Erfolg im Chaos

19 Mrz

Warum schafft es eine Expedition an Nordpol und zurück – und die andere Expedition geht drauf? Diese Frage stellt Jim Collins in seinem neuen Buch Great by Choice. Er fragt, warum manche Organisation in schwierigen Umständen Erfolg haben, während andere drauf gehen.  Es ist eine faszinierende Studie über Chaos und unsere Navigation darin.

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Jim Collins schreibt seit einigen Jahren über den Aufstieg und Niedergang von Firmen. Dabei sucht er stets nach historischen Paarungen und was die Erfolgreichen von den Gescheiterten unterscheidet. Und so ist die Methode auch in Great by Choice bekannt – wie können manche Firmen in Veränderung, Chaos, Unsicherheit und Risiko aufblühen und andere nicht?

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Dazu zeigt Collins ein Dreick. Ja, ein Dreieck. Ich weiß, Dreiecke sind überstrapaziert. Aber hier ist die gesamte Idee, die Collins auf seinen Studien entdeckt hat: Erfolg-im-Chaos-Navigatoren legen eine fanatische Disziplin an den Tag; sie bauen auf zahlenbasiert Kreativität; sie verschreiben sich einer produktiven Paranoia und haben das alles mit einer gesunden Ambition gepaart. Das ging wohl etwas schnell. Hier ist eine Erklärung:

Fanatische Disziplin klingt etwas preußisch. Collins untersucht die Expedition zum Nordpol von zwei Teams. Das eine machte sich einen Plan und ging dann aber auf die Umstände ein. Wenn das Wetter gut war, wurde weit gelaufen. Wenn es schlecht war, auch mal gar nicht. Daraus ergab sich keine Konstanz und das Team setzte sich großen Gefahren aus – an denen sie letztlich scheiterten und mit ihrem Leben bezahlten. Das andere Team machte sich einen Plan, jeden Tag 20 Meilen zu laufen. Und das taten sie auch. An guten Tagen. Und an schlechten. Sie zügelten sich und zwangen sich. Das ist Disziplin. Und das ist wichtig, um im Chaos einen Weg zu finden. Diese Disziplin führt zu Selbstbewusstsein, in schwieriger Situation zu bestehen. Diese Disziplin reduziert die Gefahr vor übergroßen Beanspruchungen. Diese Disziplin führt Selbstkontrolle in einem Umfeld von Kontrollverlust ein. Disziplin hilft!

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Empirische Kreativität klingt erst mal nach gar nichts. Collins meint damit, dass die Chaos-Champions zunächst auf kleiner Skala Versuche unternommen haben, um Ideen zu testen. Erst dann haben sie richtig einen rausgehauen. Dagegen sind die Chaos-Versager gleich mit vollen Einsatz einer Idee nach gerannt. Kanonenkugeln sind das für Collins. Viel Risiko, hohe Kosten, viel Aufmerksamkeit – mit großem Einsatz Dinge probieren scheint zwar mutig. Aber mit der Zeit bringt es die Organisation in Gefahr. Die Chaos-Champions haben erst mal kleine Kugeln geschossen. Die haben einfach viel probiert, aber auf kleiner Flamme. Dann haben sie sich angeschaut, was funktioniert. Und dann haben sie erst Kanonenkugeln nachgelegt. Erst empirisch (schauen, was geht), dann der große Wurf. Eine klare Unterscheidung zwischen Erfolgreichen und den anderen.

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Produktive Paranoia hört sich an wie Bill Gates. Bingo – so ist das auch. Chaos-Champions haben gelernt, in allen Situation sich nicht auf ihren Lorbeeren auszuruhen. Wenn Collins deutsch wäre, hätte er diesen Punkt wohl den Matthias-Sammer-Faktor genannt. Der warnt sogar vor Gefahr wenn Bayern die Champions League gewinnt. Aber so sind die Chaos-Champions. Weil man eben nicht weiß, was so kommt, muss man immer auf der Hut sein. Das heißt vor allem drei Dinge: 1) immer einen finanziellen Puffer mit einbauen und nie zu nahe an der Nulllinie zu sein, 2) Risiken immer krass limitieren, indem man keine gefährlichen Sachen eingeht, keine die unverhältnismäßig negativ ausgehen können, und die nicht kontrollierbar sind. 3) eine beständige Dynamik zwischen Tagesgeschäft und langfristigen Trends zu haben. Denn einerseits muss der Laden laufen und Pläne müssen umgesetzt werden; andererseits hilft es nicht, wenn die Pläne ins Leere laufen und nicht mehr in die Realität passen. Frag mal Kodak wie das ist.

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Gesunde Ambition – das ist der letzte Faktor. Wie so häufig wird das Schicksal von den führenden Personen entschieden. Dort hat Collins schon länger eine Idee aufgetischt: den Level-5-Leader. Das sind Leiter, die mobilisieren können und gleichzeitig aus dem Weg gehen. Es ist die Kombi von persönlicher Demut und stählernem Willen.

Das waren die 4 Ideen von Jim Collins, um im Chaos erfolgreich zu sein. Viel ist gesunder Menschenverstand (der leider zu selten anzufinden ist). Einiges hört sich nach guter alter deutscher Schule an, klingt wie ein Lob an die Disziplin. Aber hey, Deutschland ist grade wieder en vogue. Wie immer schreibt Collins sehr animiert und anschaulich. Mir hilft das Buch, die einfachen Dinge nicht aus dem Blick zu lassen. Mir hilft es, langfristig zu schauen und mich auf einen langen Marsch einzustellen. Mir macht es Mut, dass man nicht übers Wasser laufen können muss, um in dieser chaotischen Welt etwas zu bewirken.

2 Antworten to “Erfolg im Chaos”

  1. easyfisch 29 April, 2013 um 9:11 am #

    Hallo zusammen
    Sehr spannender Beitrag.
    Der Punkt „Produktive Paranoia“ tanz für mich etwas aus der Reihe, verstehe ihn vielleicht auch einfach nur falsch.
    Die „Produktive Paranoia“ würde im Beispiel vom Nordpol gegen die „Fanatische Disziplin“ sprechen und die Gruppe wie die gescheiterte an schlechten Tagen rasten lassen oder muss die „fanatische Dsiziplin“ eine „mutige fanatische Disziplin“ sein?-)
    Gruss&Segen

  2. marlster 29 April, 2013 um 3:16 pm #

    also, „produktive paranoia“ heißt, dass man sich beständig verbessert. Bevor man es muss. eine ständige Suche nach Optimierung und Innovation, nie die Zügel schleifen lassen.

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