Warum ich die Vineyard verlassen habe

Im Herbst 2013 war es Zeit, der Vineyard Adieu zu sagen. Das hier sind meine Reflektionen vom August 2015. Das meiste ist aktuell, nur der letzte Tei über Spark ist inzwischen weiter:

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Vor 2 Jahren habe ich den Entschluss gefasst, den Vineyard-Clan zu verlassen. Das kam nach viel Beobachtungen, Engagement, interner Diskussion, Austausch mit Mentoren und Freunden, Gebet und Nachdenken. Ich war 14 Jahre dabei, zunächst in der Vineyard Speyer, dann mit einer eigenen Gründung in Heidelberg. Dazu habe ich im Gemeindegründungsteam mitgearbeitet, Vineyard Music geleitet und war Begleiter von einigen Gründungen und Regionenleiter. Da fragt man sich natürlich: Warum?

Bisher habe ich nichts darüber geschrieben – einfach weil ich die Vineyard und leitenden Personen wahnsinnig schätze und keine schlechte Stimmung verbreiten wollte. Die Abwicklung der Trennung war nicht schön – für mich, für uns in Heidelberg, und für Vineyard – und da sollte keine salzige Note im Reden rüberkommen. Aber ich werde noch oft gefragt, dass ich kurz was dazu schreiben will.

In drei Worten: Vineyard funktioniert nicht. Das ist leider die knappe Erkenntnis, die ich nach 14 Jahren nicht mehr vom Tisch wischen kann. Es ist also ein pragmatischer Grund – das Zusammenspiel in Deutschland, das Arbeiten in den Teams und das Umsetzen der Ziele klappt nicht. Es zieht mehr Energie als dass es was bewegt. Und da habe ich mich gefragt: will ich das die nächsten Jahrzehnte mitmachen? Wird das irgendwann mal besser? Würde ich Vineyard beitreten, wenn ich nicht schon drin wäre und das wüsste? Die Antwort auf alle 3 Fragen war negativ. Da ich mit Mitte 30 noch zu jung bin, um ne ruhige Kugel zu schieben, habe ich den Exit gewählt. Weil ich zu viel Leidenschaft habe, um Organisation zu spielen, wollte ich neues Land suchen.

Was genau bedeutet, es funktioniert nicht? Vineyard hat eine tolle Theologie, sowie Werte, die seit Jahrzehnten geformt sind. Dazu kommen viele tolle Leute und ein schöner Pragmatismus, wie man Gemeinde lebt. Eigentlich top. Nur im Umsetzung der Ziele kommt man nicht voran. Im Prinzip lebt die Vineyard von der Energie der 90er und dem Aufsammeln von einigen Leuten aus anderen Gemeinden, die keine Perspektive mehr hatten (es gibt sicher auch Ausnahmen). Die Entwicklung von Leitern aus den eigenen Reihen ist ganz schlecht. Bekehrungen finden fast nicht statt. Gemeindegründung steckt fest – kein Plan, kein Geld, keine Verantwortlichkeiten. Und das obwohl Vineyard DACH vor 4 Jahren das Ziel ausgab, von 70 auf 200 Gemeinden wachsen zu wollen. Man ist wohl eher bei 60 aktuell, wovon die Hälfte unter 40 Personen ist. Das Projekt in Berlin eiert seit 15 Jahren rum, und alle möglichen Leute werden ins Jenseits frustriert. Junge Leiter mit Potential verlassen Vineyard öfter, und eigene Leute mit was zu sagen kommen wenig zum Zug. An wichtigen Stellen sitzen Leute mit den falschen Kompetenzen. Was gut läuft sind Konferenzen – und wenn man Martin Bühlmann mag, dann die Events an denen er spricht.

Ist es nicht überall dilettantisch? Natürlich. Ich habe in verschiedenen DAX Unternehmen gearbeitet und kann das bestätigen. Überall wird mit Wasser gekocht. Auch kenne ich andere Gemeindeverbände und Non-Profits – gleiches Bild. Dinge werden öfter nicht zuende gedacht, Prioritäten sind durcheinander, falsche Leute machen die Aufgaben, man verzettelt sich. Ich selber leite verschiedene Dinge und es gibt immer Probleme. Leitung ist Kunst und Handwerk, und da läuft öfter mal was daneben, oder lässt sich nicht leicht erkennen, wo eigentlich der Hase läuft. Für mich ist daher immer ein Frage: gibt es eine Lernkurve? Machen wir die Dinge nächstes Jahr besser? Und bei Vineyard bin ich zur Überzeugung gekommen, dass das nicht der Fall ist. Ich habe die ersten Jahre gewartet, dann mich beteiligt, mitgearbeitet, Dinge angesprochen und auch Vorschläge gemacht. Und ich bin zur Sicht gekommen, dass es in 5 oder 15 Jahren nicht wesentlich anders sein wird. Das liegt auch an ein paar persönlichen Eigenschaften vom Kern, den ich nicht besprechen will. Vielleicht liege ich insgesamt falsch, aber ich merkte, wie es mich stresst. Ich wollte aber nicht bitter werden. Daher war die Alternative: entweder akzeptieren und mitmachen, oder weiterziehen.

Wirst du es besser machen? Ich hoffe. Es ist ja erst mal eine Hypothese, die sich beweisen muss. Wer weiß, ob meine Annahme über Vineyard zutrifft. Wer weiß, ob meine Leidenschaft sich besser umsetzen lässt ohne das Dach der Vineyard. Ich war jedenfalls der Überzeugung, dass es sich lohnt, diesen Weg zu probieren. Andere haben mir dazu geraten. Aber sicher ist es schwer genug und auch in anderen Netzwerken wird es nicht den Himmel auf Erden geben. Vielleicht ist eine Unterschied bei jüngeren Leuten (unter 40), dass man etwas weltlicher ist (mehr Erfahrung in Business und Management) und etwas weniger an eine lebenslange Loyalität glaubt (eine Flagge, unter der man segelt und die man verteidigt). Mit solchen Leuten würde ich gerne nach Wegen in die Zukunft suchen.

Wird das mal wieder was mit der Vineyard? Ich hoffe es. Ich bin voller Dankbarkeit für die 14 Jahre, die ich da verbringen konnte. Ich habe dort gelernt, Gottes Stimme zu hören. Ich habe gelernt, wie man für Leute betet, wie man den Heiligen Geist einlädt, wie man ein Leben der Anbetung führt, wie man Gottes Barmherzigkeit in der Gemeinde walten lässt. Ich habe gesehen, wie man Gemeinden gründet und wie man sich um Leute kümmert, wie man locker ist während heiligen Momenten und wie man den Armen dient. Die Theologie vom Reich Gottes wurde zentral für mich, und das Centered Set empfinde ich super hilfreich. Das Erbe der Vineyard ist reich – und sie hat bereits viel gegeben und würde Europa bereichern, wenn sie das weiter tut. Martin Bühlmann hat mich beeindruckt mit seiner Liebe für Menschen, seiner evangelistischen Art, seinem Humor, seinem Leben mit dem Heiligen Geist, seiner Treue und seiner persönlichen Großzügigkeit.

Dennoch habe ich das Gefühl, dass Vineyard bei ganz vielen Dingen feststeckt. Theologisch geht nichts, Worship wankt hinterher, Gründung ist planlos, Power-Ministry hat noch nie wirklich funktioniert, und soziologisch hat man den Zug verpasst. Aus meiner Sicht hätte sich die Organisation und das Zusammenspiel ändern müssen – denn wenn es weiterläuft wie bisher, dann kommt auch weiter das raus wie bisher. Etwas Gutes hier und da, aber auch viel Frust und Energieverlust. Das Potential ist da. Irgendwie müssen die Kräfte so zusammenkommen, dass sie sich befähigen und nicht behindern. Wäre super, wenn es eine Lernkurve geben würde, und wenn die Vineyard das reiche Erbe wieder verteilen könnte.

Und was passiert jetzt? Für mich geht mehr Energie nach Heidelberg, und das ist sehr gut. Ich habe mehr Wochenenden frei und packe das in unser Projekt, das jetzt Mosaik heißt. Daneben habe ich mich mit ein paar Freunden zusammengetan und bin mit Spark am Planen, was sein könnte. Viele der Ideen vom Austritt kommen da mit rein: weltlicher, relativer, kantiger. Mal schauen, wo das hinführt.

Schau, all das hier ist subjektiv. Ich mag bei den meisten Dingen falsch liegen, oder zu hart bewerten. Mag sein. Es ist eben eine Sicht, von einer Person mit einem Standpunkt. Ich habe zwar den ersten Teil der Vineyard Geschichte geschrieben, mich aber für den weiteren Teil vom Mitwirken und Mitschreiben verabschiedet. Ich bin wirklich dankbar für die Vineyard, und hoffe, dass alles supergut wird. Aber weil die Fragerei um das Warum immer wieder da war, lege ich die Gründe offen. Ich hoffe, Wimber hatte Recht

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