Dialog im Dunkeln – soziale Nöte sehen

25 Nov

Wir waren mit 20 Personen in deinem stockdunklen Raum. „Seid einen Moment still,“ sagt Tony. Er ist seit 30 Jahren blind und leitet uns in die Dunkelheit. Nach 2 Minuten fragt Tony: „Wie fühlt sich die Dunkelheit an?“ Wir antworten der Reihe nach:

„Erdrückend“
„Befreiend“
„Glücklich“
„Wie ein alter Freund“
„Es macht mir Angst“
„Spirituell“
„Sie drückt auf mich“
„Entspannend“

dialog im dunkeln

Tony drückt jedem einen Buchstaben in die Hand. Ich habe ein B. Alle Bs finden sich in der Dunkelheit und tasten sich mit Blindenstöcken an einen Tisch. „Hier sind ein paar Materialien,“ sagt Laura, die vor 8 Jahren bei einem Autounfall ihr Augenlicht verloren hat und trotzdem ihre Kinder groß gezogen hat. „In den nächsten 30 Minuten sollt ihr daraus eine Brücke bauen.“ Wir schauen uns an und sehen nichts.

Dialog im Dunkeln ist ein Social Business Projekt, das wir heute erleben. Vor über 20 Jahren gründete Andreas Heinecke in Frankfurt ein Unternehmen, das Dunkelheit verkauft. Er wollte Menschen Wertschätzung für andersartige Menschen vermitteln. Wertschätzung für Blindheit ist schwer, wenn man jeden Tag sieht, was man will. Seitdem macht er Ausstellungen und Workshops, um Menschen ein paar Stunden diese Erfahrung zu vermitteln. Und um Blinden Arbeitsplätze zu schaffen und Würde zu vermitteln.

Es sind Menschen wie Heinecke, die eine soziale Not sehen, die sonst niemand sieht. Und er nimmt sein Herz in die Hand, um für diese soziale Not eine Antwort zu finden.

Unser Team ist ganz gut. Wir bauen was zusammen mit den Materialien und haben eine, naja, Brücke. Aber Kommunikation war schwierig. Man konnte sich so schwer erklären. Nach 2 Stunden sind wir wieder im Licht und reden über unsere Erfahrung. Es war befreiend, demütigend, erleuchtend und frustrierend. Über die nächsten Tagen reden einige aus der Gruppe über die Erfahrung. „Ich habe meine Augen mal während der Diskussion zugemacht, um besser hinzuhören,“ sagt ein Engländer. Tony lacht.

Es ist wie die zweite Hand von Adam Smith. Er hatte von der unsichtbaren Hand der Märkte gesprochen – niemand organisiert die Ressourcen und den Einsatz der Leute. Sondern das Selbstinteresse und die Mechanismen der Märkte sorgen dafür, dass eine Gesellschaft effektiv arbeitet und Wohlstand erzeugt. Meine Hoffnung ist, dass wir mit Social Entrepreneuers die zweite unsichtbare Hand von Adam Smith haben. Wir finden soziale Nöte und bringen die Ressourcen und Einsatz, um diesen zu begegnen. Wir sind nicht vom Eigeninteresse getrieben, sondern dem Interesse von anderen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: