die Bild-Revolution – weg mit blah, blah, blah

5 Mrz

Die letzten beiden Bücher von Dan Roam waren Gold wert. Mit einfachen Bildern komplizierte Zusammenhänge ausdrücken – das ist der Ansatz von The Back of the Napkin. Auf einer Serviette lässt sich fast alles erklären. Das bestätigt die Annahme, dass Beschränkungen gut sind und kreativ machen.

Jetzt kam das dritte Buch von Roam mit dem herrlichen Titel blah, blah, blah. Ja, das ist die Qual heutzutage. Es wird so viel gesagt – man weiß gar nicht mehr, um was es eigentlich geht. Ob es an den vielen Nachrichtensender liegt? Oder an der Vertwitterung unsrer Gesellschaft? Roam startet sein Buch mit einem Blah-Meter – eine einfache Frage, ob ein Gerede eigentlich verständlich ist. Sehr passend. Ich nehme an, bei Politikern oder an deutschen Unis wäre das Urteil wohl vernichtend. Da wird sicher viel Gewichtiges gesagt, aber wenn es kaum einer versteht, was ist dann gewonnen? Und vielleicht ist nicht immer alles nützlich. Ich bin generell misstrauisch, wenn zu viel Wörter mit 4 oder mehr Silben gebraucht werden (wie bei Emergent oder an deutschen Unis).

Harry Frankfurt nannte das mal witzigerweise Bullshit. BS ist für ihn die Unfähigkeit, das Gesagte zu entziffern. In Firmen braucht man eine Nase dafür. Seine Abhandlung über Bullshit beginnt mit einem der klassischsten Sätze überhaupt:

Zu den auffälligsten Merkmalen unserer Kultur gehört die Tatsache, daß es so viel Bullshit gibt. Jeder kennt Bullshit. Und jeder trägt sein Scherflein dazu bei.

Ein Grund für das viele Blah ist sicher politische Korrektheit. Man will niemand an den Karren fahren und redet dann von „Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“ usw, und wird immer unverständlicher. Jemand sagte mal über political correctness:

Die Idee von politischer Korrektheit schiebt manche Themen, manche Ausdrücke und selbst manche Gesten ins Abseits. Was mit einer Offensive für Anstand begann hat uns Haufenweise Konflikte und selbst Zensur gebracht.

Verwischerei ist gefährlich. Blah-blah langweilt nicht nur – es vernebelt den Kopf. Und Dan Roam rettet uns! Mit seinen kurzweiligen Erklärungen zeigt er, wie man klarer und direkter kommunizieren kann. Sein Ansatz ist dabei, Ideen in Bilder zu verwandeln. Also nicht nur von der logischen Wortkette zu kommen, sondern von der mehr ganzheitlichen Sicht von Bildern. Schon häufig hat man gehört, dass ein Bild mehr als 1000 Worte sagt. Warum? Weil man in einem Bild Zusammenhänge viel besser sehen kann als mit Worten.

Wer also Zusammenhänge erklären will, der sollte Dan Roam lesen. Ist ein Gewinn!

5 Antworten to “die Bild-Revolution – weg mit blah, blah, blah”

  1. Arnachie 10 März, 2012 um 2:56 pm #

    Verstehe immer nicht so genau, woher die Polemik gegenüber Emergent rührt. Hab ich was nicht mitbekommen? Ich habe noch nie erlebt, dass bei Emergent abfällig über andere Bewegungen geredet wurde. Ich dachte immer, man zieht im wesentlich am gleichen Strang…

  2. dasaweb 10 März, 2012 um 5:19 pm #

    Die Kritik wird ja mit dem Anhängsel „oder an deutschen Unis“ reichlich unspezifisch, von daher habe ich sie nicht sonderlich ernst genommen (wobei mich der Seitenhieb schon auch etwas erstaunt hat, irgendwie überflüssig in meinen Augen). Und ich liebe Mehralsvierslibenwörter, das bleibt mir völlig unbenommen ;o)

    Verwundert war ich auch über den Gedanken, dass die „Vertwitterung unsrer Gesellschaft“ auch mit Schuld an zu viel blah, blah sein soll. Ich hab die Limitation auf 140 Zeichen bei Twitter immer als kreativitätsfördernd erlebt (wobei mir klar ist, dass sie aus einer technischen Limitation entstanden ist). Das kommt doch eigentlich ziemlich nahe an die Serviette heran, oder?

