Weitere Erfahrungen mit Missional

16 Aug

Wenn Freunde mal für eine gewisse Zeit nur wenig Kontakt gehabt haben, kann eine erneute Begegnung sehr erfrischend sein. So hatten Marlin und ich  ein paar Monate seit der letzten Konferenz kaum Gelegenheiten, zu sprechen. Umso inspirierender war der erneute Kontakt. Was hatte sich seitdem getan? Was läuft und wie geht es weiter?

Und es passte grad auch gut, denn Marlin hat nach 5 Jahren einen Zwischenstand zu seinen missionalen Erfahrungen geschrieben – und bat mich, ergänzend aus unseren Erfahrungen (SAIKU) zu berichten. Also – here we go:

Was haben wir erreicht? 

  • Ein wesentlicher Punkt sind sicher die über nun 6-7 Jahre gewachsenen Beziehungen. Organisch fühlt sich oftmals eher wie Familie an. Zugehörigkeit auf Grund von Gemeinsamkeiten, nicht weil wir zu einer Organisation gehören wollen.
  • Es gab viele neue Projekte, neue Programme, neue Bands, neue Songs, neue Filme, neue Businesses, neue Produktionen usw. These: Missional ist vielleicht etwas freier – daher mehr Freiraum für Kreativität.
  • Menschen sind mit dem Glauben in Berührung gekommen. Aber wirklich quantitativ können wir im missionalen Umfeld nicht messen. Wir haben zwar auch getauft, Kinder gesegnet, Menschen aus unserem Kreis verabschiedet und getrauert, aber dass ist es nicht, was zählt. Als wir eine auch noch medial viel beachtete Trauerfeier gestalten mussten, konnten wir feststellen: in diesem Moment passte zwischen die Einzelnen aus unserer Gemeinschaft kein Stück Papier. Diese Momente des Zusammenhalts sind es immer wieder gewesen, die mich bewegt haben. Wenn wir auf Reisen waren, haben uns die Leute immer wieder gefragt: „Und Ihr lebt alle zusammen oder wie..?“. Das wirklich das Schöne und auch Herausfordernde: Missional ist eher Familie, als Organisation.
  • Wir haben viele Kooperationen und ein großes Netzwerk in der Stadt bauen können. Egal ob Clubs, Konzertveranstalter, Cafés, Diakonie, Katholiken, Landeskirche, … unser Name und unser Anliegen ist dort ganz gut bekannt und wir bekommen gutes Feedback.

Was war schwierig: 

  • Kreative, offene, organische und lebendige Gemeinschaften zeichnen sich nicht immer durch hohe Verbindlichkeit, Termintreue, usw aus.
  • Zudem ist es oftmals sehr wild und gefühlt oft eher ein Fuzzy Set als ein klares Centered Set. Du hast es sehr direkt mit allen möglichen Menschen zu tun, so auch welche, die mal in Kirche aktiv waren und nun die Institution ablehnen, Missbrauch gesehen haben und irgendwie mit Kirche „durch sind“. Dennoch lieben sie Jesus sehr innig. Auf der anderen Seite sind da Menschen die Jesus und Christsein erst kennen lernen und wiederum Menschen, die das Kreative suchen. Manche wünschen sich mehr Offenheit, andere suchen auch im Organischen die Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und Stabilität. Alle gemeinsam wissen: in etablierten Kirchen ist es oftmals schwierig, so eine lebendig-kreativ-innovative und familiäre Gemeinschaft zu finden und zu leben, die mit einem klaren Fokus nach aussen lebt.

Welche Herausforderungen bleiben:

  • Leiterschaft in missionalen Gemeinschaften ist fortwährend eine Diskussion, Frage und immer währende Herausforderung. Also wie stark leitet jemand, wer leitet überhaupt, mit welcher Berechtigung (in einer Familie) und wenn ja, mit welchen Qualifikationen. Also was ist missionale Leiterschaft? Sicherlich ein eigener Blogbeitrag wert oder auch ein ganzes Buch-füllend.
  • Wie erreichen wir signifikant Menschen? Wie können wir messen, ob wir das Richtige richtig tun? Gibt es dazu überhaupt Gewissheit? Was wären Kennziffern?
  • Wie sieht Jüngerschaft im missionalen Umfeld aus? Nur Beziehungen? Oder auch durch missionale „Programme“? Haben wir dann evtl. nur den „Style“ verändert und machen am Ende doch Glaubenskurse, Events und Angebote, also absenderorientierte Programme, die dann fast wieder „institutioneller“ Art sind?
  • … es gäbe noch so viel mehr🙂

Wo stehen wir jetzt persönlich: 

Uns hat nie aufgehört, die Frage nach dem „wie erreichen wir die Stadt und die vielen Menschen, die Kirchen-distanziert sind“ zu bewegen. Wie schaffen wir eine klar wahrnehmbare, geistliche, Jesus-zentrierte Identität in unserer Mitte? Wie können wir Kirche weiter entwickeln, weit abseits des frommen Ghettos ohne kulturell zu verschwimmen? Und wie können neue Ideen, neue Konzepte wieder in die Kirche zurück geben?

Dies hat uns fast wieder zu einem klassischen Ansatz bewegt. Aus Lobpreis Events sind nicht nur viele eigene Songs entstanden, sondern auch eine Gemeinschaft, die das Gottesdienst-ähnliche, die klare Form, auch das Liturgische und ganz vor allem das Verlässliche bewusst sucht.

Quarterly_mini2

Dabei sind auch Menschen, die das letzte Mal mit Kirche bei der Konfirmation zu tun hatten und sich bereits nach kurzer Zeit bei uns „zu Hause“ fühlen. Es begann ganz organisch, zunächst als quartalsweise angedachtes Event und mittlerweile sind wir bei fast wöchentlichen Gottesdiensten – eher von der moderner Art.  Man könnte fast sagen, attraktional und dennoch ist die missionale Gemeinschaft der Träger und Ausgangspunkt. Die Kombination dieser Welten gibt auch unseren weiteren Projekten wie Diakonie, Benefiz etc. erstaunlich viel Aufwind. Zudem erhält die Gemeinschaft zum Ersten mal einen klar definierten Glaubens- und Werte-Rahmen – im Sinne eines „Großen Ganzen“. Zudem können wir hier recht frei Ökumene leben, ohne dass es ein explizites ökumenisches Projekt ist. Wir arbeiten hier viel mit katholischen Geschwistern und der Landeskirche zusammen, ohne dass wir unseren Glauben verwaschen. Klar ist: ohne die Gemeinschaft – gäbe es kein Projekt. Konkret entsteht jetzt eine gemeinsame Lobpreis Produktion, mit samt Glaubensbekenntnis und Vater unser.

Schauen wir – mal sehen, wo uns das hinführt… ich bin gespannt, wie wir das Missionale bewahren können. Erfahrungen von Euch sind mehr als willkommen!

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