Good revival vs bad revival – mein neuer Traum

16 Nov

Als ich in den 90ern Christ wurde, hat mich eine Welle von kleinen, schlecht designeten Büchern gepackt. Es waren Stories von Erlebnissen aus den 1700ern und danach als Leute zu Gott beteten und erstaunliche Dinge passierten. Rees Howells, Jonathan Edwards, Charles Finney – die waren die Stars der „Erweckungs“-Lektüre. Ich fand es superinteressant, dass so viel passiert, wenn man betet. Ich habe gebetet – und gehofft, dass wir Erweckung erlebten.

Ich war nicht der einzige. In der charismatischen Welle der 90er waren viele Highlights, die diese „es passiert Außergewöhnliches“ Stimmung hatten. Ich fand’s toll – und etwas komisch. Mir ist aufgefallen, dass neben einer guten Party und vielen Highlights vieles so blieb wie immer. Die komischen Leute waren noch komisch. Die Kranken immer noch krank. Und in der Summe waren es die etwas komischen Leute, die sich gehäuft in diesen Kreisen aufhielten. Glaubwürdigkeit war gering.

Reinhold hat dann vor ein paar Jahren einen tollen Artikel geschrieben, der mir aus dem Herzen gesprochen hat. Anstatt auf die Flucht ins Außergewöhnliche zu setzen, will ich lieber das Zeug im Alltag umsetzen. Und dennoch habe ich die Sehnsucht, dass was geht – dass Leute Gott kennen lernen, dass Güte durch unsere Straßen fließt.

Jetzt bin ich bei Dave und dem blauen Ozean über eine Unterscheidung zwischen guten und schlechten Erweckungen gestoßen, die für mich sehr hilfreich war. Sie hat meine Träume reaktiviert.

Die von mir genannten Erweckungsgeschichten waren von der schlechten Sorte. Wenn man deren Botschaft anschaut, dann sagten sie, Menschen sollten sich am Riemen reißen und heiliger leben. Durch diese Hinkehr zu Gott kehrten sie sich von ihren Sünden und dem alten Leben ab. Die Botschaft war wie in 2. Chr 7,14: „und mein Volk sich demütigt, das nach meinem Namen genannt ist, daß sie beten und mein Angesicht suchen und sich von ihren bösen Wegen bekehren werden: so will ich vom Himmel hören und ihre Sünde vergeben und ihr Land heilen. “.

Die implizite Botschaft war: „mach schon und hab deinen Akt zusammen, lieber Christ. Die Welt ist Schrott und steht gegen Gott. Wenn du ernsthaft bist, dann machst du ganze Sache.“ Es war ein Fokus auf Absagen – ein großes Nein, das ausgesprochen wurde.

Und Leute ließen sich drauf ein. Und es funktioniert – wenigstens für eine Weile. Es trennt natürlich auch. Und wendet die Leute von der Welt ab. Genau das, was mich genervt hat. Der Alltag, das normale, die Welt wird eher zum Problem als zum Weg. Das war das schlechte an den schlechten Erweckungen.

Hier nun der Hoffnungsschimmer: die guten Erweckungen. Franz von Assisi ist der Vorreiter davon. Der liebe Franz hatte eine Vision von Jesus und hat daraufhin alles hinter sich gelassen und ist diesem Jesus gefolgt. Seine ganze Story ist voller Freude, Offenheit für das Leben und Wertschätzung von Schönheit. Anstatt Nein zu sagen, sagt er ein großes Ja. Er unterteilt Leute nicht in die drinnen und draußen, sondern fokussierte auf die Schönheit und Freude von Jesus. Für ihn gab es keine „säkulare Welt“ oder Fluchttendenzen, sondern es war „Bruder Sonne, Schwester Mond“.

Die Gesellschaft fand das wahrscheinlich auch besser. In der Interaktion mit diesen geistlichen Impulsen von Franz und seinen Leuten, erblühte Italien in einer Renaissance und der Kirche wurde langfristig neues Leben eingehaucht. Es war eine Centered-Set Erweckung, statt einer Bounded-Set Nummer.

good revival bad revival

Wenn man die Unterscheidungen noch klarer verstehen will, dann kann man auch die Stufen-Theorie anschauen.  Wer auf Stufe 2 bei den Regeln ist, der will Sicherheit und Antworten. Das ist auf der Heiligkeits-Erweckung ganz groß. Viele Kirchen heute geben noch immer vor, alles zu wissen. Vor allem solche, die Leute in gut und böse trennen, und zu Heiligkeit auffordern. In der Stufe 4 (Reinheit) geht es primär um Fragen. Die Welt ist größer als jeder, die Wahrheit auch. Wir befinden uns auf einer lebenslangen Reise durch das Wunder der Welt. Auf Stufe 2 ist Sicherheit ein großes Thema, Vorhersagbarkeit und Klarheit. Man hat klare Grenzen, verteidigt Positionen und weiß es. Auf Stufe 4 ist Offenheit ein großes Thema, Herausforderung und Vertrauen. Man lebt auf einer Reise und schätzt die direkte Connection zu Jesus.

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Bei einer Franz- Erweckung bin ich dabei. Mir war diese Unterscheidung hilfreich, weil sie erklärt, was ich an der durchaus beeindruckenden Erweckungslektüre als quälenden Beigeschmack empfinde. Seit Dave das formuliert hat, ist mein Hunger wieder da, etwas Großes in meiner Lebzeit zu sehen. Eine Stufe-4 – wir-lieben-die-Welt – Erweckung. Dafür bete ich. Davon träume ich.

