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Das Endgame

28 Apr

Vor mehreren Monaten ist mir das „Bible Project“ über die Wege gelaufen. Ganz nach meinem Geschmack – kurze Videos mit visuellem Überblick. Die nehmen Themen der Bibel und machen kurzes Erklärcomics.

Hier ist ein schönes über den Ausblick – die Zukunft anhand der Bibel. Spricht mit aus dem Herzen: der Himmel ist ein Ort, an den wir hintransportiert werden. Er kommt zu uns.

Druckreif – NT Wright Buch geht an den Start

9 Sep

Gestern gab’s ne Email mit einer Überraschung. „Fascinating,“ schrieb er. NT Wright hat geantwortet und seine Freude ausgedrückt. Ich hatte ihm einen Tag vorher mein Buch zugeschickt, das Anfang Oktober rauskommt. Er ist ja eine ziemliche Größe heutzutage, und dazu noch sehr gebildet und hat einen hohen Anspruch. Dass er gleich antwortet und so eine Zusammenfassung von mir noch gut findet – das war cool.

Mit knapp 100 Seiten bin ich jetzt fertig. 50 Bildchen ergeben einen Überblick über die Theologie von NT Wright. Der Titel heißt „The Marriage of Heaven and Earth“ und der Untertitel reimt sich sogar (wie mein Musikerfreund sofort gemerkt hat; und wir wissen: was sich reimt, das ist gut): „A Visual Guide to NT Wright“. Und Dank Motoki und Constanze habe ich ein schickes Cover.

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Das Ganze hat mich jetzt 2 Jahre beschäftigt. Am Anfang wollte ich mir mal einen Überblick über NT Wright verschaffen: was sagt der denn eigentlich? Und wie kann ich es rüberbringen? Dann fiel mir auf, dass viele Leute einfach keinen richtigen Zugang zu ihm finden. Irgendwie ist seine Schreibe zu komplex und braucht viel Aufmerksamkeit. Da kam die Idee, ein Bilderbuch über ihn zu machen.

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Die erste Version war recht lange. Jetzt sind es 50 Bilder und auch weniger Text. Damit sollte es eigentlich funktionieren. Am Anfang gibt es das nur auf Englisch für den Kindle, später noch auf deutsch. Ich habe einen Blog aufgesetzt, um die Geschichte dahinter etwas zu erzählen.

Jetzt sammle ich gerade ein paar Stimmen dazu. Hier ist die von Alan Hirsch und Mike Breen. Andere folgen in den nächsten Tagen.

„This is a very clever and useful introduction into the encyclopedic mind of the most prolific New Testament scholars of our generation. Tom Wright’s thinking is a gift to those of us who seek to further understand the church in mission, discipleship in the way of Jesus, and life in the Kingdom of God. Marlin’s book is a needed distillation of his key ideas. A good read.“
– Alan Hirsch, Author, Thought Leader, Activist, alanhirsch.org

„The Lord Jesus had the amazing ability to make the complex simple-not simplistic but simple -and that meant that all who heard him could learn, remember and share his teaching. In this book Marlin Watling reveals the same facility – received from Jesus himself – to interpret the theological reflection of one of the world’s greatest theologians, NT Wright. Now, Tom Wright’s work can be read and understood by us all. And that is a great gift to every student of theology, Christian minister and interested lay man and woman.“
– Mike Breen, Founder of 3DM Movements

Ich bin gespannt, was das Buch bewegen wird. Mein Ziel ist es, Kopfkino für missionales Leben zu bringen. Ich bin happy, wenn Leute dadurch weniger Konsum-orientiert leben und mehr die Mission Gottes in ihrem Leben zentral halten. Mal gespannt, ob das klappt.

 

Psalmen – Napkin Zusammenfassung

18 Mrz

Das Gebetsbuch der Bibel. Die Psalmen dienen seit Jahrhunderten als Vorlage und Einladung ins Gebet. NT Wright hat sie sich angeschaut und gesagt, es passiert mehr als Poesie. Wenn man in die Psalmen eintaucht bekommt man eine Weltsicht eingeimpft. Und diese ist krass anders als die ZDF-schauende Masse von heute.

Hier ist eine Zusammenfassung in 7 Bildern von the Case for the Psalm.

