Ein Spaziergang mit NT Wright – Teil 3

29 Apr

NT Wright plaudert gerne. Nach 2 Etappen kommen wir hier zur Mitte des Interviews. Es geht um Kunst und Schönheit. Die weichen Themen, die in der harten evangelischen Realität häufig kein Platz haben. Was hat Prof. Wright dazu zu sagen?

Kunst

Betonen Sie daher die Künste so sehr?

Ja, die westliche Kultur generell hat die Künste vernachlässigt. Man sah das wie die schöne Umrahmung am Rande der Gesellschaft. Im Zentrum sollten die nackten Fakten stehen. Aber eigentlich funktionieren wir besser, wenn die Imagination im Zentrum steht. Fakten und Wissenschaft sind wichtig. Aber Menschen brauchen Raum zum Träumen und Vorstellen. Das ist wirklich Aufgabe von einer Theologie für Morgen.

Wie beschreiben Sie die Rolle der Kunst in der lokalen Gemeinde und als Zeugnis für das Reich Gottes?

Wann immer ich darüber in Kirchen gesprochen haben, kam fast jedes Mal danach jemand zu mir und waren teilweise in Tränen und meinten: „ich bin ein Künstler. Ich komm seit Jahren hier in diese Gemeinde. Die Leute sind nett, aber sie verstehen mich nicht. Sie haben mir endlich Worte gegeben für meine Empfingungen“. Viele Kirchen haben Musiker und andere Künstler, aber sie wissen nicht so recht, wie sie mit denen umgehen sollen. Und manche Experimente rufen dann Widerstand hervor. Also gibt es auf beiden Seiten etwas zu tun. Kirchen müssen Künstler unterstützen und fördern. Und Künstler müssen demütig und weise vorgehen, wie sie ihren Beitrag leisten können.

Sie haben auch über Schönheit geschrieben. Warum ist das wichtig in der Kirche?

Schönheit kommt gar nicht so oft in der Bibel vor. Aber in den Psalmen und anderen Passagen, die über die Schöpfung handeln, da gibt es diese Macht und Herrlichkeit und Freude, die mit unserem Wortgebrauch von Schönheit übereinstimmt. In den Psalmen steht, wie Gott den Anfang und das Ende des Tages machte, um ihn zu loben (Ps 65). Das Licht ist besonders an diesen Zeiten. Und irgendwie preist diese Schönheit Gott und lädt uns ein, mitzumachen. Viele Christen mögen wahrscheinlich einen schönen Sonnenuntergang oder ein schönes Lied, aber sie haben nicht die Verbindung gemacht. Wenn sie durch die Schönheit gute Gefühle haben, inspiriert werden, Erinnerungen gerufen werden oder sich stresst löst – dann ist das weil Gott uns so gemacht hat. Daher sollten wir auch schöne Dinge machen – weil Gott schöne Dinge macht und sie wieder so machen wird. Und wenn wir mitmachen in seinem Projekt, dann haben wir Sehnsucht nach der vollen Schönheit, die eines Tages wieder kommen wird.

Haben Sie Beispiele dafür?

Absolut. Als Musiker bin ich von Händel und Bach inspiriert. Händels Messias und Bachs Matthäuspassion haben Millionen von Leuten Dinge über den Glauben vermittelt, was viele Theologien und Predigten nicht in der Lage waren. Denn die Musik hat das klarer gesagt und zu einer viel tieferen Ebene der Persönlichkeit als das der Intellekt kann. Auch in der Matlerie kann man das sehen. Meine Frau war vor ein paar Jahren in Rom und hat alle Caravaggios angeschaut und wie dort die Facetten des Glaubens vermittelt wurden. Da gibt es Ebenen, die rationale Worte nie berühren können.

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