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Hipster-Bauernhof-Gebets-Kommune in Caen

7 Jul

Es ist schon ein Stückchen mit dem Zug, bis man von Paris in der Normandie landet und von Gerard Kelly in Bethanie begrüßt wird. Zwei Stunden über Felder und kleine französische Orte. Dort sammelt sich BLESS – ein Netzwerk für prayer.creativity.mission – mitten im Nirgendwo. Kühe links, Maisfelder rechts, hinter dem Haus Wälder und davor lange, saftige Wiesen. Und dazwischen 4 Backsteingebäude vom feinsten – Bauernhof verwandelt in Hipster-Location. Ein Haus mit Schlafzimmern, eins mit rießem Wohnzimmer und Gebetshaus, dann eine Scheune für Mahlzeiten wenns regnet, und das Haus von Gerard und seiner Frau Chrissi.

Ich bin hingefahren, um mir Bless genauer anzuschauen. Gerard war letztes Jahr auf unserem Weitwinkel. Seine Talks waren grandios; ich habe noch nie jemand gesehen, der so Kunst und Kultur einwebte in seine Präsentation. Seine eigenen Gedichte sind Weltklasse, und abends beim Whiskey redeten wir über Europa, Lebensphasen und die großen Träume in unserem Herzen. Gerard ist Mitte 50, hat mal ne 3.000er Gemeinde geleitet und ist schon la-ha-nge unterwegs. Ein „seasoned“ Typ in der missionalen Schiene. Und dennoch war mir nicht ganz klar, was er so macht oder vorhat.

Bethanie ist ein Mix aus Training und Short-Term Mission. Ein bisschen wie Jmem oder sonstige Schulen. Der Ort lebt vom zusammen kommen von Menschen. Gerard sagt: „mir ist Gebet das Wichtigste. Viel missionales Zeug ist zu angepasst, zu sprachlos.“ Und so zeigt er mir seinen Gebetsraum, in dem er selbst und viele Besucher die tiefe Begegnung mit Gott suchen. Die Gegenwart Gottes, das ist ein Lebensthema von Gerard. Und man merkt es ihm auf Schritt und Tritt an.

Das ganze Anwesen ist geprägt von einem Sinn für Kunst – Gemälde hier, Text dort, Handwerk dazwischen. Und überall stehen Tische. Sonntags kommen 35 Personen und feiern Gottesdienst. Und kein Treffen ohne Essen. Jeder bringt was, meistens sitzen sie im Garten und lassen es rollen. Sie haben Zeit. Sie genießen gerne. Sie haben ein echtes Interesse an Menschen.

An einem Abend treffen wir Mylene und Thiery. Sie aus Neuseeland, er aus Fronkreich (unüber-örbar). Sie sind noch nicht so lange mit Jesus am Start, trafen dann relativ bald auf Bless. Gerard und Chrissi haben sie ermutigt und mit ihnen geträumt. Raus gekommen ist ein Cafe in Caen. Die Location war gewagt, direkt am Ortsrand. Und so haben die beiden losgelegt und jetzt haben sie eine der hippsten Locations in der Stadt. Sie stehen meist in der Küche und zaubern die Speisen, und Bless trifft sich oft dort. Das Cafe hat ihnen die Tür in die Stadt geöffnet und ist nicht nur ein schöner Ort, sondern auch ein Sprungbrett…

Denn ein paar Meter weiter laufen die Stadtgrenzen aus, und leere Fabrikhallen beheimaten Flüchtlinge und Prostituierte. Ein paar Kilometer von der Küste sehnen sich viele hier nach einem Weg nach England. Gerard und sein Trupp sind seit drei Jahren mitten drin dabei – bringen Mahlzeiten und Tee, lernen Leute kennen und beten für sie. Wenn sie Gemeinde in Caen gründen, dann da. Mittendrin wo die Not ist. Die Stadtverwaltung ist interessiert und wird ihnen wohl ein Gebäude geben. Bless will nicht nur Gottesdienste feiern und Leute sammeln – sie haben eine Vision für Erneuerung der Stadt. Und wenn nicht sie anfangen, wer dann?