Simply Jesus – Napkin Zusammenfassung

19 Dez

Mit 12 Bildern habe ich das NT Wright Buch „Simply Jesus“ zusammengefasst. Da drin fasst er zusammen, was die Botschaft von Jesus war. Man kann da allerhand missverstehen, nur seine eigene Wünsche hören. NT Wright arbeitet heraus, was Jesus gesagt, getan und gemeint hat. Hier ist die Zusammenfassung, frisch für euch serviert.

Mehr Zusammenfassung gibt es hier oder auf der Youtube Playlist.

Was ist Missional?

12 Dez

Kürzlich war ich am Skypen mit Eva aus Hamburg und die Sprache kam auf das Wort dieser Tage. Missional. Manchen hängt es schon zum Hals raus. Für andere ist das Zentrum der Aufmerksamkeit. Eva fragte mich: „Was verstehst du denn unter Missional?“ Gute Frage.

Ich habe ihr kurz ein paar Punkte zusammengetackert. Sicherlich Buzz-Words. Hier habe ich die Ideen dann ausformuliert. Meine Reise mit dem Wort startet mit Hirsch und Frost (Shaping of the Things to Come) und es war die Antwort auf die Emerging-Krise vor 10 Jahren. Gefühlte Kritikpunkte lösten sich mit dem Wort. Oder besser: mit dem, was hinten dran steckt. Bisher habe ich versucht, strukturell zu erklären, oder Ansätze dazu zu zeigen. Hier ist mein aktueller Stand in 5 Akten.

1. Akt – Alles ist Sein Revier

Das Problem: Industriegebiet. Sonntag für Sonntag fahren zig Menschen in die Industriegebiete in deutschen Städten, singen zu Jesus und beten für ihren Nächsten. Nur die Nächsten sind Maschinen. Gepredigt werden Moral und Ideale, die man dann im Alltag umsetzen will.

Der Ursprung: Epikur. 300 vor Christus entledigte sich dieser griechische Philosoph von allen Gottkomplexen. Er sagte, alles nimmt seinen Lauf, die Naturgesetze wirken. Gott mag es irgendwo geben, aber dem Laufe der Dinge ist das egal. Diese Pille hat die Aufklärung, und später die Moderne geschluckt, und die Christen haben sich damit arrangiert. Irgendwie ist der Gott-weg-Reflex so stark in unsrer Gesellschaft, dass Jesus auch nur noch für „geistliche“ Wahrheiten zuständig ist. Geist und Welt ist getrennt. Alltag und das Heilige auch. Es gibt ein Split-Level View: oben wo Gott ist, und unten wo wir Menschen sind. Selbst „übernatürliche“ Gemeinden feiern lediglich das punktuelle Durchdringen dieser Dynamik: Gott bricht durch, aber die Weltsicht ist geteilt.

Die Antwort: Schöpfungs-Monotheismus. Zugegeben, das ist ein Wortmoloch. Aber die Idee ist einfach: Schöpfung passierte durch Gott. Er hat alles gemacht. Alles ist sein. Jedes Molekül hängt an seinen Fingern. Es gibt kein einziges sekuläres Element im Universum. Und dazu noch: es gibt nur einen Gott. Das große Bekenntnis der Juden heißt Schema: siehe, der Herr dein Gott ist ein Gott. Einer. Über alles. In allem. Das ist der sehr weit gespannte Blickwinkel von Missional. Und dieser hat Jesus im Fokus: 1. Kor 8,6. Die Welt ist von und für Gott. Alles ist sein Revier.

2. Akt – Nachbarschaft

Das Problem: der Sonntagmorgen. Die Sache mit dem Gottesdienst. Eigentlich echt schön, und ohne ihn geht es sicherlich nicht. Aber irgendwie unterwandert er die ganze Richtung  des Glaubens. „Gehen wir in die Gemeinde?“ fragen meine Kinder – und meinen ein Event. Ein Hoch auf Leute, die zusammen kommen, sich kennen und miteinander unterwegs sind. Aber die Form prägt die Botschaft.

Der Ursprung: Aristoteles. Wieder ein Grieche, dieses Mal 350 v.Chr. Der bekannteste Philosoph ever hat die Welt mit einer Idee incepted: das Glück ist das oberste Gut. In der amerikanischen Verfassung ist dieser sogar festgeschrieben: „the pursuit of happiness„. Und Sonntag für Sonntag gibt es eine christliche Version davon. Dein Potential, deine Berufung, deine Identität. Das Ding ist: die individuelle Glücksmaschine ist zu kurz gesprungen. Gott will nicht nur unser Glück. Das auch. Aber weit mehr!

