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Hero Rats

13 Jan

Hier der letzte Post zu Social Business Fällen. Nächste Woche kommt dann mein Resüme, aber das hier ist interessant:

Landminen sind ein unlösbares Problem bisher in der Welt – bis die Hero Rats kamen. Es gibt geschätzte 70 Millionen Landminen auf der Welt. Sie töten jedes Jahr 15.000-20.000 Menschen, häufig Kinder und Bauern. Es kostet im Schnitt 1.000 Euro, eine Landmine durch den Einsatz von Metaldetektoren und Ortungsfahrzeuge zu finden und zu entfernen. Es kostet 3 Euro, eine Landmine zu legen. Das heißt: dieses Problem löst sich auf die herkömmlich Weise nie. Was kann man tun?

Bart Weetjens ist ein interessanter Kerl – er hat schon immer gerne Ratten gehabt, mit ihnen gehandelt und keine seine Pappenheimer ziemlich gut. Ihm ist irgendwann aufgefallen, dass bestimmte Ratten sehr gut sind im Riechen. Fast wie Hunde, nur ungefähr 10 Mal besser. Und wenn Hunde Sprengstoff riechen können, dann vielleicht auch seine Viecher. Also probierte er mit seinen Ratten, sie auf Explosive zu trainieren. Und fürwahr: die ostafrikanische Riesenratte lässt sich trainieren und riecht Sprengstoff über weite Distanzen.

Bart Weetjens auf TED –

Also probierte Weetjens das auf einigen Feldern in ehemaligen Kriegsgebieten in Afrika. Und die Ratten schlugen zu – sie fanden die Landminen im Feld. (nicht das jetzt die Tierschützer meinen Blog auf eine schwarze Liste setzen: die Ratten gingen beim finden nicht drauf. Sie waren leicht genug, dass die Landmine nicht detoniert. (Wäre ja auch etwas krass sonst). Weetjens hatte eine Lösung für ein Problem, das jedes Dritte Land der Welt betrifft.

Frage die Leute nicht danach, was die Lösung sein könnte. Die sind von den gleichen Annahmen befangen, wie die aktuellen Anbieter. Gehe hin und verstehe das Problem. Es liegt am Entrepreneuer, die Lösung zu finden. Die etablierten Größen in einem Feld sind zu weit entfernt. Es geht darum, zu beobachten und zu verstehen.

Aber so leicht ging es dann nicht weiter. Plötzlich kam die Landminen-Lobby auf und machte Weetjens das Leben schwer. Wenn er für ein paar Cent das machen kann, was ihnen 1.000 Euro einbringt, dann finden die das nicht lustig. Und so muss sich Weetjens in den letzten Jahren mit der Lobby rumschlagen und Wege finden, den Vorteil seiner Ratten zu kommunizieren. Und diese Kampf ist noch nicht entschieden.

Das war eine ernüchternde Erkenntnis beim INSEAD Programm vor einigen Tagen: der Weg zu sozialer Veränderung ist lang und anfällig für Schwierigkeiten. Gute Ideen setzen sich nicht einfach durch. Sie lassen sich nicht einfach transportieren. Die ganzen Strategie-Tools und Management-Expertisen ersetzen nicht die harte und häufig zufällige Arbeit. Dennoch ist es ein begeisterndes Feld, um mit neuen Ideen Probleme der Menschheit zu lösen. Weetjens Lösung für den Moment – Adopt a Rat.

Investoren und Entrepreneurs nehmen weniger große Worte in den Mund. Wir dachten, wir können die Welt mit unseren Werkzeugen verändern. Aber das ist nicht immer so. Wir sind noch nicht dort. Es ist immer noch viel Experimentieren. Wir finden die Lösungen nicht im Denken, sondern im Probieren.

Dialog im Dunkeln – soziale Nöte sehen

25 Nov

Wir waren mit 20 Personen in deinem stockdunklen Raum. „Seid einen Moment still,“ sagt Tony. Er ist seit 30 Jahren blind und leitet uns in die Dunkelheit. Nach 2 Minuten fragt Tony: „Wie fühlt sich die Dunkelheit an?“ Wir antworten der Reihe nach:

„Erdrückend“
„Befreiend“
„Glücklich“
„Wie ein alter Freund“
„Es macht mir Angst“
„Spirituell“
„Sie drückt auf mich“
„Entspannend“

dialog im dunkeln

Tony drückt jedem einen Buchstaben in die Hand. Ich habe ein B. Alle Bs finden sich in der Dunkelheit und tasten sich mit Blindenstöcken an einen Tisch. „Hier sind ein paar Materialien,“ sagt Laura, die vor 8 Jahren bei einem Autounfall ihr Augenlicht verloren hat und trotzdem ihre Kinder groß gezogen hat. „In den nächsten 30 Minuten sollt ihr daraus eine Brücke bauen.“ Wir schauen uns an und sehen nichts.

