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Inno

29 Jan

Willow Creek Deutschland/Schweiz hatte diese Woche zum ersten Mal zu Inno2012 eingeladen und viele kamen.

Willow ist es dabei gelungen, wirklich cross-over junge und alte Vertreter aus Landes- und Freikirche, Bistümern und Gemeinschaften zusammen zu bringen.

In Summe war es ein professionelles Hallen-Setting in der Porsche Arena, wobei es bestimmt deutlich gemütlichere und inspirierendere Adressen gibt – aber Willow Creek war nun ‚eh da’ – nebenan folgte im Anschluss gleich der Leitungskongress nebenan und insoweit lag das Ganze verständlich nahe.

Für uns war es zuweilen wie ein altes Klassentreffen – gute, alte Freunde und ein paar neue Bekanntschaften – gut für´s Netzwerken. Endlich konnte man sich einmal wieder persönlich sehn´- gerade im Zeitalter von Social Networks geht doch viel zu schnell Zeit ins Land, ohne persönliche Begegnung.

Musikalisch freuten wir uns über Flavi, der das Ganze wunderbar mit eigenem Worship unter Vineyard Flagge begleitete. Solo, nur mit Akustikgitarre bewaffnet, verlieh´er dem Ganzen eine schöne und persönliche Stimmung. Sicherlich war das für viele nicht der Mainstream Worship zum mitgehen, aber den gab es später auf dem ungleich größeren Leitungskongress. Ich finde, es passte sehr gut zum Format, muss aber gestehen: Ich bin ein Fan von Flavi und den Jungs.

Und inhaltlich?

Was gab es wirklich Neues und vor allem Innovatives? Ehrlich gesagt, auch nach einigem Austausch mit Freunden:

Nicht ganz so viel.

Ein paar interessante Inputs waren dabei, u.a. stellte Christoph ihr 14×14 Projekt vor. Ein mutiger Ansatz.
Ich hatte mir schon immer mal gewünscht, dass unsere Gemeinde ab und an mal die Türen schließt und einen Zettel in der Art hinhängt: „Macht heute mal selbst was. Euren eigenen Gottesdienst. Zum Beispiel mit Euren Nachbarn, Freunden, Familien …verteilt Brötchen oder schlaft auch mal aus, wenn´s Euch gut tut, wie Ihr mögt!“ Sowas in der Art. Auch Judith erzählte Geschichten für´s Herz. Und Christian – wie erwartet – vom Berlinprojekt und Abendmahlliturgie, Gnadenlehre und dem Evangelium als Zentrum. Peter natürlich vom heiligen Geist als Innovator. Alles wirklich gut und richtig – aber innovativ?

Dabei waren auch recht viele Fragestellungen, die ausgiebig diskutiert wurden, die mich persönlich eher deprimierten als motivierten. Wie zum Beispiel: „Welchen Tee bieten wir Gästen an – außer Roten?“ – „Dürfen wir für neue Churches Werbung machen?“ – „Sollten wir nicht die Menschen da draußen umarmen…?“ und viele weitere grundlegende Fragen, vor allem zur Kommunikation mit „Außenstehenden“ und „der Welt da draußen“, der wir doch „viel mehr mit einem missionalen Lebensstil begegnen müssten“. Oftmals also eher das 1×1 für Gastgeber und Kommunikatoren. Hmm.  Wie sagte neulich ein Pastor: „Wir brauchen einfach mehr Orthopraxis, denn Orthodoxie“. Das kam mir bei Inno2012 wieder in den Sinn.

Und so hätte ich mir persönlich mehr neue, innovative oder einfach mutmachende, frische Ansätze gewünscht. Vielleicht neue Diakonieprojekte, die sich an den aktuellen und kommenden Bedürfnissen, Krankheitsbildern, Abhängigkeiten und gesellschaftlichen Schiefständen unserer Gesellschaft ausrichten. Neue Kreativprojekte, vielleicht neue ganzheitliche Gemeindeprojekte, Berichte aus neuen Gründungsbewegungen (100 in 10, CTCE, …), erfolgreiche oder gescheiterte Fundraisingansätze im Zeitalter von Web x.0, Diskussionen zu den aktuellen Fragen unserer Gesellschaft zu Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit oder oder … aber vielleicht sehe ich das ganze zu sehr aus der eigenen Brille.

Und so muss ich gestehen, kam doch ein kleiner Frust auf, der auch immer wieder auf Inno2012 und dem folgenden Leitungskongress von der Bühne artikuliert wurde: „Wie geht es Kirche und Gemeinde im 21 Jahrhundert im Land der Reformation?“.

Doch nach längerem Sinnieren schlich sich auch ein anderer Gedanke ein: Könnte diese Art von Schmerz nicht auch ein Geburtsschmerz sein – von etwas wirklich Neuem, was zu „seiner“ Zeit kommt und langsam anbricht? Wie geht es Euch damit?