Die Lösung: Imago Dei und Inkarnation. Gott schuf uns in seinem Ebenbild. Mit der Sünde wird das entstellt und verdreht. Durch Erlösung wird die ursprüngliche Form wieder hergestellt. Deshalb wurde Jesus Mensch. Er lebte als Gottes Ebenbild. Und er starb, um unsere Vergehen auf sich zu nehmen – und zu besiegen. Jetzt sind wir „neue Kreatur“. Und alle Moral, alle Wunder sollen dahin führen. Dass wir Ebenbilder Gottes sind. Und sein Wesen in die Welt tragen. „Bebauen und bewahren“ hieß es am Anfang. Ein Stück Land nehmen und dort Verantwortung übernehmen, dass Gottes weise Führung umgesetzt wird. Unser Postleitzahlengebiet ist unsere Mission. Verortung nennt es Johannes Reimer. Weg vom McDrive Standardfutter, das easy reingeschaufelt wird. Und hin zu der Nahrung, die uns seine Hände und Füße sein lassen.

3. Akt – Alle spielen mit

Das Problem: die Bühne. In den letzten 10 Jahren boomen Lifestyle Kirchen. Mit Hairspray und Deo auf der Toilette und mehr Anglizismen als MTV. Es ist fast unweigerlich: wenn die Gemeinde über 200 Leute wird, dann fängt die Bühne an ihre Rolle zu zementieren. Charismatische Redner betüteln das Volk und vermitteln große Emotionen.

Der Urpsrung: Konstantin. Man vergisst fast, dass die ersten Christen  ohne Lichtshow und Professionalität auskamen. Erst seit 300 n Chr wurde das Christentum etabliert, bekam tolle Gebäude und auf einmal war das ein Platz für große Talente (und große Egos). Was wie ein Sieg bei Konstantin aussah, war eine zwiespältige Geschichte. Profis wurden mehr und mehr gefragt. Und das Fußvolk durfte schon artig zuhören und seine Rolle spielen. Nur führt das zu einer Passivität in der Kirche. Wie bei einem Spiel Barca gegen Real –22 Leute geben ihr Bestes auf dem Rasen, während 1 Milliarde sitzen und Bewertungen abgeben.

Die Lösung: der Leib Christi. Paulus sprach von einem „lebendigen Tempel“, in dem „jeder sein Werk tut“. Und das Werk ist mehr als die geistliche Gabe des Parkplatzeinweisens. Klar, auch praktische Dinge wollen erledigt sein. Nur: dabei sollte die Gemeinde eine Verkörperung von Liebe sein. Die Geistesgaben von allen sollten zum Zuge kommen. Und alle sollten mit Glauben und Sehnsucht dienen. Nicht nur die 3-4 Leute auf der Bühne. Missional bedeutet, als Leib Gottes zu agieren und alle zum Mitspielen zu bewegen.

4. Akt – Gott ist hier

Das Problem: der Turm in Babel. In 1. Mose 11 ist das Volk vereint, spricht eine Sprache und hat einen großen Plan. Klingt wie das Erfolgsrezept von jeder Mega-Church. Vision, Einheit, Knete. Auch heute sind Gruppen unterwegs, die ihresgleichen sammeln wollen. Ob von der Soziologie (gleiches Alter, gleiche soziale Schicht) oder von der Theologie (reformiert oder ökologisch oder oder oder).

Der Ursprung: Hybels,Wimber,Warren,Keller. Diese 4 Männer haben wirklich Großes geleistet und ich habe viel von ihnen gelernt. Sie haben Geschichte geschrieben und viel angestoßen, und das ist über alle Kritik erhaben. In meiner Recherche für mein Buch ist mir aufgefallen, dass alle vier mit der gleichen Frage gestartet sind:

Bill Hybels – «Wie können wir einen Gottesdienst feiern mit Menschen, die Gott nicht kennen?«

John Wimber – »Würde ich in diese Kirche gehen, wenn ich nicht angestellt wäre?”

Rick Warren – »Welche Art von Gottesdienst wäre das beste Zeugnis für die Ungläubigen?”

