Sandhausen, März 2020

Wer hätte das vor 2 Wochen gedacht? Sitzen wir hier im Frühling in unseren Häusern und starren auf die Bildschirme. Das Coronavirus hat unser Leben im Griff, wir müssen uns distanziert halten und arbeiten von zuhause. Gottesdienste sind ausgesetzt, Kaffees zu und nichts fliegt mehr. Das ist unsere Krise.

Sogar Angela Merkel hat deutliche Worte gefunden. „Die größte Krise seit dem zweiten Weltkrieg“ – und keiner hat es kommen sehen. Dachten wir doch, dass Umwelt wichtiger ist und der 3. Weltkrieg oder eine Technologie uns lahmlegt. Das wird eine Weile dauern, bis wir diese Krise meistern.

Unsere Großeltern hatten Hitler, ihre Eltern den 1. Weltkrieg. Wir haben Corona. Das ist unser Einschnitt, unsere Nacht.

Ich gehe davon aus, dass wir 3-6 Monate daheim bleiben müssen, oder länger. Das Ding verbreitet sich so schnell. Heute, am 20. März haben wir ca. 15.000 Fälle in Deutschland. Mit 20-30% Wachstum dauert es nicht so lange bis wir 1 Million haben und 1-2 Wochen später 10 Millionen. Wer infiziert ist stellt sich nach 2-14 Tagen raus, schwere Fälle brauchen bis zu 6 Wochen bis sie entweder geheilt werden oder sterben. Wenn wir das Ding verlangsamen dauert es noch länger. Es gibt nur zwei Glücksgriffe, die uns helfen – der Virus mutiert sich ins Wirkungslose. Oder ein Impfstoff kommt uns zur Hilfe. Beides wird nicht in 2 Wochen passieren.

So sitze ich jetzt da mit dem Laptop im Garten und eigentlich ist ein schöner Frühling. Vor einigen Monaten bin ich Upheavel von Jared Diamond über das chinesische Symbol für Krise gestolpert. Weiji. Das heißt Gefahr und Möglichkeit. Krise droht. Krise birgt Möglichkeiten.

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Die Zeit zuhause wird Chance mit sich bringen. In der Finanzkrise 2008 ist Airbnb entstanden, Apple durchlief seine Wiedergeburt im Dotcom-Chaos 2001, Disney entstand in der Great Depression 1923 (mehr hier). Isaac Newton saß 1665 mit der Beulenpest in seinem Zimmer in Cambridge und entwickelt während dieser Zeit sein Verständnis von Schwerkraft, Optik und Mathematik. Und in der Krise nach dem 2. Weltkrieg wurden allerhand Wirtschaftsgrößen in Deutschland gegründet.

Möglichkeiten.

Die Quarantäne hat Chancen. Wir können Muse-Projekte machen, die wir ewig vor uns her geschoben haben. Wir können Zeug lernen, das die Welt verändert. Wir können wachsen. Ich ziehe mir einige Kurse zu Künstlicher Intelligenz rein (über Coursera und Udemy), lerne über Design und Marketing, (über Mashable), schreibe einige Artikel (für Lumen, Spark oder hier), lese meinen Stapel Bücher und Artikel (über Medium und Pocket). Mit der Familie kochen wir uns durch die Sweetgreen-Menüs durch, schauen abends oft Oscar-Filme, die wir noch nicht kennen. Ich gönne mir Docus auf Netflix (Vietnam, Bill Gates), auf Vimeo (General Magic), auf Prime (The Founder, Dorothy Day, Human Scale) und Youtube (Warren Buffet, Karol, American Genius) und baue Möbel.

Vieles davon steht schon Monate oder Jahre auf der Liste. Doch ist uns allen die Zeit immer knapp. Das Leben heute ist so voll, dass es immer ein Verdrängungswettbewerb ist. Die Überschleunigung sehe ich überall – in Firmen, in Familien, bei Teenagern und bei mir selbst. Jetzt sind wir raus aus dem Hamsterrad für eine Zeit.

Workism – so haben das manche beschrieben. Arbeit nimmt Quasi die Rolle von Religion ein. Dort finden viele Gemeinschaft, Sinn und Bestätigung. Was man früher von Gott oder einer Gemeinde erwartete kommt jetzt vom Arbeitsplatz. Das finde ich zu krass. Arbeit ist gut und wichtig, aber wenn sie Gott-Rollen einnimmt, dann fehlt uns das Rückgrat. Und vielen geht es so, wenn sie tiefe Enttäuschungen bei der Arbeit erleben oder dort nicht mehr arbeiten können. Das wird jetzt in dieser Zeit in Frage gestellt und relativiert. Wir können uns wieder um Werte kümmern und dass Arbeit nicht unser Meister sein soll.

Im nächsten Beitrag kommen drei Shifts, die Covid19 auslösen wird.

Ein Kommentar zu „Sandhausen, März 2020

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