Unternehmenspfarrer

„Oha, die Amis mal wieder!“ Vor ein paar Monaten bin ich bei der Suche nach Gott und Job über die Idee gestolpert, Pfarrer in Unternehmen anzustellen. Da gibt es einige kleine und große Firmen in den USA, die das gemacht haben. So richtig mit Bezahlung und Freiheit, den Leuten bei geistlichen und seelischen Problemen zu helfen. Interesting – dachte ich!

Wenn man sich das genauer anschaut, dann sind seit ca. 10 Jahren manche Firmen dran, damit zu experimentieren. Ungefähr um die gleiche Zeit kam in vielen Firmen das Thema „Diversity“ hoch. Zu wenig Frauen in Führungskräften war da ein klaffendes Problem. Und zu wenig Farbe. Und später kamen dann auch noch wünsche nach Gay-and-Lesbian Communities, wie auch Transgender fragen. Unternehmen wollten sich weltoffen zeigen – manchmal sagten sie das bringt mehr (was es nicht tut) und öfter sagten sie, ihre Kunden seine ja auch so divers, also müssten sie das intern auch abbilden.

Wenn man dann schon mal divers ist und das Erleben der Menschen eine Rolle spielt – na, dann ist Spiritualität ja auch nicht ganz aus der Welt. Manche Unternehmen hatten Yoga-Räume oder Wellbeing-Wochen. Aber Pfarrer sind ja nochmal ne andere Nummer.  Weil Religion hat natürlich immer so was bestimmendes und einnehmendes. Da gibt es doch enorme Hemmungen.

„Man muss zwischen faith-based und faith-friendly unterscheiden,“ sagt der Dozent David Miller von Princeton. Er forscht seit geraumer Zeit zu dem Faith-and-Work Thema und die Workplace Chaplains sind ihm da auch ans Herzen gewachsen. Faith-based heißt, man verpflichtet sich einer Religion und versucht dieser zu dienen. Fatih-friendly heißt, man bezieht Spiritualität als wichtiges Merkmale von Menschen ein und gibt Raum, dass das thematisiert und gelebt werden kann.

Der Grund für die Unternehmenspfarrer ist daher auch genau das: Leute bringen ihr ganzes Leben mit zur Arbeit. Und jeder, der gläubig ist, weiß: der Glaube ist ein wesentliches Merkmal im Leben. Da ist es natürlich netter und menschlicher, wenn die Arbeit dafür auch Raum gibt. Damit kommuniziert so ein Programm: ihr Leute seid uns in eurer Ganzheit wichtig.

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Aber mehr noch. Immer mehr Leute leben einsam. Man lebt nicht mehr in dem Dorf, wo man aufgewachsen ist. Die Eltern wohnen weiter entfernt. Man ist einfach nicht mehr umgeben von einer Community, die bei Krisen und Rückschlägen hilft. Viele Menschen finden dennoch gute Weg, viele auch nicht. Und so ist eine Hilfe durch ein hörendes Ohr und emphatisches Herz oft Gold wert.

Bei meinen Forschungen bin ich auf den interessanten Zusammenhange zwischen Spiritualität und Lernbereitschaft gestoßen. Je mehr die Leute einen Glauben an Gott haben, desto mehr sind sie kreativ und offen für neues. Der Grund liegt im Verhältnis. Man sieht sich als Mensch als Geschöpf und mit einem großen Mysterium konfrontiert. Man übt geistliche Disziplinen, um als Person zu wachsen und mehr über Gott zu erfahren. Man hat einen Fokus auf Charakter-Veränderung und auf Reflexion. Wer sein Leben lang mehrere Male die Woche sich mit tiefen Fragen konfrontiert und bereit ist, alles in Frage zu stellen – na, der wird von ein bisschen Globalisierung nicht zu krass aus der Bahn geworfen.

Schlau also, wer dem Raum gibt. Natürlich sind die USA da ne Ecke flexibler mit einfach-mal-machen und weniger Schubladen-Denken, vor allem bei Religion. Ich bin gespannt, was auf dem Feld die nächsten Jahre noch passiert und werde ein Auge drauf halten. Gibt ja noch viel zu lernen!

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3 Kommentare zu „Unternehmenspfarrer

    1. Ja, gute Geschichte. Das ist auch eine Partnerschaft zwischen Wirtschaft und Kirche. Das Projekt hier ist aber ein anderes: da geht es darum, dass Pfarrer in Unternehmen arbeiten. Oder habe ich das falsch gelesen?

      1. So weit ich weiss, arbeitet der Pfarrer einen Tag die Woche in der Firma, zwecks Bodenhaftung. Er hat es mal angedeutet, ich kenne ihn von früher.

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