Tim Keller – »Zu was für einer Kirche würde ein New Yorker gehen?”

Das sind clevere Fragen. Und die haben‘s durchgezogen. Von außen her gedacht, und die Kirche entsprechend gestaltet. Alles gut. Viele Menschen sind zum Glauben gekommen (#halleluja, und das ist nicht sarkatsisch gemeint.). Nur führt diese Art von Attraktivitäts-Gemeinde zu einigen Problemen. „Das Kirchentum meiner Sorte ist das wahre Christentum.“ – diesen Satz habe ich so oft gehört. Entweder direkt, viel öfter noch zwischen den Zeilen. Eine Sprache, eine Vision, ein Plan. Jeder baut seinen Turm in den Himmel. Klubmaierei. Ein großes Zeichen unsrer Zeit.

Und noch krasser ist der Shift von Attraktional zu Extraktional: Menschen werden aus ihrem Umfeld abgezogen, zu innerlichen Höhepunkten getrieben in der Hoffnung, dass sie nächste Woche ihre Kollegen mitbringen. Möglichst viele Menschen in einer Halle ist nicht das Ziel des Glaubens. Eine Verkörperung von Gottes Liebe an allen Ecken und Enden dieser Welt ist das Ziel. Nicht nur das Sammeln zum Zuhören, sondern das Senden und Tun ist der Beweis von Glaubensbewegungen. Wenn Glaube in dunklen Hallen durchgeführt wird (die auch noch überall auf der Welt gleich aussehen), wenn Christen aus ihrem Umfeld abgezogen und in der Gemeinde busy gehalten werden, dann ist das zu kurz gesprungen. 95% der westlichen Welt suchen kein Event, sondern brauchen Beispiele, wie Gottes Liebe in ihrer Stadt aussieht – in ihrer Nachbarschaft, in ihrem Leben, für normale Menschen.

Die Lösung: Now-and-not-yet. Die Reich-Gottes-Denke fehlt. Das angebrochene Königreich Gottes – das auch mehr ist als Kirche (#commongood). Er wirkt in aller Welt. Er wirkt in allen Klubs. Er wirkt in allen Gassen. Das war die Botschaft von Jesus: „das Reich Gottes ist hier“. Das muss wieder in den Fokus und das Kopfkino der Gemeinden. Das durchdenken und in ihrem Umfeld zu leben wird eine Welle der Veränderung bringen (#erstchristen, #china, #worktogether).

5. Akt – Erneuerung der Welt

Das Problem: Wolkenkuckucksheim. Die Kirche predigt den Leuten das Evangelium und sagt, dass sie in den Himmel kommen. Tickets ins Jenseits werden nach einem kurzen Gebet gefeiert, und das Ziel im Leben ist es, anderen ähnliches Glück zu vermitteln. Diese Fluchtreflexe sind eine Fehlentwicklung im Glauben. Wenn die Welt eh über die Klippen geht, was soll man da noch groß reparieren? Wenn Gott Schöpfer der Welt ist (#1) und wir erlöst sind, um als seine Verwalter in dieser Schöpfung zu leben (#2), dann sind Jenseitstendenzen die falsche Richtung.

Der Ursprung: Luther. Die falsche Frage zur falschen Zeit. Hätte ich vor 500 Jahren gelebt wäre Luther mein Held. Ich müsste meine Sünden nicht mehr mit Geld und Sinnlosaktionen bezahlen. Sondern dürfte direkt zu Gott. Luther is the man! Allerdings verkauft schon lange keiner mehr Ablassscheine und die individuelle Freiheit ist jetzt nicht gerade Mangelware. Die Frage: „wie kann ein sündiger Mensch  vor einem heiligen Gott bestehen“ war total im Fokus vor 500 Jahren. Und das gab es einen superhilfreichen Durchbruch. Nur stellt diese Frage heute niemand mehr (außer er wurde ein paar Stunden von Evangelikalen bearbeitet)  – und zu Zeiten Jesu auch nicht.

