Wie bleiben Bewegungen frisch und wachsend – Gewinner und Verlierer

25 Jul

Hier ist die letzte Etappe von Finke und Starks Churching of America. (Frühere Einträge der Serie: 1 – überblick; 2 – aufstieg der außenseiter; 3 – ende von bewegungen; 4 – warum mainstream verliert; 5- warum Einheitsansätze scheitern). Das Verstehen von Glaubenswewegungen hat mein Interesse daran geweckt. Während fast alle Bücher versuchen, ein Ursachen und Wirkungen zu beschreiben, habe ich enorme Sympathie für solche, die sich um Belege bemühen und nicht nur Behauptungen in den Raum stellen. Wenn die Belege Zahlen sind, dann ist das nochmal beachtlicher, weil a) die sind nicht leicht zu bekommen; b) die machen die Aussagen prüfbarer; c) sie bringen Disziplin in die Diskussion.

Hier sind die 3 Dinge, die mir aus Churching of America hängen geblieben sind, wenn man sich fragt, wie Bewegungen frisch und stark bleiben können:

1. Dezentrale Führung
Im Post über das Ende von Bewegungen habe ich schon gesagt, dass Zentralisierung zum Niedergang führt. Das passiert, weil der Pioniergeist ersetzt wird, der Pragmatismus vor Standisierung in die Knie geht und höheren Ansprüchen an die Leiter führt, die sich aber (paradoxerweise) in weniger Power niederschlägt. Ein Gegenmittel ist, die Führung der Gemeinde lokal zu belassen. Dann ist natürlich die Frage, wie sich die Bewegung noch als Bewegung sieht und nicht auseinanderfällt. Der erste Instinkt ist, das über Organisation (Mitgliedschaft, Namen, etc) zu regeln. Aber vielleicht ist es wichtiger, auf gemeinsame Werte zu achten oder gemeinsame Praktiken oder Grundannahmen. Die Pfingstler zeigen das ja: es ist keine einheitlich organisierte Bewegung und hat dennoch den Zusammenhalt über die Betongung vom Heiligen Geist und der Zugenrede als gelebte Praxis. Das führt zum 2. Punkt:

2. einfache Theologie mit klaren Kanten
Die Methodisten und Baptisten hatten in der Durchdringung von Amerika einen klaren Fokus: persönliche Heiligkeit. Fast jede Predigt konnte auf diese Botschaft reduziert werden:

„jage der Heiligung nach, ohne die niemand Gott sehen kann.“ Das wurde gelehrt, das wurde erfahren, äußerlich wie innerlich. Es war dieser klare Fokus und radikale Anspruch, der in allen Predigten durch kam und für die Kraft der Prediger sorgte. Sie wussten, was sie wollen und sagten es immer wieder direkt und klar.

Das ist das Problem von Bildung: man traut nicht mehr den einfachen Aussagen und kann sie auch nicht mehr lehren. Damit geht viel Kraft verloren, weil alles Komplexe weniger Kraft hat als das Einfache. An den Lehrstühlen sieht man das anders, aber die Beobachtung der Bewegungen in Amerika zeigen etwas anderes: wer einfach redet, gewinnt.

Wichtig ist dabei auch eine Kante. Eine Aussage, die sofort klar macht, warum diese Gruppe oder Bewegung wichtig ist. Warum man ihr angehören sollte. Wie im Post über das Scheitern von Einheitsansätzen gesagt: wer keine Botschaft mehr hat (oder die so verwässert ist, dass man nicht mehr weiß, was man zu tun oder glauben hat), lockt auch niemand mehr hinter dem Ofen vor.

3. Belohnung
Letztlich entscheiden sich Menschen für den Glauben weil es was bringt. Menschen entscheiden sich für Gemeinden oder Bewegungen, weil es was bringt. Meine Meinungen werden bestätigt; ich erhalte soziale Unterstüztung; ich kann meine Berufung ausleben; etc. Was auch immer es ist, aber es gibt einen großen Vorteil, wenn man glaubt. Erstaunlich ist, dass die Belohnung wächst, wenn man gefordert wird. Wenn ich mein ganzes Geld an die Armen gebe und dann wundersam von Gott versorgt werde, habe ich mehr Freude am Leben als wenn ich nie was mit meinem Geld mache (ich habe jemand anderes geholfen, bin nicht so besorgt um Geld, erlebe, dass Gott real ist, und fühle mich moralisch bestärkt). 4-0. Bewegungen und Gemeinden bieten uns an, uns gegenseitig im Glauben zu bestärken. Dafür ist es wichtig, die „free riders“ rauszufiltern. Die kommen nur dazu und wollen die Vorteile nehmen, ohne was zu zahlen. Effektive Bewegungen halten die Kosten hoch (durch Vorbild, gemeinsame Praxis oder Ausschluss) und vertreiben die Zaungäste, was die soziale Bestärkung innerhalb der Gruppe hochhält.

Churching of America ist eine faszinierende Studie. Sie hat Substanz (weil sie auf Zahlen basiert), übersieht einen längeren Zeitraum (als nur einzelne Erfahrungen das tun) und stellt viele nette Meinungen auf den Kopf. Es ist wohl eins der besten Bücher über Bewegungen und die Faktoren, die sie beeinflussen (ich kenne kein vergleichbares). Bewegungen kann man nicht machen. Aber man kann sie mit erstaunlicher Leichtigkeit kaputt machen.

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Eine Antwort to “Wie bleiben Bewegungen frisch und wachsend – Gewinner und Verlierer”

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  1. Verlinkte Links #11 » Beitrag » think about - 31 Juli, 2008

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