Wenn ich so mit Gerard rede, ist mit immer noch nicht ganz klar, was hier laufen soll. Viele von ihren Entscheidungen sind: „Da hat Gott zu uns gesprochen, und so-und-so hatte ein Bild und dann…“. Herzlich unstrategisch. Und viel Führung. Das hat was. Es zeugt vom Herzen von Bless – sich auf Gott einlassen und dann für jedes Risiko bereit sein. Wo kommt Geld her? Wie wird alles organisiert? Was kommt als nächstes? Viele Fragen sind offen – genauso wie die Lebenshaltung von Gerard und Chrissi. Sie träumen, sie beten und sie halten ihr Herz immer weit offen. So wie in diesem Gedicht, das Gerard letztes Jahr für uns auf dem Weitwinkel getextet hat:

wider still (3)

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Wie Johannes Reimer die Welt verändert (und die Kirche mit dazu)

8 Mai

„Gott liebt die Welt,“ sagt Johannes Reimer ins Mikrofon an unserem Workshop-Samstag. „Er liebt die Welt. Die Scheißwelt!“ Der Professor und Theologe hört sich zunächst an wie ein normaler Evangelist, um dann im nächsten Satz seine Botschaft heimzuhämmern: „Gott sandte nicht seinen Sohn in die Welt, um uns dann abzutransportieren. Es sandte ihn, weil er die Welt liebt!“

Reimer tourt seit Jahren deutsche Gemeinden und ist eine ziemliche Erscheinung. In seinen jungen Jahren war er Boxer – und er hat auch heute noch die Kraft einen Haken zu setzen, wenn auch nur durch seine Meinungen. Dann ist er im russisch-deutschen Mix aus Mennoniten und Baptisten zum Glauben gekommen. Er wandelte sich vom Saulus zum Paulus und zog los, die Botschaft von Jesus zu verbreiten. Heute ist er Professor an der University of Pretoria, lehrte an FEG-Ausbildungskolleg in Ewersbach und schreibt Bücher wie Lewandowski Tore schießt. Und er man trifft ihn öfter mal auf Konferenzen oder in Gemeinden mit seiner Botschaft von der Transformation der Welt.

Seine Idee ist simple: Gemeinde ist zum Wohl der Welt da. Konservative Christen kriegen da oft mal die Krise. Fast so als würde man einem Veganer sagen, medium-rare Rindersteaks sind echt das Beste. Wenn es einem egal, dann Johannes. Wenn es Bibel ist (und das ist Fakt für ihn), dann wird es auch besprochen. „Paulus benutzt das Wort ‚Ekklesia‘ für Gemeinde,“ sagt Reimer. „Zu der Zeit war das eine politische Einrichtung. Da saßen ein paar Weise Leute am Stadttor und vertrieben sich die Zeit. Wenn es dann eine wichtige Frage gab, dann kam die Leute zu dieser Ekklesia und baten um Rat,“ so Johannes. Fast so, als wäre diese Clique von alten, erfahrenen Herren ein Richterklub, der neben Backgammon ab und zu schwere Fälle bespricht. Nur ist der Fokus ist nicht auf richtig-und-falsch, sondern auf hilfreich-und-fördernd.

IMG_1331Und diese Idee bringt Johannes mit auf seinen Touren. „Was ist, wenn eure Gemeinde aufhört zu existieren,“ fragt er regelmäßig am Anfang seiner Sessions. „Interessiert das jemand? Merkt das jemand?“ Damit fordert er alle auf, über die Relevanz der eigenen Gemeinde nachzudenken. Waynejuckts was du machst? Wenn niemand außerhalb der Heiligen Hallen was mitkriegt – dann liegst du daneben.

Reimer hat einen Plan. Sein Trafo-Prozess nimmt Gruppen an die Hand und will sie dahin führen, diese Ekklessia zu werden. In 8 Schritten führt er Gemeinden zu praktischen Plänen, ein Segen für ihr Umfeld zu sein.

