Tag Archives: Dave Schmelzer

Hip, Hip, Horatio!

26 Jan

Dieser Tage hat mein Freund Dave Schmelzer ein neues Kapitel aufgeschlagen. Horatio ist ein Projekt, das jahrelang in Planung war. Jetzt ist es live, und ich durfte einen der ersten Artikel beitragen.

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Die Idee hinter Horatio ist simple: die tieferen Fragen des Lebens in alltäglicher Sprache diskutieren. Keine Predigt. Keine Oberweisheiten. Einfach Fragen und ehrliche Reflektion. Und so war mein erster Artikel über die Frage Karriere und Alles-untern-Hut-bringen. Zeug, das jeden Tag passiert und viele Menschen bewegt.

Das ist auch die Tagline von Horatio – big universe, little us. Das gefällt mir und ich bin froh, dabei zu sein. Bin mal gespannt, wo die Reise mit Dave und den anderen auf der Seite hinführt. Den Artikel von Val fand ich schon mal stark.

In ähnlicher Weise ist Rob Bell dieser Tage unterwegs. Kürzlich bin ich über sein neues Projekt gestolpert. Für manche ist Rob Bell ja so was wie das rote Tuch geworden. Und sein Joint-Venture mit Oprah reizt mich jetzt nicht besonders. Aber seine Idee, wichtige Themen in alltäglicher Sprache und ohne Ich-sags-euch Attitüde finde ich stark. Und sein Setting ist auch nicht schlecht: kleine Runde, im Kreis sitzen und was an die Tafel kritzeln. Wirkt sympathisch auf mich.

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Good revival vs bad revival – mein neuer Traum

16 Nov

Als ich in den 90ern Christ wurde, hat mich eine Welle von kleinen, schlecht designeten Büchern gepackt. Es waren Stories von Erlebnissen aus den 1700ern und danach als Leute zu Gott beteten und erstaunliche Dinge passierten. Rees Howells, Jonathan Edwards, Charles Finney – die waren die Stars der „Erweckungs“-Lektüre. Ich fand es superinteressant, dass so viel passiert, wenn man betet. Ich habe gebetet – und gehofft, dass wir Erweckung erlebten.

Ich war nicht der einzige. In der charismatischen Welle der 90er waren viele Highlights, die diese „es passiert Außergewöhnliches“ Stimmung hatten. Ich fand’s toll – und etwas komisch. Mir ist aufgefallen, dass neben einer guten Party und vielen Highlights vieles so blieb wie immer. Die komischen Leute waren noch komisch. Die Kranken immer noch krank. Und in der Summe waren es die etwas komischen Leute, die sich gehäuft in diesen Kreisen aufhielten. Glaubwürdigkeit war gering.

Reinhold hat dann vor ein paar Jahren einen tollen Artikel geschrieben, der mir aus dem Herzen gesprochen hat. Anstatt auf die Flucht ins Außergewöhnliche zu setzen, will ich lieber das Zeug im Alltag umsetzen. Und dennoch habe ich die Sehnsucht, dass was geht – dass Leute Gott kennen lernen, dass Güte durch unsere Straßen fließt.

Jetzt bin ich bei Dave und dem blauen Ozean über eine Unterscheidung zwischen guten und schlechten Erweckungen gestoßen, die für mich sehr hilfreich war. Sie hat meine Träume reaktiviert.

Die von mir genannten Erweckungsgeschichten waren von der schlechten Sorte. Wenn man deren Botschaft anschaut, dann sagten sie, Menschen sollten sich am Riemen reißen und heiliger leben. Durch diese Hinkehr zu Gott kehrten sie sich von ihren Sünden und dem alten Leben ab. Die Botschaft war wie in 2. Chr 7,14: „und mein Volk sich demütigt, das nach meinem Namen genannt ist, daß sie beten und mein Angesicht suchen und sich von ihren bösen Wegen bekehren werden: so will ich vom Himmel hören und ihre Sünde vergeben und ihr Land heilen. “.

Die implizite Botschaft war: „mach schon und hab deinen Akt zusammen, lieber Christ. Die Welt ist Schrott und steht gegen Gott. Wenn du ernsthaft bist, dann machst du ganze Sache.“ Es war ein Fokus auf Absagen – ein großes Nein, das ausgesprochen wurde.

Und Leute ließen sich drauf ein. Und es funktioniert – wenigstens für eine Weile. Es trennt natürlich auch. Und wendet die Leute von der Welt ab. Genau das, was mich genervt hat. Der Alltag, das normale, die Welt wird eher zum Problem als zum Weg. Das war das schlechte an den schlechten Erweckungen.

Hier nun der Hoffnungsschimmer: die guten Erweckungen. Franz von Assisi ist der Vorreiter davon. Der liebe Franz hatte eine Vision von Jesus und hat daraufhin alles hinter sich gelassen und ist diesem Jesus gefolgt. Seine ganze Story ist voller Freude, Offenheit für das Leben und Wertschätzung von Schönheit. Anstatt Nein zu sagen, sagt er ein großes Ja. Er unterteilt Leute nicht in die drinnen und draußen, sondern fokussierte auf die Schönheit und Freude von Jesus. Für ihn gab es keine „säkulare Welt“ oder Fluchttendenzen, sondern es war „Bruder Sonne, Schwester Mond“.

Die Gesellschaft fand das wahrscheinlich auch besser. In der Interaktion mit diesen geistlichen Impulsen von Franz und seinen Leuten, erblühte Italien in einer Renaissance und der Kirche wurde langfristig neues Leben eingehaucht. Es war eine Centered-Set Erweckung, statt einer Bounded-Set Nummer.

