Istanbulmission

25 Mai

„Merhaba!“ – die Türken grüßen wie die Weltmeister. Ein Küsslein hier, eine Umarmung da – es ist ein herzliches Volk da zwischen Europa und Asien. Über die letzten Tage waren wir von der Vineyard Heidelberg am Bosporus und haben ein paar einheimische Christen kennengelernt.

Ein paar ist gut – so viele gibt es hier gar nicht. Unter 22 Millionen Bewohnern in der Türkei gab es vor 20 Jahren kaum eine Gemeinde wie wir sie kennen. Atatürk mochte Religion nicht – und so verließen fast alle Christen das Land. 3 oder 4 Gemeinden gab es Anfang der 90er. Heute ist Erdogan der Chef im Land und hat zu einem Revival für den Islam geführt. Aber weil die Türken gerne in die EU wollen, haben sie auch ein paar Menschenrechte einhalten müssen.

Aber selbst das ist wackelig. In den letzten Jahren wurden immer wieder Gemeinden enteignet, Christen verlieren ihre Jobs, die Geheimpolizei berichtet den Familien über christliche Aktivitäten um sie sozialem Druck auszusetzen, und Versammlungsrecht wird fast nie für Christen gewährt. Und Baurecht schon gar nicht – und das in einem Land, wo jeder macht was er will.

Hier waren wir also bei Michael und Pieter und einigen eiheimischen Christen. In einem 100.000-Leute Ort sind sie eine Gemeinde von 80 Personen. Und die Gemeinde ist eine von 100 im Land. Trotz der schwierigen Umstände wächst die Anzahl von Christen im Land. Der Gottesdienst war lebendig, interaktiv, echt – so wie man sich das wünscht. Manchmal weiß man nicht, ob jeder im Gottesdienst wegen Gott da ist. Es waren auch schon öfter Undercover-Leute von der Polizei da. Die Telefone der Pastoren werden abgehört. Wenn es in der Gemeinde Zoff gibt, dann weiß der Polizeichef darüber Bescheid. Dieser kennt auch fast die ganze Gemeinde beim Namen. Da wird einem nicht langweilig. Der Weg ist schwierig, aber es gibt einen.

So waren wir nun zu dritt am Bosporus und wollten schauen, ob wir den türkischen Gemeinden „dienen“ können. Eigentlich kommen schon viele Gruppen. Die einen helfen praktisch, andere machen Konferenzen, die anderen wieder kommen zum Erholen. Sicher wissen wir es nicht, aber es scheint, dass die Logik überall ähnlich ist: es läuft über Beziehungen und langfristiges Engagement. Wir sind gespannt, wie Gott uns über die nächsten Jahre führen wird, aber die Vermutung ist groß, dass wir noch öfter im Land der leidenschaftlichen Teetrinker sein werden.

Eine Antwort to “Istanbulmission”

  1. Simon de Vries 25 Mai, 2012 um 3:26 pm #

    Als ich mit einer Gruppe in Istanbul war, haben wir orthodoxe Gemeinden besucht. Das war mir zwar noch fremder als die Vineyard-Spiritualität, aber doch auch eine Bereicherung. Aber eine Woche in Istanbul hat mir dann ehrlich gesagt auch gereicht …

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