Die Anti-Führung Falle

13 Jun

Kürzlich redete ich in der Bergheimer Straße für 10 Minuten über Führung und wurde von meinem Freund Christoph danach zurechtpräsentiert.  „Wir machen alles ganz anders als Marlin,“ war seine kecke Ansage. „Alles, was Marlin gesagt hat läuft bei uns nicht. Wir haben mehr einen organischen Ansatz“. Aha, dachte ich mir – das ist doch mal schön. Anders ist gut und das will ich mal hören.

Seit ein paar Jahren organisiere ich in Heidelberg ein Programm für Leute in ihren 30ern. Es heißt „Next Generation“ und ich will den Jungs und Mädels beibringen wie man leitet. In der richtigen Welt. Ich finde es wichtig, dass es in den 20ern jemand gibt, der an dich glaubt. Und ich glaube an die Clique. Und da ich nicht nur vorne stehen und meinen Glauben an sie beschwören kann, sag ich ab und zu was.

Meine Führungsidee kommt weitestgehend von Fredmund Malik. Der schreibt und lehrt in St.Gallen an einem Institut, das er selbst gegründet hat. Sein Buch „Führen, Leisten, Leben“ ist ein Standardwerk in vielen deutschen Firmen. Es ist ein schreckliches Buch. Geschrieben wie Lothar Matthäus redet – full of himself und sehr ausschweifend. Ich kenne niemand, der sich so oft selbst zitiert wie Malik. Und da das Buch nicht mit Stil punktet, muss es wohl gute Inhalte haben.

Eine gute Idee sind die „5 Werkzeuge wirksamer Führung“. Ich mag diesen pragmatischen Macher-Ansatz von Malik. Was muss man denn eigentlich TUN, um zu führen. 5 Dinge, sagt er.

Es fängt damit an, für Ziele zu sorgen. Wer leitet muss für seine Organisation oder Team einen Fokus herstellen. Nicht unbedingt alles vorgeben. Vielleicht sind es demokratische, chaotische oder sonstwelche Prozesse. Aber eine Führungskraft darf nicht entspannt sein, wenn es keine Ziele gibt. Er muss für wenige, große Ziele sorgen (sozusagen der Gegensatz zu viele und unsortierte Ziele).

Dann muss ein Leiter organisieren. Jedes Team hat Ressourcen wie Geld, Zeit, Erfahrung, Expertise, IT usw. Das alles muss miteinander zusammenspielen, damit Bewegung entsteht. Dabei nennt Malik drei wichtige Hinweise: organisieren muss man aufs Ziel hin, also den Kunden. Dass der beständig im Mittelpunkt steht. Die Organisation muss effektiv sein, und auch ausführbar. Da steckt viel Schmalz hinter diesen Aussagen, und Führungsaufgabe ist das allemal.

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Als drittes muss ein Leiter entscheiden. Ohne Ja/Nein läuft nichts, vor allem nichts zusammen. Wichtig ist dabei, dass das genaue Problem erkannt und benannt wird. Das ist in der realen Welt nicht immer ganz leicht. Zur guten Entscheidung gehört ein Verständnis und Abschätzung der Risiken – was kann schief laufen. Wenn entschieden wird, muss man direkt die Maßnahmen einplanen und überprüfen, ob das Gewünschte auch eintritt.

Apropos Eintritt – kontrollieren ist der nächste Kern für Führung. Machen wir die richtigen Dinge? Machen wir sie auch richtig? Entspricht es den Anforderungen? Das sind Fragen, die fast alle jungen Leute unterschätzen. Es ist leicht von der Garage von Steve Jobs zu träumen. Aber damit ein Phone in aller Welt funktioniert ist eine Wahnsinnsleistung. Man muss Dinge auch umsetzen.

Kürzlich habe ich einen Firmengründer getroffen, der die Geschichte seiner Company erzählte. „Man sagt, dass man 1.000 Mal probieren muss, bis was funktioniert,“ so fing er den Vortrag an, „das stimmt nicht. Es sind mindestens 10.000 Mal. Wenn jemand unter euch ist, der eine Firma gründen will – ich würde es nicht empfehlen“. OK, ein bisschen düster. Er hat auch gelacht dabei. Punkt steht aber, oder? Dinge müssen umgesetzt werden und gute Qualität haben.

Letztlich muss man als Leiter Menschen fördern. Sie wachsen an Aufgaben, in denen sie sich ausprobieren können. Sie wachsen mit guten Chefs. Sie wachsen an guten Stellen, die so beschrieben sind, dass sie Luft nach oben haben. Man denke nur, was Louis van Gaal damals gemacht hat als er Schweini ins zentrale Mittelfeld gezogen hat.

Anyway, das sind die 5 Malik-Dinger. War mir nochmal wichtig, meine 10 Minuten Präsentation darzulegen.

Und Christoph? Der redete mit seiner Frau für 35 Minuten. Die Präse war herzlich, echt und etwas chaotisch. Ähm, organisch, natürlich. Am Schluss sollten unsere Leute Feedback geben zu seinem Projekt. Gut fanden es die meisten. Aber auch irgendwie schwer zu erkennen, was es genau ist und wie man mitmachen kann.

Ich glaube, oft ist das ganze Anti-Leiter Ding ne Mischung aus Abneigung gegen klare Ansagen und eine brise Faulheit. Führung ist eine Disziplin, genauso wie Statik oder Tanzen. Klar, kann jeder Spacko tanzen. Im eigenen Wohnzimmer ist das gut, in der Disse auch. Wenn man aber was von Wert schaffen will, braucht es ein meistern der Grundformen. Wenn ich in Sozialprojekte oder Kirchen schaue, dann fehlen da oft die Basics. Und das merkt man. Da passiert dann immer noch viel Gutes. Aber es wäre sicherlich noch mehr drin gewesen. Wie eben bei Schweini, der dann 2014 in Rio tougher unterwegs war als Rocky Balboa und am Ende den Pokal in den Himmel heben durfte.

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