Die Lösung: Erwählung. Gottes Plan mit der Welt war keine Betaversion. Die Welt wartet nicht auf Tag X, um dann erst in ihrer vollen Funktionalität zu erscheinen. Sie ist gut, und wird eines Tages vom Fluch befreit, den wir Menschen auf sie gebracht haben. Und in der Zwischenzeit sind erlöste Menschen die Vorboten dieser Erlösung (Röm 8, 18-23: „…Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und wartet…“.). Diese Welt ist immer noch Gottes Welt, und das Evangelium geht sowohl um die persönliche Sünde-Befreiungs-Thematik, wie auch um die Wiederherstellung von dem Ursprungsplan: dass Menschen Gottes weiße Verwalter sind. Herrlichkeit – das ist kein gleisendes Licht – sondern Gottes weise Handschrift, die durch uns in die Welt kommt (Ps 8). Wir sind erwählt, um einen Zweck zu erfüllen: gute Werke zum Wohle der Welt zu bringen.

Fazit

Das sind die 5 Elemente in Missional. Da sind große theologische Ideen drin. Wenn diese Ideen so was wie Weichen sind, dann können sie uns den Weg in die Zukunft leiten. Wer denkt, alles ist schon in Butter, braucht nicht weiter zu denken. Ich habe eine andere Meinung. Wir müssen zurück zu Jesus. Wir können zurück zu seinen Wegen. Und ich glaube, wir können das in unsrer Generation schaffen. „Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie,“ sagte einst Kurt Lewin. Unser Tun wird sich ändern, wenn wir Dinge in Zusammenhang verstehen. Die Welt wartet drauf. Was das Evangelium das Beste ist, was es gibt. Fangen wir an, es zu erfassen! Fangen wir an, es zu leben!

 

After you Believe – Napkin Zusammenfassnug

5 Dez

13 Bilder erklären 250 Seiten. In After you Believe beschreibt NT Wright die Wichtigkeit und Rolle von christlichem Charakter. Gutes Buch, kurz und knapp erklärt.

Mehr Zusammenfassung gibt es hier oder auf der Youtube Playlist.

Wo sollten wir sein? – der Genie von NT Wright

1 Aug

NT Wright schreibt wie ein Weltmeister, wird in der Theologie anerkannt wie Stephen Hawking in der Physik und kommt mit seinem Werthers-Echte-Onkel-Stil immer sympathisch und weich daher. Und dann will er mit seiner Feder die Welt ändern. Jedenfalls legt er in jedem seiner Bücher die These hin, dass etwas Grundlegendes falsch ist. Mit der Botschaft von Jesus, mit der Kirche, mit dem Verständnis von Paulus, mit unsrer Kultur.

Eigentlich habe ich es nicht so mit Akademikern. Die sind mir oft zu elitär, unverständlich und weitestgehend irrelevant. Und Theologen um so mehr. Dennoch hat sich NT Wright als Vorbild und Mentor in meinem Leben etabliert. Ich habe lange gerätselt warum. Schlaue Leute gibt es viele. Jesus-Autoren auch. Was ist es an ihm, das mir so aus der Seele spricht?

Bis ich vor ein paar Jahren in einem Talk ein Statement über seinen Werdegang gehört habe. Er redet über seine Frage, wo er eigentlich hingehört. Das hier waren seine Worte:

Ich habe eine klare Berufung, die in einigen sehr unklaren Entscheidungen gemündet ist. Ich lebe in einer Welt, die seit der Renaissance so gut wie möglich versucht, die Akademie und Kirche von einander zu trennen. Das ist entmenschlichend in beide Richtungen, denke ich. Und ich habe mein ganzes Leben auf beiden Seiten des Zaunes gelebt. Noch immer weiß ich nicht, ob ich in die Kirche oder die akademische Welt gehöre. Denn ich versuche, Beides zu tun und bin zu Beidem berufen.

Ich lebe in einer Welt, in der christliche Hingabe und evangelikaler Eifer sehr misstrauisch gegenüber der ernsthaften Wissenschaft im Neuen Testament war. Und umgekehrt gilt das Gleiche. Das schadet dem Evangelium sehr. Ich habe ernsthaft versucht, meine Predigt und mein Gebet als ernsthafter Historiker zu sprechen; und meine historische Wissenschaft als ernsthafter Beter und Prediger zu verfolgen. Das Resultat: einige Kollegen aus der Wissenschaft nennen mich einen Fundamentalisten; einige Glaubensgeschwister nenne mich einen Pseudo-Liberalen voller Kompromisse. Die Ironie lindert meinen Schmerz nicht.

