivitäts-Gemeinde zu einigen Problemen. „Das Kirchentum meiner Sorte ist das wahre Christentum.“ – diesen Satz habe ich so oft gehört. Entweder direkt, viel öfter noch zwischen den Zeilen. Eine Sprache, eine Vision, ein Plan. Jeder baut seinen Turm in den Himmel. Klubmaierei. Ein großes Zeichen unsrer Zeit.

Und noch krasser ist der Shift von Attraktional zu Extraktional: Menschen werden aus ihrem Umfeld abgezogen, zu innerlichen Höhepunkten getrieben in der Hoffnung, dass sie nächste Woche ihre Kollegen mitbringen. Möglichst viele Menschen in einer Halle ist nicht das Ziel des Glaubens. Eine Verkörperung von Gottes Liebe an allen Ecken und Enden dieser Welt ist das Ziel. Nicht nur das Sammeln zum Zuhören, sondern das Senden und Tun ist der Beweis von Glaubensbewegungen. Wenn Glaube in dunklen Hallen durchgeführt wird (die auch noch überall auf der Welt gleich aussehen), wenn Christen aus ihrem Umfeld abgezogen und in der Gemeinde busy gehalten werden, dann ist das zu kurz gesprungen. 95% der westlichen Welt suchen kein Event, sondern brauchen Beispiele, wie Gottes Liebe in ihrer Stadt aussieht – in ihrer Nachbarschaft, in ihrem Leben, für normale Menschen.

Die Lösung: Now-and-not-yet. Die Reich-Gottes-Denke fehlt. Das angebrochene Königreich Gottes – das auch mehr ist als Kirche (#commongood). Er wirkt in aller Welt. Er wirkt in allen Klubs. Er wirkt in allen Gassen. Das war die Botschaft von Jesus: „das Reich Gottes ist hier“. Das muss wieder in den Fokus und das Kopfkino der Gemeinden. Das durchdenken und in ihrem Umfeld zu leben wird eine Welle der Veränderung bringen (#erstchristen, #china, #worktogether).

5. Akt – Erneuerung der Welt

Das Problem: Wolkenkuckucksheim. Die Kirche predigt den Leuten das Evangelium und sagt, dass sie in den Himmel kommen. Tickets ins Jenseits werden nach einem kurzen Gebet gefeiert, und das Ziel im Leben ist es, anderen ähnliches Glück zu vermitteln. Diese Fluchtreflexe sind eine Fehlentwicklung im Glauben. Wenn die Welt eh über die Klippen geht, was soll man da noch groß reparieren? Wenn Gott Schöpfer der Welt ist (#1) und wir erlöst sind, um als seine Verwalter in dieser Schöpfung zu leben (#2), dann sind Jenseitstendenzen die falsche Richtung.

Der Ursprung: Luther. Die falsche Frage zur falschen Zeit. Hätte ich vor 500 Jahren gelebt wäre Luther mein Held. Ich müsste meine Sünden nicht mehr mit Geld und Sinnlosaktionen bezahlen. Sondern dürfte direkt zu Gott. Luther is the man! Allerdings verkauft schon lange keiner mehr Ablassscheine und die individuelle Freiheit ist jetzt nicht gerade Mangelware. Die Frage: „wie kann ein sündiger Mensch  vor einem heiligen Gott bestehen“ war total im Fokus vor 500 Jahren. Und das gab es einen superhilfreichen Durchbruch. Nur stellt diese Frage heute niemand mehr (außer er wurde ein paar Stunden von Evangelikalen bearbeitet)  – und zu Zeiten Jesu auch nicht.