Es fängt an mit Verortung – sich an einem Ort festzumachen. „Viele Gemeinden sie wie McDrive,“ so Johannes. „Du fährst hin, holst dir deinen Kick und verdaust das den Rest der Woche.“ Damit lädt er Gruppen ein, ihre Flagge an einen Ort zu stecken. Sie übernehmen für ein Gebiet Verantwortung.

Dann schaut er mit Gruppen in ihre Potentiale – welche Gaben sind da? Was könnt ihr eigentlich. Diese Potentialanalyse führt zu einem Profil, was die Gemeinde zu bieten hat. Manche sind praktisch veranlagt, andere können „Hammer“ noch nicht mal buchstabieren. Das ist kein Hindernis, sondern die Gabe Gottes.

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Danach schaut die Gemeinde an ihren Ort – was für Nöte gibt es da? Was wird nicht bedient? Durch Raumlaufen, Interviews und Gebetseindrücke wird ein Bild gesammelt von den Bedarfen.

Im 4. Schritt kommen dann Potentiale und Nöte zusammen in einer Vision. Was könnten wir machen, das ein Segen ist? Was macht einen spürbaren Unterschied?

Und die nächsten 5 Schritte sind dann gutes Projektmanagement. Partner finden, Angebot formulieren, planen, loslegen, schauen ob es funzt.

Eigentlich keine Wanderung zum Nordpol, das Ganze. Durchaus machbar, wie wir selbst gemerkt haben. Der Prozess dauert, vor allem wenn die Gruppe größer ist (und das schlägt Reimer auf jeden Fall vor). Wir haben 3 Ideen daraus generiert. Freunde von uns in Köln haben einen Spielplatz in der Nachbarschaft mit einem Partner gebaut.  Der Einfluss hat sich definitiv vergrößert und die Kirche ist nicht mehr nur als Himmelfahrtskommando gesehen. „Die tun ja was,“ ist oft eine Reaktion auf die Trafo-Projekte. Bei uns selbst sind wir immer noch dran.

Aber unabhängig vom Erfolg der Aktionen hat Johannes Reimer einiges bei uns bewirkt: unsere Sicht ist verändert. Und mit dieser veränderten Sicht sind wir auf dem Weg, unsere Stadt zu verändern.

Forge Training startet

18 Feb

Letzten Montag waren wir in Stuttgart (Bad Canstatt) und haben die Gedankenblitze der letzten Monate vorgestellt. Mit Mary und Mark haben wir überlegt, wie wir Forge in Deutschland an den Start bringen. Die Amis haben doch ihre eigene Logik was Trainings angeht. Da ist so oft eine Unterwältigung bei mir in Ader, wenn ich zuhöre und irgendwelche Worte in Sätze einsetzen soll.

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Also haben wir uns gefragt, wie das wohl im hippen, kritischen, individualistischen Europa läuft. Und gleich haben wir uns den dicksten Brocken geschnappt. Statt ein ganzes Training aufzubauen wollten wir uns mit einem Teilthema beschäfitgen. Evangelisation, ist das jetzt. Sicher ein Wort, das bei manchen auf einem Level mit Trump und Putin rangiert. Stress, Oldschool und verkrampfte Ansagen kommen da direkt in die Hashtags.

Aber was gibt es besser als „buy low, sell high“ – bei etwas einsteigen, das eben kein Trend ist, das nicht leicht ist, das man wirklich knacken muss.

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Und so sind wir auf die Suche gegangen – nach Inhalt und Form. Erst mal die Form.

Ich bin jetzt schon so lange Beobachter von Trainings und Kursen. Und zum großen Teil sind die super ineffektiv. Wenn Leute einen Kurs machen, bekommen sie am Ende einen Bogen: „wie nütztlich für ihre Aufgaben werden die Inhalte“. Und weil sie irgendwie was gesehen haben, das sie vorher noch nicht hatten, kreuzen sie 7 von 8 an. Und zwei Wochen später weiß keiner mehr, um was es ging.