  3. marlster 11 März, 2012 um 12:11 pm #

    Hey Arne – lies mal die ersten 3 Sätze auf http://emergent-deutschland.de/ auf Wortlänge (4+ Silben).

    1. Satz: 3
    2. Satz: 3
    3. Satz: 4

    Emergent hat viele Vorzüge, aber Einfachheit ist keine davon. Da sind tolle Leute, und super Anliegen. Die einfache, klare Kommunikation verbinde ich jetzt aber nicht damit. Soll kein Dissen sein, eher ein konkretes Beispiel, wie Kommunikation das Anliegen lahm legt. Ich hätte auch ganz allgemein blieben können und nur von deutschen Unis schreiben können.

  4. Arnachie 11 März, 2012 um 12:54 pm #

    Mehreres:
    Mit Emergent: den Satz hätte ich tatsächlich auch so nicht formuliert. Er hat halt wie alle Definitionen etwas sehr gedrängtes. Dennoch verwundert es mich, weil ich dich als einen sehr unpolemischen Menschen erlebe, aber wenn es im weitesten Sinne um „die Intellektuellen“ geht (zu denen du laut meiner Definition sicher auch dazugehören würdest) liest man manchmal durchaus mal einen aggressiveren Ton heraus.

    Mit Twitter habe ich tatsächlich das umgekehrte Problem: die 140 Zeichen Monologe fördern irgendwie das Denken in Punchlines, alles wird zu einer Pointe oder einer Phrase. Ich glaube tatsächlich vieles was sich wie Bullshit anhört, ist keiner. Nur die Leute haben verlernt in größeren Zusammenhängen zu denken. Wenn alles nur noch zu Slogans verkommt und man gewohnt ist, immer mehrere Tabs offen zu haben, verlernt man auch schnell sich die Mühe zu machen lange an einer Fragestellung zu arbeiten und das merke ich selbst bei mir. Während ich das schreibe habe ich schon wieder 1000 andere Dinge im Kopf. Aber natürlich besteht ein großes Problem auch darin, dass es – zum Beispiel in der deutschen Wissenschaftskultur – sehr selten gefördert wird komplex zu denken und die Dinge möglichst verständlich zu kommunizieren.
    Ich wette ja, dass beides möglich sein muss. Und da sind wir tatsächlich bei Bildern. Da ich nicht gut zeichnen kann, muss ich halt auf sprachliche Bilder zurückgreifen. Ich glaube die Metapher oder das Gleichnis ist eine großartige Möglichkeit sowohl komplexe Sachverhalte zu formulieren als auch die Zuhörer „im Herzen“ zu treffen. Leider ist auch das Reden in verständlichen Metaphern etwas, das nicht jedem gegeben ist.

  5. nikolaikohler 29 März, 2012 um 12:52 pm #

    Hi Marlin,

    hab mir aufgrund deiner Lobreden „Blah, blah, blah“ angeschafft und gerade fertig gelesen. Echt nen super Buch. Danke für den Tipp!

    Hab die Methoden gleichmal auf meine Diplomarbeit angewendet und versucht meine Deutung der „Gerechtigkeit Gottes“ zu zeichnen. War richtig hilfreich.

    Ich finde sowieso, dass viele von den Tools für die Arbeit mit Bibeltexten hervorragend geeignet sind. Und fürs Predigen kann man die Forest-Checkliste eigentlich eins zu eins übernehmen.
    Das werde ich gleich mal alles in unserem nächsten Verkündigungsworkshop im Mai einfließen lassen🙂.

    Also: Danke!

    Viele Grüße,
    Niko K.

    P.S.: Bin grad nicht bei Facebook erreichbar, aber über Handy und Mail.

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