Das Aufwachen in der Geschwindigkeit

Manchmal wache ich auf und frage mich: wo the heck bin ich? Ein paar Sekunden, blick aufs Handy und kurze Erinnerung an den letzten Tag. Aha, ja, genau – es ist Dienstag und ich bin in einem Hotel in Hamburch. Oder so.

Wo sind wir eigentlich? Thomas Friedman bringt das besser auf den Punkt als viele andere. In Thank you for being late zeigt er die folgende Kurve. Und mit der wissen wir superklar, wo wir sind und warum alles so eskaliert.

teller curve

Die Idee wird unterstrichen von Eddie Obeng in diesem Talk Smart Failure for a fast-changing world.

„Wir sind im Zeitalter der Beschleunigung“, so Friedman. Der technische Fortschritt nimmt jeden Monat mehr zu. Technisch nennt man das Moore’s Law. Die Kraft des technischen Fortschritts ist exponetionell. Je weiter wir gehen, desto schneller wird das. Friedman dazu:

„Wir leben in einer linearen Welt – Distanz, Zeit und Gewicht sind linear. Aber das Wachstum heute ist exponentiell. Wir erleben exponentielle Kräfte in unsrer Welt nur bei Beschleunigungen – etwa im Auto oder Flugzeug – oder bei schnellen Abbremsungen. Und dabei fühlen wir uns sehr unsicher und manchmal krank. Dieses Gefühl ist was gerade passiert, weil wir uns in einer Zeit von dauernder Beschleunigung befinden.“

Das trifft es wie sonst kaum was, das ich gelesen habe. Neue Apps, neue Geschäfte, neue Prozesse, neue Marken. Die Welt dreht sich schneller als je zuvor. Und wir merken das alle.

Kürzlich bin ich über Cal Newports Deep Work gestolpert – ein hochgelobtes Buch über die Arbeitswelt. Darin beschreibt er die Notwendigkeit von Deep Work. Arbeit, die in die Tiefe geht. Ohne Unterbrechung. Mit Konzentration über eine lange Zeit. Und Fokus auf komplizierte Zusammenhänge. Das ist so abhandengekommen, dass sich jeder freut, so ein Umfeld wieder finden zu können. Apps wie Forest oder HeyFocus bedienen genau das.

Jason Fried von Basecamp geht in eine ähnliche Richtung. Sein Vortrag ist so voller Gesundem Menschenverstand, dass selbst Captain Obvious Freude daran hat.

Die Fragen von Jason sind punktgenau: wo gehe ich hin, wenn ich wirklich was geschafft bekommen möchte? Nicht zur Arbeit. Sondern woanders hin.

Genau das hat sich auch Bill Gates gedacht. Der Microsoft-Gründer führt seit Jahren eine Denkwoche durch. Anfang des Jahres schnappt er sich Bücher, Papers und ein paar tiefe Frage und sperrt die Welt aus. Da kam einst das berühmte Internet-Memo raus wie auch seine Ambitionen für Weltverbesserung durch seine Stiftung. Gates war ja nicht immer beliebt, aber was er die letzten Jahre macht hat meinen größten Respekt verdient.

Und so bin ich über die Jahre Fan von Deep Work und Auszeiten geworden. Ich genieße 5-Stunden Zugfahrten im ICE mit meinem fetten Kopfhörern und meinem Laptop. Alle paar Monate schreibe ich mir ein „Reflection Paper“, was so los ist und was das Leben so lehren will. Ab nächstem Jahr starten wir einen neuen Ort in der Nähe von Karlsruhe, der das aufgreifen will. Dort wollen wir am Altrhein einen Ort schaffen für Micro-Sabbaticals – kurze Auszeiten zum Denken, Sortieren und sich Neuerfinden.

Wenn man heute gestresst das Büro verlässt winkt im Urlaub oft so ein Buffet von Sport, Natur, Schlafen, Essen und Büchern. Ein Hoch auf Urlaub, auf jeden Fall. Das ist aber was anderes als eine Deep-Work Umgebung oder mal eine Reflektion, ob ich mich in meiner Haut wohl fühle und was so die nächsten Jahre ansteht. Aber genau dafür wollen wir einen Ort schaffen. Und wir wollen den Besuchern Anleitung und Rahmen bieten, dass sie mal rauskommen und den Dingen nachgehen, die das Leben gerade von ihnen fordert. Mit Tiny Houses, schöner Natur und ein paar Kits zur Reflektion haben wir schöne Zutaten. Jetzt bauen wir und im Frühjahr gibt es dann eine schöne Eröffnung. Stay tuned!

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