Wir wollten das ändern. Statt die Konzepte in den Mittelpunkt zu stellen, rücken wir den Alltag ins Zentrum. Dort sollen die Teilnehmer ihren Alltag reflektierne, mit Input einen neuen Plan erarbeiten, und dann zusammen mit anderen Änderungen angehen. Fall-basiert, statt Konzept-orientiert. Wir machen das, in dem die ersten 4 Wochen zuhause ein paar Videos, Arbeitsblätter und Inputs gibt. Damit bereiten sie sich vor, und kommen dann an einem Tag ans Ausarbeiten ihrer Ideen. Die Teilnehmer selbst gestalten den Pfad, nicht wir.

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Und dann Inhalt. Das große Problem bei Evangelisation ist Spam. Wie Staubsaugerverkäufer interessieren sich die meisten Evangelisten nicht dafür, ob die Leute schon ein Geräte daheim haben oder was sie gerade umtreibt. Umsatz ist King. Und so wird das Ding derart angepriesen, dass dir nur noch nicht die Wahl bleibt zwischen Flucht und, ähm, was eigentlich sonst? Beziehung fehlt auf jeden Fall total. Und sich in die Welt der anderen begegeben. Da haben wir ein paar coole Entdeckungen gemacht und bieten das jetzt den Teilnehmern an.

Ich bin gespannt wie Flitzebogen. Hat sich gelohnt, die Vorarbeit. Und jetzt sind wir stolz auf den Kickoff und was über die nächsetn 2 Monate kommen wird. Lernen werden wir auf jeden Fall was!

Teste dich – die 5 Beiträge zur Revolution

22 Jul

Sodele, über die letzten Wochen haben Andreas und ich an einem Test gefeilt. Selbsterkenntnis ist ja bekanntlich ein högscht gutes Gut – und so haben wir unsre Hirner zusammengestellt und konzipiert.

Die Idee ist aus Epheser 4. Dort sind 5 Gaben genannt, die vieles bewirken:

  • empowern
  • reifen lassen
  • Wachstum bieten
  • Jesus repräsentieren
  • alle zum Mitspielen bewegen.

Auf Englisch gab es mal was von Mike Breen (etwas basic, nach unserem Geschmack) und einen von Alan Hirsch. Alan war das zu viel Act, das auf deutsch zu übersetzen – und dann haben wir selber mal überlegt.

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Rausgekommen sind 35 Fragen, die man in unter 5 Minuten machen kann. Und weil wir in 2016 leben ist das im Internet, kostenlos und sofort verfügbar.

Hier haben wir eine ausführlichere Beschreibung dazu. Bereit?!

Windschatten geht los

4 Mrz

Wir starten in die 21 Tage vor Ostern mit der „Windschatten“ Aktion. Bereits letztes Jahr haben wir Menschen in ganz Deutschland auf die Reise in die Nachbarschaft geschickt. Jetzt laden wir zu „Habitus“ ein. Vier Gewohnheiten für einen missionalen Alltag.

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Ich freue mich sehr auf die Aktion. Wenn du noch einsteigen willst, jetzt ist die letzte Chance.

Was ist Missional?

12 Dez

Kürzlich war ich am Skypen mit Eva aus Hamburg und die Sprache kam auf das Wort dieser Tage. Missional. Manchen hängt es schon zum Hals raus. Für andere ist das Zentrum der Aufmerksamkeit. Eva fragte mich: „Was verstehst du denn unter Missional?“ Gute Frage.

Ich habe ihr kurz ein paar Punkte zusammengetackert. Sicherlich Buzz-Words. Hier habe ich die Ideen dann ausformuliert. Meine Reise mit dem Wort startet mit Hirsch und Frost (Shaping of the Things to Come) und es war die Antwort auf die Emerging-Krise vor 10 Jahren. Gefühlte Kritikpunkte lösten sich mit dem Wort. Oder besser: mit dem, was hinten dran steckt. Bisher habe ich versucht, strukturell zu erklären, oder Ansätze dazu zu zeigen. Hier ist mein aktueller Stand in 5 Akten.

1. Akt – Alles ist Sein Revier

Das Problem: Industriegebiet. Sonntag für Sonntag fahren zig Menschen in die Industriegebiete in deutschen Städten, singen zu Jesus und beten für ihren Nächsten. Nur die Nächsten sind Maschinen. Gepredigt werden Moral und Ideale, die man dann im Alltag umsetzen will.

