neue Gründung in Heidelberg

10 Sep

Sebastian Heck startet eine neue Gemeinde in Heidelberg mit Ambitionen, calvinistische Theologiepower in ganz Deutschland zu verbreiten. Willkommen!

Hier ein kleiner Auszug aus der Antrittserklärung der evangelisch-reformierten Gemeinde Heidelberg:

Wie funktioniert Gemeindegründung?

Im Grunde gibt es kein Geheimrezept für Gemeindegründung. Wenn wir in das Neue Testament schauen, dann sehen wir wie Paulus evangelisierte und im Allgemeinen als “Resultat” seiner Evangelisation Gemeinden gegründet wurden. Diese erhielten dann Strukturen sowie Leitung.

Genaus so wollen wir das auch tun. Wir wollen durch unser Leben, unser Reden und unser Handeln mit Menschen in Heidelberg ins Gespräch kommen über den Glauben. Wir wollen Menschen, die unter dem Zorn Gottes leben, überzeugen, dass das Evangelium auch heute noch glaubwürdig und glaubenswert ist, ja dass es notwendig ist, dass sie umkehren und an das Evangelium glauben.

Neben dem positiven Fakt, dass sie mit einem Blog starten, große Ambitionen haben und auch die Leidenschaft für meine geliebte Stadt haben, freue ich mich über ihr großes Ausgenmerk auf Theologie. Trotz etwas unglücklicher Darstellung der Unterschiede (wir sind strukturell unabhängig; wir haben Geschichte; wir haben eine echtes Bekenntnis) und etwas flacher Recherche (es gibt kaum neue Gründung in HD – ich kenne neben uns mindestens 3 andere), schätze ich den Ansatz und hoffe, dass es richtig gut klappt. Gemeindegründung ist immer. Und mit Calvin ist es ja zum Erfolg prädestiniert!

Advertisements

5 Antworten to “neue Gründung in Heidelberg”

  1. wegbegleiter 11 September, 2008 um 12:17 pm #

    Na, hoffen wir, dass das eine gute Sache wird. Ich kenne Sebastian als einen intelligenten Kopf, dessen Theologie ich aber in manchen Ausprägungen nicht teilen kann und der damit für sehr kontroverse Diskussionen (vorsichtig gesagt) am Theologischen Seminar BFeG in Ewersbach gesorgt hat. Muss ja aber nichts Schlechtes sein. Allerdings wird mir regelmäßig bei der Lektüre seiner Theologieseite schlecht, hier zum Beispiel (http://www.lebensquellen.de/?p=63) behauptet er mal eben, dass Billy Graham überwiegend Leute hervorgebracht hat, die nur Christ sein spielen… und andere nette Abgrenzungen finden sich auf dieser Homepage. Nun kann man ja der Meinung sein – no problem und ich sehe auch manches an solchen Großevangelisationen kritisch, aber die Art wie (kämpferisch und einteilend) stört mich. Ich hoffe, dass er mit den zahlreichen Gemeinden in Heidelberg friedlich, demütig und kooperativ zusammen arbeiten kann. Ich jedenfalls wünsche ihm Segen!

  2. Sebastian Heck 25 Oktober, 2008 um 2:48 am #

    Drei bis vier Neugründungen in HD in den letzten mehr als zehn Jahren. Das ist ja gerade das Problem, oder nicht, Marlin? Eine strukturell so bedeutende Stadt wie Heidelberg hat mehr verdient!
    Was die Darstellung der Unterschiede angeht: wieso unglücklich? Kennst Du andere presbyterial organisierte Gemeinden (ich sagte ja nicht „strukturell unabhängig“!)? Wo siehst Du andere bekennende Gemeinden, d.h. Gemeinden mit einer schriftlich formulierten Rechenschaft des Glaubens? Das würde mich interessieren?

    Komisch, da wird einem schlecht, wenn er meinen Blog liest? Kommt vielleicht vom vielen Wellenreiten… Im Empfehle als Gegenmaßnahme: meinen Blog nicht mehr lesen! Das hilft!
    Übrigens, Christof, ich behaupte auf besagter Seite nicht, dass Graham „überwiegend“ Leute hervorgebracht hat, die nur Christsein spielen, sondern ich sage lediglich (Zitat): „Nicht, dass durch seine Verkündigung keiner zum Glauben gekommen wäre…Gott bewahre! Doch ich denke an die Vielen, die meinen sie wären zu irgendeinem Glauben gekommen und nun seit Jahrzehnten Christ Sein spielen…“ (Man bemerke besonders den Vordersatz! Falsches zitieren ist schlechter Journalismus.) Billy Graham hat durch seine Art der Evangelisation viele Menschen in Sicherheit gewogen, dass sie, weil sie seinem (!) Aufruf nach vorne gefolgt sind, auch Christen geworden wären. Das ist nicht nur pastoral und seelsorglich völlig unverantwortlich, sondern auch theologisch unhaltbar. Und vor allem was ersteres angeht, spreche ich aus der seelsorglichen Erfahrung mit solchen, die eben dies bei Graham erlebt haben. Was ist daran bitte schön „kämpferisch und einteilend“? Ja, ich teile Graham ein, und zwar in die Masse der Prediger, die ich für untauglich halte, und zwar auf der objektiven Grundlage, dass Graham nicht das ganze Evangelium verkündigt. Theologisch gesehen ist das Problem der Heilsgewissheit eben wesentlich komplexer als Graham es macht, indem er sagt: „Come forward and you will be saved!“ – Und das sagt er! Ich habe es wörtlich bei ihm miterlebt! (Dazu kommt dann noch das klitzekleine unorthodoxe Problem, dass er nicht einmal mehr meint, Jesus Christus sei der einzige Weg des Heils. Aber das nur nebenbei.) Darf man heutzutage keine theologischen Überzeugungen mehr mit Nachdruck vertreten ohne dass dieser Nachdruck gleich verketzert wird?