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Wenn man die Unterscheidungen noch klarer verstehen will, dann kann man auch die Stufen-Theorie anschauen.  Wer auf Stufe 2 bei den Regeln ist, der will Sicherheit und Antworten. Das ist auf der Heiligkeits-Erweckung ganz groß. Viele Kirchen heute geben noch immer vor, alles zu wissen. Vor allem solche, die Leute in gut und böse trennen, und zu Heiligkeit auffordern. In der Stufe 4 (Reinheit) geht es primär um Fragen. Die Welt ist größer als jeder, die Wahrheit auch. Wir befinden uns auf einer lebenslangen Reise durch das Wunder der Welt. Auf Stufe 2 ist Sicherheit ein großes Thema, Vorhersagbarkeit und Klarheit. Man hat klare Grenzen, verteidigt Positionen und weiß es. Auf Stufe 4 ist Offenheit ein großes Thema, Herausforderung und Vertrauen. Man lebt auf einer Reise und schätzt die direkte Connection zu Jesus.

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Bei einer Franz- Erweckung bin ich dabei. Mir war diese Unterscheidung hilfreich, weil sie erklärt, was ich an der durchaus beeindruckenden Erweckungslektüre als quälenden Beigeschmack empfinde. Seit Dave das formuliert hat, ist mein Hunger wieder da, etwas Großes in meiner Lebzeit zu sehen. Eine Stufe-4 – wir-lieben-die-Welt – Erweckung. Dafür bete ich. Davon träume ich.

Dazu treffe ich mich mit einigen Freunden, die ähnlich träume haben. Dave wird uns inspirieren, wir werden unsere Erfahrungen austauschen. Wir wollen Glaube als Reise verstehen. Wir wollen die Connection zu Jesus beten – Gebete, innere Reise, seine Stimme hören. Wir wollen Jesus als praktisch und hilfreich für alle Menschen präsentieren. Wir wollen die ganzen Aussagen über Gott testen. Wir wollen lernen.

Blauer Ozean

23 Okt

Vor fast genau 10 Jahren hat mir ein Freund eine Predigtkassette in die Hand gedrückt und meine Frau und ich habe haben die auf einer Autofahrt durchgehört. Was Dave Schmelzer damals geredet hat war bekannt und neu gleichzeitig. Irgendwie normales Bibelzeug, aber dann mit einem frischen Zungenschlag. Zuhause habe ich mir diesen Dave näher angeschaut und mir viel von seinem Input gezogen. Er hat über die letzten 15 Jahre die Vineyard Boston hochgezogen – in einer sehr liberalen, gebildeten Großstadt im Nordosten der USA. Man könnte fast sagen, in einem europäisch denkenden Umfeld.

Über die Jahre hat Dave seinen Ansatz verfeinert und dem Ding einen Namen gegeben: Blue Ocean Faith. Das Bild vom blauen Ozean kommt aus einem halbwegs bekannten Business Buch. Wenn du dort unterwegs bist, wo alle unterwegs sind, ist es ein tougher Wettbewerb. Ein roter Ozean. Beispiel sind Discounter, Handy-Hersteller und fast alle anderen Märkte. Wenn du aber in ganz neues Gebiet gehast und das machst, was keiner macht, na dann heißt du einen unbevölkerten blauen Ozean. Denk an eine Wii (Motion-Controller) oder Cirque de Soleil (Zirkus meets Musical). „Das Problem der meisten Kirchen ist nicht ein besseres Marketing oder ein professionelleres Event,“ meint Dave Schmelzer. „Es geht um eine Grundhaltung, wie wir mit unserer Umgebung und den Menschen um uns herum umgehen.“

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Mittlerweile hat Dave seine Kirche in Boston an einen Nachfolger gegeben, ist nach LA gezogen und widmet sich ganz dem blauen Ozean. Wir haben ein paar Mal am Telefon gesprochen und ich schaue gerade mit einer Gruppe von Freunden, wie sich der blaue Ozean nach Europa passen lässt. Ab Oktober machen wir eine Reihe von Webinare mit Dave, um seine Ideen (hoffentlich vollständig) zu kapieren. Ich halte die regelmäßigen Siyach-Surfer gerne auf dem Laufenden.

Predigen für Postmoderne – Teil 2

3 Jul

Im letzten Post gab es Lobeshymnen auf Dave Schmelzer und seine Postmoderne. Die Einführung seines Talks aus 2005 in Chicago ging um Objektivität vs. Erfahrung. Moderne stehen auf objektive Fakten. Postmoderne eher auf erfahrbare Geistlichkeit.

Hier ist nun der 2. Teil mit praktischen Tipps. Auf eine heiter Diskussion…

Nachdem ich das gesagt habe, will ich einige Punkte präsentieren, die ich bei den meisten Predigten anwende. Die will ich euch präsentieren, und dann einige körperliche Übungen vorstellen, um zu zeigen, wie man als Prediger seinen Körper einsetzt. Ich will dabei nicht viel explizit über die Theologie dahinter sagen, sondern sie einfach voraussetzen. Die „Modernisten“ unter uns werden das ganze also nicht sehr biblisch belegt finden, zu Recht. Aber wenn ihr nur die versteckten Tiefen der Schrift kennen würdet…

1) Bringe überzeugend rüber, dass alles, was Gott will dass wir tun, uns zu Gute kommt.

