Lahm und die Transparenz

30 Aug

Gestern hat unser deutscher Linksverteidiger sein Buch veröffentlicht. In dem feinen Unterschied packt Philip Lahm Geschichten aus dem Fußball aus und geht damit einigen Leuten gewaltig auf die Nerven. Rudi ist genervt. Andere finden das unmöglich. Interna ausplaudern macht man nicht – so die einhellige Meinung.

Wissen die Leute eigentlich, was Social Media ist? Seit wir Twitter, Blogs und sonst was noch haben, bleibt doch kaum eine Regung privat. Die Idee der neuen Medien ist ja nicht nur, dass ich mit meinen 2-3 Freunden regelmäßig in Kontakt bin. Sondern das Leben wird transparenter. Zwar entscheidet das jeder noch für sich selbst, aber manchmal wird das auch für einen entschieden. Rudi hat vielleicht nicht über seine Zeit als Bundestrainer getwittert. Aber jetzt macht es eben Lahm in Buchform. Die Mauern werden durchsichtig. Und deshalb kaufen Leute Lahms Buch.

Diese Tage ging auch durch die Medien, das Mourinho seinen Spielern die Sozialen Medien verboten hat. Ist das wirklich die Zukunft? Ich glaube, früher oder später wird sowieso alles öffentlich. Tun sich Fußballtrainer damit einen gefallen, die Mauern oben zu lassen? Oder Firmen? Oder Regierungen? Da war doch noch was mit Wiki-Leaks, oder?!

Rudi ärgert sich natürlich auch, weil es eigentlich nicht stimmt. Vom 20-Jährigen Lahm als lustloser Trainer hingestellt zu werden ist natürlich uncool. Denn die haben ja richtig trainiert. Da waren ja noch weitere richtige Profis im Trainerstab – wie Skibbe und Rutemöller. Das einzige Gegenmittel gegen falsche Darstellung ist richtige Darstellung. Hätte der Rudi vielleicht auch ein Buch schreiben sollen – oder eben doch twittern. Denn irgendwer wird eh die Mauern durchsichtig machen, dann doch lieber selbst die Initiative haben.

Ein Problem gibt es sicher noch mit der Transparenz – wenn man nämlich gegen seinen Willen transparent gemacht wird. Das ist Teil des Rudi-Problems. Oder der Wiki-Leaks. Es ist auch die Grundlage für die deutsche Datensicherheitsphobie. Facebook oder Google werden mich durchschauen – und auch noch meine Daten zum Verkauf anbieten. Und so wie Transparenz das Zeichen der neuen Zeit ist, so ist Vertrauen die neue Währung. Gerade weil der Zugang zur Öffentlichkeit für jeden Mitarbeiter, Kollegen und Freund so leicht ist, muss man einander wirklich vertrauen. Und wer Vertrauen missbraucht, fliegt. Wenn Unternehmen aus Silicon Valley nur eine Stunde meine Daten öffentlich machen, wechsle ich. Was wird man wohl mit einem Linksverteidiger machen, der mit der neuen Währung nicht umgehen kann?

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