5 Gründe warum die Welt nicht untergeht

Seit ich vor einigen Jahren Christ geworden bin sind mir Kirchendecken wie die in Rom zum Kopfkino geworden. Da sitzt ein großer Weißbärtiger ganz in der Mitte und schaut zu, wie Reiter und Schlangen unter ihm die Welt zerreißen. Die große Apokalypse wird in der Offenbarung beschrieben und die Stimmung ist klar: die Welt hier ist scheiße und es wird so was von knallen. Besser, man steht auf der richtigen Seite, weil sonst…

judgement

Kleiner Haken an der Sache – sie stimmt nicht. Keineswegs wird es knallen und wir in einer anderen Dimension aufwachen. Nein – die Show läuft hier. Und sie wird hier laufen. Mit dieser Sicht bin ich aufgetaucht als ich die letzten Jahre durch das NT-Wright-Becken geschwommen bin. Gott erneuert die Welt; er schafft sie nicht ab. Was Jesus als Revolution gebraucht hat, war der Start dieser Welterneuerung.

„Das steht aber nicht in der Bibel,“ sagte mir kürzlich ein Kollege bei der Autofahrt als wir auf das Thema kamen. „Himmel und Erde werden vergehen, heißt es da.“ Wie so viele Dinge kann man das so sehen – oder auch anders. Hier sind meine fünf Punkte, warum ich jetzt auf der Gott-erneuert Welle schwimme.

Sie ist sehr gut

Gott macht die Welt, und sagt sich: „o lala, gut geworden!“ Der ganze jüdisch-christliche Glaube steht auf der Basis von 1. Mose 1 und dem Schöpfungshymnus. Ich glaube ja nicht, dass das ein 1-1 Bericht ist. War ja keiner da, die ersten 5 Tage. Vielmehr ist es ein Gedicht, und legt wesentliche Aussagen über Gott und die Welt. Sie ist geschaffen. Es gibt einen (nur einen) Gott. Der Mensch ist sein Ebenbild. Und die Schöpfung war gut. Mit dem Menschen sogar sehr gut.

Nirgends sehe ich, dass Gott eine Beta-Version erstellte – um mal zu testen, ob das was taugt. Es war die Alpha-Version. Ein Ausdruck von Gottes Perfektion. Gut gemacht und gewollt. Damit schaffte Gott die Grundlage für unsere Existenz und Beziehung mit ihm. Es war nicht nur der erste Versuch, und dann im zweiten Kapitel gibt es was Neues. Nein, die Welt ist sehr gut und genau so gewollt. Mit den Alpen, mit dem Neckar und mit Heidelberg. Sehr gut gemacht.

Gott rettet Zeug

Der Stil der Bibel lässt keinen Zweifel, dass Dinge schief gehen und dann von Gott gerettet werden. Rettung funktioniert dabei immer, indem Gott sich mit den Dingen verbindet, sich involviert und seinen Zusagen treu ist. Er kommt selbst in die Welt, weil er sie so sehr liebt. Nicht nur die Menschen in der Welt, sondern die Welt. Im bekanntesten Vers der Bibel heißt es: „denn so sehr hat Gott die Welt geliebt“ (Joh 3,16). Die Welt!

Und so tritt er aus seinem himmlischen Domizil in den Mittelmeerraum und rettet damit die Menschen und die Welt. Erneuerung passiert nach der Bibel von innen heraus. Gott überwindet das Böse – und jetzt wirkt sich diese Erlösung aus. In uns, und in der Welt.

Die Verheißungen sind für diese Welt

Israel wurde berufen und Gott ging einen Bund mit ihnen ein. Von Anfang an waren da Verheißungen drin: „in dir werden gesegnet alle Völker der Welt“ (1. Mose 22,18). Durch die Trauer und Talphasen im Alten Testament tröstet das Volk immer wieder die Worte der Propheten. Gott wird treu sein, der Tag des Herrn wird kommen. Immer weißen diese Prophetien auf eine Verheißung hin – und immer ist die in dieser Welt.