Das ist etwas nicht sehr modernes. Die meisten meiner Predigt-Titel enthalten eine Verheißung. Ich mache es mir selbst zur Pflicht, in den ersten paar Minuten der Predigt klar zu machen, was die Leute davon haben, wenn sie mir 40 Minuten lang zuhören. Deshalb fange ich wenige Sätze an mit „Die Bibel sagt…“, mit der Bedeutung „..deshalb solltest du es tun.“ Ich benutze auch das Wort „sollen“ wenig, denn: warum sollten sie etwas tun, wenn es nicht in ihrem Interesse ist. Gott ist schließlich gut. Wieso sollte er uns schaden? Zum Beispiel Evangelisieren: Normalerweise wird gesagt: Du musst das tun, weil Jesus es befiehlt. Sonst bist du einfach ein schlechter Christ, der sich nicht um den Auftrag Jesu kümmert. Das funktioniert in meinen Kreisen nicht. Ich frage mich: Warum sollte eine geistig gesunde Person, die ihr Leben bewußt gestaltet, wie sie es möchte, evangelistisch aktiv sein? Das ist mein Ansatz. Und wenn ich keine Antwort habe, sollte ich gar nicht darüber predigen. Zum Beispiel Apg 17: „Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darin ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. Auch läßt er sich nicht von Menschenhänden dienen, wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt.“ Also kann es für nicht darum gehen, seine Bedürfnisse zu befriedigen, indem wir ihm dienen. Also wenn ich meinen Teil beitrage und das Evangelium an Orten verbreite, wo es noch nicht ist, also hier in Cambridge, und ich werde von einem Bus überfahren, bin ich weg. Ich denke, dass Leute um mich trauern würden, das Gott traurig ist, aber ich denke nicht dass Gott sagt: Oh nein, Cambridge ist verloren, Dave ist tot. Er kommt damit klar, er ist Gott. Ich fühle nicht einen Mangel in dem aus, was Gott tut. Ich bin eingeladen, an seiner Arbeit mit zu machen. Es ist zu meinem Vorteil – ich wäre blöd, es nicht zu tun. Da heißt: Ich predige die Vorteile davon, etwas zu tun – und den Preis dafür, etwas nicht zu tun.

Ein weiterer Gedanke: Ich will nicht, dass mir Prediger sagen, dass ich ein Idiot bin wenn ich nicht tue was sie sagen. Aber ich will schon, dass sie sagen das ich nicht clever bin, wenn ich es nicht tue. Das ist etwas ganz anderes. Ich habe zwei Predigen hintereinander von einem talentierten Mann gehört, dessen Stil ich aber nicht mochte. Er hat über Evangelisierung geredet. In der ersten Predigt ging es darum, ob man seinen Arbeitsplatz als Missionsfeld sieht. Er sagte: „Ich glaube nicht, dass du das tust!“ Er fragte weiter: „Betest du für sie, betest du jeden Tag dafür, dass sie durch dich zum Herrn kommen – ich habe mich umgehört, ich glaube nicht dass du das tust!! Was stimmt mit euch nicht? Liebt ihr Gott überhaupt? Gehts euch nur ums Geld oder um Gott? Also rafft euch auf, seht den Arbeitsplatz als Missionsfeld und lasst uns beten..“ In der zweiten Predigt, eine Woche später fing er an: „Lasst uns zusammen die freie Gnade Gottes feiern. Wir können sie nicht verdienen. Sie ist absolut frei, lasst uns darin frohlocken. Lasst uns beten..“ Wenn die Gnade frei ist – was ich glaube – wofür sind dann all die Gebote? Ich glaube, es sind Anweisungen für unser Leben als Christen. Wenn wir nicht beten, haben wir keine gute Beziehung zu Gott, wenn wir unseren Ehepartner nicht so lieben, wie die Bibel es sagt, wird unsere Ehe schlecht sein. Daran ändert die freie Gnade Gottes nichts – deshalb gibt es die Gebote, weil sie uns zum Besten dienen. Also sage mir als Prediger nicht, dass ich ein Idiot bin, wenn ich nicht tue was du denkst das ich tun soll, sag mir dass ich nicht clever bin. Also wenn’s um Mission am Arbeitsplatz geht: Super Frage, also warum bin ich nicht clever, wenn ich es nicht tue? Das ist eine ganz andere Frage.

2) Bringe Jesus in eine Lage, dass er seine Macht demonstrieren kann.

Ich mag Tips, ich gebe viele Tips, möglichst konkrete. Denn es geht darum, den Leuten zu zeigen, was an der Botschaft relevant für sie ist und was sie davon haben, wenn sie es umsetzen. Ich rate den Leuten, Dinge zu tun, auf die Gott eine Reaktion versprochen hat. Wenn keine Verheißung von Gott auf etwas liegt, liege ich falsch.  Psalmen zu beten, zum Beispiel.  Mein Freund Steve hat es probiert, obwohl er nicht gläubig war, und sein Leben hat sich gebessert. Darauf bin ich natürlich durch die Bibel gekommen. Die historische Forschung hat gezeigt – und ich vertraue ihr da – dass der Psalter ein Gebetsbuch war. Hast du mal gemerkt, wie wenig sich der Psalter für Bibelarbeiten eignet? Warum? Ich denke, wiel sie nicht dafür gedacht sind. Es ist als Gebetsbuch gedacht, nicht dazu, es zu analysieren und auseinanderzunehmen. Aber du kannst sie beten. Und wenn du es tust, wie es Menschen 3000 Jahre getan haben, wird es dein Leben verändern. Also sage ich: Bete Psalmen, weil es dein Leben verändert. Wenn du es tust und es ist nur langweilig – hör auf damit! Genauso mit Gemeinde: Wenn du in einer Gemeinde unzufrieden bist und es dir nichts bringt – geh woanders hin, warum solltest du etwas tun, was nicht in deinem Interesse ist? Vielleicht liegt es an uns, oder du passt hier nicht rein. Es gibt viele andere gute Gemeinden, und wenn die nichts sind, komm zurück. Generell: Wenn die Dinge, zu denen ich rate, keine Reaktion, kein Ergebnis bringen, würde ich sie nicht tun.

3) Lass dich von jeder Predigt selbst herausfordern.

