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organic vs institutional – sie brauchen sich

15 Jul

Auf dem Weg zurück aus dem Urlaub habe ich auf der Alpenautobahn einen Talk von Tim Keller über das Wesen der organischen Kirche gehört. Im Schatten des Tauerngebirges malte er mir folgendes Bild vor Augen:

Heute stellt sich auf die Frage nach der organischen Kirche. Dem Teil der Kirche, der sehr lebensnah ist. Wo das Leben stattfindet. Im Wohnzimmer, am Arbeitsplatz. Im Gegensatz zur institutionellen Kirche – dem unattraktiven Monster mit großen Gebäuden, Zertifikaten, Diplomen und Administrationen. Tim Keller griff einen Gedanken von Abraham Kuyper auf – das organische braucht das institutionelle. Und umgekehrt.

organicinstitutional

Laut Keller ist die organische Kirche da, um das Reich Gottes in gesellschaftliche Schichten zu tragen. Der organische Flügel gründet Vereine und Gruppen, die sich um soziale Gerechtigkeit kümmern, um Spiritualität am Arbeitsplatz und christliche Schulen und Kindergärten. Also alles, was Ressourcen und Flexibilität braucht, um am „Marktplatz“ zu bestehen. Das braucht diese Freiheit und Selbstverantwortung, um dort effektiv bestehen zu können.

Die institutionelle Kirche ist da, um die Sakramente zu leben, Lehre zu vermitteln und die organische Kirche zu ermöglichen. Der organische Flügel bringt somit die Stabilität und den Zusammenhalt unter den Christen. Es braucht die Sakrament und es braucht die Lehre. Wenn die institutionelle Kirche die Aufgaben der organischen übernehmen will, ist sie zu unflexibel und voreingenommen.

Wenn man nur eine organische Kirche let, überlädt man sie mit zu vielen Aufgaben. Sakramente, Lehre, Jüngerschaft – das alles muss passieren. Und damit würde man den organischen Flügel überfrachten. Es ist das dynamische Miteinander; das Konzentrieren auf den Kernauftrag; und das demütige Zusammenspiel, das die Power der Gemeinde in einer Stadt ausmacht. Das organische als Teil der institutionellen Kirche. Guter Gedanke.

Gründen und Kommunizieren mit Respekt und Verständnis – Lektionen von Tim Keller

20 Jun

Die Top25-Gemeinde-Gründer sind in einer neuen Studie (pdf) zusammengetragen. Ganz oben: Tim Keller und Mark Driscoll. Steve Addission meint: kopiere nicht, was sie tun; kopiere ihre Werte und Einstellungen:

  • Unerreichte erreichen wollen
  • Investment der Mitarbeiter und Mitglieder
  • Fokus auf Reich-Gottes-Ausbreitung
  • Beständige Beziehung
  • Großzügiges Geben
  • Kein Stillstand

Tim Keller hat seinen Ansatz in einerm Gründermanual zusammengefasst: Redeemer Church Planting Manual. Es ist recht ausführlich und beinhaltet viel Text. Ich fand es eins der besseren Bücher über Gründung und finde einige Punkte von Tim bemerkenswert.

Sein Ansatz zur Evangelisation geht viel auf die Haltung der Prediger und Leiter ein:

Zeige in der Predigt immer die Bereitschaft, Fragen zu addressieren, die eine ungläubige Person Fragen würde. Rede mit Respekt und Sympathie mit denen, die Schwierigkeiten mit dem Christentum haben. … Stimme jedem gutem Punkt in ihrem Widerspruch zu. Es ist sehr wichtig, dass die Ungläubigen fühlen, dass du sie verstehst.

Den Fokus seiner Ansprachen sind nicht nur für die Anwesenden:

Damit Leute ihre Freunde mitbringen muss der Gottesdienst verstänlich und von hoher Qualität sein. Christen merken sofort, ob der Gottesdienst attraktiv für ihre nicht-christlichen Freunde ist. … Der beste Weg um Leuten zu ermöglichen, ihre Freunde zu bringen, ist so zu tun als ob schon Hunderte von Skeptikern da sind. Und wenn du „so machst als ob“, dann werden sie auch bald kommen.

