Frieden finden

4 Okt

Die Nachricht erschüttert meine Frau und mich beim Autofahren.

Am 21. September 2011, gegen 5 Uhr Deutscher Zeit, starb Troy Davis in Giorgia durch eine Giftspritze. Er wurden in allen Punktes des Mordes schuldig gesprochen. Auch wenn es sich über die letzten Tage angekündigt hatte – nach bereits drei verschobenen Terminen war dies nun das Ende.

Seine letzte Worte, die er zu den Gefängniswärtern und den Verbliebenen des Opfers sprach:

„Gott segne Sie alle“.

Er und seine Anwälte beteuerten immer wieder seine Unschuld.  Alle Proteste von führenden Politikern und Geistlichen weltweit blieben ohne Erfolg, trotz erheblicher Zweifel an seiner Schuld und an der Beweisführung.

Der Pastor, der Troy Davis bis zum Tode begleitet hat, war nachhaltig von ihm und seinem Glauben beeindruckt. „Er lehnte die letzte Speise ab, denn er war sich sicher, dass diese nicht sein letztes Mahl sein würde.“

Die Mutter des Opfers, dem 1989 erschossenen Polizeibeamten Mark Allen MacPhail, sagte kurz vor der Tötung von Troy Davis: „Ich möchte endlich etwas Frieden finden“. Ihr Wunsch nach einer nun endlich statt findenden Hinrichtung lässt in ihrer Stimme selbst ein Hin- und Hergerissen im großen Raum von Widersprüchen und Zweifeln erkennen.

Troy Davis wurde allein durch Zeugenaussagen verurteilt. Doch 7 der 9 Zeugen haben im Nachhinein ihr Zeugnis widerrufen oder abgeändert – weder eine Tatwaffe noch sonstige physische, belastende Spuren wurde jemals bei ihm gefunden.

Ich kann nur schwer glauben, dass die Familie von Mark Allen MacPhail nun vollständigen Frieden finden wird.

Ich muss dabei an die Geschichte des verlorenen Sohnes denken. Wer ist der tatsächlich verlorene Sohn?

Der, der zum Vater zurückkehrt oder der ältere Bruder, der die ganze Zeit beim Vater geblieben ist und am Ende meint, durch ein vorbildliches Leben einen Anspruch auf  ‚verdiente‘ Gerechtigkeit zu haben?

Worum geht es eigentlich bei der Todesstrafe? Geht es dabei überhaupt noch um eine Präventionswirkung des Strafrechts oder wohnt dem Ganzen nicht ein allzu gefährlicher Geist inne, eine fälschliche Hoffnung auf Gerechtigkeit und Frieden auf Basis von Vergeltung und Wiedergutmachung? Weil manche Menschen meinen, sie haben sich einen Anspruch darauf verdient?

Zum weiteren Sinnieren: Tim Keller versteht es wie kaum ein anderer, die Geschichte des verlorenen Sohnes immer wieder neu zu beleuchten und die verschiedenen Facetten herauszuschälen.

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