Investieren in die nächste Generation – was Sammer, Zwanziger und Bierhoff zauberten

12 Okt

Nach einem Plädoyer für ein strategisches Investment in die nächste Generation und ein paar Zeilen über General Electric hier ein kurzer Abriss wie das Abseits der Wirtschaftläuft. Im Sport. In unserem Lieblingssport. Was der DFB uns über die Entwicklung einer nächsten Generation lehren kann.

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1990 war das Highlight für den deutschen Fußball. Franz Beckenbauer marschierte legendenhaft im Mittelkreis im Römer Fußballstadion und Brehme, Matthäus und Co. regierten die Fußballwelt. In einer Pressekonferenz einige Tage später machte Kaiser Franz eine mutige Vorhersage: „Auf Jahre hin wird diese deutsche Mannschaft den internationalen Fußball dominieren“. Und was passierte dann?

1992, EM – Zweiter

1994, WM – Aus im Viertelfinale

1996, EM – Europameister

1998, WM – Aus im Viertelfinale

2000, EM – Aus in der Vorrunde

Es war das schlechteste Jahrzehnt des deutschen Fußballs seit 50 Jahren. Die Dominanzansage war ein Rohrkrepierer – wie die Österreicher sagen würden. Die EM 1996 hat gezeigt, dass die Mannen schon kicken konnten. Aber trotz dem erstaunlichen Team ging wenig.

Das Desaster führte zu kurzen Amtszeiten für Bundestrainer und irgendwann kam der DFB zur Einsicht, dass man einen Zug verpasst hatte. Während Frankreich, Portugal und Tschechien goldene Generationen vorzeigen konnten, wirkte der deutsche Fußball wie eine Altherrenmannschaft. Lothar Matthäus stand schon unter Denkmalschutz und Christian Wörns… naja.

„Wir Deutsche tanzen wie Kühlschränke“ war eine Schlagzeile, eine andere: „Spott über den Dinosaurus Germanicus“.

Als die Herren vom DFB tagten gestanden sie sich ein, einen wesentlichen Aspekt verpasst zu haben: die Förderung von jungen Leuten. Sie hatten die Erneuerung verpasst. Sie waren so überzeugt von ihren Dominanzattitüden, dass keiner die Förderung der nächsten Generation im Sinn hatte.

Und organisiert wie wir Deutschen sind, gab es eine strukturelle Lösung: eine Task-Force zur Jugendförderung. Deren erstes Ergebnis war die Einrichtung von Leistungszentren zur Förderung von jungen Spielern, sowie Konzepte für bessere Trainingsarbeit. Wer morgen gewinnen will, muss heute in morgen investieren. Und das tat der DFB.

Dabei war der DFB nicht der erste, der diese Idee hat. Seit 1979 hat der FC Barcelona ein Förderprogramm in seiner La Masia (dt: Landhaus)-Talentschmiede. Bereits damals hat man junge Talent gesichtet und sie eingeladen, vor allem ihre Technik zu verfeinern. Das Resultat ist jedem klar: der FC Barcelona ist der beste Verein der Welt. Er hat ein Ziel, 50% seines Kaders aus der eigenen Jugend zu bekommen (was sie locker erreichen). Bei der letzten Wahl zum Weltfussballer standen drei Spieler aus La Masia zur engeren Wahl: Lionel Messi, Xavi und Andres Iniesta. Beim WM-Finale 2010 waren 9 Spieler der Spanier aus La Masia, dabei standen 6 davon in der Startformation.

Als beim DFB die Leistungszentren Anfang 2000 entstanden war noch unklar, welche Wirkung sie haben werden. Aber wenn man sich die deutsche Nationalmannschaft dieser Tage anschaut ist die Wirkung sehr klar. Wir haben 2011 gegen Brasilien und die Niederlande gewonnen. Die anderen Nationen orientieren sich am „deutschen Modell“. Die Ergebnisse:

2006, WM – Dritter

2008, EM – Zweiter

2010, WM – Dritter

2012, EM – Dritter

Dies war der 3. Teil der Serie über Personalentwicklung. Davor gab es Teil 2 und – logischerweise – Teil 1.

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