Der Ursprung: Epikur. 300 vor Christus entledigte sich dieser griechische Philosoph von allen Gottkomplexen. Er sagte, alles nimmt seinen Lauf, die Naturgesetze wirken. Gott mag es irgendwo geben, aber dem Laufe der Dinge ist das egal. Diese Pille hat die Aufklärung, und später die Moderne geschluckt, und die Christen haben sich damit arrangiert. Irgendwie ist der Gott-weg-Reflex so stark in unsrer Gesellschaft, dass Jesus auch nur noch für „geistliche“ Wahrheiten zuständig ist. Geist und Welt ist getrennt. Alltag und das Heilige auch. Es gibt ein Split-Level View: oben wo Gott ist, und unten wo wir Menschen sind. Selbst „übernatürliche“ Gemeinden feiern lediglich das punktuelle Durchdringen dieser Dynamik: Gott bricht durch, aber die Weltsicht ist geteilt.

Die Antwort: Schöpfungs-Monotheismus. Zugegeben, das ist ein Wortmoloch. Aber die Idee ist einfach: Schöpfung passierte durch Gott. Er hat alles gemacht. Alles ist sein. Jedes Molekül hängt an seinen Fingern. Es gibt kein einziges sekuläres Element im Universum. Und dazu noch: es gibt nur einen Gott. Das große Bekenntnis der Juden heißt Schema: siehe, der Herr dein Gott ist ein Gott. Einer. Über alles. In allem. Das ist der sehr weit gespannte Blickwinkel von Missional. Und dieser hat Jesus im Fokus: 1. Kor 8,6. Die Welt ist von und für Gott. Alles ist sein Revier.

2. Akt – Nachbarschaft

Das Problem: der Sonntagmorgen. Die Sache mit dem Gottesdienst. Eigentlich echt schön, und ohne ihn geht es sicherlich nicht. Aber irgendwie unterwandert er die ganze Richtung  des Glaubens. „Gehen wir in die Gemeinde?“ fragen meine Kinder – und meinen ein Event. Ein Hoch auf Leute, die zusammen kommen, sich kennen und miteinander unterwegs sind. Aber die Form prägt die Botschaft.

Der Ursprung: Aristoteles. Wieder ein Grieche, dieses Mal 350 v.Chr. Der bekannteste Philosoph ever hat die Welt mit einer Idee incepted: das Glück ist das oberste Gut. In der amerikanischen Verfassung ist dieser sogar festgeschrieben: „the pursuit of happiness„. Und Sonntag für Sonntag gibt es eine christliche Version davon. Dein Potential, deine Berufung, deine Identität. Das Ding ist: die individuelle Glücksmaschine ist zu kurz gesprungen. Gott will nicht nur unser Glück. Das auch. Aber weit mehr!

Die Lösung: Imago Dei und Inkarnation. Gott schuf uns in seinem Ebenbild. Mit der Sünde wird das entstellt und verdreht. Durch Erlösung wird die ursprüngliche Form wieder hergestellt. Deshalb wurde Jesus Mensch. Er lebte als Gottes Ebenbild. Und er starb, um unsere Vergehen auf sich zu nehmen – und zu besiegen. Jetzt sind wir „neue Kreatur“. Und alle Moral, alle Wunder sollen dahin führen. Dass wir Ebenbilder Gottes sind. Und sein Wesen in die Welt tragen. „Bebauen und bewahren“ hieß es am Anfang. Ein Stück Land nehmen und dort Verantwortung übernehmen, dass Gottes weise Führung umgesetzt wird. Unser Postleitzahlengebiet ist unsere Mission. Verortung nennt es Johannes Reimer. Weg vom McDrive Standardfutter, das easy reingeschaufelt wird. Und hin zu der Nahrung, die uns seine Hände und Füße sein lassen.

3. Akt – Alle spielen mit

Das Problem: die Bühne. In den letzten 10 Jahren boomen Lifestyle Kirchen. Mit Hairspray und Deo auf der Toilette und mehr Anglizismen als MTV. Es ist fast unweigerlich: wenn die Gemeinde über 200 Leute wird, dann fängt die Bühne an ihre Rolle zu zementieren. Charismatische Redner betüteln das Volk und vermitteln große Emotionen.

