Ein ganzer Gebiet verändert, aber nur wenn alle mitmachen

30 Dez

Hier ist die Story hinter dem letzten Video von Melinda Gates: Der ärmste Bezirk in Indien Ist Orissa. Strom gibt es dort keinen, fließendes Wasser nicht und keine Toiletten. Menschen gehen auf die Felder um die Stadt herum und in den Fluß. Da man da auch seine Kleider und das Geschirr wäscht, ist das nicht witzig. Aber es geht ja schon einige Jahrhunderte so, und Menschen werden eben öfter krank und sterben früher.

Joe Madiath hatte schon früh eine Mission für sein Leben, den Ärmsten zu helfen. Fließend Wasser und Toiletten sind auch in anderen armen Gegenden vorhanden, also müsste es auch in Orissa machbar sein, dachte er sich. Zusammen mit ein paar Technikern und Ingenieuren bauten sie ein Projekt für ein Dorf in Orissa. Es musste billig sein und von den Dorfbewohnern zu warten. Sie fanden eine technische Lösung dafür und wollten loslegen.

Allerdings hat Indien noch eine andere Besonderheit: das Kastensystem separiert Menschen voneinander und schließt die Ärmsten am Fortschritt aus. Wenn die unterste Kaste nicht mitzieht bei den Toiletten, dann wird es auf den Feldern nicht besser und das Grundwasser ist genauso in Gefahr. Damit wäre also nichts gewonnen. Was sollte er machen?

Die meisten Ideen gibt es schon. Entrepreneuers nehmen diese Ansätze in ein neues Feld oder kombinieren Aspekte neu, so dass etwas bewegt wird.

Madiath hatte die Idee, eine Wasseranlage nur dann in einem Ort zu bauen, wenn alle dort mitmachen. 100%. Jeder musste was einzahlen und die Arbeit wurde von jedem Ort selbst erledigt. Wer wenig Geld hatte, konnte weniger zahlen, oder brachte Material, oder arbeitete mehr. Aber alle mussten dabei sein. Die ersten Dörfer lehnten das ab. Zwar konnte man hohe Zustimmungsraten finden, aber nicht 100%. Madiath blieb hart. 100%

http://www.youtube.com/v/tVy1qg1Fiqo&hl=en&fs=1

Dann war ein Dorf bereit. Sie zahlten das Geld und Meredith baute seine Wasseranlage rein. Die Leute waren begeistert. Das erste Mal haben sie an etwas zusammen gearbeitet. Der Ort wurde zum Vorbild. Andere kamen und machten mit. Nicht alles, aber über 700 Dörfer bekamen Wasserversorgung und 100% Beteiligung. Jetzt waren die Toiletten der beste Teil am Ort, so dass sie auch die Häuser und Straßen verbesserten.

Fast alle sozialen Probleme wurden schon irgendwo von irgendjemand gelöst. Die Lösungen lassen sich leider nicht immer transportieren – Bill Clinton

Es war so ein Erfolg, dass die Idee nahe lag, in einen anderen Teil Indiens zu gehen. Gram Vikas (Madiaths Organisation) ging in die Dörfer, erzählte die Geschichte, zeigte Bilder und erklärte den Prozess. Nur waren in diesem Teil Indiens noch mehr Klassenunterschiede. Und sie konnten innerhalb von 1-2 Jahren keine Dörfer finden, die mitmachten. Sollte er das Kriterium aufweichen?

Der Fall zeigt das Problem, soziale Innovation zu transportieren. Was in einem Teil der Welt funktioniert, kann woanders nicht klappen. Das hat mich beim INSEAD-Kurs erstaunt: die soziale Welt ist so superkomplex. Jeder einzelne Faktor kann eine soziale Veränderung zum Scheitern bringen.

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Eine Antwort to “Ein ganzer Gebiet verändert, aber nur wenn alle mitmachen”

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  1. Social Business, und nun? « siyach - 24 Januar, 2011

    […] November produziere ich Zeilen über Social Businesses. Ob Mikrofinanz oder Computer, Ratten oder Toiletten – diese Projekte faszinieren mich und zeigen, dass gutes Tun in wirtschaftlichem Kontext ein […]

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