Zeit zum Aufhören

1 Feb

Neues Jahr, neue Chancen. Anstatt mir viel Zeug vorzunehmen, nehme ich mir vor, weniger zu machen. Klar ist das auch irgendwie sich was vornehmen. Aber eben eine Stop-Doing Liste. Das schafft Platz. Neues kommt eh unverhofft. Die Hälfte davon sind wirkliche Sachen zum Aufhören, die andere Hälfte sind mehr Haltungen. Entschuldige die Selbstdarstellung, aber vielleicht ist ein Funken Inspiration für dich dabei. Hier ist die Liste…

Klavierspielen
Ich habe über die letzten Jahre versucht, Klavier zu lernen. Akkorde bekomme ich hin und ich dachte mir, in der Sabbat Zeit habe ich genug Raum, Jazz Piano zu lernen. Mein Lehrer war super und ich habe mich selten so gestrecht gefühlt. Jazz ist eine andere Sprache. Und ich musste festellen, dass ich keine 16 mehr bin, wo man Zeit hat, ein Instrument einfach so zu lernen. Also muss diese Reise jetzt leider enden.

Lesen
Ich liebe Wissen. Es kitzelt ein paar Ecken im meinem Gehirn wenn ich was verstehe oder interessante Fakten lerne. Und ich will weiter lesen, aber weit weniger. Genauer: ich werde aufhören, vor 18 Uhr zu lesen. Das schafft mehr Raum für Produktivität und es scheint mir, dass ich nur so meinen Drang, alles immer und überall aufzuschnappen, eindämmen kann. Hoffentlich wird bald 18 Uhr…

Surfen und Spielen
Oh, Mann, man kann sich ganz schön versurfen im weiten Web. Oder man zockt ein Spiel. Oder folgt anderen Ambitionen, die einfach zu viel Aufmerksamkeit bekommen. Spielen, Surfen, Ambitionen gehören dazu – aber eben auch eingedämmt. Also kommt das auch auf den Abend, nach 18 Uhr. Platz am Tag für Arbeit und Kommunikation.

Quick and Dirty
Meine Liste mit Projekten ist ganz schön voll. Gut so. Ich mache gerne viel und habe eine gewissen Aktivität gerne. Irgendwie habe ich mir über die Jahre angewöhnt, die Dinge in Bewegung zu bringen und dann nicht mehr so aktiv darin zu sein. „Broad brushstrokes“ nennt man das im Englischen. Ist mir auch noch lieb, aber zu oft scheitert es dann am Detail. Ich werde jetzt sicher nicht eine Persönlichkeitsänderung machen können. Aber ich will Qualität nicht mehr ignorieren. Wie zum Beispiel Rechtschreibung usw.

Hier jetzt die vier Haltungen.

Stop Kritik
Ich mag mich selbst nicht, wenn ich zu kritisch werde. Und das werde ich leider zu oft. Mir fällt immer was auf, das nicht ganz gut ist und ab und zu unterläuft es mir dann auch, dass es zu sehr raushängt. Das bringt niemand was. Ich verbaue mir damit die Sicht auf das Gute, die anderen werden meist nur entmutigt und für die Beziehung zu anderen hilft es oft auch wenig. Wertschätzung, Dankbarkeit und Anerkennung sind besser. Wäre geil, wenn 2011 Jahr des Kritikabbaus wäre.

Stop aggressives Autofahren
Wenn man mit einem frischen Führerschein nach New York City geht und dort 2 Jahre lebt, dann erklärt das einiges. Dort ist Krieg auf den Straßen. Und man lernt zu kämpfen. Diese Taktiken sind auch in Deutschland gültig (und werden auf den Autobahnen immer wichtiger). Trotzdem bringen die paar Sekunden Zeitgewinn keine Gleichgewicht zum Generve und der Gefahr, die damit einhergeht. Mir geht es auch gar nicht um die Nettigkeit der Straße, sondern um meine Haltung mit anderen Menschen. Lieber sich Zeit lassen und schön britisch höflich sein, als zu hektisch und beschäftigt seine Runden drehen. Smooth operator!

Stop Klammern
Ich bin gerne im Kontakt mit Menschen. Und auch solche, die ich lange nicht gesehen habe oder nicht gleich antworten. Das ist weil ich von Beziehungen überzeugt bin. Sie sind das größte Geschenk im Leben. Und ich habe gelernt, dass man Aktivität zeigen muss und es sich lohnt, die Initiative zu ergreifen. Dennoch reagieren manche Leute nicht oder man driftet auseinander. Da ist natürlich nicht immer klar, warum oder ob mit Absicht. Die Linie zwischen an was festzuhalten, das vergangen ist; und etwas zu nähren, was nicht mehr Eigendynamik hat, ist gering. Irgenwie macht es mir was aus, wenn Dinge auseinander gehen. Und neben der guten Motivation, den Kontakt zu halten, kann man leicht ins Klammern rutschen und etwas Vergangenes erdrücken. Schwer auszudrücken, schwer genau zu beurteilen. Aber 2011 ist Zeit, etwas offener zu leben.

Stop Problemfokus
Wenn ich vor 10 Jahren gewusst hätte, wo ich heute stehe, wäre ich ungläubig und baff gewesen. So viel Gutes ist passiert. Und dennoch war ich wahrscheinlich die jeder Woche der letzten 10 Jahre genervt. Irgendwas klappt immer nicht. Täglich gibt es Emails mit suboptimalen Inhalt. Jede Besprechung zeigt Probleme. Das Leben ist ein Kampf. Oder ein Tanz. Man kann dankbar sein. Und sich eher auf das Fokussieren, was funktioniert. Statt auf das, was nicht funktioniert. Klar, ab und zu braucht das quietschende Rad etwas Öl. John Wimber hat gesagt: “If you want to see God move, focus on what works, and not what doesn’t work.” Wie wahr. Zeit für mehr Tänze in 2011.

Advertisements

3 Antworten to “Zeit zum Aufhören”

  1. Dirk 3 Februar, 2011 um 2:18 pm #

    Starker, persönlicher Beitrag! Macht mir neu Mut, selbst nicht nur immer mehr oben auf zu packen.

  2. Julia 5 Februar, 2011 um 9:04 am #

    Super!! Voll witzig: kurz bevor ich deinen Beitrag lese, denke ich mir „Ich will weniger kritisch sein – mit mir und Anderen.“ Großzügigkeit find ich voll attraktiv. Nicht Gleichgültigkeit. Großzügigkeit… Dann mal erfolgreiches Festhalten am Loslassen! 🙂

  3. freek 6 Februar, 2011 um 6:55 pm #

    Also ich vermute, man kann Dich dann am besten vor 18 Uhr treffen (bevor Du anfängst zu lesen oder zu surfen), außer Du hast Dich an diesem Tag gegen das Klammern entschieden? (Das mit dem Klammern fand ich am interessantesten, weil ich glaube, bei mir ists genau andersrum.)
    LG

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: