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Tolkien über das Predigen

25 Mrz

Der gute alte Herr-Der-Ringe-Schöpfer J.R Tolkien schrieb einst in einem Brief an seinen Sohn folgende Worte über das Predigen:

„They are bad, aren’t they! Most of them from any point of view. The answer to the mystery is prob. not simple; but part of it is that ‘rhetoric’ (of which preaching is a dept.) is an art, which requires (a) some native talent and (b) learning and practice. The instrument used is v. much more complex than a piano, yet most performers are in the position of a man who sits down to a piano and expects to move his audience without any knowledge of the notes at all. . . .

“Good sermons require some art, some virtue, some knowledge. Real sermons require some special grace which does not transcend art but arrives at it by instinct or ‘inspiration’;“

Ich kann dem nur zustimmen: eine gute Predigt ist rar und wahrscheinlich genau deshalb. Es gibt nicht nur eine Dimension zu beachten. Sondern drei. Es braucht Wahrheit – eine klare Botschaft, die auch auf das Leben trifft und der Bibel treu ist. Es braucht Kunst – die Botschaft darf nicht immer direkt erzählt werden, sondern Leute haben Widerstände und durch Geschichten und Worte muss der Prediger die Inhalte zugänglich und engaging machen. Und es braucht Chrisma – eine gewisse Integrität und Ausstrahlung. Man vertraut Leuten, oder eben nicht.

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Von Vineyard zur anglikanischen Kirche

11 Mrz

Vor 3 Jahren habe ich einen meiner besten Freunde, Ben, in Atlanta besucht. Er wohnt seit einigen Jahren in der Stadt und wurde Teil der Vineyard dort. Die gab es gerade ein paar Jahre und war mit 5 Gottesdiensten am Sonntag superschnell gewachsen. Marty Reardon war der Worship-Leiter und ich mochte ihren Stil sehr.

Wir gingen eines Abends zu einem Treffen hin und tranken einen Kaffee mit ein paar Leuten. Alle schön entspannt und dennoch ziemlich leidenschaftlich für die Jesus-Sache. Abends erzählte mir Ben dann, dass die Gemeinde überlegt, Teil der anglikanischen Kirche zu werden. Das war ein bisschen eine Überraschung. Waren die nicht liturgisch? Und alt? Die sind in den USA nicht gerade groß.

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Heute ist Trinity ein Teil der Anglican Mission in den USA und immernoch wachsend. Schau dir die Webseite an – klassische Grafiken, lange Bibeltexte auf der Homepage. Sonntags lesen sie jeden Gottesdienst 5 Bibelpassagen und teilen jeden Gottesdienst das Abendmahl. Ein interessanter Journey.


Hier erzählt ihr Pastor, Kris McDaniel, warum sie diesen Schritt gemacht haben. Ich kann mich mit einigen Fragen identifizieren – die Suche nach klarer Struktur, nach Einbettung in was Historisches, nach Tiefe und Weisheit.

Was bewegt uns die nächsten 30 Jahre?

17 Jul

Diesen Frühling haben wir uns in Heidelberg über mehrere Treffen bei uns im Wohnzimmer über die Zukunft unterhalten. Mit 10-12 Personen fragten wir, wo wir als Gemeinde hinwollen. Ein Visionsprozess. Die Ergebnisse sind fast fertig und begeistern mich. Es ist saugut, mit Freunden über die Zukunft nachzudenken.

Eine interessante Diskussion darin war, welche Herausforderungen wir in der Gesellschaft in den nächsten 20-40 Jahren sehen. Das war ein faszinierender Abschnitt und unsere Aussagen sind sowohl Herausforderung als auch Chance. Hier sind unsere Top-4. Unsere Vision versucht auch, darauf antworten zu finden.

1.     Ausgeprägter Relativismus

Wir sehen einen Verfall der klassischen, christlichen Werte in unsrer Gesellschaft – was u.a. die Familie als Keimzelle der Gesellschaft schwächt. Das Evangelium der Toleranz macht es allen klaren Wertevorstellungen und Exklusivansprüchen schwer, Gehör zu finden. Die Herausforderung für Kirche ist, ein klares Evangelium zu predigen, Menschen zu Commitments zu bewegen und eine verbindliche Gemeinschaft zu formen. Gleichzeitig ist die Orientierungslosigkeit einer völlig offenen Welt groß und bestärkt die Suche nach Halt.

2.     Maximale Wirtschaftlichkeit

Die Arbeitswelt (wie auch die Medienwelt) von heute und morgen fordert mehr und mehr an Zeit und Energie der Menschen. Viele Möglichkeiten bestärken eine beständige Selbstverwirklichung, und stellen Menschen vor die Herausforderung, Arbeitswelt und Familie und Hobbys und und und unter einen Hut zu bringen. Das Effizienzprinzip führt zu Minderwertigkeit bei Minderleistung, und zu Fragen, wie die Weisheit des Alters genutzt werden kann. Eine Überhitzung der Arbeitenden führt zu Unfähigkeit, in Gemeinde und Nachbarschaft zu investieren. Die Suche nach Wellness und Ruheorten kann Menschen an Jesus-Orte der Erneuerung und Erfrischung führen.

3.     Integration, Islam, Internationalisierung

Flüchtlingsströme nach Deutschland, die Vehemenz des Islam und die Komplexität der Koexistenz von verschiedenen Kulturen – das sind klare Herausforderungen der Zukunft. Integration wird gefordert, aber die Wege und Ansätze dazu fehlen oft. Wenn die Leitkultur ihre Klarheit verliert (inkl der Christenheit), können protektionistische und rückwärtsgewandte Tendenzen zu Spannungen führen. Eine integrierende Kirche mit gelebter Willkommenskultur und Gemeinschaftsintegration verkörpert einen wesentlichen Aspekt vom Reich Gottes.

4.     System „Christentum“

Das real existierende Christentum widerspricht wesentlichen Elementen der Apostelgeschichte. Ein professionelle Leitung untergräbt das Priestertum aller Gläubigen, Kirchensteuer verhindert ein Commitment zum Zehnten (und damit der Wichtigkeit von Laien), Lifestyle-Kirchen bieten Oasen ohne Jüngerschaft und geteilten Alltag, Konferenzen und Events schaffen Höhepunkte mit mangelnder Alltagsrelevanz. Sowohl Christen als auch die Gesellschaft kennt das Christentum so (professionell, distanziert, event-getrieben, nicht alltagsrelevant) – und eine Alternativkultur (wie Apg) erwächst nur schwer in der Präsenz einer dominanten Kultur. Diese Kluft weckt Fragen nach dem Wesen des Christentums – und wer fragt, bekommt Antworten.

The Age of the Netzwerk

9 Mrz

Kürzlich war ich mit einem alten Arbeitskollegen beim Italiener in Mannheim. Wir treffen uns alle Jahre mal und erzählen uns, was so läuft. Seine Story hat mich irgendwie durcheinander gebracht. Er arbeitet in seinem Job in einer großen Firma. Daneben lehrt er noch an einer renommierten Business School und macht hier und da Executive Coachings. Dann erzählte er mir von einem Netzwerk, das sich über postmoderne Org Formen Gedanken macht. Und Teil der Coaching Föderation ist er auch noch, genauso wie ab und zu auf dem Lecture Circuit, wo ein paar Leute seiner Sorte sich über Organisation und so austauschen.

Klingt stressig. Irgendwie war er aber drin, und sah Flow in den ganzen Dingen. Auf dem Heimweg habe ich gedacht, endlich mal einer wie ich, der einfach nicht genug kriegen kann.

In den Tagen drauf lief die Wahl zum Weltfussballer. Manu Neuer sollte die zwei Titel-Abonnenten stoppen und durchstarten. Warum war er nominiert? Für seine Spiele bei Bayern, und natürlich weil er mit dem DFB Weltmeister wurde. Für wen gewinnt er denn? Für beide. (Und wer weiß was der Manu sonst noch so macht).

Und dann hat kürzlich mein Freund Tim in Zürich seine Metropolis gestartet. Er war mal bei Vineyard und fühlt sich da noch zugehörig (wie ich). Allerdings war er die letzten Jahre stärker mit Mike Breen und 3DM unterwegs. Die Gemeinde wird von Seacoast Church und ARC unterstützt. Was ist denn jetzt sein Label?