Denn auch eins wurde immer wieder betont: Neben allem Vergänglichen und der Suche nach Neuem: Einige Dinge bleiben, wie sie sind – zum Glück. Die radikale Botschaft von Jesus ist seit 2000 Jahren unverändert – und fordert uns alle jeden Tag wieder von Neuem heraus. Egal ob Innovator, Nostalgiker, Christ oder Sinnsuchender.

Das schenkt dann doch ein wenig Frieden bei all dem Kopfkino und macht Mut weiter zugehen und nicht aufzuhören, Menschen, Themen und Orte zu finden, mit und an denen Gott Neues gebären möchte.

Und der spricht, heute und morgen. Das hat er dann auch auf Inno2012 getan. Ein großes Danke auch für jeden, der zum Abschluss das Abendmahl geteilt hat und im Gebet für andere einstand. Welch´schöne Klassik zum Ende und vielleicht immer noch die größte, unterschätzte Kraft in unserer Gesellschaft.

Danke auch an Willow, die nach über 15 Jahren immer noch nicht müde werden, Impulse in Deutschland zu senden.

Ein paar Impressionen vom Kongress gibt´s hier und bei Rolf.

9 Antworten to “Inno”

  1. Christoph 30 Januar, 2012 um 7:51 am #

    Hi Marlin, hab es ziemlich genau so erlebt wie du. Nett, dort zu sein und alte Freunde und neue interessante Leute kennen zu lernen. Nett auch die lockere und unperfekte, persönliche Stimmung. (Sehr!) nett Flavians Gitarrending. Aber alles insgesamt nicht sehr innovativ.
    Und ja, ich fürchte, sehr viel innovativer sind wir derzeit nicht und anscheinend kennen wir auch niemand, der es ist, sonst hätten wir die Bühne für ihn/sie frei gemacht.
    Für die Zukunft: man könnte die Themen der Plena provokanter und spezifischer stellen. Dann kommt nicht nur das 1×1 raus, das wir schon kennen und können.

    • marlster 30 Januar, 2012 um 12:46 pm #

      @christoph – das war Motoki mit seiner Meinung/Sicht

      • Christoph 1 Februar, 2012 um 7:22 am #

        oh … da muss man aber genau hinschauen, um den autor festzustellen. unter siyach hatte ich bisher nur marlin verbucht.

  2. marlster 30 Januar, 2012 um 12:49 pm #

    Motoki – danke für die Worte. Schön diplomatisch und wertschätzend ausgedrückt. Ich nehme an, mich hat die Kluft zwischen dem Namen (inno) und der Realität gestresst.

    der Rahmen war echt nicht passend – von der Großraumarena über die Sekundenzählerei zu den vorsichtigen Vorgehensweisen von Eggers und den Programm gestaltern.

    Aber es waren gute Leute da, es gab gute Gespräche und es immer ein würdiger Ansatz, Leute zusammen zu bringen. Ich habe schon inspirierendere Inno-Treffen gehabt (zB in Münster oder bei ecpn), und ich hoffe, dass es noch weitergeht. Denn es wäre schön, wenn die Schmerzen zu Geburtsschmerzen werden. Muss es irgendwie auch.

  3. mrmotoki 31 Januar, 2012 um 1:43 pm #

    ich möchte fast noch was ergänzen: was mich echt umgehauen hat, waren die Volunteers und die ganze Organisation – auf dem Level und mit echt begeisterten Leuten, die schon um 6h morgens auf der Matte standen, von weit weg anreisen und extra Urlaub nehmen, das war schon sehr beeindruckend! Ein wenig Backline Feeling ist hier zu erhaschen: http://www.youtube.com/watch?v=kymkbuVihGk

  4. David 31 Januar, 2012 um 9:11 pm #

    Dank dir, Motoki, für deine Zeilen, wäre gern da gewesen, aber am Ende war es zu weit und hier zu voll. Hörte von Dirk schon viel Gutes. Vielleicht liegt es auch an der Sichtweise: Wenn die Innovativen noch Innovation erwarten, für wen soll so eine Geschichte dann noch sein? Bestimmt wurden ne Menge Leute inspiriert von denen, die schon ein paar Schritte weiter sind. Hoffentlich bis bald mal in real life.
    LG aus Hamburg!
    David

    • Christoph 1 Februar, 2012 um 7:25 am #

      Der Hinweis auf die Sichtweise ist wichtig. Für wen sollte diese Geschichte sein? Weiß ich im Grunde gar nicht. Muss für zukünftige Events nochmal drüber gesprochen werden.

Trackbacks/Pingbacks

  1. Inno2012: Cappuccino ist der neue rote Tee | Auf'n'Kaffee - 30 Januar, 2012

    […] ist nun schon ein paar Tage vorbei – Zeit für ein Resümee.  Wie auch Marlin es schon beschrieb, machte das Treffen einen ambivalenten Eindruck auf […]

  2. “Inno2012: Bilder & Berichte” | Tobias Faix - 23 Februar, 2015

    […] noch ein paar Bilder, die Timm Ziegenthaler gemacht hat. Einige gute Berichte über Inno haben Motoki und Rolf geschrieben. […]

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