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der Impuls der Mennoniten

12 Mrz

Die Einladung der süddeutschen Mennoniten nach Karlsruhe hat mich gefreut. Jedes Jahr treffen sich dort die Leitungsteams für Impulstage. Dieses Mal sollte ich der Impuls sein. Vor 17 Jahren bin ich bei den Mennoniten zum Glauben gekommen. Ich habe dort meine erste Schritte mit Jesus gemacht; und auch manchen Frust erlebt. Es waren meine ersten Erfahrungen mit Gemeinden – und die haben mich geprägt. Daher war es im Frühling 2000 ein großer Schritt, meiner Mennonitengemeinde in Sinsheim Tschüss zu sagen.

Über die letzten 10 Jahre hatte ich wenig Kontakt mit den Mennoniten. Eine komische Nebenwirkung von so langer Abstinenz von Leuten, die man eigentlich gut kennt ist, dass sie einem kennen und doch wieder nicht. „Oh, du hast aber ganz schön zugelegt,“ meint ein besonders freundlicher Alt-Weggefährte. Ich freute mich schon, dass jemand meine Abhängigkeit vom Heiligen Geist so auf Anhieb erkennt; er meinte aber eher meine Zuneigung zum Bier. Grrr. Anyway…

Der Impuls war also gefragt. Mit knapp 100 Personen durfte ich also ein paar Tage verbringen. So Vortragsdinger sind eigentlich immer weniger mein Ding. Ich habe einfach keine Lust, den Clown zu spielen, Leute zu bespassen und dann am Schluss ein paar Komplimente für meine Rhetorik zu bekommen – und nichts zu verändern. Kein Bock mehr. Also wollte ich nur kommen, wenn sie auch arbeiten.

mennoforum

Die Mennoniten sind etwas in einer prekären Situation. So um die 500 Jahre besteht die Truppe. Und über die Jahre haben sie einen Schwerpunkt auf Abgrenzung gelegt. Und in den aktuellen Phasen der Neuzeit funktioniert das immer wenig. Die Kinder ziehen weg, die Geschichte interessiert keinen in unseren Städten und dementsprechend sind die Gemeinden klein, kleiner oder haben sich ausgelöst. Jetzt wollen sie was ändern.

Und so haben wir an diesen 3 Tagen über Gottes Auftrag, unsere Formen, gute Teams und mutige Schritte geredet. Ich bin sehr ermutigt über die Ideen und Anfänge. Die eigene Lage eingestehen ist immer ein guter Anfang. Und dann die Ärmel hochkrempeln ist der wichtige nächste Schritt. Ich bin mal gespannt, wo das für die Mennos hingeht. Und ich freue mich, dabei gewesen zu sein.

Zeit zum Aufhören

1 Feb

Neues Jahr, neue Chancen. Anstatt mir viel Zeug vorzunehmen, nehme ich mir vor, weniger zu machen. Klar ist das auch irgendwie sich was vornehmen. Aber eben eine Stop-Doing Liste. Das schafft Platz. Neues kommt eh unverhofft. Die Hälfte davon sind wirkliche Sachen zum Aufhören, die andere Hälfte sind mehr Haltungen. Entschuldige die Selbstdarstellung, aber vielleicht ist ein Funken Inspiration für dich dabei. Hier ist die Liste…

Klavierspielen
Ich habe über die letzten Jahre versucht, Klavier zu lernen. Akkorde bekomme ich hin und ich dachte mir, in der Sabbat Zeit habe ich genug Raum, Jazz Piano zu lernen. Mein Lehrer war super und ich habe mich selten so gestrecht gefühlt. Jazz ist eine andere Sprache. Und ich musste festellen, dass ich keine 16 mehr bin, wo man Zeit hat, ein Instrument einfach so zu lernen. Also muss diese Reise jetzt leider enden.

Lesen
Ich liebe Wissen. Es kitzelt ein paar Ecken im meinem Gehirn wenn ich was verstehe oder interessante Fakten lerne. Und ich will weiter lesen, aber weit weniger. Genauer: ich werde aufhören, vor 18 Uhr zu lesen. Das schafft mehr Raum für Produktivität und es scheint mir, dass ich nur so meinen Drang, alles immer und überall aufzuschnappen, eindämmen kann. Hoffentlich wird bald 18 Uhr…

Surfen und Spielen
Oh, Mann, man kann sich ganz schön versurfen im weiten Web. Oder man zockt ein Spiel. Oder folgt anderen Ambitionen, die einfach zu viel Aufmerksamkeit bekommen. Spielen, Surfen, Ambitionen gehören dazu – aber eben auch eingedämmt. Also kommt das auch auf den Abend, nach 18 Uhr. Platz am Tag für Arbeit und Kommunikation.

