Hipster-Bauernhof-Gebets-Kommune in Caen

7 Jul

Es ist schon ein Stückchen mit dem Zug, bis man von Paris in der Normandie landet und von Gerard Kelly in Bethanie begrüßt wird. Zwei Stunden über Felder und kleine französische Orte. Dort sammelt sich BLESS – ein Netzwerk für prayer.creativity.mission – mitten im Nirgendwo. Kühe links, Maisfelder rechts, hinter dem Haus Wälder und davor lange, saftige Wiesen. Und dazwischen 4 Backsteingebäude vom feinsten – Bauernhof verwandelt in Hipster-Location. Ein Haus mit Schlafzimmern, eins mit rießem Wohnzimmer und Gebetshaus, dann eine Scheune für Mahlzeiten wenns regnet, und das Haus von Gerard und seiner Frau Chrissi.

Ich bin hingefahren, um mir Bless genauer anzuschauen. Gerard war letztes Jahr auf unserem Weitwinkel. Seine Talks waren grandios; ich habe noch nie jemand gesehen, der so Kunst und Kultur einwebte in seine Präsentation. Seine eigenen Gedichte sind Weltklasse, und abends beim Whiskey redeten wir über Europa, Lebensphasen und die großen Träume in unserem Herzen. Gerard ist Mitte 50, hat mal ne 3.000er Gemeinde geleitet und ist schon la-ha-nge unterwegs. Ein „seasoned“ Typ in der missionalen Schiene. Und dennoch war mir nicht ganz klar, was er so macht oder vorhat.

Bethanie ist ein Mix aus Training und Short-Term Mission. Ein bisschen wie Jmem oder sonstige Schulen. Der Ort lebt vom zusammen kommen von Menschen. Gerard sagt: „mir ist Gebet das Wichtigste. Viel missionales Zeug ist zu angepasst, zu sprachlos.“ Und so zeigt er mir seinen Gebetsraum, in dem er selbst und viele Besucher die tiefe Begegnung mit Gott suchen. Die Gegenwart Gottes, das ist ein Lebensthema von Gerard. Und man merkt es ihm auf Schritt und Tritt an.

Das ganze Anwesen ist geprägt von einem Sinn für Kunst – Gemälde hier, Text dort, Handwerk dazwischen. Und überall stehen Tische. Sonntags kommen 35 Personen und feiern Gottesdienst. Und kein Treffen ohne Essen. Jeder bringt was, meistens sitzen sie im Garten und lassen es rollen. Sie haben Zeit. Sie genießen gerne. Sie haben ein echtes Interesse an Menschen.

An einem Abend treffen wir Mylene und Thiery. Sie aus Neuseeland, er aus Fronkreich (unüber-örbar). Sie sind noch nicht so lange mit Jesus am Start, trafen dann relativ bald auf Bless. Gerard und Chrissi haben sie ermutigt und mit ihnen geträumt. Raus gekommen ist ein Cafe in Caen. Die Location war gewagt, direkt am Ortsrand. Und so haben die beiden losgelegt und jetzt haben sie eine der hippsten Locations in der Stadt. Sie stehen meist in der Küche und zaubern die Speisen, und Bless trifft sich oft dort. Das Cafe hat ihnen die Tür in die Stadt geöffnet und ist nicht nur ein schöner Ort, sondern auch ein Sprungbrett…

Denn ein paar Meter weiter laufen die Stadtgrenzen aus, und leere Fabrikhallen beheimaten Flüchtlinge und Prostituierte. Ein paar Kilometer von der Küste sehnen sich viele hier nach einem Weg nach England. Gerard und sein Trupp sind seit drei Jahren mitten drin dabei – bringen Mahlzeiten und Tee, lernen Leute kennen und beten für sie. Wenn sie Gemeinde in Caen gründen, dann da. Mittendrin wo die Not ist. Die Stadtverwaltung ist interessiert und wird ihnen wohl ein Gebäude geben. Bless will nicht nur Gottesdienste feiern und Leute sammeln – sie haben eine Vision für Erneuerung der Stadt. Und wenn nicht sie anfangen, wer dann?

Wenn ich so mit Gerard rede, ist mit immer noch nicht ganz klar, was hier laufen soll. Viele von ihren Entscheidungen sind: „Da hat Gott zu uns gesprochen, und so-und-so hatte ein Bild und dann…“. Herzlich unstrategisch. Und viel Führung. Das hat was. Es zeugt vom Herzen von Bless – sich auf Gott einlassen und dann für jedes Risiko bereit sein. Wo kommt Geld her? Wie wird alles organisiert? Was kommt als nächstes? Viele Fragen sind offen – genauso wie die Lebenshaltung von Gerard und Chrissi. Sie träumen, sie beten und sie halten ihr Herz immer weit offen. So wie in diesem Gedicht, das Gerard letztes Jahr für uns auf dem Weitwinkel getextet hat:

wider still (3)

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