Meine Zeit im Kloster

25 Apr

10 Tage Schweigen. Genau so stellt man sich ein Kloster vor. Diese Ostern hatte ich den glücklichen Zufall, dass ich meinen Traum wahr machen konnte und für 10 Tage abtauchen konnte. Die Stille und das Mysterium zog mich schon immer an. Und dieses Jahr mache ich ja eine Auszeit in der Gemeinde und wollte da meinen Sabbat mit ein paar neuen Erfahrungen anreichern.

Exerzitien mag mit zu den fiesesten Worten in der deutschen Sprache gehören. Da kann kaum was Gutes drin stecken. Aber Ignatius von Loyola, Erfinder dieses fiesen Wortes, hat mich bisher als pragmatisch beeindruckt. Und so ging es los. Schweigen sollen wir. Beim Essen muss das aber nicht zu Pantomimegroßkünsten führen. Man kann schon nach dem Butter fragen. Es soll einfach der Raum bestehen, sich den inneren Vorgängen zuzuwenden und nicht durch Smalltalk oder sonstige Beeindruckungsversuche abgebracht zu werden.

Und so schwieg ich.

Bis auf… Jeden Tag gab es eine halbe Stunde mit dem Pfarrer. Das fing dann immer mit der tiefsten aller tiefen Frage an: „und??“. Wenig Worte führen in die Tiefe. Und so waren die Gespräche jeden Tag voll von meinem Erleben der inneren Dinge. Man hat Zeit, die offenen Fragen zu klären. Was man im Kopf versteht, aber im Herz in eine andere Richtung geht.

„Betet nicht zu viel,“ war der Rat. „Setzt euch nicht unter Druck oder versucht, was zu produzieren.“ Eine sehr schöne Einstellung. Einfach offen sein, sich Zeit nehmen und hören. Also habe ich die ersten Tage so viel geschlafen wie seit meinem ersten Lebensjahr nicht mehr. Dann ging es spazieren und ich hatte das Gefühl, ich komme bald in Moskau raus. Und praktiziert, was die Jesuiten das „Gebet der liebenden Aufmerksamkeit“ nennen. Austausch mit Gott und Merken auf die Regnungen des Herzens.

Es ist schwer in einem Slogan zu sagen, was sich bewegt hat. Einige Themen waren superwichtig für mich. Ohne, dass ich eine große Krise oder krasse Korrektur hatte. Aber ich bin seitdem mehr im Flow. Hier sind ein paar Zeilen aus der Zeit:

Sabbat

Was mir machen können
Das wollen wir auch machen
Hat ja alles sein Gutes

6 Tage arbeiten wir,
Und am 7. auch
Wir sind wichtig;
Wir bewegen was
Was eigentlich?

Es gibt einen 7. Tag
Zeit zum Genießen
Gott ruht

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5 Antworten to “Meine Zeit im Kloster”

  1. Viktor 25 April, 2010 um 9:15 am #

    Vielen Dank Marlin das du uns das hier mitteilst. So etwas würde mich auch interessieren. Ich hoffe die Zeit hat dir geholfen.

  2. Peter 25 April, 2010 um 8:24 pm #

    Hi Marlin,
    klingt sehr gut.
    Kurze Frage: in welchem Kloster warst Du?

    Grüße,
    Peter

  3. easyfisch 27 April, 2010 um 12:58 pm #

    Hey Marlin

    Würde mich auch interessieren wo du warst.

    Wünsche dir, dass du die Frische und Ruhe mit ins Leben nehmen kannst.

    Gruss easyfisch

  4. marlster 27 April, 2010 um 1:44 pm #

    bingen

  5. tam 29 Mai, 2010 um 11:54 pm #

    klingt super gut! ich liebe ruhe. ich liebe sonntag. ich liebe einfach sein. klingt hammer.

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