Tag Archives: Wachstum

Es geht was – Gründung im Aufwind

13 Dez

Das Internet ist schon geil: mit ein paar Klicks lassen sich die breitesten Informationen abfassen. Kürzlich war ich auf der Suche nach Gruppen, die mit Gemeindegründungen am Start sind. Es ist mir schon aufgefallen, dass das in fast allen Verbänden ein wichtiges Thema ist. Die FEGs machens, die ICFs auch, die Vineyards probierens, auch die Baptisten und Methodisten, und die Evangelischen.

beziehungen

Vor 5 Jahren war ich Teil des European Church Planting Networks. Damals hatte Mike Breen verschiedene Verbände eingeladen, um voneinander zu lernen und Gründung strategisch voranzubringen. Ich war in der Osteuropa-Gruppe und da waren schon viel Cowboys am Start. Ob Bulgarien, Ukraine, Weissrussland oder Albanien – einige harte Gründer haben alles gegeben, um an diesen Orten Gemeinde zu pflanzen. Mike Breen gibt auf seiner Wiki-Seite an, dass damals über 1.100 Gemeinden entstanden sind.

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Und so bin ich voller Erstaunen, was über die letzten 10 Jahre in Europa gewachsen ist. Acts 29 ist aktiv und hat über 500 Gemeinden (ca.30 davon in Europa) gegründet. City-to-City aus New York hat 2012 alleine 45 Gemeinden gegründet (14 in Europa). Christian Associates ist mit 30 Projekten in Europa. Die FEGs haben ihre Vision von 100 Gemeinden in 10 Jahren über die Hälfte erfüllt – und das nur in Deutschland. Fresh Expressions entstehen in den etablierten Kirchen, ICF hat 33 Gemeinden gestartet. Hoffnung Deutschland ist mit 200+ Gemeinden im Lande unterwegs.

Ganz schön viel! Das sind nur die Bewegungen, die ich kenne und halbwegs abschätzen kann. Es gibt bestimmt noch mehr, vor allem auch Independent Gemeinden. In Heidelberg alleine sind in den letzten 10 Jahren 6 Gemeinden gegründet worden (oder in der Mache), die ich kenne (und das sind nie alle). Kann es sein, dass der Geist Gottes gerade ziemlich am Wirken ist, neue Gemeinden zu schaffen?! Und altes neu zu pflanzen?! Und sind da nicht einige Formen dabei, die auch recht neu sind in dem, welche Gruppen sie erreichen und wie sie Kirche denken?! Und das alles in den letzten 10 Jahren!

Rock’n’roll!

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Erfolg im Chaos

19 Mrz

Warum schafft es eine Expedition an Nordpol und zurück – und die andere Expedition geht drauf? Diese Frage stellt Jim Collins in seinem neuen Buch Great by Choice. Er fragt, warum manche Organisation in schwierigen Umständen Erfolg haben, während andere drauf gehen.  Es ist eine faszinierende Studie über Chaos und unsere Navigation darin.

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Jim Collins schreibt seit einigen Jahren über den Aufstieg und Niedergang von Firmen. Dabei sucht er stets nach historischen Paarungen und was die Erfolgreichen von den Gescheiterten unterscheidet. Und so ist die Methode auch in Great by Choice bekannt – wie können manche Firmen in Veränderung, Chaos, Unsicherheit und Risiko aufblühen und andere nicht?