Meine Erfahrung hat mich oft an diesen Ort gebracht – meistens gegen meinen Willen – dass ich im Gebet an einem dieser Gräben stehe. Dort erfahre ich nicht nur die Gegenwart und den Trost des lebendigen Messias; sondern ich erlebe, dass der, mit dem ich kämpfe und der mich gebrandmarkt hat, der Engel Gottes war. Ich wurde immer wieder bestätigt, dass es nicht meine Berufung ist, die großen Widersprüche unsere Post-Renaissance und Post-Modernen Welt zu lösen, sondern im Gebet dort zu leben, wo die Welt und mein Themengebiet in Schmerzen ist. Das trägt die Hoffnung, dass es ein tieferes Level gibt als diese Probleme zu lösen, und mein Themengebiet neue Fruchtbarkeit findet und meine Kirche neue Ausrichtung. Daraus möge Frieden und Fruchtbarkeit wachsen, bete ich. Die dunkelsten Stunden waren immer die Produktivsten, auf jeder Ebene.

Zwischen den Gräben stehen – Bäm, das ist es! Das fühle ich für mich auch. Ich bin in der Wirtschaft, und ich bin in der Kirche. Beides fasziniert mich. Beides treibt mich an. Beides lehrt mich. Auch ich bin öfter versucht, mich nur auf eins zu konzentrieren und mein Leben einfacher zu machen. Aber die Schmerzen zwischen den Welten sind die fruchtbaren Gebiete.

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Das bringt mich noch zu einer Beobachtung. Dieser Tage treffe ich immer mehr Menschen mit „Migrantenhintergrund“ – oh, wie ich dieses Wort hasse. Nicht-Eingeborene wäre besser. Ich selbst habe zwei Nationen in meinem Blut. Meine Kinder auch. Viele meiner besten Freunde. Und nichts gegen lokale verwurzelte Deutsche oder französische Franzosen – aber dieser Mix aus zwei Strömen hat was. Es hat was Ruheloses. Es hat was Anti-Schubladen-mäßiges. Es hat was Unangenehmes, zwischen zwei Stühlen zu sitzen. Und dennoch kommt dort viel Kreativität und Weitsicht her – schau Xavier, Mesut, Angela an.

Hier ist wie NT Wright seine Spannung auflöst. Weise Worte:

Unser Projekt kann nie sein, dass die Christen ihre Lösung aus großer Höhe auf die Welt stülpen. Christen müssen im Banking und im Business sein, in der Diplomatie und Politk. Sie müssen mit den Themen mit einer Ernsthaftigkeit ringen wie im Garten Gethsemani. Einige Kollegen werden sagen, sie sind verrückt. Und einige Glaubensgeschwister werden sie verachten, weil sie Kompromisse machen und nicht richtig mitziehen.

Die Schmerzen der Welt und die heilende Liebe vereint im Gebet – das ist der Weg. Das ist leichter im Bild gesagt. Man bleibt lieber privater Christ und kümmert sich nicht um die internationalen Finanzen. Oder man arrangiert sich mit dem System und hofft, dass alles irgendwie doch aufgeht. Oder man nimmt eine oberflächliche, glitzernde Agenda an, die die Tiefe des Problems verkennt. Das sind alles Irrwege.

Einige von uns sind berufen, in diesem Gethsemani zu leben. Damit die heilende Liebe Gottes unsere Welt in dieser gewichtigen und kritischen Zeit formen kann.

Viele Fachdisziplinen an den Uni sind im Schmerz. Viele Businesses sind im Schmerz. Viele Aspekte unsrer Welt erleben rießige innere Zerreisproben. Wo sollte der Christ sein? Nicht an der Seitenlinie mit dem Satz auf den Lippen: „Ich habe alle Antworten, wenn ihr nur auf mich hören würdet.“ Er muss mitten im Schmerz sein – im Gebet, in Christus, im Geist.

vucaViele beschreiben die Welt von heute mit dem Ausdruck VUCA. Das steht für vulnerable, uncertain, chaotic, ambigious. (verletzlich, unklar, chaotisch, mehrdeutig). Dies wird eher zunehmen. Menschen, die das durchleben, können in unsrer Welt besser Akzente setzen. Von daher: ein Hoch auf die nicht-einfachen Lösungen! Ein Hoch auf die Grenzgänger! Ein Hoch auf Menschen, die in unterschiedlichen Welten leben!

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