Der Urpsrung: Konstantin. Man vergisst fast, dass die ersten Christen  ohne Lichtshow und Professionalität auskamen. Erst seit 300 n Chr wurde das Christentum etabliert, bekam tolle Gebäude und auf einmal war das ein Platz für große Talente (und große Egos). Was wie ein Sieg bei Konstantin aussah, war eine zwiespältige Geschichte. Profis wurden mehr und mehr gefragt. Und das Fußvolk durfte schon artig zuhören und seine Rolle spielen. Nur führt das zu einer Passivität in der Kirche. Wie bei einem Spiel Barca gegen Real –22 Leute geben ihr Bestes auf dem Rasen, während 1 Milliarde sitzen und Bewertungen abgeben.

Die Lösung: der Leib Christi. Paulus sprach von einem „lebendigen Tempel“, in dem „jeder sein Werk tut“. Und das Werk ist mehr als die geistliche Gabe des Parkplatzeinweisens. Klar, auch praktische Dinge wollen erledigt sein. Nur: dabei sollte die Gemeinde eine Verkörperung von Liebe sein. Die Geistesgaben von allen sollten zum Zuge kommen. Und alle sollten mit Glauben und Sehnsucht dienen. Nicht nur die 3-4 Leute auf der Bühne. Missional bedeutet, als Leib Gottes zu agieren und alle zum Mitspielen zu bewegen.

4. Akt – Gott ist hier

Das Problem: der Turm in Babel. In 1. Mose 11 ist das Volk vereint, spricht eine Sprache und hat einen großen Plan. Klingt wie das Erfolgsrezept von jeder Mega-Church. Vision, Einheit, Knete. Auch heute sind Gruppen unterwegs, die ihresgleichen sammeln wollen. Ob von der Soziologie (gleiches Alter, gleiche soziale Schicht) oder von der Theologie (reformiert oder ökologisch oder oder oder).

Der Ursprung: Hybels,Wimber,Warren,Keller. Diese 4 Männer haben wirklich Großes geleistet und ich habe viel von ihnen gelernt. Sie haben Geschichte geschrieben und viel angestoßen, und das ist über alle Kritik erhaben. In meiner Recherche für mein Buch ist mir aufgefallen, dass alle vier mit der gleichen Frage gestartet sind:

Bill Hybels – «Wie können wir einen Gottesdienst feiern mit Menschen, die Gott nicht kennen?«

John Wimber – »Würde ich in diese Kirche gehen, wenn ich nicht angestellt wäre?”

Rick Warren – »Welche Art von Gottesdienst wäre das beste Zeugnis für die Ungläubigen?”

Tim Keller – »Zu was für einer Kirche würde ein New Yorker gehen?”

Das sind clevere Fragen. Und die haben‘s durchgezogen. Von außen her gedacht, und die Kirche entsprechend gestaltet. Alles gut. Viele Menschen sind zum Glauben gekommen (#halleluja, und das ist nicht sarkatsisch gemeint.). Nur führt diese Art von Attraktivitäts-Gemeinde zu einigen Problemen. „Das Kirchentum meiner Sorte ist das wahre Christentum.“ – diesen Satz habe ich so oft gehört. Entweder direkt, viel öfter noch zwischen den Zeilen. Eine Sprache, eine Vision, ein Plan. Jeder baut seinen Turm in den Himmel. Klubmaierei. Ein großes Zeichen unsrer Zeit.