Quick and Dirty
Meine Liste mit Projekten ist ganz schön voll. Gut so. Ich mache gerne viel und habe eine gewissen Aktivität gerne. Irgendwie habe ich mir über die Jahre angewöhnt, die Dinge in Bewegung zu bringen und dann nicht mehr so aktiv darin zu sein. „Broad brushstrokes“ nennt man das im Englischen. Ist mir auch noch lieb, aber zu oft scheitert es dann am Detail. Ich werde jetzt sicher nicht eine Persönlichkeitsänderung machen können. Aber ich will Qualität nicht mehr ignorieren. Wie zum Beispiel Rechtschreibung usw.

Hier jetzt die vier Haltungen.

Stop Kritik
Ich mag mich selbst nicht, wenn ich zu kritisch werde. Und das werde ich leider zu oft. Mir fällt immer was auf, das nicht ganz gut ist und ab und zu unterläuft es mir dann auch, dass es zu sehr raushängt. Das bringt niemand was. Ich verbaue mir damit die Sicht auf das Gute, die anderen werden meist nur entmutigt und für die Beziehung zu anderen hilft es oft auch wenig. Wertschätzung, Dankbarkeit und Anerkennung sind besser. Wäre geil, wenn 2011 Jahr des Kritikabbaus wäre.

Stop aggressives Autofahren
Wenn man mit einem frischen Führerschein nach New York City geht und dort 2 Jahre lebt, dann erklärt das einiges. Dort ist Krieg auf den Straßen. Und man lernt zu kämpfen. Diese Taktiken sind auch in Deutschland gültig (und werden auf den Autobahnen immer wichtiger). Trotzdem bringen die paar Sekunden Zeitgewinn keine Gleichgewicht zum Generve und der Gefahr, die damit einhergeht. Mir geht es auch gar nicht um die Nettigkeit der Straße, sondern um meine Haltung mit anderen Menschen. Lieber sich Zeit lassen und schön britisch höflich sein, als zu hektisch und beschäftigt seine Runden drehen. Smooth operator!

Stop Klammern
Ich bin gerne im Kontakt mit Menschen. Und auch solche, die ich lange nicht gesehen habe oder nicht gleich antworten. Das ist weil ich von Beziehungen überzeugt bin. Sie sind das größte Geschenk im Leben. Und ich habe gelernt, dass man Aktivität zeigen muss und es sich lohnt, die Initiative zu ergreifen. Dennoch reagieren manche Leute nicht oder man driftet auseinander. Da ist natürlich nicht immer klar, warum oder ob mit Absicht. Die Linie zwischen an was festzuhalten, das vergangen ist; und etwas zu nähren, was nicht mehr Eigendynamik hat, ist gering. Irgenwie macht es mir was aus, wenn Dinge auseinander gehen. Und neben der guten Motivation, den Kontakt zu halten, kann man leicht ins Klammern rutschen und etwas Vergangenes erdrücken. Schwer auszudrücken, schwer genau zu beurteilen. Aber 2011 ist Zeit, etwas offener zu leben.

Stop Problemfokus
Wenn ich vor 10 Jahren gewusst hätte, wo ich heute stehe, wäre ich ungläubig und baff gewesen. So viel Gutes ist passiert. Und dennoch war ich wahrscheinlich die jeder Woche der letzten 10 Jahre genervt. Irgendwas klappt immer nicht. Täglich gibt es Emails mit suboptimalen Inhalt. Jede Besprechung zeigt Probleme. Das Leben ist ein Kampf. Oder ein Tanz. Man kann dankbar sein. Und sich eher auf das Fokussieren, was funktioniert. Statt auf das, was nicht funktioniert. Klar, ab und zu braucht das quietschende Rad etwas Öl. John Wimber hat gesagt: “If you want to see God move, focus on what works, and not what doesn’t work.” Wie wahr. Zeit für mehr Tänze in 2011.

Kürzlich im Flugzeug

9 Jun

Neulich auf dem Weg von London zurück nach Frankfurt treffe ich einen Freund im Flugzeug. Welch Zufall – wir hatten uns bestimmt 2-3 Jahre nicht mehr gesehen. Außerdem hatte der Flieger etwas Verspätung und es war Platz neben ihm. Also gab es ein nettes kleines Gespräch über Gott und die Welt. Irgendwie ganz nett, so mir nichts, dir nichts ein Generalupdate über die letzten 5 Jahre geben zu dürfen. Hier sind die Fragen, die er mir gestellt hat:

Was macht die Gemeinde?

Gut. Wir haben ja in Heidelberg was gestartet und es läuft erstaunlich gut. Wir sind wohl so um die 150 Leute – die meisten jung. Vieles ist natürlich im Prozess und man wünscht sich hier und da noch mehr, intensiver und insgesamt wirkungsvoller. Aber schon erstaunlich, was die letzten Jahre passiert ist. Seit diesem Jahr mache ich eine Sabbath-Zeit für das Jahr.