Das ist nur mein Anspruch, es muß nicht deiner sein. Aber das ist, was ich entdeckt habe, was mir nicht leicht fällt, aber es ist hilfreich. Ich schreibe meine Predigten selbst. Es gibt eine Sache, die mir etwas peinlich ist, aber falls sie euch auch peinlich ist, mir geht es nicht anders: Ich schreibe meine Predigten spät in der Woche. Wenn ich mit Pastoren rede fragen sie manchmal: Bist du einer von denen, die ihre Predigten spät in der Woche schreiben, Samstag nacht? Und ich antworte: Ja, grundsätzlich. Der Grund warum ich das angefangen habe, war: Ich hatte das Gefühl, Predigten würden mein ganzes Leben bestimmen, es käme immer schon die nächste. Ich wollte das begrenzen. Wenn eine Predigt etwas 10 Stunden Vorbereitung braucht, sollten es die letzten 10 Stunden der Woche sein, nicht die ersten. Denn wenn es die ersten sind, werde ich gar nicht mehr mit meinen Mitarbeitern reden. Ich werde keine Pastoren treffen, keine Visionstreffen besuchen, keine Seelsorge machen, ich werde nicht der Gemeinde dienen, nur die Predigt schreiben. Wenn ich am Anfang der Woche anfange würde ich die ganze Woche darüber nachdenken.

Also, ich sitze an der Predigt, zwei, drei Stunden lang – und bin gelangweilt. Alles was ich schreibe, ist wahr – es ist kein Problem von theologischer Korrektheit. Ich glaube, was ich sage, aber ich bin gelangweilt. Warum ist das so? Ich glaube, weil ich den Leuten etwas erzähle, was ich vor zwanzig Jahren gelernt habe. Es ist wahr, wahrscheinlich sogar hilfreich, aber ich habe es seitdem nicht wirklich im Leben umgesetzt. Dann könnte jemand einwenden: Ja, aber es ist nicht jeder so weit wie du, für Neubekehrte könnte es hilfreich sein. Aber ich will das nicht tun. Ich sage zu Gott: Nein, das bringt’s doch nicht. Ich will von ihm wissen: Was in diesem Text willst du mir heute sagen, woran muß ich arbeiten? Worüber ich nachdenken muß, was mich wirklich umhaut? Wenn da nichts ist, worüber soll ich dann reden? Acuh wenn es schon spät ist: Es kann sein, dass ich eine Stunde nur darüber bete, bis ich ein Wort von Gott habe, dass ich weitergeben kann. Ich will sagen können:Das ist wichtig für die Leute, weil es mir wichtig geworden ist. Also, was mich angeht: Ich finde es wird lebendig, wenn ich wirklich herausgefordert bin. Wenn ich auch nur ein bißchen gelangweilt ist, selbst wenn es wahr ist, frage ich mich: Warum predige ich das?

4) Predige mit Begeisterung und Überzeugung, selbst wenn du nicht völlig von der Predigt begeistert bist.

Ich weiß nicht wieviel von euch regelmäßig auf der Kanzel stehen und denken: Ich hoffe, das funktioniert. Ich hoffe, ich bring’s heute rüber und werde meiner Aufgabe gerecht. Für mich ist es halb/halb: Jedes zweite Mal bin ich recht selbstbewußt und denke: Ich gebe einfach mein Bestes, mehr kann ich nicht tun. Die anderen Male mache ich mir Gedanken: Ich hoffe, das klappt und ich kann das heute gut machen. Mir hat Gott mal gesagt, als ich angefangen habe zu predigen: Niemand will deine Entschuldigung gleich am Anfang hören. Auch wenn du dir unsicher bist: Niemand will als Einleitung hören: „Hey, ich hab’s auch nicht ganz geblickt, es war spät gestern abend…“ Genausowenig solltest du sagen: „Es könnte nicht viel besser sein, ich bin wirklich ziemlich gut… Ich bin sehr gut.“ Niemand will das hören! Gott sagt mir ständig: Hör zu, hast du eine andere Predigt in petto für heute? – Nein. – Hast du auf den Heiligen Geist gehört, Zeit mit mir und dem Text verbracht, dich selbst gefragt und wirklich nach der Herausforderung gesucht, die der Text bereithält? – Ja, das tue ich immer. – dann ist das das Wort des Herrn. Das ist es, was die Leute hören sollen. Und niemand will deine Entschuldigung hören, warum es vielleicht besser sein könnte. Also ist das im Augenblick die beste Predigt die jemals gehalten wurde und du predigst sie heute. Und du predigst im Bewußtsein, dass das Gold ist, dass du den Leuten gibst. Und ich predige es. Und ich sage euch eins: Die Predigten, auf die ich die meisten Reaktionen erhalten habe, waren die, bei denen ich am unsichersten war. Diese Predigten haben Leben verändert. Gott ist gut, er verspricht seine Gegenwart und gibt uns sein Wort. Also, entschuldigt euch nicht.

Das Buch, dass ich in Bezug auf Predigen empfehle, ist eigentlich kein Buch übers predigen, sondern über das Halten von Reden. Es heißt „The quick and easy way to effective speaking“ von Dale Carnegie. Ich glaube Dale Carnegie war der beste Lehrer im Reden halten den es gab. Er hielt Seminare zu dem Thema in den Zwanzigern in CVJMs und wurde so berühmt. Er schrieb weitere Bücher, z.B. „Wie man Menschen beeinflusst und Freunde gewinnt“ und ein empfehlenswertes Buch zum Thema „Sorgen“, es heißt „Sorge dich nicht, lebe!“ Das wäre auch ein super Predigt-Titel. Das Buch ist großartig. Das über Freunde ist nicht sein bestes, aber auch das ist gut. Er spricht darüber, wie er zehntausende von Leuten im Reden halten trainiert hat, Verkäufer, Prediger, Ehrenamtliche, alle möglichen Leute aus verschiedenen Kontexten. Ich habe viele Bücher aus dem evangelikalen Kontext gelesen über Predigen. Er ist das absolute Gegenteil. Es geht wieder um den Gegensatz Moderne-Postmoderne. Carnegie war postmodern in den Zwanzigern. Was er sagt, ist für mich vorbildhaft. Es gibt ein Standard-Buch übers Predigen von einem Dozenten vom Gordon-Conwell-Seminary, das mir auch empfohlen wurde – aber ich konnte nichts damit anfangen. Es geht wieder nur um Abstraktionen, Konzepte. Man soll keine Geschichten erzählen, nur „objektiv“ zu sein. Carnegie dagegen sagt: Alles kommt aus deiner Erfahrung, aus deiner Begeisterung. Und wenn du keine Leidenschaft hast für das, was du sagst – warum sagst du es dann? Jedenfalls: Dieses Buch ist absolut empfehlenswert.

