Die Zukunft der Christenheit

15 Okt

Phyllis Tickle sieht ein bisschen aus wie Mary Poppins – und hat wie sie auch eine selbstbewusste, große Ansage. Alle 500 Jahre ändert sich die Christenheit radikal – und so auch dieser Tage. Vor 500 Jahren war die Reformation. 500 Jahre davor der große Bruch zwischen West und Ost. 500 Jahre davor war Gregor der Große mit der Einführung der Kloster entscheidend für eine neue Art Christentum. Und um 0 soll Jesus was Neues angefangen haben.

Also, was passiert heute: vor allem mal haben sich die Sicherheiten der Vergangenheit aufgelöst. Sola Scriptura war die alte Maxime – alles steht in Gottes gutem Wort. Aber seit LSD, seit E=mc², seit Freuds Unterbewusstseinserkundung, seit die Azusa Street die Welt mit den Erfahrungen des Heiligen Geistes vertraut macht – seitdem ist nichts mehr sicher. Nicht nur dass alles etwas relativer ist als früher, auch haben die Menschen heute viel Kontakt mit anderen Anschaugen, Meinungen, Kulturen usw. Das Resultat ist ein Strudel aus Erfahrungen, Vernetzung und Theorien über Gott, die sich mitten ins Zentrum der bisherigen Strömungen der Christenheit setzt. The Great Emergence, eben.

Muss nicht schlecht sein. Wann immer es eines dieser 500-Jahre-Wandel-Dinger gab, war das Resultat neue Lebendigkeit im Glauben und eine größere Ausbreitung auf der Welt. Tickle beobachtet, dass sich die neue Christenheit aus vielen Strömen nährt – und doch was Neues ist. Vor allem aber ist die Autorität nicht mehr nur in der Bibel, sondern daneben auch in der Gemeinschaft, in der direkten Begegnung mit Gott und in der inneren Harmonie.

Ich bin etwas spät bei dieser Party. So hat Peter schon gut über Phyllis geschrieben und referiert. Aber ich halte The Great Emergence für eins der besseren Bücher der Emerging Church und eins mit viel Weitblick (Tickle ist ja auch nicht mehr die jüngste). Trotz der Kürze steckt viel in den knapp 200 Seiten. Wer viele der aktuellen Kulturkämpfe verstehen will, findet bei Tickle sicher einen guten Startpunkt.

Link: ausführliche PowerPoint dazu

Link: „the New Rose“ – Phyllis Tickle (50 min Video)

6 Antworten to “Die Zukunft der Christenheit”

  1. rick 15 Oktober, 2011 um 6:52 pm #

    yeh … I’m not buying it … I’m not sure her history is correct or predictive … I’m pretty sure she misuses the term sola Sriptura and what seems like a large percentage of her followers have taken her thinking as license to abuse or reject Scriptural truth. Homosexuality would be a key example of that … she even credits the Vineyard for opening the door to accept homosexuality.

    For me, one no vote …

  2. Martin Dreyer 15 Oktober, 2011 um 10:19 pm #

    Ich kann diesen Aufbruch noch nicht sehen. Alles, was an emergenten Projekten in Deutschland am Start ist, dümpelt so vor sich hin. Die Gemeinden haben zweistellige Besucherzahlen, mehr geht da nicht. In der Welt gibt es bestimmt ein paar Ausnahmen. Meine Vermutung ist, dass wir uns zu sehr um Äußerlichkeiten drehen, um Formen, Stile. Dabei ist es der Inhalte, das „Evangelium“ was rockt. Ich war in den letzten Jahren in unterschiedlichsten Gemeinden und auch Konfessionen eingeladen und überall begenen mir tote Formen (z.B. nennt man es Lobpreis, ist aber nur Liedersingen, oder man nennt es Predigt, es ist aber nur ein Vortrag). Ich plädiere dafür, das wir Gott wieder erfahrbar in den Gottesdiensten machen. Das sollte unser Ziel sein: Gott zu erleben! Alles was dazu dient, ist super. Alles was davon ablenkt muss aussortiert werden. Martin

  3. marlster 17 Oktober, 2011 um 11:52 am #

    Martin – megaLIKE!

    Ich teile deine Wahrnehmung. Die Emerging Church schwächt sich und sieht dementsprechend aus. Ich denke, Tickle redet auch über was anderes.

    Ich teile auch deinen Fokus auf Jesus, gute Botschaft und Kraft. Muss so sein und wird sich durchsetzen.

    Tickle hat dennoch einige gute Analysen – warum haben viele heute Probleme mit der Kirche, wie treffen wir Entscheidungen und wie kann Kirche in einer globalen Welt leben. Vieles von dem was Kirche ist funktioniert über Isolation – man baut ein christliches Ghetto, Leute geben ihre Identität an die Gemeinde ab und es folgt eine Gleichmarschanordnung in allen moralischen und geistlichen Fragen. Das ist eine Sackgasse. Und da hat Tickle was Schlaues dazu zu sagen. (ob sie bei allem Recht hat, wer weiß das schon…).

    Ich schreibe demnächst mal noch ne Serie über Centered Set – geht auch aus diesen Gedanken hervor.

    Ich teile voll deine Meinung, dass das Zentrum so klar wie möglich sein muss. Danke für deinen Kommentar!

    • Martin D. 17 Oktober, 2011 um 5:26 pm #

      Okay. Die Serie wird bestimmt interessant!

      „Raus aus dem christlichen Ghetto“ ist übrigens ein Abschnitt im sechs Punkte Plan der Jesusfreaks, den ich mal Anfang der 90er verfasst habe … :+)

Trackbacks/Pingbacks

  1. Probleme mit dem Centered Set « siyach - 24 November, 2011

    […] brauchen dann drei Inputs: die Bibel, die Werte der Gemeinschaft und der Geist. Das ist die These von Phyllis Tickle in ihrem Buch „the great emergence“. Es ist genau dieser Shift von Sola Scriptura (allein das […]

  2. Wie Veränderung gelingt – der lange Weg zu Mission-Shaped Communities « siyach - 15 Februar, 2012

    […] Formen für den alltäglichen Kontext (als Christen macht der Alltag einen positiven Unterschied) weil sich die Zeiten ändern (von Moderne und Ländlichkeit hin zu globaler Vernetzung und postmodernen Ansichten) mit der […]

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