Solche Fragen stellt eigentlich kaum jemand mehr. Natürlich ist man vernetzt. Natürlich hier und da dabei. Natürlich haben unterschiedliche Organisation was zu geben. Und natürlich kann man sich unterschiedlich hier und da einbringen.

Diese Netzwerk-Idee wird schon seit Jahren in Firmen gelebt. Der frühere SAP Chef Henning Kagermann nannte die Organisation von heute mal „Network of Brains“. Um dein Produkte zum Kunden und dort zum Laufen zu bringen, brauchst du ganz viele Leute. Einige von deiner Firma. Aber noch viel mehr von anderen Firmen. Es ist ein Netzwerk, das ein Ergebnis schafft.

Ist es an der Zeit, dass sich Gemeinden und Verbände auch in die Richtung entwickeln? Bisher haben viele Verbände und Gemeinden den Anspruch, ganz viel vom Gemeindeleben abzudecken. Von den Jungen zu den Alten, von Kunst zu Theologie, von Mission bis Evangelisation. Und wenn ein Verband ne gewisse Größe hat, macht er seine eigenen Schulen, Zertifizierungen, Gründungen, Musiklabels etc. Wäre es an der Zeit, sich weiter zu entwickeln?

Es gibt ja schon „Ministries“ seit einigen Jahrzehnten. Spezialisten für Seelsorge, für Musik, für Jüngerschaft, für Mission. Eigentlich für alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Mir scheint aber, dass das noch nicht integriert ist in die Strategie von Verbänden oder Gemeinden.

Ich denke, über die nächsten Jahre wird sich das ändern. Wir werden weniger exklusive Mitgliedschaft sehen. Weniger „das ist meins“ und mehr Ineinandergreifen von Angeboten. Menschen heute haben eine Option und sind nicht mehr durch Familienloyalität oder Ideologie gebunden. Das Netzwerk wird flexibel sein, und die Informationsflut wird helfen, darin zu navigieren.

Vielleicht sind wir im Zeitalter des Netzwerks angekommen. Vielleicht werden damit mehr als ein Team spielen statt nur auf unser Spiel zu schauen. Ich freue mich drauf.

Kirche einfach und mitten im Leben. Ein erfrischender Impuls aus – suprise – den USA!

23 Jan

Wenn wir von dieser Seite des großen Teiches auf die Kirche in den USA schauen, was sehen wir dann? Den meisten von uns kommt vermutlich als eines der ersten Bilder das der Megachurches in den Sinn. Von Willow Creek über Saddleback bis hin zur „Hour of Power“ aus der Crystal Cathedral. Diese Kirchen beeindrucken vordergründig aufgrund Ihrer Größe und ihres exzellenten Programms. Schaut man hinter die Kulissen stecken da auch noch viele gute Impulse drin, wir können einiges lernen. Als besonders leicht reproduzierbar haben sich diese Modelle mit ihrer Komm-Struktur aber bisher nicht herausgestellt. Es braucht eine Horde von Spezialisten und enorme Ressourcen, um auch nur annähernd ein solch attraktives Programm und ein solch komplexes System von Kirche auf die Beine zu stellen, und sei es nur mit einigen hundert Menschen. Ich weiß wovon ich rede.

Was beim Blick auf die Kirchenlandschaft in Amerika oft unter geht sind die vielen erfrischenden, einfachen, organischen Gemeinschafen, die es dort eben auch gibt. Wie sie so sind, unsere pragmatischen amerikanischen Freunde: sie machen einfach. Da zieht Kirche schnell mal in die Nachbarschaft (Geh-Struktur) und entfaltet ihre Wirkung mitten im Leben. Dieses Video hier hat mich inspiriert und neu daran erinnert, wie eine Gemeinschaft aussehen kann, die jeder von uns gründen und leiten kann: leicht multiplizierbar, natürlich und authentisch, einfach und organisch wachsend.

Empfehlungen – Buch und Event

29 Nov

Buch:

Es ist soweit, dass Standardwerk zu missionalem Glauben und Gemeinde erscheint auf Deutsch: Die vergessenen Wege. Die Wiederentdeckung der missionalen Kraft der Kirche ist die Übersetzung von The forgotten ways von Alan Hirsch und das dritte Buch der Novavox-Edition im Neufeld-Verlag.