Einer seiner Punkte ist: Rede mit Begeisterung darüber, wie das Thema dein Leben verändert hat. Die Leidenschaft, die Begeisterung macht den entscheidenden Unterschied. Du kannst über ein und dasselbe Thema reden, mit und ohne Leidenschaft – das ist das Entscheidende. Und die Leidenschaft hängt eng damit zusammen, wie sehr es dein Leben verändert hat. Das ist ein großer Anspruch, jede Woche, jeden Punkt dazu in Bezug zu setzen wie es dein Leben verändert hat. Dennn wie viele Dinge verändern dein Leben wirklich? In der Praxis redest du über weite Themenkreise, auf die du immer wieder zurück kommst. Aber die es kommt immer wieder darauf zurück: Wenn es nicht dein Leben verändert hat, wieso predigst du dann darüber? In dem Buch erzählt Carnegie eine Geschichte. Er redet über diesen Typ in seiner Klasse, der eine Rede gehalten hat über Patriotismus. Er fängt an mit getragener Stimme: „Patriotismus ist eine großartiges Geschenk des Schöpfers an unser Volk…“ Einfach eine Reihe von abstrakten Ideen über Patriotismus. Die Klasse hat ihn irgendwann dazu gebracht, aufzuhören. „Hör auf zu reden…“ Und Carnegie fragt den Kerl: „Was ist dir persönlich am Patriotismus wichtig?“ – Der Kerl war Kriegsgefangener im 2. Weltkrieg und war geflohen. Also sagte er: „Es ist mir sehr wichtig, ich bin ein guter Patriot!“ Und Carnegie frage „Warum?“ – „Ich war Kriegsgefangener im 2. Weltkrieg.“ – „Dann erzähl mir darüber..“ Und er erzählte sehr eloquent seine Geschichte und die Leute waren gefesselt. „Das ist mir passiert.. und deshalb bin ich Patriot!“ Die Leute reagierten mit stehenden Ovationen. Vom langweiligsten Redner zum Besten! Es geht immer wieder darum: Hast du Begeisterung für das Thema und warum? Es gibt kein ödes Leben auf der Erde. Wenn man Leuten wirklich zuhört, hat jeder etwas interessantes zu erzählen. Meine Eltern waren Farmer in Iowa, und mit 21 haute mein Vater ab um aufs College zu gehen und wurde schließlich einer der erfolgreichsten Anwälte in Kalifornien. Jeder hat interessante Geschichten zu erzählen. Wenn du verstehst, was Leute antreibt, dann ist das spannend.

Nächster Tip: Mach’s einfach. Es ist schwierig, nicht am laufenden Band zu verallgmeinern! Als Autor mag ich eigentlich „Poesie“ gar nicht. Ich bin mehr der „Prosa-Typ“ beim Predigen. Ich tue mich schwer mit „poetischen“ Predigt-Überschriften wie „Verlier nicht deinen Axt-Stiel.“ – „Was meinst du damit?!“ Es ist einfach eine Metapher – aber woher soll ich wissen, um was es geht? Ich will im Predigt-Titel mitkriegen, um was es geht, was die Verheißung dahinter ist. Ich will wissen, was Gott verspricht, nicht so etwas wie „Blumensträuße der Gnade“. Mach’s einfach, drück dich klar aus. Das ist nicht immer einfach. Z.B. ein Schriftwort wie „Perlen nicht vor die Säue werfen.“ Jesus hat’s gesagt, dann ist es gut genug für mich. Aber es ist Poesie, eine Metapher. Du kannst sicher sein, ich werde nie Perlen vor die Säue werfen. Das ist es..! Ich vermute stark, Jesus spricht hier symbolisch, metaphorisch. Es könnte verschiedene Dinge bedeuten: Für manche Leute zu beten, anstatt ihnen zu predigen. Oder: Leute die kein Interesse haben, links liegen zu lassen. Was auch immer es ist: Drück’s klar aus, mach’s einfach und deutlich. Und schließlich: Je mehr du Leuten ausdrücklich Freiheit gibst, desto mehr kannst du von ihnen verlangen. Hier ist mein Versprechen: Die meisten konservativen Gemeinden arbeiten mit Druck, und verlangen schließlich fast nichts von den Leuten. Ich versuche mein Bestes darin, Leuten alle Freiheit zu lassen und alles von ihnen zu verlangen. Hier sind meine Einsichten: Als wir ein Kirchengebäude bauen wollten, wir waren zu der Zeit etwa 700 Erwachsene. Aber die meisten waren nicht wohlhabend. Sie waren Studenten oder gerade frisch im Job. Die Kosten insgesamt sind 9 Millionen Dollars. Die hatten wir nicht. Wie sollten wir das Geld auftreiben? Sollten wir einen Berater engagieren? Wir entschieden uns dagegen. Ich habe Rick Warren gelesen, großartig. Ich habe entdeckt, dass er Aufzeichnungen begonnen hat über die Spendenkampagne, 10 Jahre vorher, als er 5000 Leute in der Gemeinde hatte. Das Spendenaufkommen in dieser Kampagne war das höchste, pro Person gerechnet, das es jemals gab. Dieser Bezirk ist der reichste in Amerika. Zurück in unsere Zeit. Ich fühlte mich wie ein Schmock. Ich habe mit den besten Spendern geredet, aber fühlte mich auch komisch und manipulativ dabei. Also habe ich ihnen gesagt: „Wenn du Bedenken hast, auch nur einen Dollar zu geben, dann gib diesen Dollar nicht.“ Wenn du auch nur den Hauch von Einwänden hast, die dich hindern, mit Begeisterung zu geben – dann will ich es nicht.“ Ich will nichts aus dir rauslocken, dass du widerwillig gibst. Ich will wirklich nur die Kohle, die du freudig und gerne gibst. Dann habe ich erklärt, warum Ich selbst gerne viel Geld gebe. Ich gebe einen Großteil meines Gehaltes, obwohl ich sowieso weniger als üblich bekomme. Ich habe gesagt: Ich will freiwillig noch weniger Gehalt bekommen. Und ich hoffe, du tust das gleiche. Weil ich daran glaube. Ich glaube, Gott wird es belohnen. Im ersten Jahr gaben wir 20000 Dollar. Das habe ich gepredigt, und daraufhin war die durchschnittliche Spendensumme pro Person 26000 Dollar! Wie kam es dazu? Weil ich Freiheit gepredigt habe – und alles verlangt habe.

