Probleme mit dem Centered Set

24 Nov

Jetzt mache ich vielleicht kaput, was ich in den letzten 3 Posts hochgejubelt habe. Centered Set hat revolutionäre Kraft, wurde schon umgesetzt und hat einige parktische Vorteile. ABER! Es hat auch einige Probleme. Hier sind drei, die mir sofort auffallen und auch tatsächlich etwas haarig sind:

Weniger Energie
Gemeinde lebt von der Energie der Leute. Wo sich Leute reinhängen, da geht was. Wo Leute inddiferenz sind, da geht nix. Ganz einfacher Zusammenhang. Je mehr eine Gemeinde es schafft, die Leute einzubeziehen, desto besser läuft der Laden (technischer Ausdruck: das Priestertum aller Gläubigen). Das Kreis-Model hat da den Vorteil, klare Erwartungen formulieren zu können: „wenn du bei uns dabei sein willst, musst du mitarbeiten, deinen Zehnten zahlen und uns unterstützen“. Das führt natürlich zu klareren Entscheidungen und damit zu klarerer Ausrichtung (deshalb wachsen konservative Gemeinden häufig schneller).

Centered Set schwächelt hier öfter mal. Man überlässt Leuten, ihren eigenen Platz zu finden. Forderungen werden weniger oder gar nicht gestellt. Das führt dazu, dass Leute öfter mal keine Entscheidung für sich treffen, weniger mitmachen und weniger Energie da ist. Die Soziologen nennen das Problem „free rider problem“ (Trittbrettfahrer) – mit dabei sein, ohne die Kosten zu tragen. Ein echtes Problem.

Weniger Klarheit
Ähnlich ist der Mangel an klaren Aussagen öfter ein Problem. Da im Centered Set wenige Dinge im Mittelpunkt stehen, wird zu vielen zweitrangigen Dingen keine Aussage getroffen. Von wem auch? Auf den ersten Blick ist das schön, aber in der Praxis anstrengend. Man will ne Sicherheit im Umgang miteinander. Jede WG kennt das. Und mir scheint, dass viele Gemeindeleute enorm auf dieses Gefühl der Sicherheit trainiert worden sind und es über jeden Preis haben wollen. Selbst wenn es zu Lasten der Selbständigkeit und Vielfalt geht.

Diese fehlende Klarheit kann man nur entkräften wenn man das Zentrum um so klarer Macht. Wenn man mit 180 km/h seine Werte lebt und so die Aufmerksamkeit auf die wichtigen Dinge lässt. Dadurch bleiben Probleme zweitrangig. Ansonsten fühlt sich Gemeinde irgendwann an wie eine vernachlässigte WG.

Wer hat die Autorität?
Beide Punkte oben kommen eigentlich daher, dass man die Autorität vom Superpastor auf die Werte überträgt. Nicht mehr ein starker Mann (und es sind meist Männer) hat das Sagen über OK oder Schlecht. Im Centered Set ist der Pastor auch nur Nachfolger. Entscheidungen brauchen dann drei Inputs: die Bibel, die Werte der Gemeinschaft und der Geist. Das ist die These von Phyllis Tickle in ihrem Buch „the great emergence“. Es ist genau dieser Shift von Sola Scriptura (allein das Wort) – was häufig Sola Pastora heißen sollte (allein das Wort nach Auffassung des Pastors) – hin zur verteilten Autorität, die Schwächung und Chance zugleich ist. Als Pastor muss man sich entziehen (denn die Leute haben einen „need for leadership“) und die Beteiligung der Gemeinschaft und des Geistes fordern.

Diese 3 Probleme sind real und können einen Gemeinde entscheidend schwächen. Aber sie sind auch der Grund, warum ich an Centered Set als revolutionäre Kraft glaube.

Ich will Jesus sehen. In der Gemeinde.
Ich bin müde von Pastoren, die ihre Ideologie durch die Bibel auf die Leute pressen.
Ich bin müde von Machtspielchen.
Ich bin müde vom Christentum.

Ich will Christus.
Ich will ihn in seiner Gemeinde.
Ich will Offenheit und Unterschiedlichkeit.

Vielleicht ist Centered Set ein Stück Weg dahin.

2 Antworten to “Probleme mit dem Centered Set”

  1. easyfisch 12 Juni, 2012 um 11:34 am #

    Super Post!

    Vorallem der Punkt 2 „Weniger Klarheit“ empfinde ich als sehr anstrengend.
    Auch wenn man diese mit 180km/h vertritt kann es sein, dass die Werte oder einzelne davon auf der Strecke bleiben.

Trackbacks/Pingbacks

  1. Centred Set « Boris’ Gedankenwirren - 10 Januar, 2012

    […] Probleme mit dem Centred Set […]

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