Und noch krasser ist der Shift von Attraktional zu Extraktional: Menschen werden aus ihrem Umfeld abgezogen, zu innerlichen Höhepunkten getrieben in der Hoffnung, dass sie nächste Woche ihre Kollegen mitbringen. Möglichst viele Menschen in einer Halle ist nicht das Ziel des Glaubens. Eine Verkörperung von Gottes Liebe an allen Ecken und Enden dieser Welt ist das Ziel. Nicht nur das Sammeln zum Zuhören, sondern das Senden und Tun ist der Beweis von Glaubensbewegungen. Wenn Glaube in dunklen Hallen durchgeführt wird (die auch noch überall auf der Welt gleich aussehen), wenn Christen aus ihrem Umfeld abgezogen und in der Gemeinde busy gehalten werden, dann ist das zu kurz gesprungen. 95% der westlichen Welt suchen kein Event, sondern brauchen Beispiele, wie Gottes Liebe in ihrer Stadt aussieht – in ihrer Nachbarschaft, in ihrem Leben, für normale Menschen.

Die Lösung: Now-and-not-yet. Die Reich-Gottes-Denke fehlt. Das angebrochene Königreich Gottes – das auch mehr ist als Kirche (#commongood). Er wirkt in aller Welt. Er wirkt in allen Klubs. Er wirkt in allen Gassen. Das war die Botschaft von Jesus: „das Reich Gottes ist hier“. Das muss wieder in den Fokus und das Kopfkino der Gemeinden. Das durchdenken und in ihrem Umfeld zu leben wird eine Welle der Veränderung bringen (#erstchristen, #china, #worktogether).

5. Akt – Erneuerung der Welt

Das Problem: Wolkenkuckucksheim. Die Kirche predigt den Leuten das Evangelium und sagt, dass sie in den Himmel kommen. Tickets ins Jenseits werden nach einem kurzen Gebet gefeiert, und das Ziel im Leben ist es, anderen ähnliches Glück zu vermitteln. Diese Fluchtreflexe sind eine Fehlentwicklung im Glauben. Wenn die Welt eh über die Klippen geht, was soll man da noch groß reparieren? Wenn Gott Schöpfer der Welt ist (#1) und wir erlöst sind, um als seine Verwalter in dieser Schöpfung zu leben (#2), dann sind Jenseitstendenzen die falsche Richtung.

Der Ursprung: Luther. Die falsche Frage zur falschen Zeit. Hätte ich vor 500 Jahren gelebt wäre Luther mein Held. Ich müsste meine Sünden nicht mehr mit Geld und Sinnlosaktionen bezahlen. Sondern dürfte direkt zu Gott. Luther is the man! Allerdings verkauft schon lange keiner mehr Ablassscheine und die individuelle Freiheit ist jetzt nicht gerade Mangelware. Die Frage: „wie kann ein sündiger Mensch  vor einem heiligen Gott bestehen“ war total im Fokus vor 500 Jahren. Und das gab es einen superhilfreichen Durchbruch. Nur stellt diese Frage heute niemand mehr (außer er wurde ein paar Stunden von Evangelikalen bearbeitet)  – und zu Zeiten Jesu auch nicht.

Die Lösung: Erwählung. Gottes Plan mit der Welt war keine Betaversion. Die Welt wartet nicht auf Tag X, um dann erst in ihrer vollen Funktionalität zu erscheinen. Sie ist gut, und wird eines Tages vom Fluch befreit, den wir Menschen auf sie gebracht haben. Und in der Zwischenzeit sind erlöste Menschen die Vorboten dieser Erlösung (Röm 8, 18-23: „…Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und wartet…“.). Diese Welt ist immer noch Gottes Welt, und das Evangelium geht sowohl um die persönliche Sünde-Befreiungs-Thematik, wie auch um die Wiederherstellung von dem Ursprungsplan: dass Menschen Gottes weiße Verwalter sind. Herrlichkeit – das ist kein gleisendes Licht – sondern Gottes weise Handschrift, die durch uns in die Welt kommt (Ps 8). Wir sind erwählt, um einen Zweck zu erfüllen: gute Werke zum Wohle der Welt zu bringen.

Fazit

Das sind die 5 Elemente in Missional. Da sind große theologische Ideen drin. Wenn diese Ideen so was wie Weichen sind, dann können sie uns den Weg in die Zukunft leiten. Wer denkt, alles ist schon in Butter, braucht nicht weiter zu denken. Ich habe eine andere Meinung. Wir müssen zurück zu Jesus. Wir können zurück zu seinen Wegen. Und ich glaube, wir können das in unsrer Generation schaffen. „Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie,“ sagte einst Kurt Lewin. Unser Tun wird sich ändern, wenn wir Dinge in Zusammenhang verstehen. Die Welt wartet drauf. Was das Evangelium das Beste ist, was es gibt. Fangen wir an, es zu erfassen! Fangen wir an, es zu leben!