Das ist glaube ich abgelaufen: In einer normalen „modernen“ Kirche wird gesagt: Die Bibel sagt „X“, deshalb solltest du es tun. Du hast natürlich die freie Wahl, aber es nicht zu tun heißt der Bibel ungehorsam zu sein. Die Verantwortung wir abgewälzt. Es wird gesagt: Wenn du damit nicht klarkommst und dich ärgerst, dann nicht über mich, sondern über Paulus. Oder über Jesus. Das ist die Ausübung von Druck! Die Botschaft, die rüberkommt ist: Falls du dem lebendigen Gott gegenüber ungehorsam sein willst, fühl dich frei nicht zu tun, was ich sage. Wenn wir das tun, wenn wir auf diese Weise über Leute urteilen, dann üben wir Druck aus. Und im Grunde verlangen wir nichts. Wenn wir gleich mit der Hölle drohen, können wir das nicht sehr oft tun, weil es sich abnutzt. Deshalb verlangen wir am Ende gar nichts. Wir üben Druck aus. Wir denken: Wenn ich sie danach frage, drei Minuten am Tag zu beten, bin ich ein [cold leader? ca. 42:00]. Wenn ich eine Stunde verlange, dasselbe. Wenn ich sage: Gebt doch ein bisschen, es steht doch in der Bibel. Wir verlangen so wenig wie möglich, weil wir kein [cold leader?] sein wollen. Was ich versuche rüberzubekommen ist: Es gibt kein Urteil. Ich verurteile Leute nicht, weil sie nicht tun, was ich sage. Also was ist passiert: Leute gaben sehr großzügig, aber kein großer Teil der Leute. Von den 700 Leuten gaben in der ersten Runde etwa 200-300. Aber das habe ich ja gesagt: Wenn ihr irgendwelche Vorbehalte habt, gebt nichts. Also habe ich gesagt: Super wenn ihr was gebt, ok, wenn ihr nichts gebt. Ich bin gespannt was Gott für dich tut. Fazit: Je mehr Freiheit du gibts, desto mehr kannst du verlangen.

Predigen für Postmoderne – Teil 1

28 Jun

Dave Schmelzer ist Pastor der Vineyard in Boston und einer meiner Mentoren. Als mir ein Freund eine Predigt von ihm gab (damals noch auf Kassette), war ich hin und weg. Dave redete irgendwie anders. Schon mit Bibel und so, aber frischer. Und vor allem näher für mich. Über die Jahre habe ich von ihm viele Ideen gelernt, die ich schon hatte, aber nicht formulieren konnte. Er war ein postmoderner Prediger. Nicht mit Stationen oder Lichtshow. Sondern vom Ansatz her.

Dieser Vortrag hielt er vor 7 Jahren in der Nähe von Chicago. Ich habe ihn übersetzt und poste hier in 2 Teilen. Es ist vielleicht hier und da etwas lang, aber die Gedanken sind so relevant zu dem, wie ich unsere Welt empfinde, dass ich das Sortieren dem Leser überlassen will. Ich bin gespannt auf die Reaktionen und Diskussion. Voila…

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Was für ein Glaube?

Ich bin seit dem College Christ. Und kurz nach dieser ziemlich dramatischen Umkehr habe ich mit einem sehr konservativen Pastor über meine Bekehrung geredet. Er fragte mich: „Warum bist du Christ?“ und ich sagte, dass ich dem lebendigen Gott begegnet bin. Er war so konservativ, dass er nicht unbedingt an einen lebendigen Gott glaubte – er glaubte an den Gott der Bibel. Er sagte dem Sinn nach: das reicht nicht. Ich dachte: „Oh, oh; also ich mag auch die Bibel“ und dachte, das würde er gut finden. Er fragte mich: „was meinst du?“ Ich sagte: „mir ist aufgefallen, dass wenn ich die Bibel lese und es von bestimmten Konsequenzen spricht, und ich tue die Dinge, dann tritt das auch so ein. Es ist wirklich gut.“ Er schüttelte traurig seinen Kopf. Ich dachte: „Oh, oh; schon wieder das falsche.“ Er fragte mich nach einem Beispiel. Ich sagte: „Wenn Jesus sagt: kommt zu mir mit euren Lasten und ich gebe euch Ruhe. Dann überlege ich, wie ich zu ihm kommen kann, denn ich habe oft schwere Lasten. Kann ich tatsächlich zu Jesus gehen, ihm meine Lasten geben und er nimmt sie?! Und meine Erfahrung ist: Ja!“ Er schüttelte einfach seinen Kopf. Ich grub mir ein immer tieferes Loch.