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Dazu zeigt Collins ein Dreick. Ja, ein Dreieck. Ich weiß, Dreiecke sind überstrapaziert. Aber hier ist die gesamte Idee, die Collins auf seinen Studien entdeckt hat: Erfolg-im-Chaos-Navigatoren legen eine fanatische Disziplin an den Tag; sie bauen auf zahlenbasiert Kreativität; sie verschreiben sich einer produktiven Paranoia und haben das alles mit einer gesunden Ambition gepaart. Das ging wohl etwas schnell. Hier ist eine Erklärung:

Fanatische Disziplin klingt etwas preußisch. Collins untersucht die Expedition zum Nordpol von zwei Teams. Das eine machte sich einen Plan und ging dann aber auf die Umstände ein. Wenn das Wetter gut war, wurde weit gelaufen. Wenn es schlecht war, auch mal gar nicht. Daraus ergab sich keine Konstanz und das Team setzte sich großen Gefahren aus – an denen sie letztlich scheiterten und mit ihrem Leben bezahlten. Das andere Team machte sich einen Plan, jeden Tag 20 Meilen zu laufen. Und das taten sie auch. An guten Tagen. Und an schlechten. Sie zügelten sich und zwangen sich. Das ist Disziplin. Und das ist wichtig, um im Chaos einen Weg zu finden. Diese Disziplin führt zu Selbstbewusstsein, in schwieriger Situation zu bestehen. Diese Disziplin reduziert die Gefahr vor übergroßen Beanspruchungen. Diese Disziplin führt Selbstkontrolle in einem Umfeld von Kontrollverlust ein. Disziplin hilft!

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Empirische Kreativität klingt erst mal nach gar nichts. Collins meint damit, dass die Chaos-Champions zunächst auf kleiner Skala Versuche unternommen haben, um Ideen zu testen. Erst dann haben sie richtig einen rausgehauen. Dagegen sind die Chaos-Versager gleich mit vollen Einsatz einer Idee nach gerannt. Kanonenkugeln sind das für Collins. Viel Risiko, hohe Kosten, viel Aufmerksamkeit – mit großem Einsatz Dinge probieren scheint zwar mutig. Aber mit der Zeit bringt es die Organisation in Gefahr. Die Chaos-Champions haben erst mal kleine Kugeln geschossen. Die haben einfach viel probiert, aber auf kleiner Flamme. Dann haben sie sich angeschaut, was funktioniert. Und dann haben sie erst Kanonenkugeln nachgelegt. Erst empirisch (schauen, was geht), dann der große Wurf. Eine klare Unterscheidung zwischen Erfolgreichen und den anderen.

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Produktive Paranoia hört sich an wie Bill Gates. Bingo – so ist das auch. Chaos-Champions haben gelernt, in allen Situation sich nicht auf ihren Lorbeeren auszuruhen. Wenn Collins deutsch wäre, hätte er diesen Punkt wohl den Matthias-Sammer-Faktor genannt. Der warnt sogar vor Gefahr wenn Bayern die Champions League gewinnt. Aber so sind die Chaos-Champions. Weil man eben nicht weiß, was so kommt, muss man immer auf der Hut sein. Das heißt vor allem drei Dinge: 1) immer einen finanziellen Puffer mit einbauen und nie zu nahe an der Nulllinie zu sein, 2) Risiken immer krass limitieren, indem man keine gefährlichen Sachen eingeht, keine die unverhältnismäßig negativ ausgehen können, und die nicht kontrollierbar sind. 3) eine beständige Dynamik zwischen Tagesgeschäft und langfristigen Trends zu haben. Denn einerseits muss der Laden laufen und Pläne müssen umgesetzt werden; andererseits hilft es nicht, wenn die Pläne ins Leere laufen und nicht mehr in die Realität passen. Frag mal Kodak wie das ist.

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Gesunde Ambition – das ist der letzte Faktor. Wie so häufig wird das Schicksal von den führenden Personen entschieden. Dort hat Collins schon länger eine Idee aufgetischt: den Level-5-Leader. Das sind Leiter, die mobilisieren können und gleichzeitig aus dem Weg gehen. Es ist die Kombi von persönlicher Demut und stählernem Willen.