 

Was bewegt uns die nächsten 30 Jahre?

17 Jul

Diesen Frühling haben wir uns in Heidelberg über mehrere Treffen bei uns im Wohnzimmer über die Zukunft unterhalten. Mit 10-12 Personen fragten wir, wo wir als Gemeinde hinwollen. Ein Visionsprozess. Die Ergebnisse sind fast fertig und begeistern mich. Es ist saugut, mit Freunden über die Zukunft nachzudenken.

Eine interessante Diskussion darin war, welche Herausforderungen wir in der Gesellschaft in den nächsten 20-40 Jahren sehen. Das war ein faszinierender Abschnitt und unsere Aussagen sind sowohl Herausforderung als auch Chance. Hier sind unsere Top-4. Unsere Vision versucht auch, darauf antworten zu finden.

1.     Ausgeprägter Relativismus

Wir sehen einen Verfall der klassischen, christlichen Werte in unsrer Gesellschaft – was u.a. die Familie als Keimzelle der Gesellschaft schwächt. Das Evangelium der Toleranz macht es allen klaren Wertevorstellungen und Exklusivansprüchen schwer, Gehör zu finden. Die Herausforderung für Kirche ist, ein klares Evangelium zu predigen, Menschen zu Commitments zu bewegen und eine verbindliche Gemeinschaft zu formen. Gleichzeitig ist die Orientierungslosigkeit einer völlig offenen Welt groß und bestärkt die Suche nach Halt.

2.     Maximale Wirtschaftlichkeit

Die Arbeitswelt (wie auch die Medienwelt) von heute und morgen fordert mehr und mehr an Zeit und Energie der Menschen. Viele Möglichkeiten bestärken eine beständige Selbstverwirklichung, und stellen Menschen vor die Herausforderung, Arbeitswelt und Familie und Hobbys und und und unter einen Hut zu bringen. Das Effizienzprinzip führt zu Minderwertigkeit bei Minderleistung, und zu Fragen, wie die Weisheit des Alters genutzt werden kann. Eine Überhitzung der Arbeitenden führt zu Unfähigkeit, in Gemeinde und Nachbarschaft zu investieren. Die Suche nach Wellness und Ruheorten kann Menschen an Jesus-Orte der Erneuerung und Erfrischung führen.

3.     Integration, Islam, Internationalisierung

Flüchtlingsströme nach Deutschland, die Vehemenz des Islam und die Komplexität der Koexistenz von verschiedenen Kulturen – das sind klare Herausforderungen der Zukunft. Integration wird gefordert, aber die Wege und Ansätze dazu fehlen oft. Wenn die Leitkultur ihre Klarheit verliert (inkl der Christenheit), können protektionistische und rückwärtsgewandte Tendenzen zu Spannungen führen. Eine integrierende Kirche mit gelebter Willkommenskultur und Gemeinschaftsintegration verkörpert einen wesentlichen Aspekt vom Reich Gottes.

4.     System „Christentum“

Das real existierende Christentum widerspricht wesentlichen Elementen der Apostelgeschichte. Ein professionelle Leitung untergräbt das Priestertum aller Gläubigen, Kirchensteuer verhindert ein Commitment zum Zehnten (und damit der Wichtigkeit von Laien), Lifestyle-Kirchen bieten Oasen ohne Jüngerschaft und geteilten Alltag, Konferenzen und Events schaffen Höhepunkte mit mangelnder Alltagsrelevanz. Sowohl Christen als auch die Gesellschaft kennt das Christentum so (professionell, distanziert, event-getrieben, nicht alltagsrelevant) – und eine Alternativkultur (wie Apg) erwächst nur schwer in der Präsenz einer dominanten Kultur. Diese Kluft weckt Fragen nach dem Wesen des Christentums – und wer fragt, bekommt Antworten.

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