wie geht das mit Centered Set?

10 Nov

Was heißt Centered Set jetzt für eine Gemeinde 2011? Hier sind meine Beobachtungen aus den letzten 7 Jahren, als ich das selbst umsetzen wollte:

Unklarheit zulassen
Der größte Vorteil am Bounded Set ist die Klarheit der Erwartungen. Deshalb funktionieren konservative Kirchen so gut, selbst wenn man das als intellektueller Deutscher nicht so mag. Klare Erwartungen haben was Verbindliches, geben Bestätigung und Orientierung. Daher wachsen konservative Gemeinden häufig. Aber: das Evangelium ist für mich nicht, keinen Sex vor der Ehe zu haben. Wenn ich das Zentrum predige, dann lasse ich manche Fragen der Moral und des Lebenswandels offen. Ich konzentriere mich auf die Essenetials, und lasse die anderen Dinge zweitrangig. Manchmal wollen die Leute mehr Orientierung und das ist Teil des Centered Set – Unklarheiten und Chaos zuzulassen und manchmal sogar zu fördern. Es ist dann nicht so kuschelig wie woanders.

Leute loslassen
Leiter haben häufig eine große Unsicherheit und wollen wissen, wer DABEI ist. Man will wissen, auf wen man zählen kann und wer die Linie unterstützt. Auch im Centered Set ist das teilweise so, aber weit mehr über die Bereitschaft der Leute. Wer sich aufs Zentrum ausrichtet ist mit dabei. Und wer schon 100 Jahre in die Gemeinde geht und keine Leidenschaft fürs Zentrum zeigt, ist auch dabei, aber eben nicht zentral. Als Leiter lege ich nicht meine moralischen Zeiger auf die Leute und erwarte Konformität. Ich suche nach Leidenschaft und arbeite nicht mit Druck.

Wenig Moral predigen
Moral ist wichtig. Gott ist heilig und unser Lebenswandel interessiert ihn. Es gibt manche Dinge, die sind klar; es gibt viele, die sind grau. Es hat sich in der Christenheit immer wieder Kulturen entwickelt, die über Maßgabe von oben Moral Vorgaben und sie durchsetzen wollten. Ob im Mittelalter, bei den Puritanern, oder bei den amerikanischen Evangelikalen. Ich finde Gottes Wille super wichtig, aber ich will ihn nicht tun aus sozialer Konformität heraus, sondern aus Herzenshingabe. Moralpredigten tendieren dazu, den Kreis zu beschreiben und nicht das Zentrum. Tim Keller formulierte das einst elegant:

Manhattan ist voller postmoderner Menschen, für die alle moralischen Aussagen kulturell relativ und sozial konstruiert sind. Wenn du mit ihnen über sexuelle Sünde redest, sagen sie einfach: „du hast deine Standards, ich habe meine“. Wenn du dann ihren Relativismus attakierst, fühlen sie sich nur bevormundet und distanzierst… Ich lerne von Soren Kierkegaard, der Sünde als Identitätsfindung (Selbstwert nud Glück) außerhalb von Gott definiert. Das ist das biblische Verständnis von Sünde als Götze. Dadurch ist der Fokus nicht so sehr auf „was falsches tun“ als auf „gute zu ultimativen Dingen“ zu machen.

Anstatt ihr voreheliches Verhältnis zu ihrem Partner als Sünde darzustellen, sage ich ihnen, es ist Sünde, dass sie in einer Partnerschaft nach Lebenssinn, Rettung und Erfüllung suchen. Das kann nur von Gott kommen. Dieser Götze führt zu Angst, Vereinnahmung, Neid und Frust. Ich merke, dass wenn man ihr Leben im Sinn von Götzendienst darstellt, dann leisten postmoderne Menschen nicht viel Widerstand. Christus kann dann nicht nur als die einzige Hoffnung auf Vergebung, sondern auch die Hoffnung für Freiheit und Erfüllung präsentiert werden.

Mit Gottes Kraft rechnen
„Es muss etwas in unseren Versammlungen geben,“ sagte Francis Schaeffer, „das nicht mit Gruppendynamik oder Psychologie zu erklären ist.“ Ich liebe diesen Satz. Ich muss als Christ und Leiter darauf setzen, dass Gott Kraft hat – zu reden, zu korrigieren, zu verbessern. Was mir an Pastoren am meisten fehlt (vor allem an Jungen) ist die Demut, nicht alles zu wissen. Vielleicht wird das mit dem Alter besser (mag gut sein). Aber glaube ich denn, dass wenn ich Christus predige, er zu den Leuten spricht über das, was für sie wichtig ist (Moral)? Oder predige ich Christus und laufe dann los, um die Einhaltung sicherzustellen. Das Evangelium ist für mich, dass Gott kommt und uns hilft. Das ist im Centered Set Grundvoraussetzung. Im Bounded Set erlebe ich so viele soziale Faktoren (hippe Incrowd, Gruppenerwartung + Belohnung, soziale Bestärkung etc), dass ich manchmal Schwierigkeiten habe, einen Gott zu sehen, der Kraft hat.

Bereitschaft suchen
Als Leiter einer Centered-Set Gemeinde kann ich nur auf die Bereitschaft der Menschen schauen. Jeder trägt in sich einen Pfeil – und der ist entweder auf Jesus und unsere Werte ausgerichtet, oder nicht. Und ich will mit den Leuten unterwegs sein und Gemeinde bauen, die Pfeile aufs Zentrum haben. Die anderen dürfen auch dabei sein. Aber Leiter sind die Zentrumspfeiler. Und meine Aufgabe ist es zu suchen, zu warten und wenn Bereitschaft da ist, mit ihnen unterwegs sein. Hört sich wie ein Gleichnis von einem Samenkorn an, das auf einen Acker fiel und nur mancher war bereit…

Das sind ein paar Gedanken zu den positiven Konsequenzen von Centered Set. Die Probleme gibt es nächstes Mal…

Teil 1 und 2 der Serie hier. Noch ein Post folgt…

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Eine Antwort to “wie geht das mit Centered Set?”

Trackbacks/Pingbacks

  1. Centred Set « Boris’ Gedankenwirren - 10 Januar, 2012

    […] Wie geht das Centred Set […]

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