Digitale Revolution in Rios Favelas – rumprobieren, bis es passt

12 Dez

In den Slums von Rio herrscht viel Armut und Gewalt und wer da aufwächst hat ein schweres Los im Leben erwischt. Wer mal am Rande der Gesellschaft endet hat es schwer, wieder Fuß zu fassen. Rodrigo Baggio sah das und dachte: irgendwie muss man doch junge Menschen wieder integrieren können und ihnen eine Perspektive vermitteln. Aber wie?

Computer – war seine Idee. In den 90ern wurden die immer mehr eine generelle Fähigkeit und wer mit Computer umgehen konnte, hatte mehr Chance auf Jobs. Und außerdem interessierte Kinder das; sie liebten es, Zeit am Computer zu verbringen. Also entwickelte Baggio ein Bulletin-Board, damit Kinder und Jugendliche dort Nachrichten posten und kommunizieren konnten. In den 90ern war das hip und eine echte Innovation. Es scheiterte.

Eine Theorie der sozialen Veränderung steckt in jedem Ansatz. Darin steckt, wie mein Ansatz eine positive Veränderung bewirkt. Das ist der Grund, warum ich etwas tue.

Niemand wollte wirklich in die Bulletin-Boards kommen. Baggio ging in die Slums und schaute nach. Im fiel auf, dass den Leuten häufig der Computer fehlte. Aha – dachte er sich. Also gründete er eine Organisation zur digitalen Inklusion (CDI) und warb bei Firmen, dass sie ihre alten Computer an ihn gaben. Und es war ein Riesenhit. Firmen wollten helfen und er hatte Tausende Computer, die er in Community-Centern aufstellt. Und wenig später merkte man gar nichts von seinen Aktivitäten. Es scheiterte.

Baggio ging wieder hin und schaute nach. Die Computer waren ein paar Tage da – und dann geklaut, verkauft, verschrottet. Das hatte er unterschätzt. Was könnte er machen? Er entwarf ein Curriculum, um Grundkenntnisse zu vermitteln (Word, Excel usw) und fand ein paar freiwillige Lehrer, die 5-7 Kinder unterrichteten. Das Programm schlug ein wie eine Bombe. Innerhalb von ein paar Jahren gab es über 1.000 solche Center in ganz Brasilien. Es funktionierte.

CDI wurde so erfolgreich, dass vor einigen Jahren die brasilianische Regierung begann, eigene Center zu errichten. Sie nahmen keine gebrauchten, sondern nagelneue Computer und stellten Lehrer direkt vom Arbeitsmarkt ein. Es entstanden in 3 Jahren über 8.000 Telecentros durch die Regierung. Baggio hat seine Mission erfüllt, die Menschen am Rande einzubinden.

Sei hartnäckig mit der Mission, aber nicht mit den Lösungen. Jedes Scheitern ist eine Lernerfahrung zur Lösung hin. Wenn man zu viel plant, wird es zu kompliziert und teuer. Entrepreneurship heißt, Dinge zu probieren und rauszufinden, was funktioniert.

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Eine Antwort to “Digitale Revolution in Rios Favelas – rumprobieren, bis es passt”

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  1. Social Business, und nun? « siyach - 24 Januar, 2011

    […] November produziere ich Zeilen über Social Businesses. Ob Mikrofinanz oder Computer, Ratten oder Toiletten – diese Projekte faszinieren mich und zeigen, dass gutes Tun in […]

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