Das waren die 4 Ideen von Jim Collins, um im Chaos erfolgreich zu sein. Viel ist gesunder Menschenverstand (der leider zu selten anzufinden ist). Einiges hört sich nach guter alter deutscher Schule an, klingt wie ein Lob an die Disziplin. Aber hey, Deutschland ist grade wieder en vogue. Wie immer schreibt Collins sehr animiert und anschaulich. Mir hilft das Buch, die einfachen Dinge nicht aus dem Blick zu lassen. Mir hilft es, langfristig zu schauen und mich auf einen langen Marsch einzustellen. Mir macht es Mut, dass man nicht übers Wasser laufen können muss, um in dieser chaotischen Welt etwas zu bewirken.

Warum supply-side funktioniert – Acts of Faith

21 Sep

Wir argumentieren, dass die religiöse Nachfrage relativ stabil über die Zeit ist. Veränderungen in der Religiösität sind hauptsächlich durch das Angebot getrieben.

Es braucht eine kritsche Anzahl von religiösen Institutionen, um die unterschiedlichen Bedürfnisse der Bevölkerung zu bedienen. Wenn die Anzahl an Angeboten unter eine kritische Schwelle fällt, dann schafft der Markt aufgrund der Nachfrage neue Angebote. … Eine Kirche allein kann nie alle Geschmäcker und Variationen bedienen – sie kann nicht zugleich weltlich und jenseitig sind, nicht streng und angepasst, nicht exklusiv und inklusiv, nicht emotional und reserviert. … Wettbewerb ist die treibende Kraft, die den Markt bedient und zu einer Zunahme an religiöser Beteiligung führt.

Serie: Acts of FaithRodney Stark – Teil 1 – Teil 2 – Teil 3 – Teil 4 – Teil 5 – Teil 6 – Teil 7

Strenge Gruppen wachsen – Acts of Faith

15 Sep

Das Geheimnis der Stärke von strengeren Gruppen ist: obwohl sie mehr Kosten fordern, bieten sie größeren Wert. Die größere Wert entsteht durch höhere Kosten. … Dadurch enstehen höhere Levels von Commitment, was nötig ist, um die Zuversicht des Einzelnen in die Religion zu stärken – in die Wahrheit der Glaubensaussagen, in die Wirkung der Praktiken, in das Zutreffen der jenseitigen Verheißungen.

Richard Niebuhr erkannte: Wachstum führt dazu, dass eine Gruppe die Spannung mit ihrer Umwelt reduziert. Das führt zu einer Abnahme im Commitment der Mitglieder. Max Weber meinte: „im Prinzip sind es nur kleine Gemeinden, die strenge Standards für ihre Mitglieder durchsetzen kann“. Die Teilnahmerate sinkt mit Wachstum der Gemeinde. Der größte Abfall ist zu erkennen, wenn eine Gemeinde über 50 Mitglieder wächst.

Religiöses Commitment basiert auf der Reaktion der Umgebung. Zuversicht in die Religion wächst zu dem Mass wie andere ihre Zuversicht ausdrücken. Und wir werden mehr beeinflusst durch Menschen zu denen wir eine enge Beziehung haben. Wenn die Netzwerke weniger stark werden, schwindet die Unterstützung und Bestätigung der Gruppe, und damit das Commitment.

Serie: Acts of Faith / Rodney Stark – Teil 1 – Teil 2 – Teil 3 – Teil 4 – Teil 5Teil 6Teil 7

inspiration: die kraft des netzwerkens

9 Aug

Man sagt, dass Bäume aus Samen entstehen. Aber wie kann aus einem kleinen Samen ein großer Baum entstehen? Samen enthalten nicht die Ressourcen, um Bäume wachsen zu lassen. Diese müssen aus der Umgebunge kommen, wo die Bäume wachsen. Aber der Samen trägt etwas Wesentliches bei: einen Ort, wo sich der Baum zu formen beginnt. Wenn die Ressourcen wie Wasser und Nährstoffe angezogen werden, organisiert der Samen den Prozess zum Wachstum. Auf seine Art ist der Samen das Tor, durch das die Möglichkeit eines lebenden Baums wächst.

– via Peter Senge –

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