Dann fragte er mich: „was ist, wenn du die Dinge in der Bibel probierst und sie funktionieren nicht?“ Ich hatte das Gefühl, das war eine Fangfrage. Ich sagte: „Aber sie tun es!“ Er meinte, „aber was wenn es nicht der Fall wäre?“ „Ich weiß nicht. Wenn die Bibel davon spricht, dass es für mich gut wäre und es passiert nicht, dann würde ich denken, dass ich was falsch gemacht habe oder einfach naiv bin. Ich würde weisere Leute als mich fragen und ihren Rat nehmen und durchhalten. Aber wenn du damit meinst, dass in der gesamten Weltgeschichte für alle Leute, die das probiert haben, nie was dabei rumgekommen ist – dann wäre ich wahrscheinlich kein Christ mehr.“ Er sagte: „Ich wusste es! Das bedeutet, du bist nicht errettet.“ Ich sagte: „Wirklich? – bedeutet errettet zu sein, dass du gegen alle Erfahrung an die Bibel glauben musst? Wenn alle Erfahrungen in eine andere Richtung deuten, aber die Bibel was anderes sagt, dann muss ich der Bibel glauben?“ „Ja! Das heißt, auf dem Wort Gottes stehen! Es geht nicht um deine Erfahrungen. Erfahrungen können lügen. Alles, was du mir gesagt hast, ist erfahrungsbasiert. Mein Glaube gründet sich im Wort Gottes!“

Die Moderne und das danach

Was er mir vermittelt, war eine extreme Form von Moderne. Momentan gibt es gerade diesen Wandel von einem modernen Verständnis vom Reich Gottes zu einem zunehmend postmodernen Verständnis. Ich bin hier sicherlich kein Experte, aber im groben ist es so: die Moderne ist eine philosophische Art zu denken, die mit der Aufklärung zur Mitte des 16. Jahrhunderts kam. Sie hat mehr an Einfluss zugenommen und zeigte, dass wir nicht mehr das Wissen von Vorfahren oder Traditionen einfach übernehmen müssen, oder einfach Autoritäten glaube müssen. Stattdessen können wir wissenschaftlich arbeiten und Dinge erforschen und bekommen ein objektives Wissen. Dadurch wird die Gesellschaft immer besser, es gibt Fortschritt und wir kommen dem Himmel auf Erden nahe – das ist die Annahme der Moderne.

Viele gute Dinge sind in der Moderne passiert – Buchdruck, Computer, Medizin, Mobilität. Moderne: yeah! Aber: mitten im 20. Jahrhundert als der 2. Weltkrieg zum Ende kam, wurden mehr und mehr Menschen desillusioniert mit der Moderne. War nicht die Verheißung der Moderne, dass das Leben immer besser wird? dass Menschen immer glücklicher werden? Und hier haben wir im 20. Jahrhundert mehr Menschen getötet als in der gesamten Menschheitsgeschichte. Und wir fühlen uns nicht glücklicher, um ehrlich zu sein.

Und wie ist das mit Dingen, die man nicht unter ein Mikroskop tun kann? Dinge wie Liebe, Intimität, Freundschaft – alles, was mit Beziehungen zu tun hat. Vielleicht ist das ganze Universum mehr beziehungsorientiert als wir gedacht haben. Vielleicht ist das ganze nicht so unpersönlich und abstrakt. Vielleicht wollen wir einfach jemand kennenlernen. Eine meiner Lieblingsstellen in der gesamten Literatur ist eine Zeile aus einem Buch von E.M. Foster, das unter dem Titel „Howard’s end“ verfilmt wurde. Seine berühmtesten Zeilen haben es nicht in den Film geschafft. Es waren seine berühmtesten Worte: Only connect! Er meint damit, dass letztlich alles darauf hinausläuft, ob du connectest oder nicht. Isolation ist der schlimmste aller Zustände. Intimität und Beziehung ist, wofür wir geschaffen sind. Das ist eine sehr postmoderne Sichtweise.

Warum Christen auf die Moderne stehen

Christen tendieren dazu, in der Mitte gefangen zu sein. Die Christen haben sich am Ende des 19. Jahrhunderts dafür geschämt, dass wir nicht gut in der Moderne waren. Wir hatten das Gefühl, dass Leute uns anschauen als wären wir ein Haufen Idioten. Sie unterstellen uns, dass wir nur auf unsere Großeltern hören, an Tradition glauben und nicht selbst denken können. Die anderen sind die ganzen schlauen Leute, sind Wissenschaftlich und wir fühlen uns wie Deppen. Wir werden es ihnen zeigen! Und wir zeigen es ihnen, indem wir auf ihre Denkweise eingehen und nach ihren Regeln spielen. Wir machen aus dem Leben mit Jesus eine Wissenschaft! Und das funktioniert, indem wir alles am Standard der Bibel messen. Denn das ist das einzig objektive, das wir haben. Wenn wir das als Axiom nehmen, dass die Bibel das inspirierte Wort Gottes ist, und wahr ist, dann finden wir darin alles, was wir wissen müssen. Und daraus wuchs dann Fundamentalismus und Evangelikalismus.

In den 80ern, als Postmoderne etwas mehr Verbreitung fand, haben alle in der Kirche darauf mit Ablehnung reagiert, weil sie sich bedroht fühlten. „Diese verdammten Postmodernen! Sie glauben nicht an Wahrheit. Alles ist relativ. Nichts ist verbindlich.“ Das ganze entpuppt sich etwas als Götzendienst, denn es greift das eine Ding an, an dem wir festgehalten haben: „Wir sind keine Idioten, denn die Bibel ist wahr und wir kennen uns damit aus!“ Und jetzt kommt die Postmoderne, wo Wahrheit mehr beziehungsmäßig ist und nicht mehr so abstrakt. Deshalb reden viele von der Bedeutung von Geschichten.

Die Logik der Geschichten

Geschichten bedeuten was in der Postmodernen – und nicht nur Abstraktionen. Und Überraschung: die Bibel ist voller Geschichten. Kannst du es zerlegen? Was ist der Punkt wenn David Goliath erlegt? Ist die Aussage: Mut wird gewinnen!? Ist der Punkt: wenn du an Gott glaubst, kannst du große Hindernisse überwinden!? Ist es: lass dich nicht auf Furcht ein, habe Glauben!? Ist der Punkt: wenn alle um dich misstrauisch sind, dann lass dich nicht runterziehen, sondern geh raus und kämpf!? Was ist der Punkt in Geschichten? Es gibt Millionen von Punkten. Du kannst von allen Richtungen kommen. Du könntest diese Geschichte den Rest deines Lebens predigen und was Interessantes dabei sagen. Denn es ist eine reiche Geschichte. Und es ist wahr. Was ist die Wahrheit? Was ist die wahre Bedeutung der Geschichte? Die Frage ist absurd – es gibt keine wahre Bedeutung der Geschichte. Es ist einfach was es ist – eine Geschichte.