Die Lösung: Erwählung. Gottes Plan mit der Welt war keine Betaversion. Die Welt wartet nicht auf Tag X, um dann erst in ihrer vollen Funktionalität zu erscheinen. Sie ist gut, und wird eines Tages vom Fluch befreit, den wir Menschen auf sie gebracht haben. Und in der Zwischenzeit sind erlöste Menschen die Vorboten dieser Erlösung (Röm 8, 18-23: „…Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und wartet…“.). Diese Welt ist immer noch Gottes Welt, und das Evangelium geht sowohl um die persönliche Sünde-Befreiungs-Thematik, wie auch um die Wiederherstellung von dem Ursprungsplan: dass Menschen Gottes weiße Verwalter sind. Herrlichkeit – das ist kein gleisendes Licht – sondern Gottes weise Handschrift, die durch uns in die Welt kommt (Ps 8). Wir sind erwählt, um einen Zweck zu erfüllen: gute Werke zum Wohle der Welt zu bringen.

Fazit

Das sind die 5 Elemente in Missional. Da sind große theologische Ideen drin. Wenn diese Ideen so was wie Weichen sind, dann können sie uns den Weg in die Zukunft leiten. Wer denkt, alles ist schon in Butter, braucht nicht weiter zu denken. Ich habe eine andere Meinung. Wir müssen zurück zu Jesus. Wir können zurück zu seinen Wegen. Und ich glaube, wir können das in unsrer Generation schaffen. „Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie,“ sagte einst Kurt Lewin. Unser Tun wird sich ändern, wenn wir Dinge in Zusammenhang verstehen. Die Welt wartet drauf. Was das Evangelium das Beste ist, was es gibt. Fangen wir an, es zu erfassen! Fangen wir an, es zu leben!

 

Holypokus

2 Okt

Diesen Sommer lag ich an der Mittelmeerküste am Pool und zog mir ein paar Theologie-Bücher rein. In der Ruhe breitet sich vor dem inneren Auge öfter mal eine Landschaft aus. Man sieht Dinge mit einer Gelassenheit und Weite, die der Alltag zulässt. Ein Hoch auf Italien, das Mittelmeer und gut Bücher!

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Der Heilige Geist – das war meine Storyline im Sommer. Ich weiß, das passt meistens mehr zu Bühnen und amerikanischen Jeans-und-Tattoo-Predigern. Und nicht zu Dolce Vita und Gelato. Aber genau das war die neue Perspektive, die ich bestaunen durfte.

Seit 20 Jahren bin ich jetzt Christ. In den hitzigen 90ern war der Heilige Geist so ein bestimmendes Thema wie die Lionel Messi die letzten 5 Jahre. Überall wurde darüber geredet , oder dagegen. Der Heilige Geist wurde zum Thema in den klassischen Freikirchen, nicht zuletzt durch Vineyard. Nicht lange nach meiner Bekehrung sagte man mir, dass mir noch was fehlt – und so habe ich Monate lang versucht, Zungenreden zu lernen. Bis es dann klappt. Und seitdem preise ich den Herrn in Zungen.

Über die Jahre ist mir die Heilige Geist Nummer lieb und nervig gleichzeitig geworden. Lieb, weil ich sie ultra-wesentlich finde. Der überaus schlaue John Wimber sagte mal: „check your trinity“. Und damit meinte er, dass es Vater, Sohn und Heiliger Geist ist, der Gott aus macht. Und nicht etwas die Bibel, oder die Gemeinde. Wäre er heute noch da, würde er wohl dich Lichtshow mit aus der Dreieinigkeit argumentieren müssen. Der Heilige Geist muss im Leben der Christen und der Gemeinde eine Rolle spielen. Das kaufe ich 100%.

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Und trotz Wimbers Jeans und Hawaii-Hemden und Witzen vor Ministry-Zeiten blieb es doch die meiste Zeit meine Erfahrung, dass die Bühne wichtig ist für Heilig-Geist-Zeug. Die Stimmung muss richtig sein, die Stimme der Prediger etwas anders als bei einem Glas Bier, und wenn schon Heiliger Geist, dann bitte spektakulär. Mit Tränen und Zittern am besten. „Spiritual Disneyland“ nannte das kürzlich jemand. Mag sein, dass da viel Gutes dabei war. Mir geht es auf den Kecks. Mein Wort dafür: Holypokus.