Dazu treffe ich mich mit einigen Freunden, die ähnlich träume haben. Dave wird uns inspirieren, wir werden unsere Erfahrungen austauschen. Wir wollen Glaube als Reise verstehen. Wir wollen die Connection zu Jesus beten – Gebete, innere Reise, seine Stimme hören. Wir wollen Jesus als praktisch und hilfreich für alle Menschen präsentieren. Wir wollen die ganzen Aussagen über Gott testen. Wir wollen lernen.

5 Antworten to “Good revival vs bad revival – mein neuer Traum”

  1. Violine 16 November, 2013 um 1:22 pm #

    Diese komische Heiligkeit, das habe ich auch erlebt. Völlig, aber wirklich völlig, am Leben vorbei. Und damit auch an Gott, wenn man mich fragt. Ich sage immer: Der Scheinheiligenschein. Oder gestern im Ladies Club: Die Idylle, unter der viel Gewalt stattfindet.
    Ich denke, Du weisst, was mich mit letzterem meine, denn die komischen Leute, die Du eingangs erwähnst, sind oft Leute mit gehörig Schlagseite, oft ein tiefsitzendes Trauma, mit dem auf die erstaunlichsten Arten umgegangen wird, die alle nicht zielführend sind.

    Mich selbst interessieren die Jesuiten. Ich habe vor einigen Jahren Friedhelm Hengsbach SJ, einen der führenden Sozialethiker Deutschlands, bei einer Veranstaltung in der Heiliggeistkirche in HD erlebt. Sehr überzeugend. (Er lebt übrigens in der Kommunität in LU.)
    Dann ist der Sohn meiner verstorbenen Cousine seit 2003 Jesuit.

    Also habe ich mich mehr mit den Jesuiten beschäftigt, zum Beispiel mit Alfred Delp, Mitglied im Kreisauer Kreis und von den Nazis hingerichtet. In einer Biographie über ihn habe ich gelesen, dass er für die Hinwendung zu den Menschen war, in allen ihren Nöten. Er wollte bei ihnen bleiben, in ihren Nöten, und ihnen beistehen.

    Jetzt der Dreh zu jemand anderem: Ich werde Dir irgendwann vom Dirigenten meines alten Orchesters erzählen müssen. Du wirst begeistert sein. Christlich durch und durch, ein ganz lieber Kerl, der seinen Menschen gerne ein Licht in ihre Welt bringt, aus Liebe zu ihnen heraus. Und schwer beeindruckend, was er aus den Schwierigkeiten in seinem Leben macht. Er hatte ganz, ganz schlimme, daran kann man auch zerbrechen.
    Mein absoluter Held und mein ganz grosses Vorbild.

  2. k. (@k_lora) 19 November, 2013 um 8:50 pm #

    nach meiner ansicht hilft es nicht, zwei schubladen aufzumachen, und die eine „gut“, die andere „schlecht“ zu nennen. das wird weder dem neu-ersehnten weg in die zukunft noch den erfahrungen der vergangenheit gerecht. heiligkeit birgt ja nicht nur das abgesondert sein von der welt in sich, sondern auch das ausgesondert sein für die welt. was es heißt alltagsrelevant glauben zu leben, in heiligkeit mit freude und echter liebe und ohne falsche abgrenzungtendenzen, dass ist eher die frage, die sich mir stellt. ich möchte da nicht das eine gegen das andere ausspielen.
    was ich außerdem nicht verstehe, ist dass franz von assissi als vorbild für das „gute in die welt“ gehen dient. sein leben in armut und buße ist doch abgrenzung par excellence. taugt bestimmt als vorbild, aber in einer ganz anderen richtung😉

    • marlster 20 November, 2013 um 8:05 am #

      @k – ja, stimmt. Die gut-schlecht Unterscheidung ist etwas grob und nicht sehr offen. guter Punkt.

      Abgrenzung bei Franz – auch schöner Punkt. Der geht öfter mal unter und habe ich jetzt auch nicht so klar auf dem Radar gehabt. Danke für den Kommentar. Vielleicht ist eine Unterscheidung die moralische Ebene – die Heiligkeitsnummer zieht mit Moral auf generelles Verhalten und urteilt auch gerne. die Abstinenz kommt mir eher persönlich und zweckgebunden daher. Wahrscheinlich gibt es aber Misstände in allen Richtungen.

      • k. (@k_lora) 20 November, 2013 um 2:39 pm #

        @marlster: das stimmt schon: geforderte heiligkeit und moral haben sehr häufig eine starke spur des sich überhebens über andere in sich, in der regel indem anprangert wird, dass diese anderen sich nicht den eigenen „heiligen“ ansprüchen gemäß verhalten. (das führt ja oft vor allem zur inner-kirchlichen trennung, ganz abgesehen von der welt, von der man sich ja eh abzusondern hat.) da verstehe ich gut dein ungutes gefühl.
        nietzsche ging jedenfalls soweit, zu sagen, dass sich die frommen durch die moral zu einem gewissen grad selbst eitel vergöttern (hier zitiert: http://posterous.kauda.de/?p=52557105). und ich denke, dass man sich diesen kritischen gedanken in sachen heiligkeit & moral in jedem fall prüfend stellen sollte.

  3. marlster 20 November, 2013 um 3:38 pm #

    @k. – wow, guter Link. Habe ich noch nicht in diesem Licht gesehen, stimmt aber mit meiner eigenen Erfahrung und Beobachtung überein. Sehr cool.

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