Dialog im Dunkeln ist ein Social Business Projekt, das wir heute erleben. Vor über 20 Jahren gründete Andreas Heinecke in Frankfurt ein Unternehmen, das Dunkelheit verkauft. Er wollte Menschen Wertschätzung für andersartige Menschen vermitteln. Wertschätzung für Blindheit ist schwer, wenn man jeden Tag sieht, was man will. Seitdem macht er Ausstellungen und Workshops, um Menschen ein paar Stunden diese Erfahrung zu vermitteln. Und um Blinden Arbeitsplätze zu schaffen und Würde zu vermitteln.

Es sind Menschen wie Heinecke, die eine soziale Not sehen, die sonst niemand sieht. Und er nimmt sein Herz in die Hand, um für diese soziale Not eine Antwort zu finden.

Unser Team ist ganz gut. Wir bauen was zusammen mit den Materialien und haben eine, naja, Brücke. Aber Kommunikation war schwierig. Man konnte sich so schwer erklären. Nach 2 Stunden sind wir wieder im Licht und reden über unsere Erfahrung. Es war befreiend, demütigend, erleuchtend und frustrierend. Über die nächsten Tagen reden einige aus der Gruppe über die Erfahrung. „Ich habe meine Augen mal während der Diskussion zugemacht, um besser hinzuhören,“ sagt ein Engländer. Tony lacht.

Es ist wie die zweite Hand von Adam Smith. Er hatte von der unsichtbaren Hand der Märkte gesprochen – niemand organisiert die Ressourcen und den Einsatz der Leute. Sondern das Selbstinteresse und die Mechanismen der Märkte sorgen dafür, dass eine Gesellschaft effektiv arbeitet und Wohlstand erzeugt. Meine Hoffnung ist, dass wir mit Social Entrepreneuers die zweite unsichtbare Hand von Adam Smith haben. Wir finden soziale Nöte und bringen die Ressourcen und Einsatz, um diesen zu begegnen. Wir sind nicht vom Eigeninteresse getrieben, sondern dem Interesse von anderen.

Wie passt Profit zu sozialer Veränderung?

20 Nov

Im ICE von Paris auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Mannheim – es liegen bewegende Tage beim INSEAD Social Entrepreneurship Programm hinter mir. An Europas renommiertester Business-School haben die letzten 5 Tage über 30 Teilnehmer über ihre Erfahrung reflektiert, wie man soziale Veränderung bewirkt. Wie können Aktivitäten dauerhaft sein? – das ist eine Kernfrage. Spenden gab es schon lang. NGOs und Entwicklungshilfe auch. Aber das Gefühl war, dass das strukturelle Probleme nicht wirklich löst. Vor allem haben die Afrikaner nicht so viel, wenn man seinen alten Pulli dort hin schickt, weil irgendwann ist der auch in Afrika durch und was dann. Oder man nimmt Erdbeben-Euros und baut was in China, aber was ist 2 Jahre später.

Die meisten Sachen sind nur dauerhaft durchziehbar, wenn sie sich selbst finanzieren. Wenn Einnahmen zustande kommen. Aber wie kann man das unter den Ärmsten der Armen machen, die eben genau kein oder wenig Geld haben. Grameen-Bank ist wohl das prominenteste Beispiel dafür, wie das gehen kann.

myC4 ist noch so ein Projekt. Dort werden Leute in aller Welt eingeladen, Geld in Entwicklungsprojekt zu stecken (peer-to-peer). Wenn dann ein Geschäftsmann in Afrika damit was erwirtschaftet, dann zahlt er es mit Zinsen zurück und man macht Profit. Statt das Geld auf der Bank zu lassen, bekomme ich Zinsen und tue was Gutes. Und myC4 bekommt auch einen kleinen Teil – und macht Profit.

Strategie im normalen Geschäftsumfeld sucht nach Macht und Kontrolle. Im sozialen Umfeld geht es um die Befähigung von anderen.

Soziale Mission muss nicht auf dem guten Willen basieren. Immer mehr Projekte starten mit innovativen Wegen, um die Kette von Abhängigkeit zu durchbrechen und etwas in armen Regionen zu machen, das sich selbst erhalten kann. Wird sich das als ein hilfreicher Ansatz durchsetzen?