Das ganze Jahr?

Ja.

Warum?

Naja, einfach mal Abstand haben. Eigentlich keine wirkliche Agenda. Aber im Alten Testament sollte der Acker nach 6 Jahren ruhen und im 7. Nicht bebaut werden. Ich war jetzt 6 Jahre dran, die Gemeinde hochzuziehen und jetzt mach ich mal nichts.
Gar nichts?

Naja, nicht nichts. Man kann ja nicht gar nichts tun. Ich schon gar nicht. Arbeit, Hobbies, etc mache ich natürlich. Habe angefangen, Jazz-Piano zu lernen – sauschwierig. Und ich will mein Buch über Gemeindegründung fertig schreiben. Aber sonst keine Agenda. Eine Agendafreie Zeit sozusagen – es gibt nicht primär darum, Perspektive zu bekommen; oder sich zu erholen. Einfach mal offen sein und schauen, was auf dem Acker so wächst. So war’s im Alten Testament.

Was geht in der christlichen Szene?

Ui – große Frage. Habe natürlich nur meinen Blickwinkel. Aber von was ich sehe, ist die charismatische Welle wohl etwas vorbei (wer kann schon dauernd von Red-Bull-mäßigen Großkonferenzen leben?!). Und die letzten Jahre gab es dieses Ding – emerging church. Viele haben versucht, nach neuen Wegen zu suchen – neue Strukturen, neue Arte der Gottesdienste, neuer Zugang zur Spiritualität. War meiner Meinung nach viel Gutes dabei, aber auch durch cooler / hipper / anders gesprägt und etwas zu philosophisch. Die meisten Projekte sind nicht wirklich was geworden.
Und was geht dann jetzt?

Ich sehe 5 Bewegungen, die jetzt gerade probiert werden:

1. Rituale – so eine Art Wiederentdeckung der Liturgie und dem Nutzen von altbekannten Formen. Zum Teil kommt das aus der emerging Ecke und ist ein Versuch, das geistliche Leben mit mehr Substanz zu füttern. Da passiert einiges Gutes, aber es ist schon witzig, dass man anfängt, den Glauben neu zu erfinden und dann bei Gebetsbüchern und festen Strukturen landet.

2. missional church – auch eine Weiterentwicklung des Emerging-Gedankens. Man macht sich Gedanken, wie Glaube aussieht, der nicht durch Anziehungskraft und Gottesdienst besticht, sondern den Alltag und die Mission als Zentrum des Glaubens hat. Viel Potential hier.

3. soziale Gerechtigkeit / Ökologie – eine Bewegung hin zum ganzheitlichen Verständnis vom Reich Gottes. Also nicht nur alles spirituell deuten, sondern die Fragen stellen – wie sieht Glaube in meinem Umfeld aus? Was bedeutet das Reich Gottes für Ausbeutung in der Welt? Und für unsere Haltung gegenüber der Umwelt? Theologe NT Wright hat hier einiges sehr gut formuliert und es sind wichtige Fragen. Manchmal können diese Fragen aber auch in endloser Diskussion enden und der politische Jesus wird wichtiger als der Erlöser.

4. neu-charismatisch/Bill Johnson – so ein Aufflammen der 90er ist hier zu sehen. Man geht auf die Straße und betet für alles, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist. Bill Johnson formuliert das momentan wohl sehr stark – man baut auf den Kairos Moment, wo das übernatürliche Handeln Gottes sichtbar wird. Zum Teil sehr gut, zum Teil erinnert mich es etwas an Mick Jagger. Aber Übernatürlich muss Teil vom Mix sein, also auch Gutes hier.

5. Event-Gemeinde – es gibt den totalen Gegensatz zu missional church, wo man stark auf das Event baut. Was aus der ICF / Hillsong / Willow / Kino-Gemeinde-Ecke kommt. Durch sehr ansprechendes Programm und vor allem geile Light-Shows versucht man Leuten zu zeigen, dass das Christsein gar nicht so uncool ist. Ich frag mich, wie Jesus ohne Light-Show ausgekommen ist.

Es gibt eigentlich nicht die eine Strömung. Das sind verschiedene Versuche, Glauben umzusetzen und geistliche Power zu finden. Eigentlich finde ich alles gut. Wahrscheinlich wird jede Strömung ihren Weg finden. Für mich ist wichtig, dass daraus Gemeinden entstehen.

Was passiert bei dir gerade?