Die Völker werden kommen und staunen

Frieden wird im Land sein

Ödes wird wieder Blühen und Kaputtes erneuert

Israel wird in seiner Bestimmung leben

Die Verheißungen waren für eine Welt, in der es Völker und Täler und Bäume und Tiere gibt. Als Jesus kam, war das die Stimmung der Menschen: es geht los und die Welt wird sortiert. Keiner dachte: endlich habe ich ein Ticket für den Soul-Train und die Petruspforte wird sich für mich öffnen. Die Verheißungen der Bibel sind für diese Welt – weil Gott diese Welt gewollt hat und sie rettet.

Wir beten für runter, nicht rauf

Mitten im Vater Unser (Mat 6) gibt es diese bekannte Zeile: „Dein Reich komme, dein Wille geschehe – wie im Himmel so auf Erden“. Jesus lehrt uns, dass wir dafür beten sollen, dass der Himmel auf die Erde kommt. Komisch eigentlich, sollten wir letztlich gar nicht hier landen. Das ist wie als würde ich mein Haus für eine Party vorbereiten und dann zur Startzeit abflitzen. Da passt die Richtung nicht ganz zusammen.

Vielleicht ist es aber doch genau die Absicht: der Himmel kommt auf die Erde, weil das die Erneuerung der Welt ist. Daher sollen wir so beten. Daher sollen wir in dieser Welt Jesus verkündigen. Daher sollen wir im Hier und Jetzt für seine Herrschaft arbeiten. Weil er nämlich in dieser Welt was tut – und das schon angefangen hat. Und wir sind Vorboten dieser Herrschaft. Irgendwann wird es überall sein. Jetzt ist es da, wo Christen seinen Willen suchen und tun.

Die Auferstehung war der Prototyp

Der Fokus aufs Jenseits läuft immer mit der Story, dass das Opferlamm an unsrer Stelle die Hiebe abbekommen hat. Stimmt schon – wir haben viel verbockt. Allerdings braucht es für ein Opferlamm nur den Tod; Auferstehung ist da nett, aber optional. „Wenn Christus nicht auferstanden ist, dann ist unser Glaube wertlos,“ sagt Paulus in 1. Kor 15,14. Die Auferstehung ist der Kick. Nicht nur zeigt es, dass das Opfer wirklich funktioniert hat. Nein, in der Auferstehung ist das Böse besiegt und der Tod überwunden.

Jesus kam auferstanden zurück. Er sah nicht wie ein Gasmensch aus, auch hatte er keine Engelsflügel oder drei Köpfe. Er sah erstaunlich menschlich aus – so dass viele ihn auf den ersten Blick gar nicht wahrnahmen. Wenn er der erste auferstandene ist, dann ist das eine Vorbildfunktion für uns. Irgendwann werden wir auch auferstehen, und dann werden wir auch nen Körper haben und aussehen wie Menschen. Wir sind eben Menschen und nicht nur Geistwesen. Und wie der Prototyp, so auch wir: wir werden als erneuert Menschen in dieser Welt sein.

 

Das sind meine fünf Gründe, warum ich an das Ding hier glaube. Manches davon ist sonnenklar. Anderes ist herausfordernd, weil irgendwie in unserem Kopfkino noch immer dies Platte spielt, dass Seele wichtig ist und Körper nur so ne Hülle, die ein paar Jahre hält. Mit dieser These hier sage ich, dass Materie viel wichtiger ist als wir denken. Sie ist nicht schlecht oder neutral, sondern Teil des ganzen Spiels. Und die Auswirkungen sind krass: wir leben schon in Gotts neuer Welt. An diesem Tag heute laufe ich auf Gottes Wegen, weil er das ganze sich ausgedacht hat. Und ich bin ein Teil seines großen Erneuerungsplans. Das soll mal jemand an eine Kirchendecke pinseln. Wäre doch echt mal ne Perspektive.

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4 Kommentare zu „5 Gründe warum die Welt nicht untergeht

  1. Hallo Marlin, Danke für deine Gedanken! Das hätte mir noch sehr gut in die aktuelle Nummer der „Brücke“ gepasst, die allerdings heute schon aus der Druckerei kam. Die hat das Thema „Apokalypse? Gelebte Hoffnung!“ und manches geht in eine ähnliche Richtung. Aber zumindest mal als „Linktipp zum Thema“ nehme ich dich auf die Brücke-Seite. LIebe Grüße, Benji.

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