Dazu kommt eine Prise einfacher und nicht-selbstverständlicher Sprache:

Es ist normal, alle möglichen Aussagen zu machen, die für uns verständlich sind, die aber auf Annahmen beruhen, die eine sekulare Person nicht teilt…. Daher ist es notwendig, jeden theologischen oder evanglikalen Sub-Kultur-Jargon zu vermeiden und deutlich die grundlegenden Konzepte zu erklären

Der Inhalt der Botschaft sollte für Gläubige und nicht-Gläubige passen:

Die eine Botschaft, die Gläubige und Nicht-Gläubige brauchen, ist die Botschaft der Gnade und Annahme. … Wenn die Predigt nur auf Evangelisation abzielt, langweilt sie die Gläubigen. Wenn sie nur lehrt, wird sie die Ungläubigen verwirren und langweilen. Wenn wir über Gott reden, der aus Gnade wirkt, dann werden die Gläubigen erbaut und die Ungläubigen herausgefordert.

In einem guten Artikel über die Botschaften seiner Predigten schreibt Tim Keller:

Manhattan ist voller postmoderner Menschen, für die alle moralischen Aussagen kulturell relativ und sozial konstruiert sind. Wenn du mit ihnen über sexuelle Sünde redest, sagen sie einfach: „du hast deine Standards, ich habe meine“. Wenn du dann ihren Relativismus attakierst, fühlen sie sich nur bevormundet und distanzierst… Ich lerne von Soren Kierkegaard, der Sünde als Identitätsfindung (Selbstwert nud Glück) außerhalb von Gott definiert. Das ist das biblische Verständnis von Sünde als Götze. Dadurch ist der Fokus nicht so sehr auf „was falsches tun“ als auf „gute zu ultimativen Dingen“ zu machen.

Anstatt ihr voreheliches Verhältnis zu ihrem Partner als Sünde darzustellen, sage ich ihnen, es ist Sünde, dass sie in einer Partnerschaft nach Lebenssinn, Rettung und Erfüllung suchen. Das kann nur von Gott kommen. Dieser Götze führt zu Angst, Vereinnahmung, Neid und Frust. Ich merke, dass wenn man ihr Leben im Sinn von Götzendienst darstellt, dann leisten postmoderne Menschen nicht viel Widerstand. Christus kann dann nicht nur als die einzige Hoffnung auf Vergebung, sondern auch die Hoffnung für Freiheit und Erfüllung präsentiert werden.

Weiter Anmerkungen zu Tims Stil:
Preaching the Gospel to yourself
Why I like Keller better than Piper

In seinem Manual ist auch recht guter Abschnitt über Zielgruppe und wie man dazu ein Profil erstellen kann. Das habe ich auf unserem Gründerportal aufbereitet.

Tim Keller @ Google

6 Apr

Google veranstaltet eine Serie mit großen Autoren und deren Thesen. Bei Authors @ Google waren schon David Allen (Getting Things Done), Garr Reynolds (presentation zen), Lawrence Lessig (free culture)Don Tapscott (wikinomics) und Tim Ferriss (4-hour workweek).  Und jetzt habe ich dort neben all den Größen Tim Keller@Google entdeckt. Tim Keller? Unser evangelikaler Tim? Der C.S.Lewis von heute? Tatsache. In etwas über einer Stunde redet er über sein „reason for God“ und bietet damit eine gute Zusammenfassung für die will’s-wissen-muss-es-aber-nicht-besitzen Zuschauer. Also bitteschön:

Ein paar schöne Kommentare über die sozialen Wurzeln von Wissen und warum man seine Ansichten an sein Umfeld anpasst (bei ca. 10 Minuten).

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