Mir ist aufgefallen, dass in meinem Umfeld moderne Predigten nicht gut kommen. Es ist aber sehr verführerisch. Wenn du mit sehr smarten Leuten zusammen bist, dann denkt jede konservative Gemeinde: wir holen ist jemand mit einem Doktortitel, um den Leuten zu zeigen, dass wir smart und keine Idioten sind. Die ganzen sekulären Stimmen sagen, Christen sind dumm, aber wir beweisen euch, dass wir nicht dumm sind. Wir beweisen es euch, denn wir haben einen Doktor. Und wir geben euch bessere Abstraktionen als die anderen. Die Gemeinden wachsen nicht.

Ein eigener Weg

Ich bin eigentlich als Pastor ins kalte Wasser geworfen worden. Ich war ein Bühnenautor und wollte meine Stücke schreiben und in New York produzieren, was ich auch gemacht habe. Jemand anderes wollte die Gemeinde leiten, aber sein Leben ist aus den Fugen geraten. Dann haben sich alle auf mich eingeschossen und gesagt: du bist unsere einzige Hoffnung. Mach das mit der Gemeinde und pausiere mit dem Bühnenzeug. Ich hatte etwas Ausbildung und habe schon fast alles in der Gemeinde geleitet während wir darauf gewartet haben, dass es dem ursprünglichen Typen besser geht.

Also hatte ich wenige Überzeugungen. Ich hatte noch nicht so viel gepredigt und fragte mich: was sind meine Annahmen über Predigten – im Hinblick darauf, dass ich es in 2 Wochen jede Woche machen muss? Also habe ich mich umgeschaut: was macht Rick Warren? Was machen Leute in der Vineyard? Und ich habe hauptsächlich von Modernen gehört: predige keine Erfahrung, denn Erfahrungen lügen. Ich dachte mir, viele dieser Predigten sind gut. Modern und gut. Rick Warren ist gut, aber er predigt dauernd Statistiken. Er zitiert was aus der New York Times und deshalb hat es einen objektiven Touch, aber wenn es seine eigene Geschichte wäre, dass hätte sie diesen Touch nicht.

Ich dachte mir: das mache ich nicht mit! Wenn die Bibel sagt: du sollst das tun und hier ist der Vorteil für dein Leben, wenn du es tust – wenn ich dann nicht sagen kann: ich habe das versucht und so ist es mir dabei gegangen – dann bin ich nicht ehrlich. Was ich dann sagen würde: du sollst es tun – ich habe kein Interesse, es selbst anzuwenden, denn ich habe schon genug zu tun – aber für dich ist das sicher sehr gut. Ich hatte mal von John Maxwell gehört:  „Nach 15 Jahren in meinem Dienst ist mir ein großer Einblick gekommen: ich werde nie jemand dazu auffordern etwas zu tun, das ich nicht selbst probiert habe.“ Nach 15 JAHREN! WOW! Es scheint mir einfach der Zeitgeist der Moderne zu sein.

Es gibt Leute, denen gefällt nicht, wie ich predige. Das geht den meisten so. Aber bei sind die Leute, denen es wirklich gar nicht gefällt, wie ich predige, sind junge Leute aus sehr konservativen Gemeinden. Ich spreche einfach nicht ihre Sprache. Die sagen mir dann oft, dass meine Predigten nicht tief genug sind. Ich überlege mir dann immer: wie? Meine Predigten fordern mich wie verrückt heraus. Ich frage mich, ob ich es hinbekomme und es stresst mich an allen Ecken und Enden. Ich finde, ich bin ziemlich herausfordernd.

Also wieso finde ich es herausfordernd und sie nicht? Für sie ist es seicht, weil ich nicht sage: Schlagt die Bibeln bei Mt 6 auf, der historische Hintergrund ist der Folgende: Das Ganze spielt in Israel – lasst mich erklären was Israel ist… so was mache ich nicht. Ich predige die Bibel, aber das Herz der Bibel. Was will Jesus von uns, was sollen wir für ihn tun?

Ich sage damit nicht, daß der moderne Predigtstil schlecht ist. Ich will nicht das eine gegen das andere ausspielen. Geschichtliche Erkenntnise zu suchen, ist gut. Und wenn du einen Weg gefunden hast, über Geschichtliches zu predigen und es führt zu Wachstum – Gott segne dich! Und fast 100 % der großen amerikanischen Prediger heute sind „Modernisten“. Ich kennen nicht viele, die „postmodern“ predigen. Also wer bin ich zu sagen: Du lausiger Modernist, ich weiß es doch alles besser..? Und dabei wächst ihre Gemeinde richtig stark. Und sie lieben Jesus, geben das an andere weiter und gründen Gemeinden. Machen sie was falsch? Ich denke nicht, sie machen es großartig. Es zeigt einfach: Sie machen es genau richtig für die Leute, die sie erreichen wollen. Die sollten sich diesen Vortrag gar nicht anhören. Es ist eine andere Herangehensweise.

—- Teil 2 – Predigen für Postmoderne folgt.

Video über Centered Set

1 Feb

Bin schon länger ein großer Fan von Dave aus Boston. Sein Buch letztes Jahr war inspirierend, sein Blog ist es auch. Hier ist ein Video, das den Centered Set Ansatz erklärt. Sehr cool:

Oh, und wenn wir schon dabei sind. Dave erzählt über die 4 Stufen der geistlichen Entwicklung – Räuber, Regel, Rebell, Reinheit. 

Was denkt ihr?

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