Eine große Frustquelle in Teams und Führung entdeckt

17 Okt

Kürzlich bin ich irgendwo auf einem Feld zwischen Heidelberg und Schwetzingen auf eine Sternstunde des Managements gestoßen. Ich hatte gerade die letzten 1,5 Tage zusammen mit 11 anderen über unser Team diskutiert. Was läuft, was besser laufen muss usw. Wir hatten einen Change Berater dabei – und der meinte am Ende, er hätte noch was für uns.

Er malte uns ein kleines Diagramm auf und erzählte uns über eine Einsicht von einem gewissen Herrn Tannenbaum. „Eine große Unsicherheit in Organisation,“ so meinte er zur Einführung, „ist die Unklarheit, wie Entscheidungen getroffen werden.“  Ganz links ist der Tannenbaum-1-Style. Autoritär. Der Leiter trifft die Entscheidung und gibt sie bekannt. Französisch, nannte er das auch.

Ganz rechts ist Tannenbaum-7: Demokratie. Alle reden mit und geben ihre Stimme rein. Der Leiter gibt nur die Regeln vor, wie die Demokratie umgesetzt wird. Einfach Mehrheit, absolute Mehrheit, Einstimmigkeit etc.

tannenbaum

Und dazwischen gibt es das Tannenbaum-4 bis Tannenbaum-6. Dort trifft der Leiter jeweils die Entscheidung, bezieht aber das Team unterschiedlich mit ein. Auf T-4 ist fragt er nach Meinungen, nur um nochmal für sich zu checken. Bei T-5 lässt er das Team mitreden, hat aber einen Favoriten. Bei T-6 delegiert er die Entscheidung ans Team und erwartet einen Vorschlag.

„Und dann gibt es noch zwei Stile, die total schlimm sind,“ so meinte unser Berater. „Tannenbaum 2 – das ist wenn der Leiter eine Entscheidung trifft und dann dafür geliebt werden will. Das ist patriarchisch“. Bäng, das hat’s getroffen. Das hatte ich in den letzten Jahren öfter gesehen. Der Leiter setzt seinen Kopf ohne das Team durch (darf er sicherlich), aber dann will er dafür gelobt und gepriesen werden. Wie Kim Jong Il oder Sadam Hussein. Der Leiter herrschaft und gibt das Bild des Gönners. Das hat was zutiefst Destruktives.

Tannenbaum-3 ist dann auch nicht so gut. Der Leiter hat entschieden, aber will durch suggestive Fragen und vorab Stimmungsmache das Feld für sich ebnen.

Später habe ich rausgefunden, dass der Kollege Robert  heißt. Robert Tannenbaum. Und sein Artikel „How to Choose a leadership pattern“ erschien schon 1958 im Harvard Business Review. War mir noch nie unter die Augen gekommen.

Was mich so zum Sternensehen gebracht hat, waren ein paar Dinge, die in der Realität wirklich immer wieder so vorkommen. Es stimmt: wenn die Wege zur Entscheidung nicht klar sind, kommt Frust auf. Ein Leiter muss auch den Weg der Entscheidungsfindung klären. Und dann: ein Leiter kann Entscheidungen nicht von sich schieben. Er muss sie „ownen“. Und schließlich: im christlichen hört man viel vom partizipativen oder „offenen“ Leitungsstil. Das ist sowas wie Tannenbaum 8 – der Leiter ist einfach einer vom Team und moderiert den Prozess. Das macht alles langsam und untergräbt die Fähigkeit, klare Entscheidungen zu treffen.

3 Antworten to “Eine große Frustquelle in Teams und Führung entdeckt”

  1. Bernd 20 Oktober, 2014 um 4:09 pm #

    Was ist denn gegen „langsam“ zu sagen? Sind Kirchen Unternehmen, die schnell auf neue Marktentwicklungen reagieren müssten? Meist sind es doch „Leiter“, die irgendwelche Stürmchen im Wasserglas entfachen wollen (indem sie etwa einen „gefährlichen Stillstand“ behaupten), weil ihnen das Still-Sitzen so unglaublich schwer fällt (viele Unternehmer ja auch).

    Und wenn wirklich mal was „schnell“ entschieden werden muss: warum entscheidet man es dann nicht vorläufig und gestaltet es so, dass man es auch wieder zurück nehmen kann? Und dann bringt man es in ein möglichst großes Forum.

    Und dann dieses „Darf er sicherlich“ … Motto muss doch sein: so wenig 1-Mann-Diktatur wie nur irgendwie möglich! Am Besten gar nicht.

    Eine Gemeinde, die es nicht schafft, zügig möglichst viele mündige Teilhaber an der „Macht“ hervorzubringen, hat doch sowieso einen Fehler in ihrer DNA. Bzw. der auch so tolle Allein-Entscheider-Leiter ist unfähig, Teilhaber heranwachsen zu lassen.

    Nochmal anders gesagt: den Artikel kann man auch so verstehen „Wenn schon 1-Mann-Dikatur, dann bitte ehrlich und offen gesagt“ – was zeigt: Ehrlichkeit allein bringt auch noch nichts.

    Oder war das alles ganz anders gemeint? Dann muss der Kommentar auch gar nicht online gehen – aber der Text vielleicht noch mal überarbeitet werden

    • marlster 21 Oktober, 2014 um 9:51 am #

      Bernd – danke, für den Kommentar und die Auseinandersetzung damit. Es hört sich so an, als würde die Idee eines Entscheiders nicht so gut bei dir sitzen. Ist natürlich schwer, sich über ein Blog über Wahrnehmung und Wertesysteme zu unterhalten.

      Meine Assoziation ist nicht die einer Diktatur wenn ich an Entscheider denke. Kann es natürlich sein. In meiner Beobachtung profitieren Gruppen und Organisationen davon, wenn klar ist, wer Verantwortung und Entscheidungsbefugnis trägt und wie diese ausgeübt wird. Das letzte ist mir klarer geworden – und daher der Post.

      Natürlich gibt es auch Settings, in denen klare Verantwortung und Entscheidungsbefugnisse unangemessen sind. In Familien oder im Freundeskreis sicherlich. Man kann das auch die Gemeinde darunter zählen, wenn sie primär wie eine Familie oder Freundeskreis agieren will.

      Wenn man allerdings was in der Welt bewegen will, oder mehrere Leute koordinieren will, profitiert man von Klarheit. Und für mich ist das Schnelligkeit nicht Ungeduld oder Aktionismus, sondern die Fähigkeit, eine Position zu finden und dann gemeinsam in eine Richtung zu gehen. Natürlich liegt man manchmal falsch, genauso wie langsame Entscheidungen oder NIcht-Entscheidungen manchmal falsch sind.

      Das war mein Gedankengang bei den Zeilen…

      • Bernd 21 Oktober, 2014 um 4:28 pm #

        Was ist denn so dringend in einer Gemeinde? Das möchte ich wirklich mal wissen …

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