Wie gesagt – Sabbatzeit. Ich genieße gerade das Gefühl, unwichtig zu sein. Ist wohl auch eine Realität. Dieses Jahr will ich mal andere Wege gehen – ne Zeit ins Kloster, etwas keltischen Glauben kennen lernen. Über die letzten Monate merke ich so eine Art Müdigkeit mit dem amerikanischen Evangelikalen Lager. Ich habe da sehr davon profitiert und viele Werte übernommen. Aber es ist in der Summe doch schon recht bounded-set. Viele Definitionen, viel Aktivismus, viele Worte. Außerdem kommt mir der Ansatz zum Glauben oft vor wie ein Diät-Programm: was heilt ist der Wille und die Anstregung. Wer abnehmen will, muss sich was vornehmen, es durchziehen, Willen zeigen, am besten mit anderen drüber reden – und dann wird das schon. Kulturell ist Evangelikalismus auch manchmal so – nimm dir vor, mehr Bibel zu lesen, zu beten, zu geben, zu evangelisieren etc und dann wird das schon was mit dem Christsein. Ich denke, Jesus hatte eine andere Botschaft.

Ich mache mir schon Gedanken – wie passiert Veränderung? Bei mir? Bei anderen? Oft sehe ich da wenige Fortschritte. Aber mehr Wille und Anstrengung scheint mir nicht der Weg zu sein. Ich suche neu, wie Jesus das anging. Ich glaube, es hat mit Gemeinschaft und Veränderung über die Zeit zu tun. Auch dass Gott über unserer Logik steht. Hiob hat mich in letzter Zeit sehr angesprochen – er hat alles geregelt gehabt, hat für sich und seine Familie geopfert und war Top-Gläubiger. Und dann bricht Gott die Aktivität-Segen-Logik auf. Und zeigt, dass sein Wirken ein Geheimnis ist. Das erstaunt mich und da will ich mich reingeben. Bin mal gespannt, was damit wird…

eine Phase geht zu Ende

11 Jun

Das letzte Mal nach 5 Jahren durch die Eingangstür ins Entwicklungszentrum in Walldorf. Diese Woche wechsel ich Jobs. Ich verabschiede mich von vielen Freunden, Weggefährten und Erfahrungen. Es war mein erster Job im richtigen Berufsleben – Uni und Kurzzeitjobs sind doch was anderes. Ich konnte viel lernen und wurde mit einigen Wassern gewaschen.

Ab Mittwoch geht es weiter in einer anderen Branche aber ähnlicher Job – Leute entwickeln, Organisationen weiterhelfen und Personalfragen regeln. Bin gespannt, was Wiesbaden zu bieten hat und wem ich dort begegnen werde. Im Alten Testament hatten sie an so stellen immer einen Altar gebaut – das liegt mir nicht so. Ich schreibe hier drüber und zur Feier der Stunde gibt es auch ein Bild vom neuen Konzern.

bilfinger

Wonderful Allgäu

7 Mai

Letztes Wochenende war herrlich mit 90 Leuten in einem alten Berghaus im Allgäu. Jedes Jahr über den 1. Mai fahren wir mit unsrer Gemeinde weg. Dieses Mal ging es um „Gemeinschaft mit Gott“ und abends um Texas hold’em. Sehr, sehr unterschiedliche Leute und sehr gute Gemeinschaft. Ein Haufen Kids und lange Spaziergänge. Unsere Kids haben haben 17 Stunden Fußball pro Tag gespielt. So muss das sein!

ostern

14 Apr

ein toller Ostermorgen am Sonntag um halb Sieben auf der Neckarwiese. Wir feierten die Auferstehung, Jesu Tat und das Leben. Wunderbar. 

Hier ein paar Zeilen aus John Mark McMillans neuem Album:

On Friday a thief
On Sunday a King
Laid down in grief
But awoke with the keys
Of Hell on that day
The first born of the slain
The Man Jesus Christ laid death in his grave

He has cheated
Hell and seated
Us above the fall
In desperate places
He paid our wages
One time once and for all

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Wellen, Frost, Wind

10 Mrz

Carla und ich durften ein paar wunderschöne Tage an der Küste von Portugal verbringen. Man sagt, eins der besten Surfgebiete mit schönen hohen Wellen. Ich bin kein Surfer. CA hatte uns eingeladen und wir durften Mike Frost lauschen und trafen alte Bekannte wieder. Guter Inspiration, super Geschichten, nettte Landschaft, gutes Essen. Außerdem durften wir neue Gründer kennenlernen, die in den Städten Westeuropas neue Projekte starten. 

Als am ersten Tag der Sturm über Portugal fegte und die Wellen zu spektakulären Tänzen animierte, kam das Lied von John Mark McMillan genau richtig

He is jealous for me,
Loves like a hurricane, I am a tree,
Bending beneath his wind and mercy

Danach sind wir tauchen gegangen…

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