5 Wege, Gott und Arbeit zusammen zu bringen

In einer Fabrik in Sinsheim liegt mein Startblock ins Arbeitsleben. Mit 14 Jahren durfte ich 8 Stunden am Tag Metallhalter zusammenschieben und verpacken. Jede Stunde kam ein Mega-Behälter mit tausenden dieser Dinger drin, und meine Kollegen und ich arbeiteten uns den Ast ab. Neben den 12 DMark die Stunde gab es die Chance auf Akkord-Zuschlag. Wenn man den Turbo einschaltete, konnten es auch 14 DMark werden. Aber ansonsten war es eine Mühle ohne Anfang und Ende. Und mir war auch nicht klar, was meine Leistung der Welt Gutes tat. Der Taylorismus hatte mich willkommen geheißen und nur der Output interessierte mich: Kohle auf dem Konto.

Da geht ziemlich viel Zeit drauf, sein Konto zu füllen. Und früher oder später regt sich die Seele und fragt: passt das eigentlich zu mir? Gibt es nicht noch was Besseres? Und: macht das alles so Sinn für mich?

maslow

Vielleicht ist es die Maslow-Pyramide – wenn erst mal ein Boden auf dem Konto gelegt ist, dass man nach Höherem strebt und seine Talente genutzt sehen will. Aber wenn man mehr Zeit auf der Arbeit verbringt als mit der Familie, als mit Gott als mit irgendwas – dann wäre es doch nett, wenn es eine runde Sache ist. Nur wenn man in Firmen schaut, kommt sich kaum einer in seiner Rolle wirklich rund vor. Und mit Christen ist oft die Frage, welche Rolle Gott und Berufung bei der Arbeit spielt.

Aus der Gott-Perspektive fängt das ganze ja mit großen Ansagen an: wir sollen als Menschen die Welt gestalten (1. Mose 1,28) und Gott hat uns alles in die Hände gegeben (Ps 8,6). Im Prediger heißt es, dass wir mit aller Kraft arbeiten sollen (Pre 9,10). Und im Neuen Testament sollen wir alles mit gutem Willen tun, weil es eine Belohnung gibt (Eph 6,7-8); bzw unsere ganze Arbeit mit voller Leidenschaft tun, so als würden wir damit dem Herrn selbst dienen (Kol 3,24).

Trotz großer Ideen bleibt die Realität oft eine getrennte. Arbeit auf der einen Seite, der Rest daneben. Und Gott ist beim Rest mit im Gepäck. Das reicht mir aber nicht. Ich wünsche mir ein Leben – da sollte alles zusammen kommen: Leben, Arbeit und Gott.

Hier ist mein aktueller Stand, wie das gehen kann. 5 Es zeigen, wie Gott und Job zusammen kommen können. Die ersten zwei sind schon länger im Angebot, die letzten drei eher Neuentdeckung für mich. Bereit für ein paar Gedankenexperimente?

1) EXPRESSION

Dem Glauben Ausdruck geben an seinem Arbeitsplatz. Das gibt es schon länger und scheint die Default-Position zu sein für viele. Wenn ich schon Zeit am Arbeitsplatz verbringe, dann will ich dort ein Lichtchen sein. Ich will über meinen Glauben reden und andere wissen lassen, was mich antreibt. Man sieht hier Arbeit als Missionsfeld (oder wenigstens Teil davon), und auch wenn man nicht zu krass auftreten will ist doch die Hoffnung, dass man was weitergeben kann. Evangelisation ist zwar allseits unbeliebt – sowohl bei Christen als auch bei denen die das abbekommen – aber die Hoffnung ist dennoch, dass man einen Unterschied macht und die Beziehungen mit der Guten Nachricht gefüllt werden.