  3. Arne 2 November, 2008 um 8:25 pm #

    Ich kenne ein interessantes Zitat von John Piper darüber, warum die Beobachtung ist, dass ein strenger Calvinismus besonder von arrogant wirkenden Leuten vertreten wird. Er sagte, dass die große Reichweite, die Systematik und faszinierende Detailtreue (meine Worte!) des calvinistischen Lehrgebäudes viele Leute anziehen könnten, die eben auch sehr detailgetreu und vielleicht wenig sensibel (meint: Achtsam auf die eigenen Gefühle und die Gefühle anderer; Kompetent in der Wahl des richtigen Tonfalls, willens demütig und selbstkritisch zu formulieren) sind. Ich merke, dass solche Leute oft nicht fähig sind zu sehen, dass das was gesagt wird, vielleicht- nein sogar mit Sicherheit – nicht das ist, worum es wirklich geht. Ich empfehle einen Unterricht bei Jesus: Johannes 3 und 4 zum Beispiel sind ein meisterhaftes Beispiel von gelungener Gesprächsführung unter Ungleichwertigen; das müsste man natürlich in die Kommunikation unter Gleichwertigen übertragen…

  4. marlster 3 November, 2008 um 2:51 pm #

    Arne – wieder guter Kommentar. Interessante Beobachtung von Piper.

    Obwohl es sich in deinem Kommentar mit „solche Leute“ wohl auch eher nicht die beste Formulierung ist.

    Aber dein Tenor ist right on – in der Blogwelt wird das Attitude wahrscheinlich noch höher gewertet als der Inhalt. Deshalb mag ich bloggen auch so, weil es diese Tendenzen aufdeckt und somit eher zur Demut führt.

  5. Sebastian Heck 9 November, 2008 um 11:03 am #

    Ja, gute Beobachtung! Leider ist es auch ein Strohmann, denn die Klassifizierung „Calvinist=arrogant“ ist genauso falsch wie die „Arminianer=nett“ (siehe erster Komentar!) Piper – ein äußerst freundlicher „strenger“ Calvinist! – ist dazu ein case in point. Eine Theologie haben wir alle, doch diese formt ebenso unseren Charakter wie dieser ihr vorausgeht. Waren alle Reformierte im 16./17. Jahrhundert „wenig sensible“, arrogante Typen? Wohl kaum. Sind alle postmoderne, „emergente“ Christen freundliche, tolerante Typen? Wohl kaum.
    Und wenn wir schon Theologie mit Charakter verknüpfen wollen, dann ist der Calvinismus eine Theologie (ein „System“), die dem Menschen mehr Grund zur Demut als jede andere Theologie gibt. Wenn wir aus Gottes freier und beginungsloser Gnade zum Heil erwählt sind, während viele andere verloren gehen; und wenn wir aus uns heraus überhaupt nichts zum Heil beitragen können, ja uns nicht einmal „aus freien Stücken für Gott entscheiden“ können (contra Graham), dann hat ein Calvinist nichts, womit er sich rühmen kann, außer er rühme sich des Herrn. Der Arminianer – und das sind nun mal alle Nichtcalvinisten in irgendeiner Form per definitionem – geht meist davon aus, dass er nicht (im calvinistischen Sinne) unfrei ist in Bezug auf die Nachfolge Jesu; dass er nicht bedingungslos erwählt ist (während andere übergangen werden), sondern selbst durch seine „Entscheidung für Jesus“ einen entscheidenden Beitrag geleistet hat.
    Dass wir in unserem Lebensvollzug – sprich: der Heiligung – unserer Theologie oft meilenweit hinterher hinken, ist leider allzu wahr. Und so sind Calvinisten vielleicht in der Tat manchmal stolzer und arroganter, als ihre Theologie es ihnen erlauben sollte – und Arminianer sind vielleicht manchmal demütiger als ihre Theologie es ihnen erlauben sollte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: