Ein Spaziergang mit NT Wright – Teil 5

12 Mai

Auch der schönste Spaziergang neigt sich dem Ende. Nach ein paar Kilometern Reich Gottes, Heiliger Geist, Schönheit, Gerechtigkeit kommen wir jetzt nah ans zuhause: Europa! Was hat der liebe Prof Wright dazu zu sagen?

Europa heute

Was ist Ihre Vision, wie Laien das Reich Gottes ausleben?

In der anglikanischen Kirche sind in den letzten 40 Jahren die Kandidaten fürs Priestertum rapide zurückgegangen. Aber gleichzeitig gibt es sehr viel mehr offizielle Laien in Diensten wie Heilung, pastorale Fürsorge, Ehevorbereitung und Jugenddienst usw. In Durham, wo ich einige Jahre war, haben wir uns sehr darüber gefreut. Das hat den Priestern erlaubt, sich um das Wort und die Sakramente zu kümmern. Wir hatten ein Programm, um Laien zu trainieren, damit sie Leitung mit übernehmen konnten. Wenn es an einem Ort Gläubige gibt, dann wird der Heilige Geist das in die Gemeinschaft hinein legen, was er sehen will. Unsere Aufgabe ist, das zu sehen, zu bestätigen und zu unterstützen.

Haben Sie Hoffnung für die Kirche in Europa?

(lacht). Ganz Europa? Da weiß ich zu wenig. Ich reise hier nicht so viel und  wenn, dann sehe ich eine große Bandbreite. Von großen Kirchen in Frankreich, in die 2-3 Leute zum Gottesdienst gehen. Und dann gibt es sehr lebendige Kirchen.

Ich bin immer hoffnungsvoll. Denn alles, was ich über Gott weiß ist, dass er neue Dinge macht. Vor allem wenn die Leute ihn gerade abgeschrieben haben. Daher ist der schrille Säkularismus, den wir gerade hier in England haben, vielleicht das Vorspiel zu etwas Neuem, das Gott schenkt. Und die Vineyard ist ein Beispiel davon, wie es viel Hoffnung gibt. In Durham waren es die Freikirchen und die Katholiken, die sehr unterstützend waren und dabei waren, als wie neue Bibelkreise starten wollten. Daher gibt es viele Zeichen von Leben. Gott hat Europa noch nicht aufgegeben.

Was erhoffen Sie sich in ihrer Lebzeit in der Kirche?

Natürlich erhoffen wir uns alle, dass große Mengen von Menschen zu Jesus und ernsthaftem Glauben kommen. Einem frischen und relevanten Glauben, der die Welt von Morgen prägt. Nicht dem verwaschenen Glauben und der Stimmung von gestern. Sondern hin zu einer Begeisterung über das, was wirklich in der Bibel steht. Was mich wirklich stresst – hier in St. Andrews sind fast alle graduierten Studenten, die in der Bibel forschen, aus Nordamerika. Wir schaffen es nicht in England und Europa junge Leute so scharf auf die Bibel zu machen, dass sie es gerne studieren und erforschen wollen. Warum das so ist, weiß ich nicht. Vielleicht betonen die jungen, freieren Kirchen nicht so sehr die tiefe, genaue Auslegung der Bibel wie das früher der Fall war.

Zum Schluss: Was wäre Ihr Ratschlag für einen jungen Pastor in Europa?

Ich bin da sehr traditionell. Ich denke, Pastoren müssen hauptsächlich das machen, was Dietrich Bonhoeffer gesagt hat: „ihre Bibel besser und besser und besser zu kennen“ – nicht unbedingt die neuste Forschung, aber vor allem Zeit mit dem Text selbst zu verbringen. Zeit im Studium, Zeit im Gebet für ihr Umfeld und die Welt.  Und dann einfach in die Welt gehen und Menschen lieben. Bibel, Gebet und Liebe für Menschen – darum geht es. Und das schließt ein, die lokale Kultur zu verstehen. Menschen denken, sie kennen sie. Aber die Welt ändert sich rasant. Da gibt es verschieden Wege. Aber die Pastoren müssen die Welt verstehen, um das Evangelium darin zu verkörpern und die Sprache zu sprechen, damit sie klar und ehrlich sein können. Karl Barth sagte – die Bibel in einer Hand und die Zeitung in der anderen. Und mit viel Gebet und Liebe zwischen den zwei Händen

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