Zurück zum Mittelmeer. Das Ding mit dem Heiligen Geist ist, dass er überall dabei ist im christlichen Leben. Am Anfang, in der Mitte. Allein und in der Gemeinschaft. Zur Umkehr, zur Reinigung, zur Vergebung, zur Ebenbildlichkeit, zur Heiligung, zum Verstehen, zum Einandern. Überall.

Und ich merke, davon will ich mehr. Ich habe ein paar Dinge gelernt und auch Erfahrungen damit gemacht. Aber noch nicht so, wie ich es im Neuen Testament lese. Und ich will lernen, was das im Alltag heißt, mit normalen Leuten ohne Jeans-Tattoo-Badboyprediger-Image. Die Gaben vom Heiligen Geist sind ein Schlüssel – auch in der missionalen Bewegung. Den haben wir noch viel zu wenig angezapft. Und die Frucht des Geistes ist das Geheimnis für das persönliche Leben.

Das habe ich vor meinem inneren Auge gesehen. Ein Alltag gezeichnet vom Heiligen Geist. Dann habe ich das Buch zugeschlagen und bin in den Pool gesprungen. So soll es sein!

Erweckungspornos

18 Mai

Ich muss mal meine Hand heben, denn es zieht hier. Ein kleines Lüftchen, das kalt macht und nervt. Und diesen Luftzug muss man mal ansprechen, um ihn abstellen zu können: Erweckungspornos. Was soll das denn heißen?

Nun, in der christlichen Welt gibt es diese Idee von einer dicken, wundersamen Verbesserung. Ein Durchbruch. Massenbekehrung. Radikale, rasante Veränderung. El Dorado. Quasi-orgasmische Zustände. Himmel auf Erde. Erweckung nenne das einige. Wie für die Fußballer der Gewinn der WM, so ist für Christen Erweckung das Ultimo. Die große Sehnsucht.

Und es gibt einige Bücher dazu, die das beschreiben. Aus der Vergangenheit von George Whitefield und John Wesley, von Charles Finney und Smith Wigglesworth. Und hinein in unsere Zeit – Toronto, Pensacola/Brownsville, Lakeland, Argentinen etc. Dort passieren viele Bekehrungen in kurzer Zeit. Menschen orientieren sich an Gott, die Kirchen sind voll und der Respekt für Gottes Gebot ist hoch. Das wird in den Büchern beschrieben.

Jetzt gibt es ein kleines Problem mit diesen Büchern. Sie füttern eine Erwartung, die etwas daneben ist. Sie haben etwas von Pornos – sie erwarten einen Höhepunkt, sie betonen diesen über alles andere, sie betonen dramatische Momente. Und wie Pornos für eine eheliche, ehrliche Beziehung nicht gut sind, so hat diese Erwartung auf  Erweckung was Wahres und was Falsches. Ich zeige mal drei Probleme und plädiere dann für eine etwas demütigere Hoffnung, die aber mehr Mut braucht.

Geschichte ist selektiv

Ich habe zwei Bücher geschrieben. Und darin wurden historische Ereignisse verarbeitet. Ich habe die Geschichte der Vineyard erzählt. Und die Geschichte von Gründungen. Was jeder Geschichtsschreiber weiß: man wählt für eine Geschichtsschreibung bestimmte Punkte aus. Man will einen Punkt rüber bringen. Nicht jedes Detail kann drin sein. Daher ist man ist immer selektiv. Und ich habe einige Erweckungspornos gelesen – da wird einiges weggelassen. Wie in einer Ehe der Sex ein Teil eines ganzen, gemeinsamen Lebens ist, so verkürzt Porno all die Themen, die langfristig und aufwendig sind. Das ist in den Erweckungsbüchern auch so. Und das malt ein komisches Bild.

