Investieren in die nächste Generation – ein Plädoyer

25 Sep

Wenn meine Kinder mich nach meinem Beruf fragen ist das immer ein schwieriges Gespräch. Nicht, dass ich im Zwielicht unterwegs bin oder Angst habe, irgendwann von der CIA aufgeschnappt zu werden. Ich bin Personaler. Lange Jahre war ich in der Personalentwicklung. Für die Kinder lautet die Antwort meistens: „Ich bin so was wie Fußballtrainer“. Das beendet das Gespräch.

Kürzlich habe ich ein Paper verfasst, warum eine Organisation Personalentwicklung braucht. Und wie man so was angeht. Hier will ich in 3 Teilen meine Gedanken teilen. Voila…

———

Eine der größten Herausforderungen für jede Organisation ist das Finden von Menschen mit Leitungspotential. Wenn Führung in allen Bereichen stark ist, dann ist die Organisation stark und kann gut funktionieren. Wenn Führung schwach ist oder in Bereichen fehlt, dann müssen die Hauptleiter immer mehr schultern und sind in ihrer Wirkungsweise limitiert. Die Entwicklung von Führung kann aber gefördert werden.

Über die letzten 50 Jahre haben Firmen Unsummen in die Führungsentwicklung gesteckt, weil sie wissen, dass sie ohne gute Leiter auf allen Ebenen nicht überleben können. General Electric wird häufig als Beispiel herangezogen. Deren Vorstand Jack Welch sagte einst: „Egal wie viele Stunden am Tag, egal wie viel Aktivität im Jahr – man kann gar nicht genug mit der Diskussion von Leuten und ihrer Entwicklung verbringen“. Das Resultat? GE hat die Entwicklung von Führung systematisch vorangetrieben. Als Welch ins Rentenalter kam, gab es 4 Nachfolger – einer (Jeff Immelt) füllte die Position von Welch erfolgreich und die drei anderen gingen zu anderen namenhaften Unternehmen als Vorstände (L Bossidy bei Honeywell, J McNearny bei Boeing, R Nardelli bei The Home Depot).

Dave Kraft ist für Führungsentwicklung in der Mars Hill Church in Seattle zuständig und war über 38 Jahre bei den Navigatoren. Sein Fazit? „Heute schreit jeder: ‚Wir brauchen mehr Leiter!‘ Aber die Haltung scheint, dass man hofft und betet und diese göttlichen, motivierten, befähigenden Leiter magisch irgendwo herkommen sollen und einsatzbereit sind. Die Realität ist aber, dass die aktuellen Leiter mehr Zeit reservieren müssen, um die Leiter der Zukunft zu prägen.“ Er gibt den heutigen Leitern eine klare Aufgabe mit auf den Weg:

„Der Grund, warum wir heute einen Mangel an Leitern haben liegt daran, dass die meisten Leiter zu wenig Zeit mit der Entwicklung von Leitern verbringen. Nur wenn die aktuellen Leiter zu Entwicklern werden, werden unsere Bewegungen genügend Leiter mit der richtigen DNA haben, um einen Unterschied für Jesus zu machen. Die beste Art, eine Organisation zu prägen, ist der Fokus auf Entwicklung von Führungskräften… Der größte Ruf für Leiter und seine größte langfristige Wirkung ist das Finden und Entwickeln von Leitern. Moses hatte Josua, Elia hatte Elisa, Paulus hatte Timotheus, Jesus hatte die Zwölf. Ich dränge dich als Leiter, dass du nimmst wer du bist und das, was du gelernt und erfahren hast, und dass du es in Leiter mit Potential und Einfluss auf persönliche Art investierst.“

Schon länger als Firmen sind Kirchen dran, Leiter auszubilden. Jede Bewegung wächst so weit, wie Dinge geführt werden können. Ob Jugend mit einer Mission oder die Methodisten, ob die Jesuiten oder die Klosterbewegung – sie alle hatten bewusste Ansätze, um ihre Führungskapazität zu erweitern und in die nächste Generation zu investieren.

Im Teil 2 folgt ein Beispiel von General Electric, gefolgt vom DFB in Teil 3

5 Antworten to “Investieren in die nächste Generation – ein Plädoyer”

  1. Martin 27 September, 2012 um 4:03 am #

    Ich habe da so meine Zweifel, was wahrscheinlich auch daran liegt, das meine Idee von Kirche sich ziemlich von Deiner unterscheidet. Erstmal kriege ich immer Bauchschmerzen, wenn Kirchen mit Wirtschaftsunternehmen verglich werden, denn ich kann da leider keine Gemeinsamkeiten entdecken, die einen Vergleich rechtfertigen würden. Ich finde es höchst problematisch, dass grade in den letzten Jahren in Kirchen die Betonung immer mehr auf dieses Konstrukt der „Leiterschaft“ gelegt wird. Ich glaube immer noch an die Priesterschaft aller Gläubigen und meiner Erfahrung in verschiedenen Kirchen nach wird grade bei dieser Konzentration die eigene Kaste perpetuiert, die verhindert, dass eine Partizipation der Gemeindeglieder gefördert wird. Zum anderen konnte ich immerwieder beobachten, dass nur diejenigen gefördert werden, die der Organisation völlig unkritisch gegenüberstehen und, wenn Möglich, Aussehen und Charisma mitbringen. Also so ziemlich das genaus Gegenteil von den Typen, die Jesus sich so ausgesucht hat.

    Meines Erachtens zementiert Personalenrwicklung in Kirchen hierarchische und patriarchalische Strukturen, wobei diese meines Erachtens abgebaut werden sollten, aber das ist wohl ein ganz anderer Ansatz von Kirche, als Du ihn verfolgst.

  2. marlster 27 September, 2012 um 10:18 am #

    @ Martin – danke für den Kommentar. Ich sehe da keinen Widerspruch zwischen Führung und Priesterschaft aller Gläubigen. Gerade das finde ich ein wichtiges Kriterium, um gute Führung zu messen. Mein Ansatz geht auch dahin, genau das zu unterstützen – Personal zu entwickeln. Mal schauen, ob das klappen kann.

  3. easyfisch 7 März, 2013 um 7:16 am #

    Hi zusammen
    Ich habe auch das Gefühl, dass wir bisher die Entwicklung von neuen Leitern (Jüngerschaft) vernachlässigt wurde. Leider kommt oftmals die Entschuldigung in Form von „das hatten wir auch nie“ was für mich aber nicht zählt da die meisten die was veränderten was taten was zuvor noch keiner wagte.
    Danke fürs Teilen deiner Gedanken Marlin, hoffe du kannst uns noch etwas aufzeigen wie man dies gezielt fördern kann.
    Gruss&Segen

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