2) ETHIK

Der Glaube prägt eine Aufrichtigkeit und Integrität. Auch das ist ein Klassiker: man bescheisst nicht und verhält sich von seinem inneren Kompass getrieben. Kompromisse werden ausgeblendet und man macht nicht alles für Geld. Das gehört oft auch das Unterlassen von schlechtem Reden oder moralischen Kompromissen dazu. Manchmal sogar die Weisheit aus den Lehren der Bibel, die ein geradliniges Leben unterstützen.

So viel zu den Klassikern. Die haben sicherlich was an sich. Wobei das erste ja nicht die Arbeit selbst mit Sinn erfüllt, sondern mehr ne Brücke für was anderes ist (nämlich Glauben teilen). Die Ethik ist sicher auch immer gut und wichtig, aber noch nicht Berufung im eigenen Sinn. Daher sind mir die drei anderen Aspekte noch etwas interessanter.

3) EMPOWERMENT

Glaube verleiht Kraft für Herausforderungen und bietet Führung in unterschiedlichen Situationen. Hier hilft die Gott-Verbindung, dass man an den Lebenserfahrungen wachsen kann – neue Skills und auch Wachstum im Charakter. Der Glaube bietet eine Straße nach innen und hilft, bei Reflektion und dem Auswerten von Erfahrungen. Wenn man Gottes Führung sucht, kann Weisheit und Klarheit kommen; und man geht Dinge an, die man ohne göttlichen Beistand vielleicht lassen würde.

4) EXPERIENCE

Der innere Wert der Arbeit zeigt sich und der Gläubige weiß: Gott will mich hier und ich diene ihm mit diesem Job. Auch wenn der Job Erbsen zählen oder Formulare ausfüllen ist – irgendwie hat Gott es für weise gehalten, mich diese Rolle ausfüllen zu lassen und damit gebe ich ihm Ehre. Es ist am nähsten an der Idee von Kolosser 3,24 – ich tue die Dinge als wäre Jesus mein direkter Chef. Der Job wird zur spirituellen Erfahrung. Oder wie es im Film Die Stunde des Siegers ausgedrückt wird: „Gott hat mich schnell gemacht. Wenn ich laufe, dann spüre ich seinen Wohlgefallen“.

5) EFFEKTE

Mein Job ist da, um die Welt zu verbessern. Mit meiner Rolle trage ich dazu bei, den Schöpfungsauftrag zu erfüllen. Als Gläubiger bin ich an einer Position, wo ich die Landschaft verändere – sei es materiell oder intellektuell. Fast jede Job Art hat gewisse Dinge, die nicht gut genug sind. Wenn ich etwas Erfahrung gesammelt habe, kann ich darauf hinarbeiten, etwas Besseres zu schaffen. Ich gestalte und präge die Welt durch das, was ich täglich arbeite.

 

Schon als Teenager fragt man sich, warum man arbeiten gehen muss. Schnell wird klar, das Leben lässt sich nur so mit Freiheit gestalten. Geld verdienen und Stabilität für den Rest vom Leben sind wichtige Dinge. Schnell merkt man auch, dass Status und Selbstvertrauen an einem Job hängen. Das sind alles Effekte von einem Job – man arbeitet, um etwas anderes damit zu bekommen. Irgendwann merkt man, dass damit der Sinn doch wieder in Frage steht. Geld gibt es auch in anderen Jobs, Status ist wackelig – und so fehlt der eigenen Rolle oft der Kern.

Wenn man an einen Punkt kommt, wo die eigenen Gaben gut genutzt sind und man einen größeren Zusammenhang sieht – dann kommt wieder diese Flow-Erfahrung auf. Gerade die letzten 3 Aspekte hier (Empowerment, Experience und Effekte) gehen in diese Richtung und sind Ansätze, die wir weiter ausloten sollten. Gerade als missionale Leute sehen wir die Aufgaben vor uns voller Gott-gefüllter Möglichkeiten. Es wird Zeit, dass wir die Schätze heben, die sich in unseren Jobs verbergen.

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