Erweckungszentren sind nicht so wirklich wirkungsvoll

Jetzt gibt es einige Ort, an denen in unsrer Zeit Erweckung stattgefunden haben soll. Toronto 1994, Pensacola Ende der 90er, Brownsville und Lakeland in den 2000ern, dazu noch Redding über die letzten 5-10 Jahre. Ich kenne aus der Vineyard USA einige Leute, die die ganze Toronto-Nummer mal 10 Jahre danach angeschaut haben. Die haben festgestellt, dass Toronto-nahe Gemeinden nach 10 Jahren kleiner (!) sind als vor 10 Jahren. Hier ist eine interessante Frage von einigen der anderen Orte:

Warum erhöhen die sogenannten „Erweckungen“ nicht an Anteil an Kirchgängern in ihren Orten?
In Toronto (92-99) ist das nicht passiert.
In Brownsville ist das nicht passiert.
Bei Bethel passiert das nicht. In Redding sagen 22%, sie gehen in eine Kirche. Das ist die gleiche Anzahl wie in Corvallis, OR. Sogar Eugene, OR ist höher mit 24,5%.

Was soll das heißen? Diese Orte können tolle Wirkung haben. Aber irgendwie beeinflussen sie nicht ihr direktes Umfeld. Ich kenne eine Person aus Redding, die dort über 20 Jahre gelebt hat, noch bevor Bill Johnson bekannt war. Sie sagte, der Ort Redding empfindet Bethel als „etwas komisch“. Es kommen viele Leute von außerhalb, die sich öfter mal komisch benehmen. Jetzt will ich nicht Bethel dumm darstellen (ich mag sie), sondern auf die Porno-Dynamik hinweisen. Diese Erweckungszentren sind häufig eine Bespassung der Heiligen  und ein Trip in höhere geistliche Gefühle. Das muss nicht schlecht sein – es ist nur nicht das El Dorado für unsere Orte, das man sich unter Erweckung wünscht.

Massenbekehrungen gibt es nicht

Der Historiker Rodney Stark sagt: „es gibt kein belegtes Beispiel von Massenbekehrungen außerhalb von Pfingsten – jemals.“ Starkes Statement. Kein (!) Beispiel jemals (!). Mag natürlich sein, dass es an der Belegbarkeit liegt, aber vielleicht auch nicht. Vor allem die Amerikaner haben ja diese Erweckung als Revival-Treffen gestartet. Das ist eine Maßnahme, um laue Christen wieder auf die Spur zu bringen. Also Personen, die schon irgendwie Christen sind oder sich damit beschäftigt haben. Also Leute, die schon unterwegs sind oder waren.

Ich habe mich mal auf die Pirsch gemacht, um den Wachstum von „erfolgreichen“ Bewegungen zu verstehen. Meine kleine Studie hat ergeben, dass die Wachstumsraten jeweils überschaubar waren, aber über lange Zeit angehalten haben. Das ist, was ich gefunden habe:

Der Wachstum von Bewegungen

Wenn man das so sieht, dann sieht man eine Kurve, die langsam ansteigt. Big Bangs sind da unwichtig. Die Schlüsselworte sind Langsam und Steigend. Während Erweckungspornos den Moment verherrlichen, so zeigt die Geschichte vom Wachstum der Christenheit wie wichtig die lange Perspektive ist – fast wie in einer Ehe.

Was soll das alles heißen? Hier ist mein Plädoyer:

Stop bullshit, speak truth

Wir sollen aufhören, uns was vorzumachen. Wir sollten die Dinge so besprechen wie sie sind, und nicht wie sie sich gut in Büchern lesen. Es würde uns glaubwürdiger machen (ein großes Problem für Charismaten) und demütiger. Nachfolge ist wichtig. Netzwerke in unsere Umwelt sind wichtig. Treue ist wichtig, vor allem im Kleinen. Langer Atem ist wichtig, sehr sogar. Wenn wir darauf  bauen, dann werden wir besser mit dem realen Leben klar kommen – wie in einer Ehe eben.

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