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Kino im Kopf – die Struktur der Spannung

17 Jan

Jedes Jahr sendet Pixar viele ihrer Mitarbeiter zu dem Seminar von Robert McKee über Geschichten erzählen. Neben ihrer technischen Brillanz brauchen die kreativen Köpfe auch einen Weg, um Filme zu machen, die jemand sehen will. Vor einigen Jahren kamen John Lasseter und seine Kollegen zu McKee und meinten: „Wir sind Computer Freaks und können keine Geschichten erzählen.“ McKee lehrte sie in einem Seminar und sie nahmen die Ideen mit zurück in ihr Studio: „John Lasseter und Peter Docter ging nach L.A. in diesen Kurs und kamen begeistert zurück. Wir folgten McKee aufs Detail als wir an Toy Story arbeitetn. Toy Story ist das Resultat von McKee’s system“.

Was ist das System von Robert McKee? In seinem Buch Story beschreibt der Filmlehrer, wie eine Geschichte sich entfaltet und aufgebaut ist. Zunächst steht am Anfang ein „inciting incident“, der die Kräfte im Leben des Akteurs aus dem Gleichgewicht bringt (die Spinne bei Peter Parker in Spiderman; James Bond entdeckt Attentate und einen Zusammenhang). Das sendet den Akteur auf eine Reise, das Gleichgewicht in seiner Welt wieder herzustellen. Auf dieser Reise begegnet er „zunehmenden Schwierigkeiten“ – Hindernisse auf dem Weg der Lösung. Diese werden immer schwerer und erfordern mehr Aufwand (James Bond findet immer größere Zusammenhänge des Weltbedrohers). Dies führt zu einer „Krise“, wo es nur noch eine Option gibt, die Lösung des Dilemmas zu finden: den Weg in die „Climax“ – die finale Auseinandersetzung zwischen Akteur und Widersacher. Dieser Kampf verändert die Welt für immer und ist unwiederkehrbar (James Bond besiegt Dr. No) . Schließlich schließt der Film mit einer „Auflösung“, wo die Konsequenzen der Story angedeutet werden (James Bond treibt in seinem Boot mit seinem Mädchen und knipst das Licht aus).

inciting-incident

Eine gute Geschichte stellt dauernd die Frage: „Was passiert als nächstes?“ Jede Szene, jede Handlung trägt zum Konflikt bei und sucht nach der Lösung im Kampf des Akteurs mit seinem Schicksal. Die Geschichte entwickelt sich nur durch Konflikt und dauernde Veränderung. Dieser Bogen von Inciting Incident zur Resolution hält alles zusammen und gibt der Geschichte Einheit.

Daher schlägt McKee eine Methode vor, die sich „StepOutline“ nennt: jede Szene in einer Geschichte wird mit einem Satz beschrieben. Man schreibt also die Schritte der ganzen Geschichte ohne Dialoge und Details. Daraus wird deutlich, ob die Struktur stimmt und genügend Substanz vorhanden ist, bevor man sich ans Ausformulieren der Details macht (detailierte Beschreibung und Beispiel anhand des Films Eyeball Eddie).

Kino im Kopf beginnt also mit einer guten Struktur einer Geschichte. Es muss was sich was ereignen, das die Welt aus dem Gleichgewicht bringt und nach einer Lösung sehnen lässt. Der nächste Schritt ist dann, die Details in das Outline zu bringen. Das folgt im nächsten Post…

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Cliche ist eine Abkürzung ins Nichts

4 Nov

Gestern Abend habe ich mir endlich den Johnny Cash-Film Walk the Line gegönnt. Dabei war eine Szene sowas von treffend für mein aktuelles Interesse an Songwriting. Ein Produzent hört Cashs Lied und meint es ist alles Käse, weil es sich anhört wie alles andere. Hört sich an als hätte er über die gängigen Worship-Songs geredet (oder Radio-Songs, wenn man so will).

Filmguru Robert McKee meint dazu: „Cliché is at the root of audience dissatisfaction and like a plague spread through ignorance, it now infects all story media“. Wenn ein Film langweilig wird, dann weil er zu viele Cliches nutzt. Warum? Wahrscheinlich weil man zu uninspiriert oder zu faul ist, etwas echtes zu sagen. Also baut man eine Abkürzung ein, die aber ins Niergendwo geht. Ich glaube, das lässt sich übertragen auf alle PowerPoint-Vorträge, Predigten, Blogeinträge und Songs der Welt.  Der wirkliche Feind ist das Cliche.

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