Wie konnte sich der christliche Glaube in den ersten 300 Jahren nach Jesus so dynamisch zu der Weltreligion entwickeln, die es wurde? Was haben stark wachsende, multiplikative Bewegungen der neueren Zeit mit den ersten Christen gemeinsam? Und was lässt sich aus diesen Beispielen und den biblischen Texten für uns heute ableiten? Wie sieht die DNA und die Praxis von Christen und Gemeinden aus, die Gottes Mission folgen und das Jesus-Gen in ihrem Umfeld zur Wirkung bringen? Spannende Fragen, zu denen Alan Hirsch in diesem Grundlagenwerk fundiert, gründlich und trotzdem praxisorientiert Antworten und Impulse gibt. Für jeden, der grundlegend über Glauben und Gemeinde im 21. Jahrhundert nachdenkt, hat dieses Buch das Potenzial, auf neue bzw. vergessene Wege zu führen.

Wer sich auf diesen Weg einlässt, der kann die Publikation von solchen Büchern fördern indem man das Buch auf den Seiten von Novavox kauft – bzw. vorbestellt, noch ist es nicht erschienen.

Event:

Wo gibt es innovative, inspirierende Gemeinden und Projekte in unserem Land? Wer sich durch Innovation inspirieren und motivieren lassen will oder mitdiskutieren und die Zukunft der Kirche mitgestalten will, für den ist die inno2012 das Event. Die hoch interaktive und partizipatorisch angelegte Veranstaltung findet vom 24.-25. Januar 2012 in der Porsche-Arena in Stuttgart statt. Unter anderem mit dabei sind auch Vineyard und Novavox, sowie ca. 25 andere Co-Veranstalter. Einen solchen Marktplatz der Innovation im kirchlichen Raum gab es wohl bisher nicht in Deutschland, womit der Event selbst schon ein innovatives Ereignis wird. Mehr Infos gibt es hier.

der normale Durchlauf in Gemeinden

29 Jul

Seit 7 Jahren gehe ich jetzt in den Gottesdienst in Handschuhsheim (Heidelberg). Seitdem sind vielleicht 400, vielleicht 500 Menschen in unser grooviges altes Gebäude gekommen. Aber nur 180 davon gehören zur Vineyard. Unsere Liste von Ex-Leuten ist fast genauso lang. Manchmal sagen die Leute: „ui, da ist ja keine Konstanz“ oder „ihr habt viel Durchlauf, weil ihr Studenten seid“. MOMENT mal!

Bill Hybels sagt in seinem Buch Axiom: „10% Durchlauf pro Jahr sind absolut normal. Leute sterben, Leute ziehen um und ein paar orientieren sich anders.“ Jede Gemeinde hat eine nicht-kleinen Teil von Wechsel. Das Ideal, dass man die nächsten 20 Jahre schön im Kreis sitzt ist Utopie. Vielleicht bei ner Landgemeinde, aber würde ich da gerne sein? Wäre mir viel zu statisch.

Die ersten Christen hatten sicher auch keine 20-Jahres-Rumhäng-Harmonie. Damals war die Lebenserwartung um die 30-35 Jahre. Die Leute sind häufig in die Städte gezogen, weil das Land gefährlich war und zu wenig Möglichkeiten da war. Und auch die Stadt war gefährlich: Epidemien, Übergriffe und gefährliche Architekturen. Viele Waisen und Witwen, viel soziale Probleme – auch viel Durchlauf sicherlich.

Das erinnert daran, dass Gemeinde nur begrenzt Familie ist. Leider ist das das Hauptbild für viele Christen heute. Alles schön gemütlich und ordentlich. Vielleicht sind deshalb viele Gemeinden ziemlich mittelschichtig und bewegen kaum was.

Mich erinnert dieser Durchlauf daran, dass Gemeinde ein sich verschenken ist. Ich würde nie die Tür schließen, immer Leute willkommen lassen und sie auch wieder loslassen. Nicht festhalten, sondern frei geben. Da gibt es einen Haufen Instinkte, die das nicht wollen. Aber so ist das Wesen von Gemeinde: sich verschenken und freigiebig weitergeben.

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