Große Idee, wenig Kohle – was ist social entrepreneurship?

16 Nov

Früher morgen hier in Fountainebleau bei der Social Entrepreneuership Woche von INSEAD. Gestern kam über 30 Teilnehmer zusammen und ich war überrascht von der Breite der Arbeitsfelder: Mircro-Finance für die Armen in Venezuela, solargetrieben Hörgeräte in Jerusalem, Ramallah und Amman, Schutz des Regenwalds in Brasilien, Lebensmittelstandards für Afrika im Rahmen der UN, Rechtsanwaltsnetzwerk aus dem Sudan und Schulen in Indien. Und vieles mehr. Ashoka und Schwab sind Stiftungen, die sich dem Ziel der sozialen Veränderung verschrieben haben. Und viele hier haben Auszeichnungen gewonnen. Zusammen mit INSEAD sind sie Teil von Institutionen, die andere empowern, um Veränderung zu bewirken. Egal wie viel Geld – es geht nur wenn man eine Bewegung um eine Idee herum schafft.

Es passiert viel Gutes auf der Welt. Social Entrepreneurship ist eine Bewegung seit vielleicht einem Jahrzehnt, die immer mehr Energie gewinnt. Muhammad Yunus aus Bangladesch hat vor ein paar Jahren einen Nobelpreis für sein Mikrofinanzmodell gewonnen. Und jetzt gibt es immer mehr Menschen, die sich für soziale Veränderung investieren. Sehr ermutigend.

Soziales Unternehmertum ist ein unbeachtetes soziales Problem zu sehen, es zu adressieren und einen Weg zu Lösung zu finden.

Große Idee – wenig Kohle. Das scheint allen hier gleich zu gehen. Soziale Veränderung fängt immer mit einer Idee und viel Energie an. Viele hier haben ihren Job geschmissen, um sich für eine bessere Welt einzusetzen. Viele andere machen das neben ihrem Job her.

Geld ist nicht das Problem. Wenn du deine Mission weißt, das Geschäftsmodell entwickelst und die richtige Idee hast, dann kannst du starten.

Ich mag die Einstellung der Leute hier. Sie gehen nicht dogmatisch an die Sachen ran oder müssen irgendwas beweisen. Sie wollen positive Veränderung in der Welt. Diese positive, kampffreie Einstellung ist sympatisch und ansteckend.

Erlaube dir, Fehler zu machen. Niemand macht es beim ersten Mal richtig. Daher darf man nicht alles auf den ersten Versuch setzen.

Alles geht schief – öfter und schlimmer als du denkst. Daher ist es wichtig, mit einem Team unterwegs zu sein und Unterstützer zu haben. Alleine erreicht man nichts.

Mir fällt auch auf, dass hier viele junge Menschen sind – vielleicht auch daher der Optimismus. Ein älterer Brasilianer hat schon eine Krise geschoben und sein Venture aufgegeben, weil er merkt, dass er doch nichts bewegen kann. Vielleicht ist das die Herausforderung der Social Entrepreneurship Bewegung. Aber es ist interessant, wie sich smarte, energiegeladene Leute einsetzen, mit Business Wissen die Probleme der Menschheit anzugehen. Bin mal gespannt, wie sich diese Bewegung entwickelt.

Wie passt Business in soziale Veränderungen – eine Woche Social Entrepreneurship in Frankreich?

13 Nov

Eine Stunde südlich von Paris liegt das wunderschöne Fountainebleau. Mann, französische Ortsnamen sind einfach ne Klasse für sich (vergleich das mal mit Aglasterhausen, oder Blaubach-Diedelkopf). Dort ist die Heimat von INSEAD, einer der renommiertesten Business-Schulen der Welt. Wo normalerweise aufstrebende Manager ihren MBAs nachjagen, bin ich diese Woche zu einem Kurs über Social Entrepreneuership – eine wachsende Bewegung von Leitern, die Business-Werkzeuge nutzen, um soziale Veränderungen zu bewirken.

fonteinebleaue

Eine Woche mit Netzwerken, Case Studies und Diskussion um Mission und Veränderung. Manche Teilnehmer bauen Mikrofinanzinstitute auf, andere leiten Stiftungen und andere bewirken sonst was. Ich bin nicht nur gespannt, die anderen Teilnehmer kennen zu lernen und selbst vom Kurs zu profitieren. Der Kurs soll mein Bloggen mal wieder animieren und so werde ich von Tagen einiges teilen. Gestern war schon der Start mit dem Jumo-Netzwerk von Chris Hughes.

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